07.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Wagenitz – Wo der Gewandmeister des Alten Fritz seine letzte Ruhe fand

Insgesamt 26 Särge der Familie von Bredow lagern in der Gruft unter der Kirche in Wagenitz. Die Särge werden jetzt restauriert, darunter auch der von Ernst Wilhelm Reichsgraf von Bredow. Zudem wird die Gruft saniert.

Von den Bredows, die in der Gruft unter der Kirche in Wagenitz zur letzten Ruhe gebettet worden sind, ist er der Berühmteste: Ernst Wilhelm Reichsgraf von Bredow.

Der im Jahre 1755 Verstorbene war Minister sowie der „Gewandmeister“ von Friedrich II. und dafür zuständig, dass der Alte Fritz immer gut gekleidet war. Jetzt wird sein Sarg, so wie der von 25 weiteren Personen, restauriert.

Für Grabräuber nichts zu holen

Als eine tolle Fundgrube sehen die beiden Archäologen und Kunsthistoriker Andreas und Regina Ströbl die Gruft in Wagenitz, allerdings nur rein geschichtlich. Denn für Grabräuber ist nichts zu holen. „Hier wird kein Schmuck oder ähnliches zu finden sein. Wenn es etwas gegeben hätte, dann wäre es schon lange weg“, sagt Andreas Ströbl. Ende des 19. Jahrhunderts sei die Gruft letztmalig betreten worden.

Die beiden Experten, die sich auf frühneuzeitliche Bestattungsforschung spezialisiert haben, sind dabei, in den nächsten Monaten alles in der Gruft wissenschaftlich zu dokumentieren und zu ordnen – von den Särgen bis hin zu den Gebeinen. Und das tun sie in enger Abstimmung mit Holz-, Metall- und Textilrestauratoren sowie mit den Ämtern für Denkmalpflege. 

Fenster in die Vergangenheit

Wir untersuchen, wie die Toten bestattet wurden, wie sie gelebt haben. Es ist ein Fenster in die Vergangenheit“, sagt Andreas Ströbl, der sich auch Erkenntnisse über Grabbeigaben wie etwa Pflanzen sowie zu den Todesumständen erhofft. „Trotz der Beschädigungen bieten die Särgeeinen guten Einblick in die Sargbaukunst vom Hochbarock bis Biedermeier.“ 

Holzrestauratorin Claudia Laue nimmt Messungen an einem Sarg vor.

Holzrestauratorin Claudia Laue nimmt Messungen an einem Sarg vor. Quelle: Andreas Kaatz

Künftig soll es möglich sein, dass Interessenten die Gruft betreten können, jedoch nur in fachkundiger Begleitung. Bis es jedoch so weit sein wird, ist noch viel zu tun. So müssen die Gruft saniert und die Särgewieder hergestellt werden, womit Holzrestauratorin Claudia Lauebereits begonnen hat. 

Schäden durch Feuchtigkeit

Andreas Ströbl hat eine wesentliche Ursache für den teils schlechten Zustand der Särge ausgemacht: „Die meisten Schäden sind nicht durch Plünderungen entstanden, sondern durch Feuchtigkeit. Im Laufe der Jahrhunderte habe sich offenbar der Grundwasserstand verändert. Die Eichenbohlen, auf denen die Särge stehen, sind mittlerweile vermodert. „Deshalb sind die unteren Bereiche der Särge durch Fäulnis beschädigt“, sagt er. 

Das passierte auch deshalb, weil die Lüftung des Raumes nicht funktionierte, wie seine Frau ergänzte. So gebe es nur eine Querlüftung durch zwei Öffnungen, die zudem irgendwann verkleinert worden sind. „Die Luft erreicht nicht den Boden, so konnte die Feuchtigkeit nicht abgetragen werden“, sagt Regina Ströbl. 

Gruft soll zugänglich bleiben

Dass die Gruft überhaupt geöffnet worden ist, hängt mit der Sanierung der Kirche zusammen. „Wir mussten zuvor wissen, ob es im Keller Schimmel gibt, sonst braucht man oben nichts zu machen“, sagt Andreas Flender von der Kirchengemeinde Havelländisches Luch. Und tatsächlich sei auch echter Hausschwamm gefunden worden. 

Ornamente aus Buntmetall auf dem Sarg von Ernst Wilhelm Reichsgraf von Bredow.

Ornamente aus Buntmetall auf dem Sarg von Ernst Wilhelm Reichsgraf von Bredow. Quelle: Andreas Kaatz

Flender ist einer von denen, die dafür sind, dass die Gruft unter bestimmten Bedingungen zugänglich bleibt. Er hielt bereits einen Vortrag, „um Verständnis dafür zu wecken, dass man vor Ort die Geschichte erlebbar erhält“. 

Kontroverse Diskussion

Die Diskussion darüber war in der Kirchengemeinde aber durchaus kontrovers. „Manche freuten sich. Ein Kahlbutz sei gut für den Tourismus, hieß es. Andere fanden die Vorstellung schrecklich“, erinnert er sich. 

Eines steht schon jetzt fest: Eine Zurschaustellung wie bei der Mumie von Ritter Kahlbutz in Kampehl wird es in Wagenitz definitiv nicht geben. „Es geht hier vielmehr um eine Gedenkstätte“, sagt Flender. 

Lagerung auf Steinpodesten

Bis zum Frühsommer nächsten Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Künftig werden die Särge statt auf Eichenbohlen auf Steinpodesten gelagert. Die Lüftungsöffnungen an den Seitenwänden sollen vergrößert und die Tür am Eingang ebenfalls mit Öffnungen versehen werden, damit in der Gruft ein gutes Klima herrscht. 

Zudem wird jeder Sarg wieder so restauriert wie er mal war, unter größtmöglicher Beibehaltung der Originalsubstanz. Der Aufwand dazu ist unterschiedlich hoch. So hatte beispielsweise der Ernst Wilhelm von Bredow seinen Sarg schon zu Lebzeiten in Auftrag gegeben und legte standesgemäß Wert darauf, dass er mit Leder bezogen und mit Rundkopfnägeln verziert wird, die golden geglitzert haben. 

Es passt in die damalige Zeit

Innen wurde der Sarg mit Textil ausgestattet. Und oben drauf sind neben dem Bredow-Wappen aus Buntmetall auch Putten sowie Chronos, der Gott der Vergänglichkeit, zu sehen. Hinzu kommt eine Inschrift. Andreas Ströbl ist begeistert: „In dieser Zusammenstellung ist die Darstellung einzigartig. Es passt exakt in die Zeit.“ 

Weitere Informationen zu den Bestatteten erhoffen sich die beiden Kunsthistoriker auch von der Familie von Bredow, erste Gespräche habe es bereits gegeben. Und grundsätzlich legen sie auf eines besonderen Wert: „Wir schützen die Würde der Toten, stellen ihre Ruhe wieder her. Der ethisch korrekte Umgang mit den Toten ist sehr wichtig.“

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 07.09.2020
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