10.08.2020  –  Märkische Oderzeitung

Uhr für Mützdorfer Dorfkirche – Ein Ende der „zeitlosen Zeit“

Dominic Mählis (li.) und Steffen Wroblewski in luftiger Höhe. © Foto: B. Kraemer

Bärbel Kraemer / 10.08.2020, 16:00 Uhr Mützdorf Auf die Minute genau um 15.31 Uhr endete am Sonnabend an der Mützdorfer Dorfkirche die „zeitlose Zeit“. Seitdem wandern die Zeiger der neuen Turmuhr wieder rastlos auf dem Ziffernblatt und künden jedem, der den Blick nach oben wendet, die Uhrzeit.

Und obgleich Armbanduhren, Smartphones & Co. der Kirchturmuhr Konkurrenz machen könnten, kommen diese Zeitnenner der verschiedensten Art gegen die Kirchturmuhr nicht an. Immer mehr Dorfbewohner recken immer öfter die Nase nach, oben um im Vorkommen einen Blick auf die Turmuhr zu werfen. Und dies zumeist mit einem breiten Lächeln im Gesicht.  Warum? Weil über sieben Jahrzehnte nicht nur die Zeit an der Dorfkirche von Mützdorf still stand, sondern weil die ehemals dort vorhandene alte Turmuhr bereits so lange als verschollen gilt.

Wann genau dieselbe den Dienst quittierte, ist unbekannt. Bekannt ist nur, dass der in Berlin lebende Ingenieur Haesecke im Jahre 1894 der Mützdorfer Kirchengemeinde eine Turmuhr für die vier Jahre zuvor erbaute Kirche schenkte. Am Ende des Zweiten Weltkrieges blieb diese Uhr stehen. Bis ein gewisser Lehrer Rahn sich der Sache annahm und die Turmuhr nach Berlin zur Reparatur bringen ließ. „Von dort fand sie jedoch nie wieder den Weg zurück nach Mützdorf und blieb verschollen“, erzählt Maria Petzold, die das Projekt Kirchturmuhr anschob.

Geblieben – und an die ursprünglich vorhandene Uhr erinnernd – war lediglich eine kreisrund von Backsteinen umsäumte Putzfläche auf der sich der Zeitmesser befand und das mittige Loch, durch dass die Uhrzeiger mit dem innen liegenden Uhrwerk verbunden waren.

Für Maria Petzold, die im vergangenen Jahr nach Mützdorf zog und als Kirchenälteste Verantwortung im Gemeindekirchenrat übernahm, war genau dieser Anblick ein großes Kümmernis. Weshalb die 33-Jährige im Februar dieses Jahres eine Spendensammlung initiierte. Dank der Spendenbereitschaft der Einwohner, von Firmen und einer Spende der Mittelbrandenburgischen Sparkasse konnte das Projekt nunmehr realisiert werden. „Danke an alle, die dabei geholfen haben“, sagt Maria Petzold, die den Anbau der neuen Turmuhr am Sonnabend aufmerksam verfolgte.

Rund 3.500 Euro erforderte die Anschaffung des neuen Uhrwerks, welches in einer bayerischen Manufaktur geordert wurde, die Installation durch den Bad Belziger Uhrmachermeister Harald Bartels sowie den Bau des Ziffernblattes durch die Bergholzer Kunstschmiede von Jörg Mählis.

Damit die neue Uhr auch ordentlich zur Geltung kommt, hatte der Mützdorfer Steffen Wroblewski vorab die erforderlichen Malerarbeiten am Ring erledigt. Am Sonnabend war er dann auch der Mann, der die von Malermeister Matthias Plözke aus Michendorf zur Verfügung gestellte Hebebühne bediente und dafür sorgte, dass Kunstschmied Dominic Mählis und Uhrmachermeister Harald Bartels die Turmuhr anbauen konnten.

Nach getaner Arbeit versammelte sich die Gemeinde um Pfarrer Matthias Stephan, der unter dem neuen Zeitmesser am Turm der Mützdorfer Kirche eine Andacht hielt.

Märkische Oderzeitung, 10.08.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Mützdorf im Pressespiegel
Uhr für Mützdorfer Dorfkirche – Ein Ende der „zeitlosen Zeit“ 10.08.2020 · Märkische Oderzeitung
Neue Kirchturmuhr – Den Mützdorfern schlägt die Stunde 03.08.2020 · Märkische Oderzeitung