11.07.2020  –  Märkische Oderzeitung

Was in Radensleben entsteht, ist einzigartig in Brandenburg

Im alten Pfarrhaus ist derzeit noch die Radenslebener Kita untergebracht. Bis Juni 2022 soll dort nun das Ökumenische Bildungsforum für energieeffiziente Bestandssanierung (BEB) auf feste Füße gestellt werden. Der Förderzeitraum für das Projekt beginnt jetzt.© Foto: Judith Melzer-Voigt

Judith Melzer-Voigt/ 11.07.2020, 16:00 UhrRadensleben (MOZ) Das alte Pfarrhaus in Radensleben ist eines der prägendsten Gebäude im Ort. Derzeit befinde sich dort die Kita des Dorfes, doch diese soll neu gebaut werden. Was geschieht dann mit dem historischen Haus? Die Pläne dafür sind nun ein ganzes Stück konkreter geworden: Dort zieht das Ökumenische Bildungsforum für energieeffiziente Bestandssanierung (BEB) ein. Was recht kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach. In Radensleben entsteht ein Treffpunkt für kirchliche Partner, Handwerker, Wissenschaftler und Planer, die sich darüber austauschen, wie denkmalgeschützte Häuser so saniert werden können, dass sie eine gute Klimabilanz haben. Das Projekt ist deutschlandweit einzigartig.

Auf gar keinen Fall sollte das alte Pfarrhaus zur Ruine oder verkauft werden. So hat es sich der Ortskirchenrat laut Pfarrerin Ute Feuerstack gewünscht. Dass es eine öffentliche Nutzung geben wird, sei klar gewesen. Das BEB soll das nun leisten. Die Tamen GmbH, ein Entwicklungsbüro, das sich mit Arbeit und Umwelt beschäftigt, wurde mit ins Boot geholt. Und das Pfarrhaus soll auch gleich als Anschauungsobjekt dienen: Eine Sanierung hat es dringend nötig. Diese soll möglichst klimaneutral geschehen.

Mo Rhozyel arbeitet für die Tamen GmbH. Hintergrund der gesamten Bestrebungen ist ihm zufolge, dass die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) ihren CO2-Ausstoß bis 2050 um insgesamt 85 Prozent reduzieren will. Die alten Kirchengebäude stehen allerdings meist unter Denkmalschutz, was bestimmte Einschränkungen mit sich bringt. Wie diese beiden Punkte am besten zusammengebracht werden können, soll nun die Vernetzung im BEB zeigen. Doch nicht nur der kirchliche Gebäudebestand soll zukunftsfähig werden. Das Forum steht für alle Interessenten offen.

Kompetenzen fehlen

Wieso die Vernetzung so wichtig ist, erklärt Mo Rhozyel: „Allen Beteiligten fehlen gewisse Kompetenzen bei der energetischen Sanierung von historischen Gebäuden“, sagt er. Der Ortsbeirat, der ein Objekt sanieren lassen muss, weiß vielleicht nicht, wie das möglichst klimaeffizient geht.  Der Handwerksbetriebe ist eventuell nicht auf beides – Denkmalschutz und energetische Sanierung – spezialisiert.

Geplant ist, dass es im BEB Bildungs- und Netzwerkveranstaltungen geben wird. In den kommenden beiden Jahren soll das Forum aufgebaut werden, mit einem Büro im Pfarrhaus in Wustrau. Das Radenslebener Pfarrhaus wird laut Rhozyel „mittelfristig saniert wird“. Der Aufbau des BEB wird bis Juni 2022 gefördert, danach soll das Projekt auf festen Füßen stehen. Geld für die nun laufenden zwei Jahre gibt es vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg. Die Mittel stammen aus dem Europäischen Sozialfonds. Wie die Finanzierung nach Juni 2022 gestaltet wird, gehört zu den Aufgaben, die nun erledigt werden müssen – ebenso wie das Gewinnen von Leuten, die mitmachen.

„Wir haben viele starke Partner“, sagt Mo Rhozyel. Die EKBO, der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, die Gesamtkirchengemeinde Protzen-Wustrau-Radensleben und das Erzbistum Berlin sind ebenso dabei wie beispielsweise die Universität Padua. „Wenn alles gelingt, kann das Projekt eine starke Strahlkraft entwickeln“, ist Rhozyel überzeugt. Für Sigrid Wölfing von der Tamen GmbH kann das BEB für Unternehmen auch ein Schritt aus dem Fachkräftemangel sein: „Die Firmen müssen sich attraktiv machen. Die energetische Sanierung ist ein Zukunftsbereich.“

Für die weitere Sanierung des Pfarrhauses laufen indes laut Holger Walter von der Modul Projektmanagement GmbH die Vorplanungen. „Wir beginnen aber mit dem Kita-Neubau“, erklärte er. Dieser soll auf dem Areal der Kirche realisiert werden. „Es handelt sich um ein Flächendenkmal.“ Mit hohen Auflagen sei zu rechnen. Für die energetische Hüllensanierung des alten Pfarrhauses gebe es erste Entwürfe.

Märkische Oderzeitung, 11.07.2020
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