08.10.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Turmuhr der Jakobikirche in Luckenwalde ist technisches Denkmal

Ulrich Kappes hat eine elfseitige Beschreibung der Turmuhr der Luckenwalder Jakobikirche verfasst, die an das brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege ging. Jetzt wurde die Uhr der Kirche in die Denkmalliste aufgenommen.

Ulrich Padur, Ulrich Kappes und Jens Bärmann (v. l.) an der alten Turmuhr, die als technisches Denkmal gewürdigt wurde. Quelle: Margrit Hahn

Die Freude in der Evangelischen Kirchengemeinde Luckenwalde ist groß. Die Turmuhr der Jakobikirche wurde als technisches Einzeldenkmal in die Denkmalliste des Landes aufgenommen. Zu verdanken ist dies vor allem Ulrich Kappes, Pfarrer im Ruhestand, der im Auftrag des Gemeindekirchenrates eine Beschreibung der Turmuhr vorgenommen hatte, indem die Wertschätzung der Uhr begründet wird.

Die ehemalige Luckenwalder Pfarrerin Stephanie Hennings hatte bereits im November vergangenen Jahres einen Antrag an das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege gestellt und um Würdigung der Turmuhrgebeten. Die mechanische Uhr ist in der Region und im Land Brandenburgtechnisch einzigartig und eine wirkliche Besonderheit.

Luckenwalder Uhr war in Chicago

Die mehr als 125 Jahre alte Turmuhr stammt aus der traditionsreichen Werkstatt von C.F. Rochlitz in Berlin und ist allein schon aus historischen Aspekten sehr wertvoll. Die Firma hatte unmittelbar nach der Grundsteinlegung der Kirche 1892 den Auftrag zur Herstellung der Turmuhr erhalten und die Uhr bis zum Januar 1893 hergestellt. Anschließend wurde sie nach Chicago gebracht und auf der Weltausstellung präsentiert. Dem deutschen Katalog der Weltausstellung kann man entnehmen, dass die Turmuhr nebst Zifferblatt an der Hinterfront des Turmes am Deutschen Haus (dem zentralen Ausstellungsgebäude Deutschlands) in Chicago installiert wurde. Das bedeutet, dass die Uhr definitiv keinen Verteilermechanismus auf vier Ziffernblätter, wie später in Luckenwalde besaß. Das Zahnradwerk der Übertragung auf vier Ziffernblätter muss also nachträglich eingebaut worden sein.

Das Originalschild befindet sich immer noch an der Uhr. Quelle: Margrit Hahn

 Im vergangenen Jahr hatte der Gemeindekirchenrat mit viel Geld und Mühe eine Nachtabschaltung der Turmuhr installieren lassen. Grund dafür waren Beschwerden von Anwohnern.

Der Einbau war besonders schwierig. Zuerst waren falsche Motoren montiert worden. Daraufhin mussten neue bestellt und eingebaut werden. Die Firma Walter aus Luckau hatte letztendlich dafür gesorgt, dass es funktioniert. Die Motoren für die Nachtabschaltung wurde unter die Decke verfrachtet, sodass man sie nicht sehen kann und das Hauptaugenmerk auf das schöne alte Uhrwerk gerichtet wird.

Aktive Mitglieder des Fördervereins

Die laufende Wartung erfolgt durch Mitglieder des Fördervereins wie Otto Wettstein und Wolfgang Schiller. Vor allem aber Ulrich Padur aus Luckenwalde steigt mindestens einmal im Monat die 192 Treppenstufen hinauf, um nach dem Rechten zu schauen. Er sorgt dafür, dass die genaue Uhrzeit angezeigt wird und der Glockenschlag erfolgt. Das Ölkännchen steht neben dem zwei Meter langen Uhrwerk. Ab und zu muss auch eine Schraube nachgezogen werden. Auch das ist für Ulrich Padur kein Problem.

Die Uhren werden mit Gewichten aufgezogen. Für den Stundenschlag sind allein 240 Kilogramm erforderlich. Wenn ein Gewicht hochgezogen wird, darf nicht zur selben Zeit der Viertel- oder Stundenschlag einsetzen, ansonsten würde das Uhrwerk Schaden nehmen. Deshalb und auch wegen der Nachtabschaltung musste eine hochwertige Zeitschaltuhr eingebaut werden. Von 21 Uhr bis früh um 7 Uhr wird der Stundenschlag ausgesetzt.  

Engagement gewürdigt

„Die Jakobikirche in Luckenwalde ist als Gebäude bereits in der Denkmalliste aufgeführt. Mit der Turmuhr haben wir jetzt ein Denkmal im Denkmal“, sagt Jens Bärmann vom Gemeindekirchenrat. Er lobt das Engagement von Ulrich Kappes. „Wir brauchen solche Akteure, die mit Herzblut bei der Sache sind. Wir brauchen Menschen, die dafür Verständnis haben und Zeit und Mühe investieren “, so Bärmann.

Größtes Uhrwerk

In der Region des Niederen Fläming gibt es vier größere mechanische Turmuhrenwerke: in der Kirche Sankt Nikolai in Jüterbog, der Paul-Gerhardt-Kirche in Ragow, der Kirche in Langenlipsdorf und eben der Jakobikirche. Die Turmuhr der Jakobikirche aus dem Jahr 1893 ist die älteste mechanische Turmuhr im Niederen Fläming mit dem größten Uhrwerk.

Von Margrit Hahn

Märkische Allgemeine Zeitung, 08.10.2019
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