St. Nikolai-Kirche Spandau

Foto: Bernd Eufinger

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch über die aktuell geltenden Corona-Bestimmungen und ob die Kirche geöffnet ist.
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Steckbrief
13597 Berlin Spandau
Gotische Backsteinhalle 14. Jh., Taufbecken 1398, Lynar-Altar 1582, Kanzel um 1700; Eule-Orgel 1996. Täglich geöffnet von 12 - 14 Uhr. Orgelandachten Mai bis September: Samstags 12 Uhr. www.nikolai-spandau.de. Turmführungen nach Ankündigung.
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    St. Nikolai-Kirche Spandau
    Dorfkirche des Monats April 2022

    Bereits 1276 wurde der Ort Lobbese (bereits in der heutigen Schreibweise) erstmals urkundlich erwähnt. Heute ist das Dorf, das unweit von Wittenberge und damit direkt an der Grenze zu Sachsen-Anhalt liegt, ein Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen. In einem Visitationsbericht von 1591 wird erwähnt, dass der Ort immerhin 58 Hufen besaß, wovon zwei Freihufen dem Pfarrer gehörten. 

    Die Kirche von Lobbese, ein um oder kurz nach dem Jahr 1200 entstandener Feldsteinbau liegt leicht erhöht auf dem Dorfanger und bietet so einen beeindruckenden Anblick. Sie besteht aus einem langgezogenen Schiff, einem eingezogenen relativ kurzen, nahezu quadratischen Chor und einer kleinen Apsis. Über der Westwand sitzt ein aus dem 18. Jahrhundert stammendes Dachreitertürmchen aus Fachwerk, dessen Spitze mit Schiefer gedeckt ist. In der Apsis blieben die bauzeitlichen kleinen Rundbogenfenster erhalten. 

    Im Innenraum trennt ein runder Triumphbogen den Chorbereich vom Kirchenschiff. Ältestes Ausstattungsstück ist eine mittelalterliche Sandsteintaufe, die ursprünglich im westlichen Eingangsbereich der Kirche stand. Eine Sakramentsnische mit geschmückter Sandsteinrahmung,  schönen gotischen Beschlägen und dem sächsischen Wappen datiert laut Inschrift auf das Jahr 1518. Die hölzerne Kanzel des 17. Jahrhunderts schmücken Darstellungen der vier Evangelisten. Bei dem sich anschließenden „Pfarrstuhl“ (so unter anderem im aktuellen „Dehio“ benannt) dürfte es sich eher um einen evangelischen Beichtstuhl gehandelt haben, schließlich ziert ihn ein Gemälde, das die Beichte im protestantischen Sinne zeigt. Der Altar ist modern gestaltet. Die Orgel mit acht Registern auf einem Manual und dem Pedal schuf 1853 der im nahe gelegenen Niemegk wirkende Orgelbauer Gottfried Wilhelm Baer.

    Eher durch Zufall wurden im Innenraum der Dorfkirche Lobbese prächtige Jugendstilmalereien entdeckt. Im Apsis- und Chorbereich blätterte die hellgraue kunstharzgebundene Farbe ab. Zum Vorschein kamen leuchtend bunte Farben: Blumenornamente, illusionistische Vorhangmalereien, ein Sternenhimmel und Spruchbänder kamen zum Vorschein. Die malerische Gestaltung der Apsis, die um 1900 entstand und durch ein altes schwarz/weiß-Foto in ihrer Gesamtgestaltung gut dokumentiert ist, wurde ein gutes halbes Jahrhundert überstrichen. Nun hat die Gemeinde in Abstimmung mit den Denkmalbehörden beschlossen, diesen künstlerischen Schatz freilegen und restaurieren zu lassen und ihn so für die Öffentlichkeit wieder sichtbar werden zu lassen. 

    Die evangelische Kirchengemeinde Lobbese ist Teil des Pfarrbereichs Niemegk. Zur Gemeinde gehören etwa 50 Gemeindeglieder. Monatlich finden Gottesdienste statt, auch mit Lektoren und Ehrenamtlichen aus der eigenen Gemeinde. Zusätzlich laden Konzerte und kulturelle Veranstaltungen Besucher in die Kirche ein.

    Ein vom Förderkreis Alte Kirchen finanziertes restauratorisches Gutachten für die Freilegung der Jugendstilmalereien liegt vor, so dass die Arbeiten in diesem Jahr beginnen könnten. Der Förderkreis Alte Kirchen hat auch dafür seine finanzielle Unterstützung zugesagt; weitere Anträge sind in Bearbeitung. Darüber hinaus hat die Kirchengemeinde bereits erhebliche Eigenmittel in ihren Haushalt eingestellt. Die engagierte Gemeinde ist sich sicher, dass die wieder hergestellten Fresken Besucher aus der Region und darüber hinaus in ihre Kirche ziehen werden.

    Weitere Informationen: Pfarramt Niemegk; Pfarrer Daniel Geißler; Kirchplatz 9; 14823 Niemegk; Mail: pfarramt.niemegk@ekmb.de; Tel.: 033843-51338 

    Dorfkirche des Monats , März 2022

    Theodor Fontane widmet im Band „Fünf Schlösser“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ der Familie von Quitzow – ausgehend vom ursprünglichen Stammsitz des Adelsgeschlechtes, des heute leider im Dornröschenschlaf liegenden Schlosses Quitzöbel – ganze fünfzehn Kapitel. Ob er bei seinen Recherchen vor Ort auch das Dorf Kletzke besuchte, ist fraglich. Die dortige Kirche jedenfalls kommt bei dem märkischen Wanderer lediglich in einer Fußnote vor, die mit den Worten beginnt: „Die Kirche zu Kletzke, nicht so wohlerhalten wie die zu Rühstädt, war noch um 1750 reich an Quitzow-Grabsteinen und Quitzow-Monumenten.“ – Aber, lieber Herr Fontane, das ist sie doch auch heute noch …

    Besonders prächtig ist das an der Südwand erhaltene Grabmal für den 1616 verstorbenen Philipp von Quitzow aus verschiedenfarbigem Marmor, in dessen Zentrum die lebensgroße Figur des Verstorbenen aus weißem Alabaster steht. Links und rechts wird diese flankiert von den Marmorskulpturen Moses und Johannes des Täufers; getragen wird das durch Säulen gegliederte, auch im weiteren Aufbau reich geschmückte Epitaph von zwei Karyatiden. Nur wenig bescheidener präsentiert sich das Epitaph für Achatz von Quitzow, verstorben im Jahre 1605. Weitere Grabmäler mit figürlichen Darstellungen finden sich an der westlichen Außenwand des Gotteshauses.

