17.11.2005  –  Märkische Allgemeine

Weg zur Notsicherung der Königsberger Kirche frei

Rettung für den „abgefahrenen Reifen“

Weg zur Notsicherung der Königsberger Kirche frei / Arbeiten beginnen voraussichtlich noch im November

BJÖRN WAGENER

Dorfkirche Königsberg 
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Taufengel
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KÖNIGSBERG Mitglieder des Förderkreises Dorfkirche Königsberghaben jetzt erreicht, wofür sie sich seit der Gründung im Juni 2004 einsetzten:Der Weg für die Notsicherung der örtlichen Kirche ist frei. Die beschränkteAusschreibung ist gelaufen. Der Gemeindekirchenrat entschied sich für eineFachfirma aus Neuruppin, „die bereits Erfahrungen mit Arbeiten dieser Artvorzuweisen hat. Es werden vier zusätzliche Druckstreben zum Abstützen desDachstuhls eingesetzt“, sagt die Vorsitzende des Förderkreises, Elisabeth Lau.Die Arbeiten sollen voraussichtlich in der 48. Kalenderwoche, also ab 28. November,beginnen. Davon geht Bauingenieur Siegfried Ismer aus, der auch dasSanierungskonzept für die Kirche erstellt hat.

Damit wird die Kirche in absehbarer Zeit wieder benutzbarsein. Bislang ist sie wegen der baulichen Mängel gesperrt. Und das schon seitgut anderthalb Jahren (die MAZ berichtete).

Die Kosten für die Notsicherung beziffert Elisabeth Lau auf9000 bis 10000 Euro. Rund 5000 Euro steuert der Förderkreis bei. Denn der hattemit einer Reihe von Aktivitäten und Spendensammlungen diesen Betrag zusammenbekommen.Es wurde zum Adventssingen eingeladen, eine Turmbesteigung zum Tag des offenenDenkmals organisiert, ein Dorfkirchen-Sommer veranstaltet oder auch mal einFamiliennachmittag angeboten. Außerdem habe der Förderkreis für die DorfkircheUnterstützung vom Förderkreis "Alte Kirchen" bekommen. „Die fehlende Summeübernimmt die Kirchengemeinde“ bestätigte Pfarrer Berthold Schirge aufMAZ-Nachfrage.

Doch auch wenn der Förderkreis in Königsberg sein Ziel – dieSicherung der Kirche – nun erreicht hat, so wird es ihn auch weiterhin geben.Denn die um 1500 erbaute große mittelalterliche Feldsteinkirche mit derwertvollen Lütkemüller-Orgel wird nach den Arbeiten zwar wieder gefahrlosbegehbar sein. Aber das ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Zuden größten Problemen im Mauerwerk zählen weiterhin die vielen Risse, derenUrsprung bisher nicht genau geklärt werden konnte. Um mögliche Veränderungenwahrzunehmen, sind bereits seit einiger Zeit so genannte Riss-Monitoreinstalliert. Auf diese Weise werden die Risse buchstäblich überwacht. „Bisherkonnten jedoch keine Veränderungen festgestellt werden“, sagt Siegfried Ismer.

Elisabeth Lau schätzt den Investitionsbedarf nach derNotsicherung auf etwa eine Viertel Million Euro. Ismer geht sogar von einerhalben Million aus. Und er muss es wissen. Denn der Architekt und Bauingenieurhat seit 1990 rund 30 Kirchen saniert – darunter auch die Pfarrkirche inNeuruppin. „Zunächst einmal müssten genügend Messdaten gesammelt werden, bevordie Sanierung weitergehen kann“, sagt er. Vor allem tiefer gehendeUntersuchungen des Bodens sowie des Mauerwerks seien nötig. Dass die Kirchekomplett gesperrt wurde, hält Ismer für richtig. „Die Längssteifigkeit desDachstuhls ist nicht mehr gegeben. Zudem zog die ausweichende Giebelwandbereits den Dachstuhl ein Stück mit. Es besteht Einsturzgefahr. Das istvergleichbar mit einem abgefahrenen Reifen. Man kann durchaus noch eine Weiledamit fahren, muss aber ständig damit rechnen, dass er platzt.“

Solche Probleme gebe es an vielen Kirchen in Berlin undBrandenburg. „Es ist einfach vernachlässigte Bausubstanz“, so Ismer. Holz seidabei grundsätzlich anfälliger als Stein. Andererseits neigtenHolzkonstruktionen dazu, ihren Halt zu verlagern, sollte die Tragfähigkeit aneiner Stelle verloren gehen. „Sie brechen also meist nicht einfach sozusammen“, erklärt der Bauingenieur.

Fakt ist: Die 30 Mitglieder des Förderkreises werden alsonach wie vor jeden gespendeten Euro gut gebrauchen können. Deshalb ist dienächste Veranstaltung bereits in Sicht. Am 27. November – dem 1. Advent – lädter um 14 Uhr zum Adventssingen mit dem Teetzer Chor in die KönigsbergerTurnhalle ein. In diesem Rahmen werden dann auch Adventsgestecke, Holzspielzeugund Kalender für 2006 angeboten. Bei einer gemütlichen Kaffeerunde will derFörderverein seine Gäste außerdem über den aktuellen Stand zur Wiedereröffnungder Kirche informieren.

„Ich hoffe, dass die Kirche bis Weihnachten fertig wird. Denndie Turnhalle ist als Veranstaltungsort wirklich nur eine Ersatzvariante“, sodie Förderkreisvorsitzende.

Der Förderkreis Dorfkirche Königsberg dankt allen bisherigenSpendern und Helfern. Weitere Spenden nimmt die Evangelische KirchengemeindeKönigsberg entgegen. Konto-Nummer: 1567056011, BLZ: 35060190, KD-Bank, Kennwort„Dorfkirche“.

 

Märkische Allgemeine, 17.11.2005