06.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Wie die Dorfkirche in Cammer endlich wieder trocken werden soll

Noch muss die Kirche in Cammer regelmäßig gut durchgelüftet werden, damit auch das letzte bisschen Feuchtigkeit aus dem alten Gemäuer verschwindet. Damit das Haus künftig trocken bleibt, stehen Maßnahmen an.

Die Kirche in Cammer braucht es schön luftig. Deshalb sorgt Annerose Lukas in dem mittelalterlichen Feldsteinbau regelmäßig für Durchzug. Außerdem klappt sie die Läufer um, damit auch darunter die Feuchtigkeit abtrocknen kann. Denn mit Feuchtigkeit hat das alte Gemäuer seit einigen Jahren ein Problem.

Die Kirche in Cammer ist vom Förderverein

Die Kirche in Cammer ist vom Förderverein „Alte Kirchen“ zur Kirche des Monats Juni gewählt worden. Im Inneren finden etwa 200 bis 300 Menschen Platz. Quelle: Josephine Mühln

Eines, das auch für Besucher deutlich sichtbar ist. Im Innenraum blättert die Farbe von den Wänden. Hinter der steinernen Kanzel an der Wand wird seit zwei Jahren der Wasserstand mit Markierungen festgehalten. Etwa 20 Zentimeter bewegt sich der feuchte Rand jährlich nach oben.

Es gilt, ihn zu stoppen. Denn erst, wenn alle Feuchtigkeit aus der Kirche raus – und sichergestellt ist, dass keine neuen Schäden entstehen – kann mit der Restaurierung des Innenraums begonnen werden. Dafür engagiert sich nicht nur Annerose Lukas, sondern die gesamte Kirchengemeinde, zu der etwa 50 Prozent der Dorfbewohner gehören.

Dorfkirche des Monats

„Der Zusammenhalt zeichnet unsere Gemeinde aus“, sagt die Rentnerin. „Es herrscht ein gutes Miteinander und wenn es drauf ankommt, dann packen alle mit an.“ Dann spiele es auch keine Rolle, ob jemand zur Kirchengemeinde gehöre oder nicht, weiß die Cammersche, die auch Mitglied im Gemeindekirchenrat ist.

Um das Engagement und die Bemühungen der Kirchengemeinde für den Erhalt des Gotteshauses zu würdigen, hatte der Förderkreis „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“ die Dorfkirche in Cammer zuletzt zur Kirche des Monats Juni gewählt.

Annerose Lukas kümmert sich als Gemeindemitglied seit zwei Jahren um die Kirche in Cammer. Quelle: Josephine Mühln

Ein Konzept für den Kampf gegen die Feuchtigkeit steht bereits – und mit der Umsetzung solle so bald wie möglich begonnen werden, wie Andrea Molkenthin, Baupflegerin des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg (EKMB), im Gespräch mit der MAZ bestätigt. Dann sollen Fehler von früheren Sanierungen behoben werden. Diese reichen bereits zurück bis ins Jahr 1975, wie auf der Internetseite des Förderkreises „Alte Kirchen“ zu lesen ist.

„Bei einer Sanierung der Kirche 1975 wurden die Außenwände mit einem DDR-typischen Rauhputz verputzt“, heißt es dort. „Doch nicht nur aus ästhetischer Sicht wurde dies zum Problem. Durch das stark zementhaltige Material konnte das Mauerwerk nicht atmen, was zu gravierenden Feuchtigkeitsschäden führte.“ Bei einer Schadensanalyse 2011 sei dann besonders der bereits schief stehende Kirchturm in den Blick geraten.

Drei Glocken im Turm

Die Dorfkirche von Cammer ist im Ursprung ein mittelalterlicher Feldsteinbau, der 1775 in Backstein nach Osten erweitert wurde und Ende des 19. Jahrhunderts eine Apsis erhielt.

Zur Zeit des ersten Umbaus erhielt der Turm seinen heutigen Aufsatz und auch die Fensteröffnungen wurden vergrößert.

Im Turm befinden sich drei Glocken. Die älteste und kleinste ist aus Bronze und stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Die beiden anderen Bronzeglocken mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden und wurden durch Stahlglocken ersetzt.

Dessen Sanierung und die des Kirchenschiffs sei dann 2014 mit Hilfe von Geldern aus dem Staatskirchenvertrag möglich gewesen, schreibt der Förderkreis weiter. Das Gotteshaus erhielt nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten einen atmungsaktiven Kalkputz.

Allerdings wurde aus denkmalpflegerischen Gründen entschieden, bisher vorhandene Regenrinnen nicht mehr anzubringen und stattdessen die Regenfeuchtigkeit mittels einer wasserabführenden Lehmschicht vom Gebäude wegzuleiten. Nun, einige Jahre später, musste festgestellt werden, dass diese Maßnahme nicht ausreichend war.

Maßnahmen für rund 10.000 Euro

Also soll die Kirche nun doch wieder Regenrinnen und Fallrohre bekommen. „Wir arbeiten dafür unter anderem mit einem Dachdecker aus Cammer zusammen, der sich für den Erhalt der Kirche engagieren möchte und deshalb ein gutes Angebot gemacht hat“, erläutert Andrea Molkenthin. „Außerdem werden um das Gebäude Rinnen gepflastert, damit das Wasser noch weiter weggeleitet werden kann und nicht an der Mauer steht.“

Dank der guten Angebote könnten alle Maßnahmen für rund 10.000 Euro abgeschlossen werden, sagt die Baupflegerin weiter. An der Finanzierung beteiligt sich neben dem Förderkreis „Alte Kirchen“ auch der Landkreis Potsdam-Mittelmark. Außerdem fließen Eigenmittel der Kirchengemeinde mit ein.

Spenden werden beispielsweise bei Veranstaltungen wie dem Adventssingen oder einem Orgelkonzert zusammen mit dem Chor eingenommen. So eines sei ursprünglich für Juli geplant gewesen, wie Annerose Lukas erzählt. „Aber wegen Corona müssen wir nun erstmal abwarten“, sagt die Seniorin, die seit zwei Jahren für die Kirche verantwortlich ist und auch den Frauenkreis mit gestaltet. Dieser trifft sich von Oktober bis April alle vier Wochen in der beheizbaren Winterkirche im vorderen Bereich des Gebäudes.

„Wir sind meist um die 16 Frauen, es gibt Kaffee und Kuchen und dann schauen wir gemeinsam Bilder an oder feiern auch zusammen Fasching“, erzählt Annerose Lukas. Sie lobt die Arbeit von Oliver Notzke, der seit 2019 als Famulus für die Gemeinde zuständig ist. „Mit ihm haben wir einen guten Griff gemacht. Er ist noch jung, das macht viel aus“, sagt Lukas. „Er ist umsichtig und engagiert. Wir hoffen natürlich, dass er hier bleiben will.“

Von Josephine Mühln

Märkische Allgemeine Zeitung, 06.07.2020
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