02.01.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Neuruppiner Klosterkirche: Die große Orgel-Sanierung kann beginnen

Nach fast 50 Jahren im Dauereinsatz muss die Orgel in der Neuruppiner Klosterkirche dringend generalüberholt werden. Die Kirchengemeinde will das nutzen, um sie gleich noch zu erweitern. Die Finanzierung ist noch nicht perfekt, trotzdem können die Arbeiten jetzt beginnen.

Für den Neuruppiner Kirchenmusiker Matthias Noack ist es eine wunderbare Nachricht. Seit weit über einem Jahr bereitet er de dringend nötige Sanierung der großen Orgel in der Neuruppiner Klosterkirche vor, sucht nach Geld, spricht mit Orgelsachverständigen und Orgelbaufirmen und berät sich mit der Denkmalbehörde und den Orgelexperten der Landeskirche. Jetzt endlich kann der Orgelbau beginnen.

„Wir haben alle nötigen Genehmigungen zusammen“, sagt Matthias Noack. Das war ein Knackpunkt in dem Vorhaben. Denn die Neuruppiner Kirchengemeinde will ihre Kirchenorgel nicht nur sanieren – sie soll gleichzeitig auch erweitert werden.

Mitte bis Ende der 70er Jahre ließ die Neuruppiner Gemeinde die damals etwas heruntergekommene Klosterkirche aufwändig sanieren. Das war nur möglich, weil es für die Protestanten in der DDR finanzielle Unterstützung der Landeskirche in Baden gab. Die Klosterkirche wurde zur neuen Heimstatt der Gemeinde, nachdem die Pfarrkirche wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde.

Die Orgel muss bis zur letzten Pfeife aufwändig gereinigt und überholt werden. Das gilt auch für die gesamte Mechanik. Quelle: Peter Geisler

1984 bekam die Klosterkirche eine neue Orgel. Gebaut wurde die von der Firme Sauer aus Frankfurt (Oder). Die rund 200 000 Mark, die damals zur Verfügung standen, reichten aber nicht, um alles zu bauen, was geplant war. „Genau genommen wurde die Orgel nie vollendet“, sagt Matthias Noack. Einige wichtige Klangfarben fehlen bis heute.

Vor allem muss das mächtige Instrument nach 36 Jahren endlich einmal von Grund auf gereinigt und überholt werden. Jahrzehntelang haben sich Staub und schmutz abgesetzt. Die filigrane Mechanik aus feinen Holzleisten und dünnen Metallhaken hat sich verzogen und klemmt. Manche Töne klingen gar nicht mehr, andere eher schlecht als recht.

Nicht alle Probleme lassen sich mit einer schnellen Reparatur lösen. Dafür müsste die Orgel dringend einmal zerlegt werden, um alle Einzelteile säubern und richten zu können, um das Instrument fit zu machen für die nächsten Jahrzehnte.

Die Orgel steht an der Stelle, an der Chor und Hauptschiff der Klosterkirche zusammentreffen. Bei Konzerten können Besucher den Organisten gut sehen. Allerdings ist das Zusammenspiel mit Orchester oder Chor schwierig. Ein zweiter, beweglicher Spieltisch soll das einfacher machen. Quelle: Peter Geisler/Archiv


Das ist derart aufwändig, dass sich die Kirchengemeinde entschlossen hat, mit der Sanierung auch gleich eine Erweiterung zu verbinden. Vorgesehen sind ein paar weitere Klangfarben, sogenannte Register, und einige moderne Spielhilfen, mit denen Organisten künftig auch solche Werke spielen können, die in der Klosterkirche bisher kaum oder gar nicht bewerkstelligen waren.

Rund 350 000 Euro wird das in der Minimalvariante etwa kosten. Einen Teil davon erhofft sich Matthias Noack aus Spenden von Firmen und von einzelnen Unterstützern. Ein Teil dieses Geldes fehlt noch. Trotzdem kann die Kirchengemeinde jetzt schon einmal den Auftrag für Sanierung und Umbau vergeben.

Für die Lücke in der Finanzierung gibt es vorübergehend ein Darlehen der Landeskirche, damit es endlich vorangehen kann. Um diesen Kredit zurückzahlen zu können, rührt Matthias Noack weiter die Werbetrommel bei Sponsoren und Spendern.

2021 soll die Orgel in der Neuruppiner Klosterkirche fertig sein

Die Firma Sauer hat die Orgel gebaut, und sie soll sich auch um deren Sanierung kümmern. Selbst der Orgelbauer, der damals in den 80er Jahren, das Neuruppiner Instrument bei dem Frankfurter Unternehmen entworfen hat, ist diesmal wieder mit von der Partie. Für Matthias Noack ein „echter Glücksfall“.

Bis in der Klosterkirche von den Arbeiten etwas zu sehen ist, wird es noch eine Weile dauern. Jetzt läuft die konkrete Planung, dann werden die neuen Orgelteile in Müllrose bei Frankfurt (Oder) hergestellt, in der Werkstatt aufgebaut und auf Herz und Nieren geprüft. Wenn dort alles funktioniert, werden die Register wieder auseinandergenommen und in Neuruppin endgültig eingebaut.

Das passiert nach den jetzigen Plänen 2021, sagt Matthias Noack. Im Sommer soll das Instrument dann fertig sein.

Von Reyk Grunow

Märkische Allgemeine Zeitung, 02.01.2020
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