18.09.2019  –  Märkische Oderzeitung

Restaurierung in Schildow – Der gute Hirte über dem Altar

Die Restaurierung des Schildower Kirchenraums ist vollendet. Andreas Ehrke (kleines Bild) freut sich auf die Einweihung am Sonntag. An den Wänden ist zurzeit eine Ausstellung der Christenlehre-Kinder, zu sehen, die sich mit dem Vaterunser beschäftigt haben. l© Foto: Heike Weißapfel

Wer die Schildower Kirche betritt, wird sofort von der angenehmen Atmosphäre des Raumes eingefangen. Die Sonne lässt die bunten Fenster leuchten. Die Wände sind in einem warmen hellen Ton gestrichen, das ganze Kirchenschiff macht einen einladenden, frisch herausgeputzten Eindruck.

Herzstück ist die Apsis mit dem Altar. Dort hat der Psalm 23 Gestalt angenommen. Als der gute Hirte hält Jesus im Kirchenfenster ein Lamm auf dem Arm, und der Satz „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“, ist nun auch auf der Wand zu lesen. Wie eine ferne Hoffnung, ein Versprechen in die Zukunft, sind die Zinnen, die das himmlische Jerusalem symbolisieren, in dünnen Linien auszumachen.

Mal hier, mal da gekratzt

„Nachdem wir vor etwa zehn Jahren das Turmkreuz und später die Türen restauriert hatten, dachten wir uns, wir müssten den Raum mal streichen“, erzählt Andreas Ehrke. Der 72-jährige Vorsitzender der Gemeindekirchenrats hatte zugleich die Bauleitung übernommen. Vier Jahre sind die ersten Überlegungen her. Doch dann wünschte sich die Denkmalschutzbehörde, dass erst einmal nachgeschaut werde, was sich denn unter dem obersten, kalkig-weißen Anstrich verberge. An verschiedenen Stellen wurde gekratzt und über dem Altar trat die alte Bemalung zutage.

Auch der Kronleuchter, der von der Decke glänzt, war zwar beeindruckend und ehrwürdig alt, aber die Stromanschlüsse aus den 1920er-Jahren und damit nach heutigem Standard uralt. „Die Kabel waren mit Stoff ummantelt, die Drähte zum Teil blank. Wir können froh sein, dass da nie was passiert ist“, sagt Ehrke. Die gesamte Elektroverkabelung der Lichtanlage in dem großen Kirchenraum wurde im Januar 2018 innerhalb von 14 Tagen erneuert. Seither kann der Kronleuchter wahlweise wie bei Kerzenschein strahlen und ebenso für eine gedimmte Beleuchtung sorgen – und ist noch dazu erheblich preisgünstiger im Verbrauch.

Dezente Zinnen Jerusalems

Zu Ostern 2018 wurde das Kirchenschiff mit Ausnahme des Altarraums fertig, dessen Sanierung nun als Letztes in Angriff genommen wurde. Restauratorin Alicia Pasternak hat mit zartem Strich nach den Originalfunden die Zinnen ganz dezent nachgezeichnet. Der ohnehin mit den Jahrzehnten löchrig gewordene blaue Sternenhimmel der Apsis ist mit behördlicher Genehmigung einer Gestaltung mit gemalten Rundbögen gewichen. „Mit Hans Burger von der Landesdenkmalbehörde war es eine sehr gute Zusammenarbeit“, sagt Ehrke. Dabei seien auch Gestaltungsspielräume geblieben.

Einweihung im Jahr 1897

Die Schildower Dorfkirche wurde nach dem Abriss ihrer Vorgängerin Mitte 1896 bis Weihnachten 1897 als Backsteinbau im neugotischen Stil errichtet. Das Gotteshaus bietet etwa 240 Personen Platz. Seit 1995 steht es unter Denkmalschutz. Die Orgel auf der Empore stammt von der Firma Sauer. Die Zinnpfeifen sind schon vor Jahren nach dem ursprünglichen Stil mit Zinnpfeifen wiederhergestellt worden.

„Nun ist die Restaurierung abgeschlossen. Es grenzt an ein Wunder, dass es alles so gut geklappt hat“, sagt Andreas Ehrke, der mit einem strahlenden Lächeln in der geöffneten Kirchentür steht und nach draußen blickt. Die Kosten von 85 000 blieben sogar noch unter dem zuvor geschätzten Preis. „Höchstens die Mauer müsste noch gemacht werden“, fügt er hinzu. Er hofft, dass das Gotteshaus am kommenden Sonntag ordentlich voll wird. Dann sind die Schildower und alle anderen von Pfarrer Bernhard Hasse und Andreas Ehrke eingeladen, die restaurierte Kirche anzuschauen und mit einem musikalischen Festgottesdienst das schöne Haus zu feiern.

Der Gottesdienst beginnt am Sonntag, 22. September, um 10 Uhr. Es erklingt eine Choralbearbeitung von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch der Kanon „Der Herr ist mein Hirte“ wird gesungen. Dabei sind Anna Fey (Sopran), Marit Bien (Mezzosopran), Johannes Hamann (Blockflöte), Lubmilla Talirz und Ursula Platzek (Violine), Helmut Heiss (Viola), Ulrike Neubauer (Violoncello), Konrad Winkler (Orgel) sowie der Kirchenchor Schildow unter der Leitung von Andreas Ehrke. Nach dem Gottesdienst gibt es für die Spender und Helfer einen Empfang.

DIE SCHILDOWER KIRCHE IST GUT 120 JAHRE ALT

Der Grundstein für Schildows Kirche ist am 26. Juni 1896 gelegt worden, nachdem in der alten, baufälligen Kirche am 1. Mai 1896 der letzte Gottesdienst stattgefunden hatte. Am 19. Dezember 1897 wurde der Neubau eingeweiht. Der Ort Schildow zählte zu dieser Zeit 358 Seelen, weiß der Gemeindekirchenratsvorsitzende Andreas Ehrke.

An der aktuellen Restaurierung haben  Alicia Pasternak vom Restaurierungsatelier Tom Zimmermann und Hans Burger vom Landesdenkmalamt Potsdam mitgewirkt. Für die Beleuchtung sorgten das Designatelier Christoph Achtelik sowie Elektromeister Ulfert Richter. Die Restaurierung des Kronleuchters übernahmen Rainer Leonhardt und die Scherler GmbH.  Maik Steinborn hat die Malerarbeiten ausgeführt, den Bauservice lieferte Matthias Tiedt und den Gerüstbau Heiko Meißner.

Die geplanten Kosten von 95  000 Euro wurden nicht nur eingehalten, sondern sogar unterschritten. Sie betrugen am Ende 85 000 Euro. Alleine durch Spenden kamen 20 000 Euro zusammen. Der Kirchenkreis Berlin Nord-Ost übernahm 45 000 Euro, und die Gemeinde Mühlenbecker Land gab weitere 25 000 Euro dazu.⇥hw

Märkische Oderzeitung, 18.09.2019
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