26.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Wie es mit den Sommermusiken am Dom zu Brandenburg weitergehen soll

Eigentlich stand das Programm für die Sommermusiken am Dom schon seit Ende des Vorjahres fest. Corona hat alles durcheinander gebracht. Und der Kantor lässt sich nicht entmutigen, er hat viele Ideen.

Eigentlich stand das Programm für die Sommermusiken am Dom schon seit Ende des Vorjahres fest. Corona hat alles durcheinander gebracht. Und der Kantor lässt sich nicht entmutigen, er hat viele Ideen.

Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht jedoch ist fest entschlossen, seine Sommermusiken im Dom irgendwie über die Runden zu bringen. „Wir müssen im Juni unbedingt anfangen. Die für Juni/Juli angekündigten Chöre und Jugendorchester sind ohnehin alle abgesagt, weil dort die Abstände gar nicht gehalten werden können.“ Man werde sich auf kleinere Formen wie Kammerorchester, Orgelspiel und kleine Ensemble verlegen müssen.

Bestuhlung für 100 Zuhörer

„Ich habe mich lange gefragt, was wir theoretisch hinbekommen. Eine coronagerechte Bestuhlung würde 100 Plätze hergeben“, sagt der Kantor. Doch noch stehen die Verordnungen des Landes dem entgegen: Es darf bis mindestens zum 5. Juni weder Konzerte noch Veranstaltungen mit mehr als 50 Menschen geben.

Not macht erfinderisch

Not macht erfinderisch: „Wenn es keine Konzerte sind, dann werden es eben Musikalische Andachten oder Orgelvespern.“ Marcell Fladerer-Armbrecht hat jüngst selbst auf solchen veranstaltungen in Hessen und Niedersachsen gespielt – auf Einladung der Kirchengemeinden.

Konzerte nur in der Hauptkirche

Veranstaltungsort in Brandenburg an der Havel wäre ohnehin nur die Domkirche, kleinere Orte wie Krypta, Kreuzgang oder Petrikapelle sind aufgrund des begrenzten Platzes ohnehin tabu. Den Kirchenmusiker treibt noch ein weiteres Problem um: „Ich möchte unser Publikum vor Enttäuschungen schützen. Im Durchschnitt kamen zu den Veranstaltungen der Sommermusiken in den vergangenen Jahren immer mehr als 70 Zuhörer. Wenn ich nur 50 Gäste reinlassen darf, muss ich mindestens zwei Dutzend jedes Mal nach Hause schicken.“

Anmeldungen erbeten

Bleibt es bei den Beschränkungen, will Fladerer-Armbrecht deshalb auf ein Anmeldesystem umsteigen. Das bedeutet aber nicht, dass Eintritt erhoben und Karten verkauft würden. Das würde den eigenen Regeln widersprechen, schließlich werden die meisten Musikereignisse am Dom ohne festen Eintrittspreis angeboten. Gewünscht sind freiwillige Spenden: Wer mehr hat gibt mehr, wer wenig hat, gibt weniger. So werde der Zugang zur Kultur allen ermöglicht.

Verzicht auf festes Honorar

„Wir hatten auch schon einige Angebote von Künstlern, die unbedingt auftreten wollen. Sie sagen, dass sie auf feste Honorare notfalls verzichten und sich mit der Kollekten-Einnahme begnügen würden“, erzählt der Kantor.

Ohnehin lasse sich nicht abschätzen, wie sich die Einnahmen entwickeln würden. Fest steht, dass der Musikchef bereits umfangreich umplanen musste. Gerade internationale Künstler hätten notgedrungen reihenweise abgesagt. Er werde aber nicht Alleinunterhalter sein und ein rein orgellastiges Programm anbieten, sondern möglich machen, was irgendwie geht.

Bläser im Friedgarten?

„Wenn die Verordnungen oder die kirchlichen Auslegungen es zulassen, kann ich mir auch vorstellen, ein Bläserkonzert im Friedgarten zuz veranstalten. Im Freien ist der Angstfaktor auf allen Seiten nicht so groß.“

Chorkonzerte sind schwierig

Er werde ständig mit Fragen bombardiert, „wann denn endlich wieder etwas losgeht“. Dabei muss der Domkantor auch noch weiter denken. „Sorgen machen mir die großen Chorkonzerte nach dem Sommer.“ So sei im September ein Konzert des Motettenchors geplant. „Sie werden nicht das neue Programm singen können, sondern nur etwas aus dem vorhandenen Repertoire.“

Proben per Zoom-Video

Auch stehen dann noch das Mozart-Requiem sowie das Weihnachtsoratorium mit dem Stadt- und Domchor an. Bislang behelfen sich die Musiker bei den Proben mit der Videoplattform Zoom, doch hat auch dies technische Tücken und verlange von allen große Disziplin. „Ich hätte mir auch nicht träumen lassen, dass ich einmal unter solchen Bedingungen Stücke einstudiere.“

Von André Wirsing

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.05.2020
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