28.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Sanierung der Kirche in Kietz abgeschlossen

Ohne die politische Wende vor 30 Jahren hätte diese Kirche, die zu DDR-Zeiten im Grenzgebiet lag, wohl keine Zukunft mehr gehabt. Dank des Engagements vieler Einwohner konnte das Gotteshaus nun saniert werden. Der Abschluss der Arbeiten wird am 5. Oktober gefeiert. Und nicht nur das.

Eindrucksvoll erhebt sich die 1894 errichtete Kietzer Kirche auf einer kleinen Anhöhe. Das noch vor 29 Jahren als baufällig deklarierte Gotteshaus ist nun rundum saniert worden. Quelle: Kerstin Beck

Wenn vor 30 Jahren alles so geblieben wäre, wie es war, würde es in dem in der Lenzer Wische gelegenen Kietz an einer exponierten Stelle nur noch einen Friedhof geben – und bestenfalls eine Erinnerung an eine Kirche, die nur rund 100 Jahre existiert hätte.

Nun ist aber bekanntlich alles anders geworden, und so gibt es am 5. Oktober ab 14 Uhr in der Kietzer Kirche einen ganz besonders festlichen Gottesdienst samt Theateraufführung. Und dieses wiederum ist nur durch das Engagement vieler Förderer – aber vor allem der Einwohner – möglich: Denn es ist das Kirchendach komplett fertig gestellt worden und damit die Sanierung des Gotteshauses komplett.

„Wir sind stolz darauf, dass wir es geschafft haben!“ Sigrid Tietz und Eckhart Wendt haben von der „ersten Stunde an“ für den Erhalt der Kietzer Kirche gekämpft. Quelle: Kerstin Beck

Über diesen erfreulichen Anlass heraus gilt es zudem, gleich vier Jubiläen zu begehen: das 125-jährige Bestehen des Gotteshauses, das 20-jährige Bestehen der „Himmlischen Laienspieler der Lenzer Wische, das 20-jährige Dasein des Fördervereines zur Erhalt der Kirche und überhaupt – ohnedem das alles gar nicht möglich gewesen wäre – das 30-jährige Wende-Jubiläum.

„Die Kirche war ja als baufällig eingestuft worden und durfte kaum noch betreten werden“, erzählt Eckhart Wendt aus Wootz. „Als unser Sohn 1994 beerdigt wurde, durfte man schon nicht mehr in den Altarbereich gehen!“

Der Grund: Kietz lag zur DDR-Zeit im Grenzgebiet, und das bedeutete, dass es insbesondere für die Kirche weder Handwerker noch überhaupt Möglichkeiten zur Erhaltung der Bausubstanz gab. 1990 wurde die Kirche als baufällig eingestuft und für Gottesdienste gesperrt. Lediglich Bestattungsfeiern wurden durchgeführt – mit einem im Eingangsbereich abgestellten Sarg.

Nach der Wende wollten sich die Einwohner mit diesem Zustand nicht abfinden. „Hier sind wir schließlich getauft und konfirmiert worden, hier sind unsere Vorfahren getraut und beerdigt worden. Die Kirche ist einfach eine Herzensangelegenheit und gehört zu unserem Leben“ erzählt Sigrid Tietz, die von ihrem idyllischen „Café Wenck­sternburg“ aus auf das Gotteshaus blicken kann.

Die „Himmlischen Laienspieler der Lenzer Wische“ werden am 5. Oktober mit ihrem derzeitigen Erfolgsstück – einer lustigen „Doppeltragödie“ – mit dabei sein. Quelle: Kerstin Beck

Beide sind „Förderer von der ersten Stunde an“. „Da gab es mal eine Jagdversammlung, und da beschlossen wir kurzerhand, einen Förderverein zu gründen, nachdem wir erfahren hatten, dass man mit Hilfe eines solchen Vereines Fördergelder bekommen könnte.“

Das war am 15. Januar 1999 mit 45 Gründungsmitgliedern. Im selben Jahr gelang es dem Verein, sich am ersten Bauabschnitt, der Sanierungvon verfaulten Holzbalken, mit 5000 DM zu beteiligen. Im folgenden Jahr konnte bereits fast das Fünffache dieser Summe für bauliche Sanierung ausgegeben werden.

Briefwechsel mit den Baubehörden gestaltete sich als schwierig

Doch der Briefwechsel mit den zuständigen Baubehörden gestaltete sich als sehr schwierig. Aber auch dort gab es Hilfe – in Gestalt des Bausachverständigen des damaligen Kirchenkreises Perleberg, Andreas Draeger.

„Irgendwann war er auf einmal da, und er hat es uns abgenommen, mit den Ämtern zu streiten“, berichtet Sigrid Tietz, die 15 Jahre hindurch die Geschicke des Vereines und damit auch die der Kirche leitete und heute als Stellvertretende Vereinsvorsitzende sowie als Mitglied des Planungsrates der Kirchengemeinde fungiert. „Sein Einsatz ist beispielhaft, denn ohne ihn wäre es nie zu einer umfassenden Sanierung gekommen.“

Insgesamt mehr als 400.000 Euro verbaut

Und von dem engagierten Perleberger ist zu erfahren: „Auch der Förderverein „Alte Kirchen Brandenburg“ hat in den letzten 15 Jahren finanziell im Rahmen seiner Möglichkeiten mit mehreren Beträgen – insgesamt etwa 10.000 Euro- geholfen, aber vor allem durch zahlreiche Publikationen über die Kirche und das Baugeschehen. Letztmalig im Heft „Offene Kirchen 2019“.

In mehreren Bauabschnitten sind mit etwa 405.000 Euro Dach, Fundament und Fenster sowie der Innenraum saniert worden. Beteiligt haben sich mit Spenden dafür die Kirchengemeinde Lenzerwische und Mödlich, der Landkreis, die Landeskirche die Stiftung KiBa, die DSD, die Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Prignitz, die Kommune Lenzerwische sowie der Förderkreis Alte Kirchen und natürlich viele Einwohner.

Von Haus zu Haus mit einem Plan gewandert

Michael Tietz wanderte dafür sogar von Haus zu Haus, mit einem Plan der Fenster und der Bitte: „Wenn Sie spenden möchten, können Sie gern entscheiden, welchem Fenster Sie damit konkret helfen möchten!“

Längst gibt es wieder Gottesdienste und dazu gut besuchte kulturelle Ereignisse zum „Prignitzsommer“, in denen die außergewöhnliche Akustik des Gebäudes zum Einsatz kommt.

Im kommenden Jahr wird es zum Tag des offenen Denkmals eine offene Kirche in Kietz mit wiederum einer besonderen Veranstaltung geben: „Dann werden wir das inzwischen restaurierte Patronatsgestühl präsentieren können; zusammen mit Mitgliedern der ehrwürdigen Familie von Wenckstern, die hier über Jahrhunderte das Patronat innehatte, und die dafür bereits eine hohe Spende gegeben hat“, berichtet Sigrid Tietz.

Von Kerstin Beck

Märkische Allgemeine Zeitung, 28.09.2019
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