    Bereits früh nannte die Familie von Quitzow einen Rittersitz in Kletzke, nordöstlich von Bad Wilsnack, ihr Eigen; Reste der einstigen Wasserburg sind noch vorhanden. In einer Urkunde von 1275 wird ein Hildebrand, Pfarrer in Kletzke (plebanus in Klesick) genannt, was darauf hinweist, dass der Ort bereits über ein Kirchengebäude verfügt haben muss. Der am Portal und den mittelalterlichen Fensterlaibungen mit teils glasierten Backsteinen verzierte Feldsteinbau mit einer halbrunden Apsis erfuhr im Laufe der Jahrhunderte mehrere Umbauten. So wurde im 17. Jahrhundert das Schiff um 1,50 Meter erhöht, die Kirche um etwa sechs Meter nach Westen erweitert und mit einem zweistöckigen Fachwerkturm versehen.

    Der Innenraum wird – neben den bereits erwähnten Epitaphien und einem weiteren Grabmonument für Margarete von Quitzow, geborene Morgenstern, von 1593, die ihren Gatten Dietrich von Quitzow um 20 Jahre überlebte – bestimmt durch einen spätbarocken Kanzelaltar. Die von drei Wappenschilde haltenden Löwen getragene, reich verzierte Sandsteintaufe aus dem beginnenden 17. Jahrhundert zeigt in den Seitenfeldern Reliefs der Opferung Isaaks, der Geburt Christi, seiner Taufe und der Auferstehung.

    Unter dem Altar befindet sich die Quitzowsche Familiengruft. Während Bauarbeiten im Jahr 1902 wurde diese geöffnet. Im Sarg des 1605 verstorbenen Achatz von Quitzow fand man „den Entschlafenen noch wohl erhalten“. An einer Kette um den Hals trug er einen wertvollen Ring; beigelegt hatte man ihm zudem einen Prunkdegen. In einem ausgedienten Uhrengehäuse mit gläserner Front, zu dem im Laufe der Zeit auch noch der Schlüssel verloren ging, wurde der Degen für fast einhundert Jahre hinter dem Altar in der Kletzker Kirche präsentiert. Wenn man sich die korpulente Figur des kurbrandenburgischen Landrates auf dem oben erwähnten Epitaph anschaut, wirkt der historische Prunkdegen eher wie ein Spielzeug.

    Im Laufe der Zeit hatten sich an Achatz‘ Degen schwere Schäden bemerkbar gemacht. In einer Stellungnahme der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz hieß es vor einem guten Jahr: „Der substantielle Zustand des Degens ist aufgrund der einstigen Erdbestattung und in Folge jahrzehntelanger ungünstiger klimatischer Aufbewahrungsbedingungen katastrophal.“ Den Anstoß für die Restaurierung gab die Bruderschaft der Askanier, die sich auch an den Kosten beteiligte. Auch für die Kirchengemeinde war dies ein Signal zum Handeln. Das kostbare Stück wurde inzwischen sorgfältig restauriert. Gegenwärtig befindet es sich noch im Museum in Perleberg. Am Tag des offenen Denkmals im September wird der Quitzowsche Prunkdegen im Rahmen einer festlichen Präsentation dann in einer klimatisierten Vitrine erstmals einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    Auch sonst ist die etwa 85 Mitglieder zählende Kirchengemeinde, die zum Pfarrsprengel Bad Wilsnack zählt, sehr aktiv. Neben den monatlichen Gottesdiensten finden Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Auch das renovierte ehemalige Pfarrhaus steht für Veranstaltungen der Kirchengemeinde, der Kommune und der örtlichen Vereine zur Verfügung. Gerade in Corona-Zeiten ist der Zusammenhalt im Dorf gewachsen; man hilft sich gegenseitig und feiert miteinander.

    Weitere Informationen: Christine Streese; Tel.: 01520-2843177; Mail: st_c_o@yahoo.de

    Tag des offenen Denkmals: 11. September2022; Beginn mit Gottesdienst, ab 9 bis 17 Uhr Führungen, für Verpflegung im Pfarrgarten bzw. bei Regen im ehemaligen Pfarrhaus ist gesorgt.

    Dorfkirche des Monats , Januar 2022

    „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Diesen Spruch aus Psalm 91 zitierte Pfarrerin Ute Wendel in ihrer Predigt am 3. Oktober 2021, als im Rahmen des Erntedank-Gottesdienstes der restaurierte Taufengel in die Staupitzer Kirche zurückkehrte. 

    Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort als „Stupozke“ 1231 im Urkundenbuch des Klosters Dobrilugk. Vermutlich verfügte das Dorf damals auch schon über ein Kirchengebäude. In den Kirchenbüchern ist zu lesen, dass die alte Kirche – vermutlich auch Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg geschuldet – 1685 „altershalber abgebrochen“ werden musste. Ob es sich dabei noch um den mittelalterlichen Ursprungsbau handelte, wissen wir nicht. Erst im Jahr 1717 wurde der noch heute den Mittelpunkt des Dorfes bildende Kirchenneubau fertiggestellt, ein breiter, verputzter, einfach gehaltener Saalbau mit dreiseitigem Ostschluss. Der südlich stehende Glockenturm, teils aus Backstein, teils eine verbretterte Holzkonstruktion, kam erst 1888 dazu. Schlicht ist auch die Ausstattung des Kircheninnenraumes: eine dreiseitige Empore, ein Pfarrstuhl sowie ein um 1832 entstandener, weiß gestrichener Kanzelaltar mit Pilastern und Seitenwangen. Und dann ist da neuerdings wieder der Taufengel, den man im Ort eigentlich schon vergessen hatte. Vermutlich bereits im 19. Jahrhundert als „unmodern“ aus der Kirche entfernt, lagerte er lange Zeit im Kunstgutdepot des Kirchlichen Bauamtes der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO); nur ein kleiner Zettel wies auf seine ursprüngliche Herkunft hin. Ursprünglich nahezu in aufrechter Haltung schwebend, hielt er mit beiden Händen ein nicht mehr vorhandenes Spruchband, das mit der Aufschrift „Friede auf Erden“ nun neu angefertigt wurde .Die ungewöhnlich schmale Gestalt wird durch das eng anliegende, fein gefaltete Gewand betont. Das Oberteil mit langen Ärmeln ist in der Taille mit einem Tuch eingeschnürt und am Rücken verlängert. Der Saum schwingt nach hinten aus, beim Untergewand deuten die weich fließenden, wellenartigen Falten eine leichte Bewegung an. Das zweiteilige Gewand war hellgrün gefasst, an den weißen Flügeln sind die Federkiele gelb akzentuiert. Die Befestigung der Flügel am Korpus erfolgte mittels eines eingelassenen Bandeisens

    Inzwischen hatten sich die Arme an den Leimflächen gelöst. Abgebrochen und verloren waren zudem Teile der Füße. Holzwurmbefall hatte besonders im vorderen Teil des Gewandes zu Schäden geführt. Klaffende Trocknungsrisse stellten ein weiteres Schadensbild dar. Die Oberfläche war stark verschmutzt, Lockerungen hatten zu partiellen Verlusten der originalen Malschicht geführt. 

