12.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Sanierte Kirche in Steffenshagen wird Stätte der Begegnung

Die Dorfkirche von Steffenshagen ist wieder ein Schmuckstück – am Freitag können das alle sehen, wenn um 14.30 Uhr der Festgottesdienst zur Wiedereröffnung stattfindet. Acht Jahre Mühen haben sich mehr als gelohnt.

Die Steffenshagener Kirche wird nach ihrer Restaurierung wiedereröffnet. Quelle: Susanne Liedtke

Steffenshagen

Es war ihr vielleicht größtes Ziel, und nun hat sie es erreicht: Margit Vogel, Ortsvorsteherin von Steffenshagen (Stadt Pritzwalk), freut sich, dass die Dorfkirche nach gelungener und abgeschlossener Restaurierung und Sanierung wieder eröffnet werden kann. Am Freitag ist es soweit, dann gibt es einen festlichen Gottesdienst in der Kirche mit ihren bunten Ausmalungen, die vor fast einem Jahrhundert der Maler Robert Sandfort gestaltet hat.

Bemalungen gesäubert – sie leuchten wieder

Dabei wurden die bunten Ausmalungen selbst gar nicht komplett erneuert, aber wie alles andere gesäubert. Allein deswegen strahlen sie jetzt wieder. Neu gemalt wurden die Linien, die die Deckenbemalung von den anderen Kirchenwänden absetzen. Das lässt sie noch intensiver leuchten.

Die gesäuberte Deckenbemalung mit den neu gezogenen Abgrenzungslinien leuchtet wieder. Quelle: Susanne Liedtke

„Es ist nichts Neues großartig passiert, aber alles gesäubert“, spielt Margit Vogel zunächst herunter, was dort eigentlich gemacht worden ist, nur um dann die schier endlose Liste doch vorzutragen.

„Ganz viel ist in diesem Jahr passiert“, freut sie sich. Unter anderem wurde der erst 2015 neu eingesetzte Fußboden geschliffen und gestrichen, das gleiche geschah mit den Bänken. Den Vorraum und die Abstellkammer wurden neu ausgemalt, genauso wie der Innenraum der Kirche unterhalb der Bemalungen.

Acht Jahre lang intensiv um die Kirche gekümmert

Auf das Resultat der Sanierung können sich nicht nur die Steffenshagener freuen, sondern auch alle, die sich für die alten Dorfkirchen interessieren. Denn die in Steffenshagen ist ein besonders schönes Beispiel dafür. Die Sanierung der Kirche ist seit 2010 sogar Satzungszweck des Heimatvereins Steffenshagen, dem Margit Vogelvon Beginn an vorsteht.

In den vergangenen acht Jahren haben sich die Steffenshagener intensiv um ihre Kirche gekümmert. Wolf-Dietrich Meyer-Rath vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin/Brandenburg war es, der sie dazu inspiriert hatte, dieses Vorhaben so intensiv zu verfolgen. Ein Konzept legten die Steffenshagener 2012 vor. Im Jahr 2015 wurde dann ein erster Bauabschnitt absolviert. Die Kirche wurde dabei zunächst begast, um den Holzwürmern den Garaus zu machen.

„Die Leute begeistern sich für die Kirche auch als Gebäude“

Dann erhielt sie den neuen Fußboden, auf dem nun die Kirchenbänke stehen. „Das war unser Konzept: die Kirche zur Stätte der Begegnung zu machen, sicherlich für kirchliche Zwecke, aber auch so, dass jeder das Innere genießen kann“, sagte Margit Vogel damals dazu. Und bekräftigt das heute: „Die Gesamtheit der Bewohner soll etwas davon haben. Nur für Gottesdienste hätten wir das nie saniert bekommen“, betont sie. Ein Umstand erleichtere es, die Menschen zur Unterstützung all der Vorhaben rund um die Kirche zu bewegen: „Die Leute begeistern sich für die Kirche auch als Gebäude“, weiß sie.

Dabei haben die gesamten Arbeiten an der Kirche letztlich einen anderen Verlauf genommen, als sich das Margit Vogel und der Kirchgemeinderat ursprünglich vorgenommen hatten. Denn zunächst sollte es ausschließlich um den Innenraum gehen. Die herrlichen Ausmalungen des Berliners Robert Sandfort sollten, so wies es der Förderbescheid auch aus, spätestens Ende 2018 in neuem Glanze erstrahlen – Margit Vogels Traum war es sogar, sie bereits zum Dorffest vor einem Jahr im September schon den Bewohnern präsentieren zu können.

