09.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Wertvolle Exponate aus Dresdner Hygienemuseum wurden in Boßdorf vom Holzwurm befreit

Die Begasung der Kirchen in Garrey und Boßdorf kam auch dem Hygienemuseum Dresden zugute. Einige wertvolle Exponate wurden eigens zur Befreiung vom Holzwurm in den Fläming geschafft. Sie sind Zeugnisse des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte.

Exponate aus dem Hygienemuseum Dresden wurden in der Kirche Boßdorf bei der Begasung mit eingelagert. Nun sind sie wieder wurmfrei. Quelle: Daniel Geißler

Als in der vergangenen Woche die Kirchen in Garrey und Boßdorf mit einer professionellen Begasung von Holzwürmern befreit wurden, hat die Evangelische Gemeinde mit dem HygienemuseumDresden kooperiert und an der Bewehrung eines bedeutenden Ausstellungsstückes mitgewirkt.

>>Hier lesen Sie den MAZ-Bericht über den Einsatz.

Laut Niemegks Pfarrer Daniel Geißler befanden sich im Boßdorfer Gotteshaus während des dortigen Giftgaseinsatzes auch zwei Holzwände des berüchtigten Russenlagers Zeithain (Landkreis Meißen). Die Barackenteile stammen direkt aus der Gedenkstätte„Ehrenhain Zeithain“ und waren Teile des Gefangenenlagers Stalag IV B/Z für sowjetische Kriegsgefangene. Sie waren dort während des Zweiten Weltkrieges unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt.

Bedeutende Zeugnisse

Die in Boßdorf eingelagerten Barackenteile sind dadurch besondere Geschichtszeugnisse, da sie handschriftliche Notizen von Gefangenen enthalten. Im nächsten Jahr werden sie Teil der 4. sächsischen Landesausstellung sein. Sie wird im nächsten Jahr unter Regie des Hygienemuseums in Zwickau stattfinden.

Exponate aus dem Hygienemuseum Dresden wurden in der Kirche Boßdorf bei der Begasung mit eingelagert. Nun sind sie wieder wurmfrei. Quelle: Daniel Geißler

„Der Kontakt ist konkret über das Unternehmen zustande gekommen“, erklärt Daniel Geißler auf MAZ-Anfrage bescheiden. Als gebürtiger Sachse ist er stolz, Teil der Aktion zu sein. Die Fachfirma Groli hat ihren Sitz in Dresden. Sie war von der Museumsleitung angefragt worden, was eine Entwurmung der wertvollen Exponate kosten würde.

Uwe Krell und seine Mitarbeiter hatten daraufhin eine nicht ganz nahe liegende, aber eben Kosten sparende Lösung vorgeschlagen. Sie verwiesen auf ihre Aufträge in der Mark.

Aufruf vorab verbreitet

Die Möglichkeit, eigene Möbel von Schädlingen zu befreien, war im Vorfeld auch im Hohen Fläming propagiert worden. Die Gruboer Gemeinde hat das Angebot genutzt.

Um andere Ausstellungsstücke vor einem möglichen Holzwurmbefall zu schützen, schloss sich das Hygienemuseum ebenfalls an und nutzte die Gelegenheit, dass befallene Holzstücke bei der Begasung in den Kirchen mit eingestellt werden dürfen. So wurden die historischen Barackenwände von Mitarbeitern der Einrichtung von Zeithain nach Boßdorf mit aller Um- und Vorsicht nach Boßdorf transportiert.

Am vergangenen Montag machten sie sich nun wurmfrei auf den Weg zurück in die sächsische Landeshauptstadt.

Von René Gaffron

Märkische Allgemeine Zeitung, 09.08.2019
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