19.01.2021  –  Lausitzer Rundschau

Wie eine 200 Euro Spende den Weg zur Restaurierung der Orgel von Grano ebnete

Die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021. Doch in der Dorfkirche Grano kann sie derzeit nicht erklingen: Sie wurde ausgebaut und wird in den kommenden Monaten in einer Traditionsfirma wieder auf Vordermann gebracht.

19. Januar 2021, 13:02 Uhr•Grano
Von Thomas Engelhardt

Thomas Lang, Foto: Engelhardt
Kirche Grano, Foto: Engelhardt

Wer in der Granoer Kirche auf die Suche nach dem Instrument des Jahres 2021 geht, der muss das Gotteshaus unverrichteter Dinge wieder verlassen. Nein, hier können aktuell keine Orgelklänge ertönen. Dort, wo sonst die Orgel auf der Empore steht, gähnt derzeit ein großes Loch. Und das ist auch gut so, denn das Instrument wird in den kommenden Monaten komplett restauriert.Zu finden ist die Orgel deshalb in diesen Tagen in Müllrose, in den Werkstätten der Firma W. Sauer Orgelbau. Ihre Mitarbeiter bauten das Instrument Ende November in Grano aus und haben inzwischen schon mit der Reinigung der Einzelteile begonnen. „Ziel der Restaurierung ist es, das Instrument wieder in seinen Originalzustand zu versetzen“, sagt Thomas Lang, der Fachtechnische Leiter des Unternehmens.

Granoer Instrument erlebte mehrere Umbauten

Der Grund: Das 1861, also vor 160 Jahren von der Orgelbaufirma Gast erbaute Instrument hat in all den Jahrzehnten schon so manche Veränderung erlebt. Im Ersten Weltkrieg wurden mehrere Prospektpfeifen aus Zinn entfernt, 1954 war eine Holzwurmbehandlung nötig. Die gravierendste Veränderung folgte aber 1975. „Da wurden entsprechend des damaligen Zeitgeschmacks Register ausgetauscht“, erklärt Orgelbauer Lang. Statt ihres ursprünglichen romantischen Klanges erhielt das Instrument beim damaligen Umbau einen barocken Klang. Genau diese Änderung soll nun wieder rückgängig gemacht werden.

Zu tun gibt es in den Räumen der traditionsreichen Orgelbau-Firma, die genau vier Jahre älter ist als das Granoer Instrument, eine ganze Menge. So sind zum Beispiel die Pfeifen und der Windkanal auf Vordermann zu bringen, aber auch einen neuen Motor wird die Orgel erhalten. „Ein großer Vorteil ist, dass einige Registerpfeifen, die damals ausgebaut wurden, nicht etwa weggeschmissen, sondern in der Kirche eingelagert wurden.“ Das werde beim Wiederherstellen des ursprünglichen Klangs helfen.

Groß Drewitzer machte sich für Orgel stark

Dass es überhaupt zu Restaurierung der Granoer Orgel kommt, ist vor allem der Beharrlichkeit von Ulrich Heß zu verdanken. Der Groß Drewitzer ist seit 1989 Mitglied im Gemeindekirchenrat und setzte sich viele Jahre lang dafür ein. „Seit dem Umbau 1975 ist an der Orgel nichts mehr passiert. Sie war verstimmt, die Mechanik befand sich in einem desolaten Zustand.“ Und neben dem Zahn der Zeit hätten auch Mäuse und erneut der Holzwurm an ihr genagt.Schon zu Zeiten von Pfarrerin Gabriele Neumann, in den 90er-Jahren, sei klar gewesen, dass etwas passieren muss. „Lange Zeit ist es bei dem Gedanken geblieben“, erzählt Heß. Doch ab 2015 habe man dann angefangen, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. „Da hat mir jemand eine 200-Euro-Spende in die Hand gedrückt und gesagt, dass wir doch mal was für die Orgel tun sollen.“Dass er mit 200 Euro nicht weit kommen würde, wurde Heß schnell klar, als er sich ein Angebot einholte: Eine umfassende Restaurierung würde rund 68.000 Euro kosten. Dabei war es Heß von Beginn an wichtig, dass es eine komplette Sanierung wird und nicht etwa nur Flickschusterei.

Vom Landrat bis zur Bundesbeauftragten

Also begann für Ulrich Heß das große Klinken putzen. Ob nun im Landratsamt, beim Konsistorium der Kirche, bei Bundestagsabgeordneten, in der Gemeinde Schenkendöbern oder sogar der Bundesbeauftragten für Kultur: Immer wieder brachte der Groß Drewitzer sein Anliegen vor.Am Ende waren auch die Denkmalbehörde und ein Orgelsachverständiger im Boot. Letztlich hatte Heß 89.000 Euro für die Restaurierung zusammen.Thomas Lang hofft, dass die Arbeiten in diesem Jahr ausgeführt werden können und die Orgel dann 2022 wieder in die Granoer Kirche eingebaut werden kann. „Das ist zumindest der Plan. Natürlich ist das auch von Corona und der Situation bei unseren Zulieferern abhängig.“Aber auch Ulrich Heß hofft, dass die Orgel 2022 wieder ihren Platz einnehmen kann. Im nächsten Jahr wird er nämlich 60. Und da wäre es doch ein besonderes Geschenk, wenn die Granoer Orgel wieder im neuen alten Klang ertönt.

Und so sieht es um die anderen Orgeln der Region aus

Orgeln gibt es in den meisten Kirchen der Gubener Region. Kirchenmusikdirektor Hansjürgen Vorrath hat zu einigen eine kurze Einschätzung abgegeben:

– Groß Breesen: Die dortige Kirchenorgel wurde im vorigen Jahr 200 Jahre alt. Vorrath: „Hier muss unbedingt etwas gemacht werden, wäre eine Generalüberholung notwendig, damit sie wieder vernünftig spielen kann.“

– Pinnow: Die Sauerorgel stammt aus dem Jahr 1910. Vorrath: „Sie wurde 2006 generalüberholt. Ein sehr gutes Instrument.“

– Atterwasch: Die Orgel stammt aus dem Jahr 1905. Vorrath: „Sie ist gut spielbar, vor allem für kleine Konzerte.“

– Orgeln gibt es auch in der Kerkwitzer Kirche und der Klosterkirche. Letztgenannte stammt aus dem 1950er-Jahren. Die Orgel in der Kirche Des Guten Hirten stammt aus dem Jahr 1903 und ist ebenfalls eine Sauer-Orgel wie auch die Orgel der Katholischen Kirche. Und auch in der Friedenskirche in der Dr.-Ayrer-Straße ist eine Orgel zu finden.

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