04.11.2019  –  Lausitzer Rundschau

Wiederaufbau Guben – Projekt Ein Kirchturm voller Geschichte

Die einstige Gubener Stadt- und Hauptkirche im November 2019. Vor allem ihr Turm soll in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden.

In der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche sollen mehrere Ausstellungen ihren Platz finden. Der Kirchturm soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Dort sollen auch Filme über Weinanbau gezeigt werden.

Die einstige Gubener Stadt- und Hauptkirche soll noch mehr zu einem Anziehungspunkt für Touristen werden. Eine zentrale Rolle bei diesen Bemühungen soll der Turm der Gotteshauses spielen. In seinem Treppenhaus soll auf neun Ebenen Guben-Gubiner Geschichte erzählt werden. So könnte der Aufstieg für den Besucher zu einer lehrreichen Angelegenheit werden.

Für eine dieser Zwischenebenen sind die Ideen schon besonders weit gediehen. Dort soll, so Günter Quiel, der Vorsitzende des Fördervereins für den Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, eine kleine Schau unter dem Motto „700 Jahre Weinanbau“ ihren Platz finden. 

„Junge Leute können sich das heute kaum vorstellen, dass Guben einmal ein Weinanbaugebiet war. Tatsache ist aber, dass Guben zum Beispiel im 16. Jahrhundert jährlich rund 500 000 Liter Wein nach Danzig geliefert hat. Das war  bis ins 19. Jahrhundert ein bedeutender Wirtschaftszweig, davon haben viele Menschen hierzulande leben können.“

Film und Schautafeln im Gubiner Kirchturm

Im Turm der Stadt- und Hauptkirche will der Förderverein diese Tradition noch einmal aufleben lassen. So soll es neben mehreren Schau­tafeln auch einen Film geben, der den Besuchern in einer Endlosschleife gezeigt wird.

 Am Montag durfte sich Quiel in diesem Zusammenhang über einen weiteren Baustein freuen. René Hammel, Teamleiter der Volksbank Spree-Neiße in Guben, die selbst Mitglied des Fördervereins ist, überreichte ihm einen Spendenscheck über 500 Euro. 

Das Geld, das aus dem Ertrag des VR-Gewinnsparens stammt, soll für die entsprechende Technik, unter anderem den Fernseher, auf dem der Film gezeigt wird, zum Einsatz kommen. Auch die Datenträger und der Ständer für den Fernseher sollen davon finanziert werden.

Neuer Film über Gubener Weinanbau

Auf Unterstützung kann sich der Förderverein bei der Umsetzung dieses Projektes auch in anderer Hinsicht verlassen. So soll in Zusammenarbeit mit dem Niederlausitzer Weinbauverein ein neuer Film entstehen. 

„Es gibt zwar bereits einen Film, aber der ist inzwischen schon zehn Jahre alt. Deshalb wird ein neuer vorbereitet“, so Quiel. Darin wird es auch Bezüge zur aktuellen Weinanbautätigkeit in Grano und Gubin geben. 

Zudem sollen im Turm auch einzelne Gerätschaften ausgestellt werden, die man beim Weinanbau und seiner Verarbeitung benötigt. Dazu werde es eventuell noch einen Aufruf des Fördervereins geben.

Kirchturm in Gubin noch für Aufstieg gesperrt

Klar ist die Zielstellung, wann die Wein-Ausstellung im Kirchturm den Besuchern gezeigt werden soll: „Wir wollen sie zur Eröffnung der Turmsaison 2020 einweihen“, sagt Quiel. 

Dabei gibt es allerdings noch einen Haken: Nach wie vor ist der Turm für den Aufstieg gesperrt. Die zuständigen Bauaufsichtsbehörden hatten die Sperrung bereits im April angewiesen. 

Nun hofft der Chef des Fördervereins, dass von polnischer Seite die entsprechenden Auflagen erfüllt werden, damit auch tatsächlich wieder Besucher in den Turm dürfen. So müssen unter anderem Absicherungsnetze ausgetauscht und Pflanzen von den Mauern entfernt werden.

Was wird im Kirchturm in Gubin gezeigt?

Und was wird auf den anderen acht Ebenen des Treppenhauses gezeigt? Auch dafür hat der Förderverein so einige Vorstellungen. „Wir wollen die Stadtgeschichte darstellen, in deren Verlauf Guben zu Böhmen, Sachsen und Preußen gehörte. Wir wollen aber auch die prägenden Industrien zeigen, also die Tuch- und die Hutindustrie und die Chemiefaserherstellung“, erklärt Quiel. 

Er könne sich aber auch vorstellen, dass die Gubener Eisenbahngeschichte dargestellt werde. „Immerhin begehen wir im Jahr 2021 gleich mehrere Bahn-Jubiläen in der Stadt, unter anderem 150 Jahre Gubener Bahnhof.“ 

Quiel wünscht sich, dass es auch bei der Gestaltung dieser Zwischenebenen eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen gibt. Das komplette Turm-Projekt könnte dann vielleicht im Jahr 2024 fertiggestellt werden, wenn Polen 20 Jahre der EU angehört.

Und wie geht es mit dem Kirchenschiff weiter? Da hofft Günter Quiel, dass die Ruine auf die nationale Denkmalliste Polens aufgenommen wird. „In dem Fall könnte es mehr Geld für die Sicherung des Gebäudes geben, weil der polnische Staat direkt dafür zuständig wäre. 

Und dann wäre auch eine umfangreichere saisonale Nutzung der Kirche denkbar“, so Quiel. Aber auch auf deutscher Seite will der Förderverein weiteres Geld sammlen, um die Kirchenruine besser sichern zu können.(ten)

Lausitzer Rundschau, 04.11.2019
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