    Der Holzschnitzer Claus Spies und die Restauratorin Silvia Koch aus Berlin haben ganze Arbeit geleistet und dem Taufengel seine ursprüngliche Schönheit zurückgegeben. Den größten Teil der Finanzierung übernahm der Förderkreis Alte Kirchen. Der Engel hat seinen Platz in der Nähe des Taufsteins gefunden und wartet nun darauf, dem ersten Täufling seiner neuen Amtszeit den Segen zu spenden. 

    Weitere Informationen: Pfarrerin Uta Wendel; Kirchstraße 4; 03253 Doberlig-Kirchhain; Tel.: 035322-15004; Mail: pfarramt-sued@kirche-finsterwalde.de

    Dorfkirche des Monats , November 2021

    Das etwa 15 Kilometer südwestlich der Stadtmitte von Brandenburg an der Havel am Südfuß der Karower Hochfläche gelegene Dorf Mahlenzien wurde 1370 in einem Lehnsregister erstmals urkundlich erwähnt. Etwa aus dieser Zeit stammt auch die „Motte von Mahlenzien“; die Reste einer frühdeutschen Turmhügelburg südlich der Kirche sind archäologisch gut untersucht. Nach verschiedenen Vorbesitzern geriet Mahlenzien ab 1583 in den Besitz der Familie von Schierstedt, unter deren Herrschaft der Ort zum reinen Gutsdorf ohne selbständige Bauern wurde. Die Mahlenziener Kirche, in ihren Ursprüngen ein Feldsteinbau aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts mit eingezogenem Chor, verdankt ihr heutiges Aussehen einem tiefgreifenden Umbau im Jahr 1729, der vermutlich nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg nötig geworden war. Das Gotteshaus erhielt ein Kehlbalken-Sparrendach mit liegendem Stuhl, was zu dieser Zeit im ländlichen Bereich noch recht selten war. Der Chor wurde auf die Breite des Langhauses gebracht und die Fenster wurden vergrößert. Über dem Westgiebel entstand ein Fachwerkturm mit Pyramidendach. Auch der neu gestaltete Ostgiebel wurde als Fachwerkkonstruktion gestaltet. Über der Eingangstür befindet sich das Wappen der Patronatsfamilie von Schierstedt.

    Im Innenraum, der noch ganz den romantischen Eindruck des barocken Umbaus vermittelt, ruht auf den Stützpfeilern des Fachwerkturmes die Westempore. Der mit reichem Schnitzwerk verzierte Kanzelaltar ist mit einer Chorempore verbunden. Links und rechts befinden sich Durchgänge und das jeweils vergitterte Patronats- und Pastorengestühl, von denen das Letztere vermutlich auch als evangelischer Beichtstuhl genutzt wurde. Auffallend ist, dass sämtliche hölzernen Einbauten holzsichtig sind und über keinerlei Farbanstrich verfügen. Zwei kleinere undatierte Glocken könnten ihrer Form nach noch aus dem Mittelalter stammen.

    Von 1999 bis 2004 wurde die zuvor nicht mehr nutzbare Dorfkirche Mahlenzien umfangreich instandgesetzt: Das Dach erhielt eine neue Deckung, Turm und Kirchenschiff wurden saniert. Auch die Ausstattung – Schnitzaltar und Gestühl – konnten restauriert werden. Doch inzwischen sind neue Arbeiten notwendig geworden: Am Turmfachwerk zeigen sich Schäden durch herabfallenden Putz. Im Inneren sind Risse im Ostgiebel und Putzschäden festzustellen. Die hölzerne Ausstattung ist massiv vom „Holzwurm“ (Anobium punctatum) befallen. Auch der Dachstuhl weist Schäden durch den Befall mit Schadinsekten auf.

    Es ist geplant, das Kircheninnere zu begasen, um die Anobien wirkungsvoll zu bekämpfen. Außerdem sollen 2022 die Schäden am Turm beseitigt und das Kircheninnere nach der Riss- und Putzsanierung denkmalgerecht saniert werden. Entsprechende Förderanträge sind in Vorbereitung. Um die Schädlingsbekämpfung durchführen zu können, sind verschiedene Gutachten vorzuweisen. Zum einen handelt es sich um eine Stellungnahme der Naturschutzbehörde, da im Kirchturm eine Schleiereule nistet und auch der Aufenthalt von Fledermäusen nicht auszuschließen ist. Zum anderen ist eine restauratorische Voruntersuchung nötig. Die Kosten für beide Gutachten wird der Förderkreis Alte Kirchen übernehmen, so dass im kommenden Jahr hoffentlich die eigentlich nötigen Arbeiten beginnen können.

    Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Wusterwitz; Pfarrer Holger Zschömitzsch; Hauptstraße 30; 14789 Wusterwitz; Tel.: 033839-71705; Mail: h.zschoemitzsch@gmx.de

    Dorfkirche des Monats , Oktober 2021

    Vor wenigen Wochen wurde in Göttlin, einem Ortsteil der Stadt Rathenow gefeiert: Nach gut zweijähriger Bauzeit konnte die Wiedereinweihung der sanierten Dorfkirche mit einem Festgottesdienst und einem kleinen Gemeindefest feierlich begangen werden. 

    Die mit rotem Backstein verblendete Göttliner Kirche in ihrer heutigen Gestalt entstand 1890 nach Plänen des Rathenower Baurats Rudolf Schuke. Ein Vorgängerbau aus Ziegelfachwerk war wohl teilweise marode geworden. Immerhin wurde der im Kern noch aus dem Mittelalter stammende Westgiebel mit dem eingezogenen Turm aus verputztem Fachwerk mit Zeltdach integriert. Über dem rundbogigen Westportal findet sich ein Sgrafitto aus den 1970er Jahren, das Maria mit dem Jesuskind in der Formensprache orthodoxer Ikonenmalerei darstellt.

