21.12.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Turm der Zixdorfer Kirche außerplanmäßig gerettet

Die Hüllensanierung des Gotteshauses im Südzipfel verlief unerwartet. Sogar Fledermäuse bekamen ihr Recht. Für die Arbeit innen fließt noch mal Geld aus dem Kreisdenkmalfonds.

Der Turm der Zixdorfer Kirche ist nicht länger vom Einsturz gefährdet. Zu Weihnachten findet dennoch kein Gottesdienst darin statt. So bleibt es zunächst den an der Rettung direkt Beteiligten vorbehalten, sich darüber und über den Abschluss der Hüllensanierungallgemein freuen. Sie verlief letztlich ein wenig unerwartet.

„Das Vorhaben war umfangreicher als wir uns das am Anfang vorgestellt haben“, berichtet Wolfgang Lubitzsch. Als Gemeindekirchenrat hat er immerhin schon 2016 seine Erfahrungen bei der Herrichtung des Gotteshauses in Garrey gesammelt.

Erster Eindruck täuscht

Immerhin: Von der Corona-Krise weitgehend unberührt konnten dank im Wortsinne tiefgreifender Vorbereitung die Arbeiten jetzt reibungslos ausgeführt werden.

Die Hülle der Zixdorfer Kirche ist 2020 saniert worden. Das Fundament musste stabilisiert werden.

Die Hülle der Zixdorfer Kirche ist 2020 saniert worden. Das Fundament musste stabilisiert werden. Quelle: René Gaffron

Während bei der Verstärkung des Fundamentes am Vorbau keine spektakulären archäologischen Funde ans Tageslicht gefördert wurden, blieb der fachmännische Blick der Statiker auf und vor allem in das Gebäude nicht ohne Konsequenzen. Denn die Standsicherheit des Turms konnte nicht garantiert werden. Das hat die Analyse der Krekeler-Architekten aus Brandenburg an der Havel ergeben.

Demnach schien die Konstruktion nur auf den ersten Blick gut erhalten. Doch die Holznägel des Fachwerkes waren in sehr schlechtem Zustand, so dass teilweise doch einige Balken ausgetauscht und das Gefache dann neu ausgemauert wurden.

Nicht zuletzt dank der Kollegen von der Quedlinburger Dombauhütte konnte der Turm der Zixdorfer Kirche gerettet werden. Nächstes Jahr stehen die Innenarbeiten auf dem Plan.

Nicht zuletzt dank der Kollegen von der Quedlinburger Dombauhütte konnte der Turm der Zixdorfer Kirche gerettet werden. Nächstes Jahr stehen die Innenarbeiten auf dem Plan. Quelle: René Gaffron

Außerdem wurden das Dach mit den hierzulande einzigartigen Klosterziegeln eingedeckt, die Feldsteinmauern mit einer 2-Komponenten-Schlempe verfugt und ein Blitzableiter gesetzt.

Behörden waren kooperativ

Obwohl die Behörden insgesamt sehr kooperativ gewesen seien, musste im Frühjahr noch eine Verzögerung bei der Baufreigabe hingenommen werden. Ehe begonnen werden durfte, galt es einen anderen Schutzbedarf zu beachten. Denn Fledermäuse haben im Turm ihr Quartier eingerichtet. Für den Fall, dass sie dort Nachwuchs aufziehen, wurde ihnen noch Ruhe bis August eingeräumt.

Inzwischen sind die Gerüste demontiert: Knapp 180.000 Euro wurden dieses Jahr in Zixdorf für die Realisierung des ersten Bauabschnittes eingesetzt. Ein halbes Dutzend Geldgeber hat die Evangelische Kirchengemeinde für das Vorhaben gefunden. Dazu zählt einmal mehr der Kreis Potsdam-Mittelmark.

Geld für 44 Denkmale

Insgesamt hat das Landratsamt in diesem Jahr 44 Vorhaben aus seinem Budget unterstützt. „Der Schwerpunkt liegt im ländlichen Raum, hauptsächlich bei der Sanierung von Dorfkirchen“, sagt Sachgebietsleiter Gernot von Arend. „Im vergangenen Jahr konnten 37 von 58 Anträgen berücksichtigt werden.“

Seit der Aufstockung 2012 beträgt das Jahresbudget 300 000 Euro. Obendrein wirkt das Programm konjunkturfördernd. Da war bereits 2010 bei der Einführung des Fonds erklärtes Ziel, damit nicht nur die Gebäude, sondern hiesige Unternehmen davon profitieren. In der Regel sind es hiesige Planungsbüros und Handwerksbetriebe, die in den Genuss der Subvention kommen und ihr Profil somit schärfen können.

Anträge bis 31. Dezember

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat seit 2002 ein Förderprogramm zur Denkmalpflege. Jährlich werden 300 000 Euro für den Zweck reserviert.

In dieser Zeit wurden fast vier Millionen Euro bereit gestellt. Damit wurden Investitionen von 35 Millionen Euro initiiert, weiß die Fachbehörde zu berichten.

Geld gibt es auch für dei Bodendenkmalpflege. 2020 an zehn Orten.

Noch bis 31. Dezember können Anträge für das nächste Jahr gestellt werden. Die Umsetzung des Vorhabens 2021 sollte realistisch sein.

Nähere Informationen auf der Internetseite www.potsdam-mittelmark.de.

Kontinuität ist ein weiteres Anliegen des Fonds. Insofern dürfen sich die Zixdorfer Protagonisten berechtigte Hoffnung machen, für die Fortsetzung der Arbeiten im nächsten Jahr etwas Geld zu erhalten. Dann stehen die Installation von Elektro-Anlage, samt Läutwerk und Beleuchtung sowie die Restaurierung von Altar, Kanzel, Taufbecken und Pfarrstuhl auf der Agenda. Krönender Abschluss soll die Wiederherstellung der mehr als 100 Jahre alten vielfarbigen Innenausmalung im Gewölbe werden.

Von René Gaffron

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.12.2020
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