09.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Zwei Auszeichnungen für Halbe

Der Denkmalpflegepreis 2020 des Landes und eine spezielle Auszeichnung gehen nach Halbe. Gewürdigt werden die Restaurierungen des Kaiserbahnhofs und der Dankeskirche.

Das sind doch mal richtig schöne Nachrichten: Der Denkmalpflegepreis2020 des Landes Brandenburg geht an Peter Macky für die Restaurierung des Kaiserbahnhofs in Halbe. Außerdem ist die Halber Dankeskirche vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu „Brandenburgs Dorfkirche des Monats“ auserkoren worden.

Orgel der „Dorfkirche des Monats“ wird momentan saniert 

„Das ist natürlich gut“, freut sich Martina Morgenstern, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, über die zusätzliche Aufmerksamkeit, die diese Hervorhebung bringt. Anerkannt wird damit zugleich das große Engagement des Fördervereins Dankeskirche e.V., dessen Akteure jahrelang darum gekämpft hatten, dass die bis vor kurzem noch marode Kirche saniert wird. Mittlerweile strahlt das Gotteshaus nebst früherem Pfarrhaus, in dem sich ein evangelisches Freizeitheim befindet, wieder in warmem Ockergelb. Der Holzwurm und der Schwamm im Inneren sind beseitigt, in Absprache mit dem Denkmalschutz konnte der Gebäudekomplex rundum restauriert werden. Dass aber die erfolgreichen Arbeiten mal mit einer Art Wiedereröffnung gefeiert werden, verhinderte nicht zuletzt Corona. Aber vor allem auch die Tatsache, dass, kaum, dass alles so gut wie erledigt schien, doch noch einmal Schwamm in den seitlichen Emporen des Kirchenschiffs entdeckt worden war. 

Die Dankeskirche Halbe während der Sanierungsarbeiten im Mai 2018. Der Turm war bereits 2015 fertiggestellt worden.

Die Dankeskirche Halbe während der Sanierungsarbeiten im Mai 2018. Der Turm war bereits 2015 fertiggestellt worden. Quelle: Karen Grunow

Zum Glück konnte die Kirchengemeinde zusätzliche Gelder aus dem EU-Förderprogramm Leader beantragen, durch das die große Sanierung bereits maßgeblich gefördert worden war. Da wurde auch gleich Geld eingeplant für die Sanierung der Orgel, die derzeit im Gange ist. Momentan, berichtet Martina Morgenstern, warte man bezüglich Leader noch auf einen Bescheid aus Luckau, damit die angedachten Gelder bis Jahresende und nicht nur bis Herbst zur Verfügung stehen. Denn die Orgel benötigt einen neuen Motor und der ist noch nicht da. Die Orgelbaufirma Sauer, die jene Halber Orgel übrigens für die 1914 eingeweihte Kirche bereits gebaut hatte, saniert das große Instrument derzeit. „Ich hoffe, dass sie zum 24. Dezember wieder bespielbar ist“, sagt Martina Morgenstern. Komplett saniert ist sie dann noch nicht. Es müssten noch einige in den 1950er Jahren ausgebaute Register wiederhergestellt werden, damit die Sauer-Orgel wieder ihren früheren Klang bekommen kann. „Dafür werden noch einmal 20.000 Euro benötigt“, so Morgenstern. Der Förderverein ist bereits wieder fleißig dabei, Spenden zu sammeln, wie all die Jahre schon, als die Dankeskirche zunächst noch ganz hinten stand auf der Liste der dringend zu sanierenden Bauten und dann vor allem auch aufgrund des Engagements vor Ort immer weiter nach vorne rutschte. Der Förderkreis Alte Kirchen gehörte von Beginn an zu den Unterstützern des Sanierungsprojektes.

