30.06.2020  –  Lausitzer Rundschau

Vor 30 Jahren – Wie Sallgast vor dem Tagebau gerettet wurde

Es war ein schwerer Kampf und ein großer Sieg. Vor 30 Jahren bekamen die Sallgaster die Kunde, dass der Bergbau ihr Dorf verschonen würde. Eine Stunde lang läuteten die Kirchenglocken.Wie das Dorf damals und heute gefeiert hat.30. Juni 2020,

11:42 Uhr•Sallgast
Von Wolfgang Bauer

Pfarrer Geese, Bernd Güttes und Pfarrer Wolfv.l. enthüllen eine Gedenktafel an den Kampf gegen die drohende Abbaggerung von Sallgast vor 30 Jahren.
Gedenktafel an der Sallgaster Kirche

Auf den Tag, nur 30 Jahre später, haben sich Sallgaster Einwohner am vergangenen Sonntag in der altehrwürdigen Kirche zu einem Gedenk-Gottesdienst getroffen, um an eine für sie bewegende Zeit und das für sie so bedeutsame Ereignis zu erinnern, welches vielen damals fast wie ein Wunder erschien.

Ein Kampf um die Heimat

Der Sallgaster Kampf um den Erhalt der Heimat hatte zu einem guten Ende geführt: Sallgast, seine Kirche, das Schloss, der Park, der gesamte Ort sollte nicht mehr dem Braunkohlen-Bergbau zum Opfer fallen. Das hatte der verantwortliche Direktor des damaligen Braunkohlenkombinats am Abend jenes denkwürdigen 28. Juni 1990 im Schloss Sallgast den neugewählten Gemeindevertretern erklärt. Zunächst ungläubiges Staunen schlug um in spontane Freude. Wenige Mutige hatten den Kampf, der im September 1989 mit jener „Eingabe 89“ begann, zunächst geführt. Doch immer mehr schlossen sich in den folgenden Friedensgebeten in der Sallgaster Kirche an.

Pfarrer Geese erinnerte sich in seine Predigt

An jenem Juni-Abend im Jahre 1990 verkündeten die Glocken der Sallgaster Kirche mit einem einstündigen Geläut dieses Wunder. Und am darauffolgenden Morgen zeugten 42 leere Sektflaschen rings um das Gotteshaus, dass die Sallgaster auch gebührend zu feiern wussten.

Jene bewegende Zeit brachte der damalige Sallgaster Pfarrer Klaus Geese am Sonntag den Besuchern in der Sallgaster Kirche mit einer mit vielen persönlichen Eindrücken bereicherten Predigt anschaulich in Erinnerung. Dabei gedachte er auch mit Wehmut jener Orte, wie Bergheide oder Horno, denen dieses Glück nicht vergönnt war. Allein 27 Kirchen oder Kapellen fielen in der Lausitz dem Braunkohlebergbau zum Opfer, wurden „devastiert“, wie dies im DDR-Sprachgebrauch hieß. Und selbst dort, wo nach der „Wende“, die er treffender als „friedliche Revolution“ charakterisierte, neue Orte für die „Devastierten“ errichtet wurden, wie bei „Neu-Horno“, fehle ihnen die Seele.In Sallgast sei diese Seele um die Kirche mit dem Dorfplatz, der alten Schule und dem Schloss „Gott sei Dank“ erhalten geblieben.

Für den „verlorenen Ort“ Bergheide/Gohra war 1987 durch die Kirchengemeinde bereits neben der Kirche eine Feldstein mit einer Gedenktafel aufgestellt worden. Am vergangenen Sonntag wurde nun am Kirchturm eine Gedenktafel enthüllt, die an jene ereignisreiche Zeit in den Jahren 1989/1990 erinnern soll. Eine kleine Ausstellung im Turm mit Bildern und Dokumenten brachte diese bewegende Zeit anschaulich in Erinnerung.

Lausitzer Rundschau, 30.06.2020
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