26.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Über eine Million Euro für Neuruppins Klosterkirche

Die Fenster sind undicht, die Stromleitungen uralt: Die Kirchengemeinde will erneut weit über eine Million Euro in die Sanierung der Neuruppiner Klosterkirche stecken. 2021 sollen die Arbeiten beginnen.

Die evangelische Kirchengemeinde investiert in den nächsten zwei Jahren erneut rund 1,4 Millionen Euro in die Sanierung der Neuruppiner Klosterkirche. Das ist dringend nötig, um den Bau aus dem 13. Jahrhundert auf Dauer erhalten und nutzen zu können.

Das Geld fließt unter anderem in die Sanierung der Seitenfenster im Chorraum, dem ältesten Teil der Kirche. Seit Jahren sind die Fenster undicht. Im Winter zieht es, bei Regen wird das Wasser oft durch die offenen Ritzen nach innen gedrückt. „Die Fenster müssen komplett neu verbleit werden“, sagt Gregor Hamsch, der als Geschäftsführer die Arbeit der Gesamtkirchengemeinde Ruppin seit einigen Jahren unterstützt. Den vorhergehenden Bauabschnitt der Sanierung hat allerdings noch eine seiner Vorgängerinnen betreut. Pfarrerin Ilona Kretzschmar hatte 2011 die Sanierung der beiden Kirchtürme begleitet und im Jahr darauf die des Daches auf dem Kirchenschiff.

Die Türme der Klosterkirche Neuruppin auf einem historischen Foto aus den 1970er Jahren. Quelle: privat

Damals wurden auch die auffallenden bunten Fenster hinter dem Altar saniert. Die Glaskünstlerin Gisela Heyer hatte sie in den 50er Jahren extra für die Neuruppiner Klosterkirche entworfen und dabei Motive des Jüngsten Gerichts verarbeitet.

Mehr als eine Million Euro hatte die Kirchengemeinde 2011 und 2012 investiert. Für die arg mitgenommenen Seitenfenster mit ihrer schlichten grauen Färbung im Chorraum reichte das Geld nicht mehr.

Die Gemeinde Ruppin hat viele Kirchen

Schon damals, vor acht Jahren, war klar, dass die Arbeiten an dem Wahrzeichen von Neuruppin längst nicht beendet sind. Nur ist die Klosterkirche nicht die einzige, für die dringend Geld gebraucht wird. Zur Gesamtkirchengemeinde gehören schließlich auch die Kirchen in Storbeck, Krangen, Alt Ruppin, Wuthenow, Treskow und Bechlin. Viele haben Sanierungsbedarf und einen Anspruch darauf, dass auch sie nicht vergessen werden.

Jetzt können die Arbeiten in Neuruppin aber weitergehen. Und sie müssen es auch, wenn tatsächlich ab 2021 die Orgel überholt und erweitert werden soll, wie es derzeit geplant ist.

Das Wahrzeichen von Neuruppin

Die Klosterkirche St. Trinitatis ist das älteste erhaltene Gebäude in Neuruppin. Ihr Bau begann vor 1250.

Die Kirche war Teil des Dominikanerklosters, das Gebhard und Wichmann von Arnstein in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert am Ufer des Ruppiner Sees gründeten.

Im Jahr 1256 wurde der Stifter des Baus, Gebhard von Arnstein, in der Kirche bestattet. Die umfasste ursprünglich den Teil, der als Chor genutzt wird, seit die Klosterkirche im späteren 13. Jahrhundert deutlich vergrößert wurde. Wichmann von Arnstein wurde der erste Abt des Klosters. Um ihn ranken sich bis heute viele Legenden. Er gilt als bedeutender Mystiker seiner Zeit.

Mit Einzug der Reformation wurde die Kirche 1564 zur evangelischen Pfarrkirche geweiht. Die restliche Klosteranlage verfiel im Laufe der Zeit, bis sie im 19. Jahrhundert endgültig abgetragen wurde.

Nach einer umfassenden Sanierung nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels wurde der Ziegelbau 1841 im Beisein König Friedrich Wilhelm IV. wieder eingeweiht.

Ihre markanten Zwillingstürme bekam die Klosterkirche erst Anfang des 20. Jahrhunderts.

Zwischen 1974 und ’78 wurde die Kirche erneut aufwändig saniert. Damals entschied die evangelische Gemeinde, die Pfarrkirche in der Stadt wegen Einsturzgefahr aufzugeben und komplett in die Klosterkirche umzuziehen.

