08.10.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Notsicherung für Werbigs Kirchturm

Die Sanierung des Werbiger Kirchturms war vor zehn Jahren ein Leuchtturm-Projekt und brachte Menschen zusammen. Nun ist der Turm erneut in Gefahr – und der Förderverein zerstritten.

Der gelb über die sanften Hügel leuchtende Turm der Werbiger Kirche ist ein Wahrzeichen des Ortes. Genau acht Jahre ist es her, dass der damals marode Turm durch das Engagement des eigens für dessen Sanierung gegründeten Fördervereins und mittels zahlreicher Spendenmittel neu aufgebaut werden konnte. Dass der Turm wegen Mängeln am Bau nun erneut dringender Instandsetzungsarbeiten bedarf, sorgt im Ort seit Monaten für Empörung auf der einen, für Resignation auf der anderen Seite. Schuldzuweisungen haben den Förderverein entzweit, der sich nach der Fertigstellung des Turm 2011 anderen Aufgaben widmete.

Handeln ist das Wichtigste

Wichtiger als die Klärung der Schuldfrage ist für die Dahmer Pfarrerin Britta Rostalsky, die seit Anfang 2020 auch für diesen Pfarrbereich zuständig ist, das rasch gehandelt wird. Der Verfall des Bauwerkes müsse gestoppt werden, bevor eine erneute Generalreparatur erforderlich ist. „Ich versuche, zwischen Schuld und Ursache zu unterscheiden. Die Gewährleistungsfrist für die damaligen Arbeiten ist abgelaufen und die Klärung der Schuldfrage bringt uns nicht weiter, auch wenn mir die nüchterne Betrachtung eher gelingt, als den Leuten hier vor Ort“, sagt Rostalsky.

Der Kirchturm hat aufgrund von Nässe Schäden davongetragen. Quelle: Uwe Klemens

So schmuck, wie bei der Wiedereinweihung des Turmes vor acht Jahren, sieht dieser nur noch von der Straßenseite aus. Auf der gegenüberliegenden Westseite sind bereits große Teile des Putzes aus dem ausgemauerten Fachwerk herabgefallen. Dass Feuchtigkeit die Ursache ist, lässt sich am bereits schwarz verfärbten Balken erkennen, der sich nach außen wölbt.

Mehrere Gründe greifen nach Ansicht der Fachleute auf fatale Weise dabei ineinander. Zum einen wurden die Schalluken bei der Sanierungdeutlich größer gefertigt, als sie ursprünglich waren. So gut das für den Klang der Kirchenglocken auch ist, so schlecht ist es wohl für das Klima im Gestühl, da nun deutlich mehr Niederschlag und Luftfeuchtigkeit durch die Luken in den Turm eindringen und sich dort niederschlagen kann. „Im Gegensatz zu jetzt hatte der Turm früher an der Westseite gar keine Luke“, wundert sich Architekt Jan Schwerdtfeger vom Baubüro des evangelischen Kirchenkreises Zossen-Fläming.

Schäden werden von Jahr zu Jahr größer

Das Problem hat sich vielleicht dadurch verschärft, beim Ausmauern des Fachwerks Hohlziegle verwendet wurden. Wer die Entscheidung damals getroffen hat, womöglich um das Gewicht des Turmes zu reduzieren, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Fest steht, dass das Wasser von innen und außen in die Steine dringt und dann im Winter auffriert, so dass die Schäden von Jahr zu Jahr größer werden.

Als erste Sofortmaßnahme wurde nun eine Zimmerer-Firma mit dem Bau einer Konstruktion beauftragt, die die durch die großen Schalluken eindringende Feuchtigkeit auffangen und nach draußen leiten soll. Die Konstruktion entworfen hat Jan Schwerdtfeger selbst. „Das Wichtigste ist, dass dies vor dem Winter geschieht, damit die Schäden nicht noch größer werden. Danach sehen wir weiter“, sagt Rostalsky.

100.000 Euro nach ersten Schätzungen

Obwohl die Fachwerk-Konstruktion nach Schwerdtfegers Ansicht größtenteils noch in Ordnung ist, belaufen sich die ersten vorsichtigen Kostenschätzungen für die Turmsanierung auf 100.000 Euro. Woher das Geld kommt, ist derzeit noch unklar. „Wenn die Notsicherungerfolgt ist, werde ich mir in den alten Unterlagen ansehen, wer damals alles Geld gegeben hat. Denn vermutlich macht es wenig Sinn, bei den selben Spendern noch einmal für den gleichen Zweck anzufragen“, sagt Britta Rostalsky. Dass sich der derzeit wegen des Turms komplett zerstrittene Förderverein erneut zusammenrauft und mit seinen Aktivitäten Spender akquiriert, wäre angesichts der Aufgabe ein Chance.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine Zeitung, 08.10.2020
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