    Aus dem Vorgängerbau war ein barocker Kanzelaltar übernommen worden, der jedoch, ebenso wie das Gestühl und ein Rokoko-Leuchter, dem Furor der siebziger Jahre zum Opfer fiel, als vielerorts der „alte Plunder“ aus den Kirchenräumen entfernt wurde, um die Kirchenräume „zeitgemäß“ umzugestalten. Auch die von dem Rathenower Instrumentenbauer Eduard Duchrow (1811-1905) gebaute Orgel ist nicht erhalten. Heute schmückt ein schlichtes Holzkreuz den hölzernen Altartisch, hinter dem ein in den Farben der Havellandschaft neu gestaltetes Fenster die Blicke auf sich zieht. Ältestes Ausstattungsstück ist eine 1690 von Jacob Wenzel aus Magdeburg gegossene Glocke, die glücklicherweise die beiden Weltkriege überdauert hat.

    In den vergangenen Jahrzehnten war die Kirchengemeinde immer wieder gefordert, ihre Kirche zu erhalten und instand zu setzen. Nach 1945 mussten schwere Kriegsschäden an der Ostseite und am Dachstuhl beseitigt werden, 1972 machte ein Sturm erneut Reparaturen notwendig. Beide Male nahm die Gemeinde regen Anteil an den notwendigen Arbeiten. Da die Reparaturen seinerzeit mit den begrenzten Mitteln der Nachkriegs- bzw. DDR-Zeit ausgeführt werden mussten, war eine grundlegende Instandsetzung dringend geboten. Nach mehreren Anläufen, die Finanzierung zu stemmen, konnte 2019 mit Hilfe von Mitteln aus dem Staatskirchenvertrag des Landes Brandenburg und einem erheblichen Eigenanteil mit der Sanierung begonnen werden. In zwei Bauabschnitten wurden der Turm und das Kirchenschiff inklusive der Farbglasfenster grundlegend instandgesetzt. 

    Zahlreiche Spenden konnten dafür aus der Gemeinde und dem Ort eingeworben werden. Auch die beiden Bäcker des Nachbarortes sammelten mit dem Verkauf eines speziell kreierten „Kirchen-Brotes“ Geld zugunsten der Instandsetzungsarbeiten. Mit weiteren zweckgebundenen Spenden konnte zusätzlich zur Hüllensanierung die um 1900 entstandene Turmuhr repariert werden, die ursprünglich in der ehemaligen Kaserne des Rathenower Husaren-Regiments „von Zieten“ gehangen haben soll. Den krönenden Abschluss der Maßnahmen bildete die Ertüchtigung der Glockenanlage. Die bereits erwähnte Bronzeglocke von 1690 hängt wieder in einem Holzjoch; in den 1960er Jahren hatte sie eine Stahlträgeraufhängung erhalten, was langfristig zu einer Schädigung des Glockenkörpers führen kann und auch das Klangbild wesentlich beeinträchtigt. Nach dem zusätzlich erfolgten Einbau einer elektrischen Läuteanlage wird jetzt wieder jeden Abend pünktlich um 18 Uhr in Göttlin der Feierabend eingeläutet. Der Förderkreis Alte Kirchen unterstützte das Vorhaben mit einem finanziellen Zuschuss.

    Schon vor der umfangreichen Sanierung verstand sich die Göttliner Dorfkirche als offenes Haus der Einkehr. Zahllose Radfahrer legen an dem am Havel- und am Havelland-Radweg gelegenen Gotteshaus eine kurze Rast ein. Vor der Eingangstür lädt dazu weithin sichtbar das Schild „Offene Kirche“ ein.

    Weitere Informationen: Ev. Hoffnungskirchengemeinde im Elb-Havel-Winkel;                                                       Pfarrerin Katrin Brandt; Göttliner Dorfstraße 10; 14712 Rathenow; Tel.: 03385-510320;                                        Mail: k.brandt@kirche-nauen-rathenow.de

    Dorfkirche des Monats , August 2021

    Das Dorf Wildenau, südöstlich des Städtchens Schönewalde im Elbe-Elster-Kreis gelegen, findet erstmals im Jahr 1346 als „Wildenaw“  Erwähnung in einer Urkunde des Herzogs Wenzel von Sachsen, in der es um Schenkungen für einen neu errichteten Altar in der Herzberger Kirche geht. Bis zum Jahr 1815 gehörte Wildenau zum Kurfürstentum Sachsen; nach dem Wiener Kongress wurde der Ort dem Königreich Preußen zugesprochen.

    Über Jahrhunderte war Wildenau Pfarrort mit eigenem Pfarrer; später wurde der Ort vom Pfarramt Knippelsdorf betreut. Auch diese Stelle wurde 2017 nicht mehr besetzt, so dass Pfarrer Michael Seifert im 35 Kilometer entfernten Wahrenbrück heute den Pfarrdienst in Wildenau versieht.

    Die Dorfkirche steht im Zentrum des Ortes zwischen zwei Dorfteichen auf dem Anger. Im Ursprung ist das Gotteshaus ein um 1300 entstandener frühgotischer Feldsteinbau mit Walmdach, der im späten Mittelalter nach Westen verlängert und erhöht wurde. Auf der Nordseite erfolgte im 18. Jahrhundert der Anbau einer Patronatsloge für die damalige Patronatsfamilie von Leipzig. Der Dachturm aus einer Fachwerkkonstruktion mit geschweiftem Zeltdach und hoher Spitze entstand schließlich um 1900. Auffallend sind die zahlreichen in den Außenmauern eingemauerten älteren Grabsteine und Epitaphien, von denen die ältesten aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts stammen.

    Der Innenraum unter einer geraden Holzbalkendecke wird geprägt von der vorschwingenden West- und Nordempore. Der ansonsten schlichte Kanzelaltar wird bekrönt von Schnitzfiguren der Apostel Petrus und Paulus aus dem 15. Jahrhundert, die aus einem Vorgängeraltar stammen könnten. Die kelchförmige Sandsteintaufe mit farbigem Beschlagwerk am Fuß und an der kartuschenverzierten Kuppa entstand um 1600. 1891 schuf die Firma Wilhelm Rühlmann aus Zörbig die Orgel. Erhalten blieben zwei Bronzeglocken des 14. und 15. Jahrhunderts.

    Alle vier Wochen finden in der Wildenauer Kirche Gottesdienste statt, die recht gut besucht werden. Zum Gottesdienst am Ostermorgen um 8 Uhr spielt traditionell der Bläserchor aus Schlieben; anschließend gibt es ein gemeinsames Osterfrühstück. Im zweimonatlichen Abstand treffen sich die Frauen, auch aus den Nachbardörfern, zu einem Gemeindenachmittag. Wenn nicht gerade eine Pandemie es verhindert, finden zwei Konzerte pro Jahr in der Kirche statt. Im Herbst soll bei der Kirche ein Maulbeerbaum gepflanzt werden – in Anlehnung der Geschichte Jesu mit dem Zöllner Zachäus (Lukas 19, 1-10). Jesus holt Zachäus von einem Maulbeerbaum herunter und lädt sich bei ihm ein: Auch in der Wildenauer Kirche ist jeder willkommen!

    In den Jahren 2002 und 2003 konnten umfassende Sanierungsarbeiten an der Wildenauer Kirche durchgeführt werden: so wurde das Dach instandgesetzt und das Fachwerk am Turm erneuert. Eine größere private Spende von Nachfahren der ehemaligen Patronatsfamilie gab nun den Anstoß, die bereits erwähnte schöne Renaissance-Taufe zu restaurieren. Die Oberflächen des Taufsteins sind geschädigt und verwittert, durch mechanische Beschädigungen entstanden Fehlstellen, auch aufsteigende Feuchtigkeit hat zu Schäden am relativ weichen Sandsternmaterial geführt. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beginnen. Der Förderkreis Alte Kirchen hat einen finanziellen Zuschuss bewilligt. Auch die erwähnte Rühlmann-Orgel ist derzeit noch nicht spielbar. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte …

    Weitere Informationen: Evang. Pfarramt Wahrenbrück; Pfarrer Michael Seifert; Mühlgasse 1; 04924 Wahrenbrück; Tel.: 035341-94431; Mail: kirche-wahrenbrueck@t-online.de

    Dorfkirche des Monats , Juni 2021

    Der heute hart an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern liegende Ort wurde 1321 mit der Schreibweise „Craz“ als villa, also Dorf, urkundlich erwähnt. Nach dem nur wenige Jahrzehnte später angelegten Landbuch Kaiser Karls IV. lag der Ort im Jahr 1375 bereits völlig wüst („omnino deserta“). Interessant ist jedoch, dass das Landbuch unter anderem auch drei Pfarrhufen erwähnt –  scheint dies doch zu beweisen, dass Kraatz damals bereits über ein Kirchengebäude verfügte. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort langsam wieder besiedelt. Noch 1712 war „der Acker zum größten Teil mit Busch bewachsen“, wie der damalige Prediger Müller berichtete. Erst die Ansiedlung hugenottischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich half dem Dorf wieder auf die Beine. Welche Gestalt die erste Kirche von Kraatz hatte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Vermutlich jedoch handelte es sich um kein steinernes Gebäude. Die Weihe einer neuen Kirche erfolgte im Jahr 1720. Damals entstand ein Fachwerkbau mit den ungefähren Abmessungen vom 19 x 10 Metern. Alte Dokumente erwähnen einen Altar, eine Kanzel, einen Beichtstuhl, eine Familiengruft (vermutlich der Patronatsfamilie von Arnim) sowie einen Turm mit Glocke. Auch diesem Gotteshaus war kein langes Leben beschieden. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude als baufällig beschrieben, bevor ein heftiger Sturm es endgültig zum Einsturz brachte.

    Es dauerte einige Jahrzehnte, bis der nunmehr dritte, heute noch erhaltene, Kirchenbau in Angriff genommen wurde. Am 2. Dezember 1855 endlich wurde die im Auftrag des damaligen Gutsbesitzers und Kirchenpatrons Wilhelm Schröder im neugotischen Stil aus sorgfältig gefugten Spaltsteinen errichtete Kirche mit ihrem 27 Meter hohen Backstein-Turm feierlich eingeweiht. Der Innenraum unter einer flachen Holzdecke verfügt über einen Kanzelaltar, ein stattliches Patronatsgestühl und eine steinerne Taufe – sämtlich aus der Bauzeit der Kirche. Am Kanzelkorb finden sich acht spätgotische Schnitzfiguren aus der Zeit um 1500. Durch ihre Attribute sind sie als Apostel zu identifizieren. Da der Ort Kraatz zur Zeit ihrer Herstellung wüst lag und über kein eigenes Kirchengebäude verfügte, müssen sie aus einem anderen Ort hierher verbracht worden sein. In seinem Buch „Die mittelalterlichen Kirchen der nördlichen und östlichen Uckermark“ vermutet Matthias Friske, dass die Skulpturen, die jeweils etwa 27 cm groß sind und mit ziemlicher Sicherheit einst ein Altarretabel schmückten, aus dem nicht weit entfernten Hildebrandshagen stammen.

    Insgesamt befindet sich die kleine Kraatzer Kirche in einem verhältnismäßig guten Bauzustand. Als dringend erforderlich erwies es sich jedoch, Notsicherungsarbeiten an der Dachdeckung vorzunehmen. Die marode Biberschwanzdeckung war schadhaft, so dass eindringende Feuchtigkeit drohte, Schäden an der hölzernen Konstruktion des Dachtragwerkes zu verursachen. Die Kraatzer Kirche wird zur Zeit nicht mehr für die gemeindliche Arbeit benötigt; Gottesdienste finden hier nicht mehr statt. Diese Tatsache verbot eine umfangreiche Instandsetzung, die viel Geld gekostet hätte. Notwendig war jedoch eine Notsicherung, um das auf der Denkmalliste stehende Kirchengebäude für spätere Generationen zu bewahren.

    Nun wurde die Dacheindeckung repariert: Kaputte Dachsteine wurden ausgetauscht, fehlende bzw. marode Holzsplisse gegen Metallsplisse ausgetauscht und ein Mörtelverstrich vorgenommen. Im Eingangsbereich am Ostgiebel konnten Reparaturen am Mauerwerk vorgenommen werden. Der finanzielle Aufwand hielt sich in vertretbaren Grenzen; der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg beteiligte sich mit einem Förderbetrag in Höhe von 3.000 Euro. Nun ist der Kraatzer Kirche zu wünschen, dass sich bald Menschen finden, die sie „wachküssen“ und wieder mit Leben erfüllen.

    Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Schönwerder; Pfarrer Christian Hering; Tel.: 039858-480986; Mail: pfarramt-schoenwerder@kirche-uckermark.de

    Dorfkirche des Monats , März 2021

    Nach Warchau kommt der Besucher nicht zufällig. Von Brandenburg an der Havel nach Ziesar fahrend, gilt es hinter Wusterwitz auf eine unscheinbare Landstraße einzubiegen, bevor man nach etwa zwei Kilometern das Dorf erreicht. Bald hinter dem Ort beginnt dann schon Sachsen-Anhalt. Die erste urkundliche Erwähnung von „Warchowe“ geht auf das Jahr 1365 zurück. Seit 2001 ist Warchau ein Teil der neu formierten Gemeinde Rosenau.

    Am 28. August 1909 wurde in Warchau Eberhard Bethge, der enge Freund und spätere Biograph Dietrich Bonhoeffers, als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Nur knapp zwei Jahre später zog die Familie ins benachbarte Zitz, wo Eberhards Vater eine neue Pfarrstelle übernahm. An Warchau erinnerte sich Eberhard Bethge später in seiner Autobiographie hauptsächlich an die ungeliebten Besuche bei seinem Taufpaten, dem Rittergutsbesitzer und Kirchenpatron von Britzke, im Warchauer Herrenhaus. Aber, so Bethge: „Den Geburtsort wird man nicht los.“

    Die Warchauer Kirche ist ein vermutlich bereits aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts stammender spätromanischer Feldsteinbau mit eingezogenem Chor und Apsis. Der bescheidene Fachwerkturm mit Zeltdach entstand 1727. Einige der kleinen romanischen Fenster und die südliche Priesterpforte sind noch im ursprünglichen (rundbogigen) Zustand erhalten, auf der Südseite jedoch wurden die meisten Öffnungen rechteckig vergrößert.

    Kirchenschiff und Chor besitzen flache Holzbalkendecken; zwischen beiden Räumen blieb der rundbogige Triumphbogen erhalten. Im Chor und in der Apsis finden sich umfangreichere Reste romanischer Wandmalerei, die im 19. Jahrhundert ergänzt wurde. Der schlichte neugotische Altaraufsatz kam um 1900 in die Kirche. Die hölzerne Kanzel, deren Korb von einer Mosesfigur getragen wird, entstand 1720. Leider wurden Verzierungen der Kanzel, die als besonders vorzüglich beschrieben werden, bei einem Kircheneinbruch im Jahr 1974 ebenso entwendet wie die Figuren eines mittelalterlichen Schnitzaltars, dessen Schrein an der Westempore befestigt ist. Ein hölzernes Epitaph mit einem Gemälde der Kreuzigung und der Familie der Entschlafenen erinnert an die 1716 verstorbene Maria Brietzke. Über ein italienisches Madonnengemälde, das heute über dem Nordeingang hängt, soll gleich noch berichtet werden.

    Die Apsis und der Apsisbogen sowie das darüber liegende Giebeldreieck des Chores sind akut sanierungsbedürftig; breite Risse ziehen sich durch das Mauerwerk. Immerhin konnte der Turm in den 1990er Jahren saniert werden. Der letzte hier stattfindende Gottesdienst liegt bereits etliche Jahre zurück. Einer Instandsetzung des Gotteshauses stand der Gemeindekirchenrat lange skeptisch gegenüber: „Wozu soll man eine Kirche für viel Geld sanieren, die dann in der Landschaft rumsteht ohne Bedeutung?“ hieß es.

    Doch inzwischen hat sich in Warchau einiges getan: Auf Initiative des Münsteraner emeritierten Pfarrers Günter Neuhaus fand aus Anlass des 100. Geburtstages von Eberhard Bethge eine Gedenkveranstaltung in der Kirche des benachbarten Dorfes Zitz statt. Anschließend wurde vor dem ehemaligen Pfarrhaus in Warchau, Bethges Geburtshaus, eine Erinnerungs-Stele enthüllt. Seitdem finden in Zitz jährlich Bethge-Tage statt – 2019 erstmals teilweise in Warchau mit der Enthüllung einer Tafel an die hier stattgefundene Taufe Eberhard Bethges.

    Kirchen (FAK) lasen Altbischof Wolfgang Huber und seine Frau Kara im Fontane-Jahr 2019 hier aus einem seiner Romane. Der Regionalbetreuer des FAK für die Region, Hans Tödtmann, organisierte die Restaurierung des bereits erwähnten wertvollen Madonnengemäldes, das als Kopie eines Bildes des italienischen Renaissance-Malers Guido Reni (1575-1642) identifiziert werden konnte. Der Förderkreis konnte durch eine Spendenaktion einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung beisteuern. Nach seiner Rückkehr war das zuvor arg beschädigte Gemälde kaum wieder zu erkennen.

    Im Sommer dieses Jahres sollen nun, nach planerischen Vorarbeiten der Brandenburger Architektin Heidrun Fleege, erste Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Apsis beginnen, wofür der Förderkreis Alte Kirchen wiederum einen Zuschuss zur Verfügung stellen konnte. Gewiss, dies ist erst der Anfang. Wir hoffen jedoch, dass weitere Schritte folgen, um diesen geschichtsträchtigen und kunsthistorisch wertvollen Ort zu erhalten und hoffentlich auch wieder zu einem lebendigen Ort der Gemeinde zu machen.

    Weitere Informationen: Pfarramt Wusterwitz; Hauptstr. 30; 14789 Wusterwitz; Tel.: 033839-448; Mail: ekm-wusterwitz@gmx.de.

    Dorfkirche des Monats , Januar 2021,

    Den Ortsnamen Tornow gibt es allein im heutigen Bundesland Brandenburg etwa zehnmal. Unser Tornow liegt wenige Kilometer östlich von Kyritz im Landkreis Ostprignitz-Ruppin und ist seit den 90er Jahren in das Städtchen Wusterhausen eingemeindet. Lediglich etwa 60 Einwohner leben in dem 1285 erstmals urkundlich erwähnten Ort an der Dosse.

    Die inmitten des ursprünglich von Peter Joseph Lenné angelegten Gutsparks gelegene Kirche entstand an der Stelle zweier Vorgängerbauten in den Jahren 1827/28 im Stil der italienischen Neugotik. Der kleine verputzte Backsteinbau wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar, lediglich der von turmartigen Eckpfeilern gerahmte Westgiebel ist als Schaufassade gestaltet. Der ursprüngliche, mit Maßwerk geschmückte, hölzerne Dachreiter musste 1965 abgetragen werden, nachdem beim Läuten im Rahmen einer Trauerfeier die Glocke abstürzte und schwere Schäden verursachte. Seitdem hängt die Glocke in einem Gestell vor der Kirche, wo auch vier klassizistische Grabdenkmäler der Patronatsfamilie von Brunn zu finden sind.

    Der von reich geschnitzten Akanthuswangen flankierte Kanzelaltar stammt aus dem Jahr 1796. An den Brüstungsfeldern des Kanzelkorbes finden sich gemalte Darstellungen Christi, der Evangelisten und des Abendmahls; die Kanzeltür zeigt Moses mit den Gesetzestafeln. Eine barocke Kanzeluhr ermahnte einst den Pfarrer, seine Predigt nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Vor dem Altar sind auf Säulenstümpfen drei gotische Kapitelle zu bewundern, deren Herkunft ungeklärt ist; ein weiteres findet sich am Portal der Kirche.

    Seit etlichen Jahren gab es in Tornow Bestrebungen, den alten Dachreiter wieder aufzubauen und der Glocke einen würdigen Platz zurückzugeben. Seit 2012 lag dafür sogar eine Baugenehmigung vor, die allerdings zeitlich befristet war. Schwierigkeiten bereitete jedoch eine juristische Besonderheit: Der ursprünglich zum Gut gehörende Sakralbau wurde im Zuge der Bodenreform gleich mit enteignet und befindet sich nun im Besitz der Stadt Wusterhausen, während die Kirchengemeinde lediglich ein durch einen Pachtvertrag vereinbartes Nutzungsrecht wahrnimmt. Die Frage nach der Bauherrenschaft ist ja gleichzeitig die Frage danach, wer den notwendigen finanziellen Eigenanteil aufzubringen hat.

    Nachdem nun die Kirchengemeinde tief in die Tasche gegriffen, die Stadt Wusterhausen sich beteiligt und auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Hilfe zugesagt hatte, konnte Anfang 2020 wenigstens mit der Sanierung des maroden Kirchendaches begonnen werden. Dazu kam ein erheblicher Anteil von Spenden aus dem Dorf. Kurz nach Beginn der Arbeiten gab es jedoch erst einmal eine Pause. Zum Schrecken aller wurde festgestellt, dass die Schäden weit größer als ursprünglich gedacht waren, was eine Kostensteigerung um fast 17.000 Euro zur Folge hatte. Zudem verhängte die Untere Denkmalschutzbehörde erst einmal einen Baustopp. Beide Hindernisse konnten inzwischen beseitigt werden. Die Denkmalpflege gab grünes Licht, um auch die zusätzlich anfallenden Reparaturarbeiten ausführen zu dürfen. Ortsansässige Firmen und Spender aus der Gemeinde sorgten für die fehlenden Mittel. Der Förderkreis Alte Kirchen sagte kurzfristig einen Betrag von 4.000 Euro aus den Erträgen seiner Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen zu.

    Die Kirchengemeinde kann nun darauf hoffen, die Tornower Kirche im kommenden Jahr wieder gottesdienstlich und nach den durch die Coronapandemie bedingten Einschränkungen auch wieder für touristische und kulturelle Zwecke nutzen zu können. Und vielleicht erhält das Kirchlein ja doch irgendwann auch seinen historischen Dachreiter zurück.

    Weitere Informationen: Pfarrer Daniel Feldmann; Johann-Sebastian-Bachstraße 51; 16866 Kyritz; Tel.: 033971-56707; Mail: d.feldmann@kirchenkreis-prignitz.de.

    Dorfkirche des Monats , November 2020

    Der Ort Gablenz (sorbisch Jabłońc) wird erstmals in einer oberlausitzischen Grenzurkunde aus dem Jahr 1268 erwähnt. Über Jahrhunderte gehörte das Dorf zur böhmischen und später sächsischen Standesherrschaft Muskau, bis diese 1815 im Ergebnis des Wiener Kongresses an Preußen fiel. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren mehr als 90 Prozent der Einwohner Sorben. Deutschsprachige Pfarrer, die hier ihren Dienst antraten, waren gezwungen, sich die sorbische Sprache anzueignen, um mit ihren Gemeindegliedern kommunizieren zu können. Heute ist das Kirchspiel Gablenz Teil der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und mit dem Ort Jämlitz-Klein Düben im Bundesland Brandenburg, mit Gablenz-Kromlau im sächsischen Landkreis Görlitz.

    Schon im Meißner Bistumsmatrikel von 1346 wird das Kirchspiel Gablenz als Bestandteil der Propstei Bautzen erwähnt, was darauf hinweist, dass es hier bereits einen Kirchenbau gegeben haben muss, über dessen Aussehen heute nichts mehr bekannt ist. Die Chronik erwähnt, dass Kirche und Pfarrhaus 1539 einem Brand zum Opfer fielen. Ob es danach einen Neubau oder eine Instandsetzung des Gotteshauses gab, ist ebenfalls nicht überliefert. Erwähnt werden erst wieder Reparaturarbeiten am Turm im Jahr 1717. Auf Veranlassung des in Muskau residierenden Kirchenpatrons, des Grafen Alexander von Callenberg, erfolgte von 1757 bis 1759 schließlich ein groß angelegter Umbau – erstaunlicherweise mitten in den Jahren des Siebenjährigen Krieges, der die Oberlausitz arg in Mitleidenschaft zog. 

    Entstanden ist damals ein barocker Putzbau mit eingezogen Chorschluss im Osten und einem Westturm mit oktogonalem Glockengeschoss und doppelt geschweifter Haube. Über drei Seiten des Innenraumes erstecken sich Emporen, im Westen zweigeschossig. Den Altarraum schmückt ein schlichter Kanzelaltar. Die Orgel, die später erweitert wurde, schuf 1899/1900 die Firma von Julius Röhle aus Leschwitz bei Görlitz. 

    Nachdem der sprichwörtliche Zahn der Zeit auch kräftig an der Gablenzer Kirche genagt hatte, strebte die Gemeinde seit etlichen Jahren eine umfassende Sanierung des Gebäudes an. Dach und Dachstuhl sowohl des Turmes als auch des Kirchenschiffes waren marode, der Hausschwamm hatte zahlreiche hölzerne Konstruktionen arg geschädigt, Teile des Mauerwerks hatten sich gelockert und die Treppe zum Kirchturm war kaum noch zu betreten. Nachdem eine Förderung aus EU-Mitteln genehmigt und auch Anträge auf Kofinanzierungsmittel Erfolg hatten, konnte im vergangenen Jahr 2019 die Instandsetzung des Kirchturms erfolgreich in Angriff genommen werden. Nach einem Jahr Atempause soll es im kommenden Jahr nun mit Sanierungsarbeiten am Dach des Kirchenschiffes weitergehen. Dafür hat auch der Förderkreis Alte Kirchen finanzielle Unterstützung zugesagt. 

