20.11.2020  –  Lausitzer Rundschau

Warum sich die Glockenturm-Sanierung in Lauta-Dorf verzögert

Zwei Monate sollte die Sanierung des historischen Glockenturms der Kirche in Lauta Dorf eigentlich dauern. Doch jetzt wird alles anders.

20. November 2020, 10:09 Uhr•Lauta Dorf
Von Sascha Klein

Der marode Glockenturm der Kirche in Lauta Dorf wird saniert. Rund 50.000 Euro der Kosten muss die Kirchengemeinde selbst zusteuern. Gefördert wird unter anderem durch den Denkmalschutz und auch über den Förderkreis Alte Kirchen.
In Lauta Dorf hat am Dienstag, 7.7.20, die Sanierung des Glockenturms begonnen. Die Firma Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren aus Luckau hat die beiden Glocken abmontiert und heruntergelassen.
Lauta Dorf: Sanierung des Glockenturms beginnt. Fotos: Sascha Klein

Der Glockenturm der Kirche in Lauta Dorf ist eingerüstet – seit einigen Wochen. Allerdings: Die meiste Zeit davon herrscht Ruhe auf der zurzeit größten Baustelle der kleinen Kirchengemeinde. „Wir hoffen, dass die Firma noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen kann“, sagt Sigrid Roeser, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.

Schäden am Glockenturm in Lauta Dorf sind größer als gedacht

Dabei liegt es nicht an den Kottener Zimmerleuten, die Anfang Oktober pünktlich vor Ort gewesen sind. Schuld an der Verzögerung sind die Schäden, die gleich zu Beginn des Baues sichtbar geworden sind. „Als die alte Verschalung des Glockenturms abgenommen worden ist, ist deutlich geworden, dass tragende Balken dahinter deutlich stärker beschädigt sind als angenommen“, sagt sie. Der Glockenturm stammt vermutlich aus dem späten 17. Jahrhundert. Eine exakte Zahl gibt es nicht. Die Kirche war nach dem Dreißigjährigen Krieg zwischen 1650 und 1670 wieder aufgebaut worden.

Sanierung des Glockenturms in Lauta Dorf dauert bis 2021

Die größeren Schäden an den Balken bedeuten: Statiker müssen noch einmal aktiv werden und: Der Denkmalschutz, der einen Teil der Bauarbeiten finanziert, muss informiert und einbezogen werden. „Es hat eine Vor-Ort-Begehung gegeben – mit allen Beteiligten“, sagt Sigrid Roeser. Das Ergebnis: ein vorläufiger Baustopp. Eigentlich war das Ziel, den Bau im Oktober und November 2020 durchzuziehen und den Glockenturm inklusive instandgesetzter Glocken spätestens zum Gottesdienst am Heiligen Abend wieder einzuweihen. Jetzt wird die Gemeinde in Lauta Dorf über Weihnachten hinaus auf das jahrhundertelang gewohnte Glockengeläut verzichten müssen.

Holzkorsett bringt Lösung für Glockenturm in Lauta Dorf

Für Sigrid Roeser und die Kirchengemeinde ist zunächst wichtig gewesen, eine Lösung für den maroden Glockenturm zu finden. Den entscheidenden Tipp haben die Zimmerer beigesteuert, sagt sie. Um besonders angegriffene Verbindungen würde jeweils ein Holzkorsett gebaut. Teile anderer Balken werden ausgewechselt. Zudem wird der Dachüberstand etwas herausgezogen, um das Holz mehr als bisher vor Wettereinflüssen zu schützen.Für die Kirchengemeinde ist die Sanierung des Gotteshauses sowie des Glockenturms inzwischen eine Daueraufgabe. 2016/17 ist ein großer Teil der Dachkonstruktion saniert worden. Die Kirche war monatelang Baustelle. Kostenpunkt: rund 200 000 Euro.

Um die nötigen Eigenmittel für die Dachsanierung zusammenzubekommen, hatte die Kirchengemeinde einige Benefizaktionen ins Leben gerufen. Unter anderem hat Organist Matthias Eisenberg gespielt, der Lautaer Chor „Musica viva“ gesungen. Auch Ex-Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat das Projekt ideell und finanziell unterstützt. Im Mai 2018 ist die Kirche wiedereröffnet worden.Im März 2019 kommt schließlich die Orgel an der Reihe: Orgelbauer Johannes Soldan aus Ödernitz bei Niesky nimmt sich des Instruments aus dem Jahr 1794 an und baut die Windanlage nach historischem Vorbild neu. Das Projekt kostet rund 10 000 Euro. Die Kirchengemeinde bezahlt das aus Eigenmitteln und Spenden.Schließlich wird es mit dem Glockenturm akut. Eine Sanierung ist nicht mehr aufzuschieben. Die Kosten werden auf rund 150 000 Euro geschätzt. Der Denkmalschutz finanziert mit, der Förderkreis Alte Kirchen, der Kirchenkreis und andere. Allerdings: Die Kirchengemeinde muss rund 50 000 Euro selbst beisteuern – ein Drahtseilakt. Erneut starten Spendenaktionen. Viele Privatleute, aber auch Institutionen und Firmen helfen.

Laurentiusglocke kehrt nach den Bauarbeiten zurück

Jetzt hofft Sigrid Roeser auf einen erneut milden Winter, damit die Arbeiten möglichst in den kommenden Wochen weitergehen können. Wie lange der sanierte Glockenturm dann halten soll? „Ziel ist, dass er weitere zwei bis drei Generationen sicher steht“, betont sie. Erst nach den Arbeiten kehren auch die beiden Glocken nach Lauta Dorf zurück. Sie sind in den Niederlanden instandgesetzt worden. Unter ihnen ist die Laurentiusglocke. Sie ist seit 1934 das Wappen Lautas. „Unsere Hoffnungen, dass die Glocken zu Weihnachten wieder läuten, haben sich leider zerschlagen“, sagt Sigrid Roeser. „Wir hoffen jetzt, dass die Einweihung im Mai oder Juni 2021 stattfinden kann.“

Lausitzer Rundschau, 20.11.2020
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