Noch einmal Kirchencafé in diesem Jahr

Wie es mit Veranstaltungen, zum Beispiel dem eigentlich traditionellen Adventsmarkt, in diesem Jahr angesichts der Corona-Pandemie sein wird, ist noch nicht klar. Fest steht aber, dass es am 19. September noch einmal ein Kirchencafé geben wird. Ab 14.30 Uhr wird dann selbst gebackener Kuchen serviert, der längst Fans über das Schenkenländchen hinaus gefunden hat. Beim letzten Kirchencafé Ende August „haben die Stühle nicht mehr gereicht“, erzählt Morgenstern. Das lag vor allem auch an der großen, einwöchigen Kunstaktion „HalbeWelt“ in den beiden Bahnhofsgebäuden.

Da war dann auch der Kaiserbahnhof des Neuseeländers Peter Mackyeinige Male zugänglich. Vor einem guten Jahr konnte er den Bahnhof wieder eröffnen, zehn Jahre, nachdem er sich während einer Radtour in das imposante Backstein-Gebäude des Architekten August Orthverguckt hatte. Nach einigen herben Rückschlägen ging es dann ab 2014 endlich gut voran bei der Restaurierung, ihm stand das Team des Architekturbüros von Stefan Zappe zur Seite und der Halber Willi Schwabe, ein früherer Eisenbahner, der sich als Bauleiter kümmerte und jederzeit bei Bedarf schnell vor Ort war. Ohnehin haben viele Menschen aus dem Ort und dem Schenkenländchen wohlwollend den Einsatz Peter Mackys begleitet. Der erhielt zuletzt auch Mittel aus dem EU-Programm Leader.

Bahnhofsbesitzer Peter Macky ist bereits wieder in Neuseeland

Der Bahnhof soll ein Café erhalten, dafür ist eigens ein schlichter Anbau entstanden mit Küche und Toiletten- sowie Stauräumen. In der oberen Etage wurde eine Ferienwohnung eingerichtet. Erste Trauungen finden seit Juli statt in dem 1865 als Empfangsgebäude für den König, dann Kaiser errichteten Bau.

Der Kaiserbahnhof mit seinen Türmen ist ein imposantes Gebäude mit besonderer Geschichte.

Der Kaiserbahnhof mit seinen Türmen ist ein imposantes Gebäude mit besonderer Geschichte. Quelle: Karen Grunow

Der Denkmalpflegepreis wird morgen von Kulturministerin Manja Schüle im Paulikloster in Brandenburg an der Havel überreicht. Peter Macky wird dann von Freunden vertreten werden, denn er selbst ist mittlerweile wieder in Neuseeland. Allerdings dort erst einmal als Einreisender in Auckland in Quarantäne. „Ich bin natürlich sehr glücklich, diesen Preis zu bekommen“, schreibt er von dort. „Es ist eine große Ehre für das Projekt und sehr aufregend für mich persönlich.“ Er ist Ende August nach fünf Monaten Aufenthalt in Berlin und Halbewieder zurückgeflogen. Seine Quarantäne verbringt er unter anderem damit, ein fast druckfertiges Buch über die Restaurierung des Kaiserbahnhofs final zu überprüfen.

Sein Projekt Kaiserbahnhof wird durch den Denkmalpreis mit 4.500 Euro gewürdigt, ebenso wie der Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V. und ein Projekt, bei dem ein baufälliges Denkmal in der Uckermark gerettet werden konnte. „Die meisten dieser Kleinode wären ohne privates und vielfach ehrenamtliches Engagement nicht zu erhalten“, betont Kulturministerin Manja Schüle (SPD). Außerdem werden noch Anerkennungspreise in Höhe von 1500 Euro an die Kirchengemeinde und der Förderverein Kirche in Brüsenhagen in der Prignitz, die Jugendbauhütte Brandenburg und drei ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger vergeben. 

Von Karen Grunow

Märkische Allgemeine Zeitung, 09.09.2020
Zur Kirche
Dankeskirche Halbe im Pressespiegel
Zwei Auszeichnungen für Halbe 09.09.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung