19.03.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Schinkel-Kirche in Großbeeren wird 200 Jahre alt

Zu besonderen Geburtstagen gibt es besondere Geschenke. Das will auch die Evangelische Kirchengemeinde Großbeeren so halten. Am 4. September will sie ein ganz besonderes Geschenk in Hessen abholen.

Wieder gibt es in Großbeeren einen 200. Geburtstag zu feiern. Nach der siegreichen Schlacht gegen Napoleons Truppen 1813 und dem Jubiläum von 2013 wird nun ein architektonisches Kleinod 200 Jahre alt, das sich auch viele Besucher von außerhalb in dem geschichtsträchtigen Ort nahe der Grenze zu Berlin anschauen: die markante gelbe Kirche des berühmten Baumeisters und Architekten Karl Friedrich Schinkel. Doch wie kam vor zwei Jahrhunderten solch ein Gebäude in das kleine Dorf Großbeeren?

Der Ort hatte eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Feld- und Backstein-Kirche. Die wurde im Siebenjährigen Krieg (1756-63) in der Nacht zum 10. Oktober 1760 von russischen und österreichischen Truppen niedergebrannt. Seither verfiel die Ruine, Gottesdienste wurden andernorts abgehalten. Dann tobten auf dem Kontinent die Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft. Nach ihrem Ende befahl Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. 1816, an den Stätten der Hauptschlachten dieser Kriege gleich gestaltete Denkmäler zu errichten.

Seit 200 Jahren steht die Schinkel-Kirche in Großbeeren. Für das Jubiläumsjahr 2020 haben sich die Kirchengemeinde um Pfarrer Christian Manntz und andere Großbeerener einiges einfallen lassen für ihr überregional bekanntes Kleinod.
Quelle: Jutta Abromeit

Erster Entwurf war dem König zu teuer

Stadtplaner und Baumeister Schinkel gab diesen Kirchen die Form gotischer Fiale – schlanke, spitz zulaufende Türme. Anstelle einer Kreuzblume tragen sie Eiserne Kreuze. Zum Siegesfest 1817 wird in Großbeeren ein Denkmal feierlich eingeweiht und bekanntgegeben: Die zerstörte Kirche wird wieder aufgebaut. Schinkel entwickelte aus quadratischem Grundriss einen massiv gewölbten Raum mit Vierungsturm. Ebenso wie das Äußere sollte das Innere außergewöhnlich sein, der Meister plante den Altar mitten unter dem Gewölbe. 

„Doch diese Kirche war dem König zu teuer“, erklärt Pfarrer Christian Manntz. Eine vom Königs Wusterhausener Bauinspektor Friedrich Albert Eytelwein abgespeckte Variante lehnte dann der Kreis Teltow ab – sie war ihm nicht repräsentativ genug, würde eher Gartenarchitektur ähneln, heißt es in historischen Schriften. Gebaut wurde schließlich eine von Schinkel selbst überarbeitete Variante seines Entwurfs.

Sylvia Scherb setzt „Herrn Schinkel“ vor die Tür

Zeichnungen seiner Ursprungsidee finden Interessierte zurzeit auf dem Rasen an der Kirche: Dort sitzt eine Schinkel-Puppe unterm Zeltdach, neben ihr auf einer Bank wetterfest verpackte Zeichnungen, daneben in verschlossener Vitrine zwei Schinkel-Bücher. Den Einfall, die Kirchengeschichte, das Jubiläum und den großen Baumeister so sichtbar zu präsentieren, hatte Silvia Scherb vom Gemeindekirchenrat im Ortsteil Heinersdorf. Sie stellte auch „Herrn Schinkel“ zur Verfügung und organisierte diesen Pavillon.

Die Großbeerener feiern den 200. Geburtstag ihrer Kirche das ganze Jahr über. So veröffentlicht die Kirchengemeinde jeden Monat eine von „Zwölf Notizen aus der Provinz“. „Das sind fiktionale Geschichten, in denen historische Fakten verwoben sind“, so Pfarrer Manntz. Für den 17.Mai planen die Evangelisten ein Essen wie zu Schinkels Zeiten, bei schönem Wetter vor der Kirchentür; „falls das dann wegen Corona schon wieder geht“, so der Kirchenmann.

Geburtstagsjahr mit viel Historie

Nach dem bisherigen Geburtstagsplan für 2020 soll es am Pfingstsonntag, dem 31. Mai, wieder einen großen Freiluftgottesdienst geben, mit einem Mitsingkonzert. Für den 13. Juni ist ein Konzert mit dem Gemischten Chor Großbeeren und historischen Szenen geplant. „Außerdem ist der polnische Organist Michal Markuszewski für den 11. Juli eingeladen, er spielt Musik aus der Zeit von damals“, sagt Pfarrer Manntz.

Das Geburtstagsgeschenk der Kirchengemeinde soll ein neues Geläut sein: Ursprünglich ertönten in der Schinkel-Kirche drei Glocken. Doch auch sie überlebten den 10. Oktober 1760 nicht, aus den im Feuer geschmolzenen Glocken-Trio wurden zwei neue hergestellt; sie hingen in einem Holz-Glockenstuhl. 1890 bekam die größere der beiden einen Sprung, sie wird im Märkischen Museum Berlin bewahrt. Die Großbeerener Kirche bekam ein Dreiklang-Geläut aus Gussstahl. Christian Manntz erzählt: „Wir haben drei neue Bronze-Glocken in Auftrag gegeben. Am 4. September werden sie in Sinn bei Frankfurt/Main gegossen. Wir wollen dort an diesem Tag eine Glocken-Andacht feiern.“

Glockenweihe nah dem Tag der Zerstörung 1760

Den großen Festgottesdienst mit Glocken-Weihe plant die Kirchengemeinde für den 11. Oktober, dem Sonntag nah dem Zerstörungstag 1760. Predigen soll Christian Stäblein, der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. des weiteren ist dieses Jahr eine Kunstaktion für Schüler geplant, bei der es um Fotos, Bilder und Zeichnungen zur Schinkel-Kirche geht mit Vernissage zum Erntedankfest, so Pfarrer Manntz. Nicht nur er ist gespannt, was angesichts des Coronavirus im Jubiläumsjahr übrig bleibt. Doch auch ohne Feiern steht für ihn fest: „Das ist eine Kirche, die aus dem Dorfgefüge heraussticht. Unter den Dorfkirchen der Region ist sie ein besonderer Bau. Er geht über die Religiosität hinaus und ist aktiver Bestandteil unseres Dorfes.“ 

Von Jutta Abromeit

Märkische Allgemeine Zeitung, 19.03.2020
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