19.11.2019  –  Märkische Oderzeitung

Spendenaktion sammelt für Lausitzer Dorfkirche

Die Kirche von Groß Jehser: Der Feldsteinbau aus dem 15. Jahrhundert wurde um 1700 zu einer barocken Patronatskirche umgebaut.© Foto: BLDAM

Vor elf Jahren fing alles an mit einer Spendenaktion für Taufengel. Unter dem Motto „Menschen helfen Engeln“ wurde damals im Advent Geld gesammelt, um bedrohten sakralen Kunstwerken Aufmerksamkeit zu verschaffen und ihre Restaurierung zu unterstützen. In diesem Jahr soll wieder Engeln geholfen werden, aber nicht nur ihnen. Landeskonservator Thomas Drachenberg stellte am Montag in Potsdam die reiche Ausschmückung der Dorfkirche von Groß Jehser bei Calau (Oberspreewald-Lausitz) vor.

Der Feldsteinbau aus dem 15. Jahrhundert wurde um 1700 durch die umliegenden Adelsfamilien zu einer barocken Patronatskirche umgebaut. Unter anderem die vier zweistöckigen Logen für die Gutsherren, das Orgelprospekt und der geschnitzte Altar, vor allem aber die wertvollen Epitaphien (Grabdenkmale) sind laut Drachenberg vom Zahn der Zeit angenagt. Holzfraß, Abbrüche von Schnitzwerk und abblätternde Farben bedrohen die Kunstwerke.

Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förerkreises Alte Kirchen, erklärte, dass mit den Spenden weitere Fördermittel eingeworben werden sollen. Die jährlichen Spendenaktionen seien Initialzündung für langjährige Restaurierungen und Pflege. So wurden vor zwei Jahren für die Herz-Jesu-Bilder in der Dorfkirche im uckermärkischen Kunow 27 000 Euro eingenommen. Damit konnten zehn der insgesamt 60 Gemälde des einzigartigen Bilderzyklus restauriert werden.

Mit den sichtbaren Zeugnissen der Erneuerung sollen nun weitere Spender für Kunow gefunden werden, so Janowski. Ähnlich könnte es auch in Groß Jehser laufen. Allein für zwei besonders bedrohte Grabdenkmale werden laut Drachenberg 30 000 Euro benötigt. In der Datenbank der evangelischen Landeskirche sind 239 denkmalgeschützte Inventarstücke aufgeführt, ein Großteil davon ist wegen starker Schäden in den Gutsherrenlogen eingelagert.

Drachenberg schätzt, dass für die Restaurierung all dieser Gegenstände mehr als 100 000 Euro benötigt werden. Matthias Hoffmann-Tauschwitz, der ehemalige Leiter des Bauamtes der Landeskirche, geht davon aus, dass bei 95 Prozent des Kircheninventars in Brandenburg dringender Handlungsbedarf besteht.

Kulturministerin Martina Münch (SPD) erklärte, dass in den vergangenen 30 Jahren die Rettung der rund 300 Stadt- und 1500 Dorfkirchen im Vordergrund stand. Es sei gelungen, kein einziges dieser Denkmäler zu verlieren. Jetzt müsse das Augenmerk auf die Ausstattung gelegt werden, die wie in Groß Jehser von der barocken Gedächtnis- und Bestattungkultur zeugt. Hoffmann-Tauschwitz verwies darauf, dass in Groß Jehser auch noch die alte Kirchenbestuhlung erhalten ist, die die Männer der umliegenden Dörfer deutlich nach ihrem Stand sortierte. Frauen und Kinder nahmen generell die einfachsten Plätze ein.

Märkische Oderzeitung, 19.11.2019
Zur Kirche
Dorfkirche Groß Jehser im Pressespiegel
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