25.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Pfarrerin Beatrix Spreng wird für ihr Engagement gegen rechten Populismus geehrt

Es gab 50 Vorschläge. Zum ersten Mal erhält den 2015 gestifteten Preis eine Einzelperson. Was zeichnet das Engagement der Pastorin aus dem uckermärkischen Joachimsthal aus?

Beatrix Spreng sieht auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Die gebürtige Nordhessin entschied sich vor 26 Jahren, ihre Arbeit bei der Aktion Sühnezeichen gegen eine Pfarrstelle in Joachimsthal einzutauschen. Ein Ort in wunderschöner Seenlandschaft, obendrein garniert mit einer echten Schinkel-Kirche. Aber die Idylle trog. In der Schorfheide gaben damals Jugendliche mit Glatzen den Ton an. Auf dem Campingplatz wurden Baseballschläger ohne Bälle verkauft, und sogar in den Köpfen der Konfirmanden spukte die Vision „einer national befreiten Zone“. 

26 weinende Kinder

„Meine Eltern waren nicht direkt Nazis, aber sie waren verstrickt und sehr schweigend“, erklärt sie ihre Motivation, den Jugendlichen mit offenem Visier zu begegnen. Bald gab es Übergriffe auf die Kirche. Einmal saß Pastorin Spreng mit 26 weinenden Kindern in einem Bus, der von den Nazis bedrohlich geschaukelt wurde. Die Kommunalpolitiker lehnten es aber ab, als „Hochburg des Rechtsextremismus“ bezeichnet zu werden.

Gemeinsame Reisen

Pfarrerin Spreng begnügte sich nicht mit Predigten. „Mit meinem Mann beschloss ich, die Talente dieser Jugendlichen und somit ihr Selbstwertgefühl zu stärken“, sagte sie am Freitag in der Vertretung des Landes Brandenburg in Berlin. Sie gründeten Musikbands, Tanz- und Sportgruppen. Sie fuhren nach Berlin-Kreuzberg und trafen dort Gleichaltrige mit Migrationshintergrund. Sie fuhren gemeinsam mit den Kreuzbergern einmal im Jahr ans Mittelmeer. Schließlich gewährte ihre Gemeinde sogar 17 Flüchtlingen Kirchenasyl. „Das sind wirklich alles Härtefälle, wir haben deren Schicksal intensiv geprüft“, versicherte Beatrix Spreng im Gespräch.

Jakob Hein war in der Jury

Der handfesten, bescheidenen Frau wird deshalb am 11. Oktober, 17 Uhr, im Dom zu Brandenburg der mit 15 000 Euro dotierte Brandenburger Freiheitspreis zuerkannt. Er wird alle zwei Jahre unter Federführung des Domstift Brandenburg vergeben und steht jedes Mal unter einer eng gefassten Themenstellung. Aus 50 eingereichten Vorschlägen entschied eine fünfköpfige Jury, dass die Arbeit von Beatrix Spreng dem Anspruch „Demokratie leben – gegen den Populismus“ am nächsten kommt. Mitjuror Jakob Hein, bekannt als Arzt und Autor vieler unterhaltsamer Bücher, sagte: „Wir hatten zu entscheiden, ob wir eine Organisation oder eine Person ehren. Aber dem Populismus begegnet man am effektivsten auf individueller Ebene.“ 

Für Beatrix Spreng ist die Schorfheide heute eine sichere Heimat. Drei Dörfer von Joachimsthal entfernt will sie ihren Ruhestand genießen. Ihre Arbeit wird von einem Diakon fortgesetzt. Mit dem Preisgeld ist die Arbeit für ein weiteres Jahr gesichert.

Von Karim Saab

Märkische Allgemeine Zeitung, 25.09.2020
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