Eine frühere Orgel war so marode, dass sie Anfang der 1980er Jahre durch einen Neubau der Firma Sauer am Übergang von Chor zum Kirchenschiff ersetzt wurde. Die Orgel war eigentlich größer geplant, konnte aus Kostengründen aber nie vollständig realisiert werden.

Der Einsatz der Orgelbauer ist nur sinnvoll, wenn alle größeren Arbeiten, die viel Schmutz machen, bis dahin abgeschlossen sind.

„Die Sanierung der Fenster im Chorraum wird rund 135.000 Euro kosten“, schätzt Gregor Hamsch. Sie müssen ausgebaut und in ihre Einzelteile zerlegt und gereinigt werden, bevor die einzelnen Glaselemente mit Blei wieder zusammengefügt werden können. Auch das Gitter, das die Fenster von außen vor Beschädigung schützen soll, muss ersetzt werden.

Die Gemeinde hat sich in vielen Programmen und bei Stiftungen nach Hilfe umgesehen. Mit einigem Erfolg. So unterstützt etwa der Bund die Arbeiten an den Fenstern mit 45.000 Euro aus einem Sonderprogramm für den Denkmalschutz.

Die Orgel (links) soll ab 2021 ein Pendant gegenüber bekommen. Eine mit Stoff bespannte Holzkonstruktion zeigt, wie die Erweiterung einmal aussehen könnte.
Die Orgel (links) soll ab 2021 ein Pendant gegenüber bekommen. Eine mit Stoff bespannte Holzkonstruktion zeigt, wie die Erweiterung einmal aussehen könnte. Quelle: Peter Geisler

Der Neuruppiner Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke hatte bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters für dieses und ein weiteres Vorhaben geworben: 65.000 Euro zahlt der Bund auch als Zuschuss zur Sanierung der Kirche in Radensleben. Die Zusagen kamen Anfang Mai.

Die Fenster sind nur ein Teil der Arbeiten in der Klosterkirche. Damit die neue, größere Orgel künftig vernünftig klingen kann, muss auch die veraltete Elektrik erneuert werden. Rund 830.000 Euro sind dafür bisher vorgesehen. Weitere 400.000 Euro für die erste Rundumsanierung der Orgel seit ihrem Einbau vor 40 Jahren.

Kirchengemeinde hofft auf Förderprogramm

Die Orgel wurde zu DDR-Zeiten von der Firma Sauer entworfen und gebaut. Sie sollte eigentlich größer ausfallen, doch für mehr reichte das Geld damals nicht. Kantor Matthias Noack freut deshalb besonders, dass dank vieler Spenden nun auch eine Erweiterung möglich wird, die ganz neue Möglichkeiten beim Orgelspiel bietet.

Noch ist nicht die gesamte Summe für die Sanierung der Kirche sicher. Gregor Hamsch ist aber zuversichtlich, dass das Geld zusammenkommt. „Wir hoffen noch, dass wir mit der Klosterkirche in die Städtebauförderung kommen“, sagt er. Dort stand die Kirche schon einmal auf der Prioritätenliste, wurde aber vor Jahren wieder gestrichen.

Voraussichtlich im Februar 2021 sollen die Arbeiten in der Klosterkirche beginnen. Zunächst mit den Fenstern.

Von Reyk Grunow

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.05.2020
Zur Kirche
Klosterkirche St. Trinitatis Neuruppin im Pressespiegel
Es gibt noch etliche Baustellen in Neuruppins Klosterkirche 16.06.2020 · Märkische Oderzeitung
Leben und Wirken Pater Wichmanns in der Neuruppiner Klosterkirche zu erleben 28.05.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Jubiläumsausstellung in Neuruppin – Mehr als nur eine Sagenfigur 28.05.2020 · Märkische Oderzeitung
Über eine Million Euro für Neuruppins Klosterkirche 26.05.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Neuruppin und Radensleben – 110000 Euro für zwei Kirchen in der Region 06.05.2020 · Märkische Oderzeitung
Neuruppiner Klosterkirche: Die große Orgel-Sanierung kann beginnen 02.01.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Die Genehmigung für die neue Orgel in der Neuruppiner Klosterkirche ist da 05.12.2019 · Märkische Oderzeitung
Neuruppiner Dreiklang – Konzert zum Fontane-Jahr 26.08.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Orgelfeuerwerk in Massens Feldsteinkirche 02.08.2020 · Lausitzer Rundschau
Lenzen: Orgelführung per Diashow in der Kirche 02.08.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Als Pfarrer den Traumberuf in Temnitz gefunden 02.08.2020 · Märkische Oderzeitung
Was es mit dem neugestalteten Altarraum in Stüdenitz auf sich hat 01.08.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Jüterboger Glockenturm wird zum Funkturm 31.07.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung