29.04.2021  –  Märkische Oderzeitung

Zu hohe Kosten – Marode Mauer in Grüneberg bereitet der Kirche Sorgen

Risse, lose Steine, Moos: Die Kirchenmauer in Grüneberg muss saniert werden. Doch der Gemeinde fehlt das Geld. Jetzt wird nach Lösungen gesucht.

29. April 2021, 06:00 Uhr•Grüneberg
Von Burkhard Keeve

Löcher in der Kirchenmauer von Grüneberg sollen ausgebessert werden.
Löcher in der Kirchenmauer von Grüneberg sollen ausgebessert werden.
© Foto: Burkhard Keeve
Alte Grabsteine an der Kirche zeugen von dem dem Friedhof der früher an der Kirche war.
Alte Grabsteine an der Kirche zeugen von dem dem Friedhof der früher an der Kirche war.
© Foto: Burkhard Keeve

https://e502cc9e2d7172ac2e8e263ce0023944.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.htmlMehr als 300 Meter ist die alte Kirchenmauer in Grüneberg lang. Sie steht da, als gehörte sie immer schon dahin, unverrückbar auf dem zentralen Dorfanger. Das aus Fels- und Feldsteinen errichtete Bauwerk umfasst den gesamten Kirchplatz, in deren Mitte die dorfprägende Kirche aus dem 13./14. Jahrhundert steht. Ebenso unverrückbar. Auch wenn ein Brand – wahrscheinlich 1749 – zu einem Neuaufbau führte (siehe Infokasten). Beide, Kirche und Mauer, sind in die Jahre gekommen. Doch besonders an der Mauer nagt der Zahn der Zeit. Jetzt hat sich der Gemeindekirchenrat von Grüneberg für eine behutsame Sanierung der brusthohen Umfriedung entschlossen. Doch eines steht fest: Billig wird das nicht.

Kirche ist auf Spenden angewiesen

Das bereitet dem Gemeindekirchenrat Grünebergs die größten Kopfschmerzen. Über die eventuellen Kosten wollen Elfriede Kloß und Marianne Reitzenstein vom Kirchenrat noch schweigen. „Wir warten gerade auf die Angebote von den Firmen für die Sanierung“, sagt Marianne Reitzenstein.Mehr als 300 Meter ist die Mauer um die Kirche in Grüneberg lang.Mehr als 300 Meter ist die Mauer um die Kirche in Grüneberg lang.
© Foto: Burkhard Keeve

Drei Angebote zum Preisvergleich wollen sie sich anschauen und dann entscheiden. Aber sie haben es nicht allein in der Hand. Sie wollen Fördermittel beim Kirchenkreis Oberes Havelland, zu dem die evangelische Gemeinde Grünebergs gehört, beantragen. Auch für die „Baubeihilfe“ sind die Firmenangebote wichtig. Über viel eigenes Geld verfügt die Grüneberger Kirche nicht. Ohne Unterstützung bleibt die Mauer dem Verfall überlassen. „Wir sind daher über jeden Euro, jede Spende für die Mauersanierung dankbar“, sagt Elfriede Kloß.

Moos ist auf der Kirchenmauer in Grüneberg gewachsen. Im Hintergrund Elfriede Kloß vom Gemeindekirchenrat.Moos ist auf der Kirchenmauer in Grüneberg gewachsen. Im Hintergrund Elfriede Kloß vom Gemeindekirchenrat.
© Foto: Burkhard Keeve

Lose Steine an der Außenmauer

Von Weitem betrachtet, sieht die gemauerte Umrandung tadellos aus. Zwar etwas alt und verwittert und sicherlich nicht mehr ganz grade in der Flucht, ein bisschen Moos hier und da, doch nicht so, als würde sie jeden Moment umkippen. Aber der Teufel steckt im Detail. „Viele Fugen sind kaputt, dadurch kann Feuchtigkeit eindringen“, sagt Elfriede Kloß. Auch die Abdeckung der Maueroberfläche sei teilweise rissig, was auf Witterungsschäden hinweist. Und Moos und Flechten seien eher schlecht fürs Gemauerte. „An der Außenseite sind bereits einige Steine herausgefallen“, weist Marianne Reitzenstein hin. „Wer möchte, kann uns ansprechen. Wir machen gern Führungen, um die Schäden zu zeigen“, bieten die beiden Frauen vom Gemeindekirchenrat Grüneberg an.Marianne Reitzenstein zeigt Schäden an der Kirchenmauer in Grüneberg.Marianne Reitzenstein zeigt Schäden an der Kirchenmauer in Grüneberg.
© Foto: Burkhard Keeve

Sanierungsaufwand ist hoch

Früher wurden die Toten unmittelbar an der Kirche begraben. Der Friedhof war von dieser Mauer umgeben. Einige Grabsteine an der rückseitigen Front der Kirche weisen darauf hin. Wann genau der Friedhof von der Kirche an den jetzigen Standort an der Stege verlegt wurde, konnten sich Marianne Reitzenstein und Elfriede Kloß nicht erinnern. Auch seit wann die Mauer bereits steht, bleibt im Dunkeln. Klar ist aber, dass die Mauer immer maroder wird. Und schon jetzt sei der Sanierungsaufwand hoch. Reitzenstein: „Da muss dringend etwas gemacht werden.“

Die Kirche Grüneberg

Seit spätestens 1459 besitzt Grüneberg eine Kirche, die traditionell die Mutterkirche von Liebenberg war.

Die Kirche Grüneberg war ursprünglich frühgotischen Stils. Es ist eine Saalkirche mit angebauter Vorhalle, Sakristei und einem breiten Turmhaus. An der Kirche finden sich Spuren von Spitzbogenfenstern. Das Turmhaus besitzt ein spitzbogiges, zweimal abgestuftes Westportal. Der Kanzelaltar im Stil des Barock entstand etwa 1750.

Die Kirche ist das älteste Bauwerk von Grüneberg. Sie ist ursprünglich ein frühgotischer Kirchenbau, ErneuWahrscheinlich wurde sie nach einem Brand im Jahr 1749 erneuert. Die fünf ursprünglich spitzbogigen Fenster an jeder der Langseiten wurden 1749 im Stichbogen geschlossen und wie die Ecken und Flächen des Schiffes durch flache, in Putz ausgeführte Gliederungen eingefasst.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche nach Osten hin erneuert und verputzt. Als Wehrkirche gebaut, diente sie nicht nur für Gottesdienste sondern auch als Schutz und Zuflucht für die Menschen.

1900 erfolgte die Wiederherstellung im Innern der Kirche. Das Turmhaus besteht nun aus gespaltenen Feldsteinen, der Granitsockel ist gefasst, auch sämtliche Kanten und Ecken sind sorgfältig aus Granit gearbeitet.

Das Dach der Kirche ist im September 1982 eingestürzt. Im Juni 1985 wurde mit dem Neuaufbau begonnen, dabei halfen viele Nichtchristen mit, die auch noch danach Besucher der Kirche waren.

Märkische Oderzeitung, 29.04.2021
Zur Kirche
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