01.12.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Sanierung mit Überraschungen: Fahrlands Kirchturm hat seine Spitze zurück

Spektakulärer Handwerker-Einsatz in Potsdams Ortsteil Fahrland: Per Kran wurde die sanierte Dachspitze wieder auf den Kirchturm gesetzt. Während der Sanierung gab es spannende Entdeckungen.

Am Dienstag, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, war es soweit: Nachdem auch der goldene Stern wieder an seinem Platz war, hatte die Fahrländer Kirche ihre restaurierte Turmspitze zurück. 

Vier Monate stand das Gotteshaus „oben ohne“ da, nachdem sich ein vermeintlich kleiner Sturmschaden an einem Blech des Turmhelmes als größer erwies. „Was wir von unten nicht sehen konnten“, erinnert sich Pfarrer Jakob Falk, habe der Dachdecker von einem Gerüst aus erkannt: gelöste Ziegel am Dach, Turmhelm und Spitze beschädigt, auch der Wetterfahne hatten die Jahreszeiten zugesetzt. 

Die Turmspitze hebt ab.

Die Turmspitze hebt ab. Quelle: Bernd Gartenschläger

Deshalb habe man sich entschieden, die komplette Turmspitze zu sanieren. Neue Ziegel für das Dach, eine neue Kupferverkleidung für die Dachlaterne und eine neue Wetterfahne sind das Ergebnis. Eine fünfstellige Summe haben die Fahrländer investiert. Für den Großteil der Sturmschäden kam die Versicherung auf.

Dachdecker Kreuzmann war aufgeregt

Alle Arbeiten wurden von Hand von Dachdecker Mike Kreuzmann aus Etzin ausgeführt. Der Einzelunternehmer begleitet die Pfarrgemeinde schon länger, ist immer im Einsatz, wenn es etwas zu reparieren gibt. Der große Auftrag, den er nun abgeschlossen hat, war jedoch etwas Besonderes. „Ich bin seit Tagen aufgeregt, habe schlecht geschlafen“, bekennt Kreuzmann, während er im Kirchhof auf seinen Einsatz auf dem Dach wartet. Dort oben sind zwei Dachdeckermeister der Firma Uwe Wegener mit letzten Arbeiten beschäftigt.

Dachdeckermeister Mike Kreuzmann (50) mit der neuen Wetterfahne.

Dachdeckermeister Mike Kreuzmann (50) mit der neuen Wetterfahne. Quelle: Bernd Gartenschläger

Per Krangondel geht es für den Etziner an diesem Tag mehrere Male immer wieder hoch und runter. Erst kommt die Fangstange nach oben. Sie dient als Blitzschutz. Dann folgen die kupferne Dachlaterne, Kugel, Wetterfahne und zum Schluss der Stern. 

Neue, aktuelle Inhalte für die Kugel

Noch bis 17 Uhr am Vorabend, erzählt Kreuzmann, habe er an der Kugel gearbeitet. Sie ist ohnehin etwas Besonderes. Nach der Demontage der Kirchturmspitze im August war dem Fachmann ein Klappern in der Kugel aufgefallen. Beim späteren gemeinsamen Öffnen in seiner Werkstatt – Kreuzmann hatte an diesem Tag Pfarrer Jakob, den Bauhistoriker Thomas Sander und Simone Henning von der Unteren Denkmalschutzbehörde eingeladen – kam eine Kapsel mit in Ölpapier getränkten Dokumenten zutage. Was sich genau in diesem Papier befindet, wird zurzeit noch in einem Labor analysiert.

Das heißt nicht, dass die Kugel nun leer geblieben ist. Bereits in der vergangenen Woche durfte Kreuzmann sie wieder befüllen. In einer Schatulle, die er von Pfarrer Falk bekam, befinden sich aktuelle Tageszeitungen und Briefe an die zukünftige Generation. Geschrieben haben die Briefe die derzeitigen Konfirmanden der Gemeinde. 

Die Turmkugel wurde geöffnet: Darin waren alte Dokumente. Mit neuem Inhalt wurde sie wieder aufgesetzt.

Die Turmkugel wurde geöffnet: Darin waren alte Dokumente. Mit neuem Inhalt wurde sie wieder aufgesetzt.Quelle: Bernd Gartenschläger

Was die Fahrländer nach Abschluss der Untersuchungen mit den alten Dokumenten machen werden, ist offen. „Das hängt auch davon ab, wie wertvoll die Dinge sind“, erklärt Falk. „Sind sie bei der letzten Renovierung in den 1980er Jahren in die Kugel gekommen oder bereits in den 1930er Jahren. Oder sind sie noch älter?“ Die Kirche wurde 1709 erbaut.

Wie auch immer, Falk kann sich vorstellen, die Dokumente auszustellen. So wie die alte Wetterfahne einen Platz in der Kirche bekommen hat.

Am Dienstag freute sich der Pfarrer erst einmal über seine neue Kirchturmspitze. Den ganzen Tag über konnte er aus seinem Fenster im Pfarrbüro bei den spektakulären Arbeiten zuschauen und war vor allem beeindruckt, wie es den Männern aus der sich bewegenden Gondel heraus gelang, Präzisionsarbeit zu leisten. „Es ist ein schönes Gefühl für mich, unsere Kirche wieder gut behütet zu sehen“, sagte er. 

Friedrich I. und Fontane in Fahrland

Die Kirche in Fahrland wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

Unter Friedrich I. wurde sie im Jahr 1709 weitgehend neu errichtet. Auf den mittelalterlichen Vorgängerbau weisen noch die von innen sichtbaren Feldsteine im Turmsockel sowie die Außenwand des Ostgiebels hin.

Bereits 1774 erhielt der Turm das bis heute charakteristische ziegelgedeckte Dach.

In den Jahren 1930 und 1931 wurde die Kirche umfangreich saniert. Finanziert hat die Sanierung der Berliner Industrielle Carl Friedrich von Siemens. Er hatte seinen Landsitz in Neu Fahrland.

1869 besuchte Fontane bei seinen Wanderungen durch die Mark Fahrland. Die Kirche empfand er als einen „schmucklose(n) Bau, in dem direkte Überreste alter Gotik so geschickt bekalkt und bemörtelt sind, daß nichts übriggeblieben ist als Wand und Fenster und der Unterbau eines Turms. Auch das Innere wirkt nüchtern. Aber der Kirchhof ist nicht ohne Interesse, besonders an der schattigen Stelle, wo er seinen Rasen in einen durch Kirche und Sakristei gebildeten Winkel einschiebt.“ 

Von Elvira Minack

Märkische Allgemeine Zeitung, 01.12.2020
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