Vor der Innensanierung mussten Risse verschlossen werden

Doch machten Risse in den Kirchenwänden und Probleme mit der Statik ein anderes Vorgehen nötig. Die Risse sind wohl entstanden, weil die Form des Dachs nach dem Brand in der Kirche anno 1921 verändert worden war und dadurch Kräfte mehr zur Seite wirkten. So war es nun wichtiger, die Kirche zu sichern, als im Innenraum weiterzumachen. 

Am Freitag werden sich die Gäste in der Kirche die Klinke in die Hand geben. Quelle: Copyright: Susanne Liedtke (0173) 8792655

90 000 Euro Leaderförderung, die nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen endlich zur Verfügung standen und 75 Prozent der veranschlagten Bausumme decken sollten, wurden erst einmal dafür verwendet. So wurde nun das Dach abgenommen, um ringsum einen Ring-Anker zu spannen, der dem Gebäude die nötige Stabilität geben soll. Für den Zeitraum dieser Arbeiten trug die Kirche ein Notdach, das der Dachdecker Marcel Lublow mit seinen Mitarbeitern aufgesetzt hatte – man wollte jegliche Gefährdung für das Kircheninnere ausschließen.

Steffenshagen feiert Dorf-Ernte-Fest

Das Dorf-Ernte-Fest in Steffenshagen (Stadt Pritzwalk) steht diesmal am kommenden Wochenende im Zeichen der Wiedereröffnung der Steffenshagener Kirche. Dazu gibt es am Freitag, 13. September, um 14.30 Uhr einen Festgottesdienst in dem fertig restaurierten Gotteshaus und anschließend eine Kaffeetafel.

Um 17 Uhr geht mit dem Anschnitt des Schweins am Spieß das eigentliche Dorf- und Erntefest los. Um 18 Uhr folgt ein Konzert in der Kirche mit Diana, Matthias und dem Steffenshagener Kinderchor, gefolgt von einem geselligen Beisammensein im Kirchgarten.

Am Samstag, 14. September, geht es um 12 Uhr mit dem Festumzug weiter. Angeführt wird er vom Pritzwalker Spielmannszug; anschließend wird die Erntekrone aufgesetzt.

Ab 13.30 Uhr spielen die Kyritz Musikanten zur Kaffeetafel zünftige Blasmusik. Um 15.30 Uhr treten die „Sweet Gierls“, Irish Dancer aus Linum, auf. Und um 17.30 Uhr singt noch einmal der Steffenshagener Kinderchor. Natürlich gibt es noch viele weitere Attraktionen für kleine und große Gäste und dann einen nahtlosen Übergang zum Tanz in die Abendsonne mit der Band „Sweet Harmony“ im Festzelt. atz

An der Ostwand wurde mittelalterlicher Putz freigelegt, und das in einem erstaunlich guten Zustand. Teilweise waren die Fügungen aus der Bauzeit der Kirche im 15. Jahrhundert mit Zement überputzt, der im vergangenen Jahr lose abgeschlagen wurde. Die Fugen wurden verfestigt und hohle Stellen in der Wand mittels Spritzen und Kanülen mit Mörtel verfüllt. An den anderen drei Wänden wurde derlei Putz nicht gefunden.

Auch die Fenster der Steffenshagener Kirche mussten erneuert werden. Quelle: Susanne Liedtke

Maurer verschlossen in einem komplizierten Verfahren die Risse im Innern. Schon bis Weihnachten waren verschiedene Putzarbeiten erledigt. Ab April ging es dann weiter. Die Laibungen der Fenster hatten sich als bröckelig erwiesen und wurden außen wie innen erneuert. Das Treppenhaus wurde gemacht, und auch die elktrischen Anschlüsse wurden auf einen neuen Stand gebracht.

Hinter dem Altar wurde die alte, fast verblichene Bemalung wieder hervorgezaubert. Auch das verrostete Kreuz ist jetzt wieder in Schuss. 

Margit Vogel (2.v.l.) zeigt den Mitgliedern des Kirchgemeinderats Schönhagen-Steffenshagen vor dem Altar, was in der Kirche gemacht worden ist. Quelle: Susanne Liedtke

Letztendlich hat sich zwar nicht jeder Traum erfüllt. Eine neue Orgel? Wäre für 60 000 Euro machbar. Aber woher nehmen? Die Arbeiten haben schon diesmal etwas mehr Geld verschlungen als eigentlich veranschlagt. Mit den Einnahmen vom Herbstleuchten, der Solidarität der Kirchgemeindemitglieder untereinander und eventuell ein paar Spenden bei der Einweihung und beim Dorffest hofft Margit Vogel, dies zum Teil auszugleichen. Und: Das erzielte Resultat begeistert: „Alle, die jetzt mal gucken kommen, schwärmen hinterher“, sagt Margit Vogel. Das dürfte am Freitag nicht anders sein.

Von Bernd Atzenroth

Märkische Allgemeine Zeitung, 12.09.2019
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