    Vierzehntägig finden in der Gablenzer Kirche Gottesdienste statt, an Heiligabend gibt es noch das traditionelle Krippenspiel und im November gestalten die Jagdhornbläser aus Bad Muskau und Schleife zusammen mit dem örtlichen Männerchor jeweils das Hubertus-Konzert. Zudem kann die an mehreren Radwanderwegen gelegene Gablenzer Kirche für Besuch geöffnet werden. Auch Konzerte finden regelmäßig statt. 

    In einem Schreiben, dass im Oktober 2019 in die Turmbekrönung eingefügt wurde, heißt es unter anderem: „Möge diese Kirche noch viele Jahrzehnte der Mittelpunkt des christlichen Zusammenlebens sein. Möge diese Kirche noch viele Jahrzehnte Menschen zusammenführen, Glauben und Hoffnung schenken, sie ermutigen, dass man gemeinsam Dinge entscheiden und schaffen kann, so wie es der Gemeindekirchenrat bei der Sanierungsentscheidung getan hat.“

    Weitere Informationen: Evang. Kirchengemeinde Gablenz; Pfarrerin Miriam Arndt; Andreasgasse 8; 02953 Bad Muskau: Tel.: 035771-60407; Mail: ev-kirche-muskau@gmx.de

    Dorfkirche des Monats , September 2020

    Der Name der im sogenannten Schenkenländchen östlich von Baruth gelegenen  Gemeinde Halbe wird noch immer mit einer der blutigsten Schlachten am Ende des Zweiten Weltkrieges verbunden. Parallel zu den bereits begonnenen Kämpfen um die Hauptstadt Berlin lieferten sich bei der Kesselschlacht von Halbe zwischen dem 24. und 28. April 1945 deutsche und sowjetische Truppen letzte und völlig sinnlose Kämpfe. Mehr als 60.000 Menschen – Soldaten beider Seiten, aber auch zahlreiche Zivilpersonen –  fanden hier den Tod. Ihre Leichen wurden in den Wäldern rund um den Ort nur notdürftig verscharrt. Auf Initiative des aus dem Harz stammenden, erst 1951 nach Halbe versetzten, Pfarrers Ernst Teichmann und mit Unterstützung der Berlin-Brandenburgischen Kirchenleitung wurde im selben Jahr der Waldfriedhof Halbe angelegt, um den Kriegsopfern eine nachträgliche würdevolle Bestattung zu ermöglichen. Auch Opfer eines sowjetischen Geheimdienstlagers im nahen Ketschendorf, die zunächst in anonymen Massengräbern verscharrt worden waren, fanden hier ihre letzte Ruhe.

    Relativ spät, erst im Jahre 1546 wird Halbe, ausgestattet mit lediglich kümmerlichen 16 Hufen Ackerboden, taucht das Dorf Halbe in einer Urkunde auf. 1652, vier Jahre nach dem in dieser Gegend besonders stark wütenden Dreißigjährigen Krieg, lebten in Halbe nur noch zwei Bauern und zwei Kossäten mit ihren Familien; nur langsam erholte sich der Ort. 1717 verkauften die bisherigen Eigentümer, die Familie der Schenken von Landsberg, das Dorf an König Friedrich Wilhelm I., der damit sein Jagdgebiet vergrößerte, das Ackerland jedoch weiter an Bauern und Kossäten verpachten ließ. Einen Aufschwung nahm die Gemeinde, nachdem 1867 in Halbe eine Station der Berlin-Görlitzer Eisenbahn errichtet und 1876 bis 1878 eine feste Chaussee nach Teupitz und nach Königs Wusterhausen angelegt worden war. So entstanden in dieser Zeit mehrere Ziegeleien, die Baumaterial in die damals stark wachsende Reichshauptstadt lieferten.

    Die Einwohnerzahl nahm zu; doch noch immer hatte Halbe kein eigenes Kirchengebäude. Der zuständige Pfarrer saß in Wendisch-, heute Märkisch Buchholz. Gottesdienstbesucher mussten über den sogenannten Jungfernweg die benachbarte Buchholzer Kirche besuchen. Nach Plänen des Architekten und späteren langjährigen Leiters des Kirchlichen Bauamtes in Berlin Dr. Curt Steinberg wurde endlich  1913 mit dem Bau eines vielleicht schon für die damaligen Verhältnisse zu großen Kirchengebäudes begonnen; zur Finanzierung trug auch – Dank persönlicher Beziehungen des Pfarrers – Prinzessin Viktoria Margarete von Preußen bei. Am 23. März 1914 konnte das Gotteshaus als „Dankeskirche“ eingeweiht werden.

    Entstanden ist eine mächtige neubarocke Saalkirche mit eingezogenem Chor und Westturm. Seitlich angebaut wurde zeittypisch das Pfarrhaus mit einem Gemeindesaal. Über dem Westportal der Kirche steht als Zitat aus Psalm 100 und Bezug nehmen auf den Namen der Kirche: „Gehet zu seinen Toren ein / mit Danken.“ Der Innenraum wird von einem hölzernen Tonnengewölbe geschlossen. Eine Hufeisenempore umzieht drei Seiten des Raumes. Aus der Bauzeit stammt der Kanzelaltar. Im Chorbereich wurde 1952 eine Gedenknische mit einem überlebensgroßen Kruzifix und zwei Gedenktafeln errichtet. Auf einem von Fritz Kühn geschmiedeten eisernen Tisch liegt ein Buch aus, das Namen der Kriegsopfer verzeichnet.

    Bei den Kämpfen um Halbe 1945 wurde auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen; die Turmspitze komplett zerstört. Bis 1952 hatte die Gemeinde das Gebäude repariert, wobei der Turm eingekürzt wurde. Zur Wiedereinweihung hielt Bischof Dibelius die Festpredigt.

    Nach der Jahrtausendwende wies die Dankeskirche Halbe wiederum schwere Baumängel auf. Am sichtbarsten für den Besucher wurde dies „mit dem Anblick eines an Hässlichkeit kaum zu überbietenden provisorischen Schutznetzes über dem Kircheneingang und einer Kirchturmfassade, deren Zustand drastisch zeigt, dass hier jahrzehntelang weder Reparatur- noch Substanzerhaltungs- oder Pflegemaßnahmen ergriffen wurden“. Im Juni 2008 gründete sich vor diesem Hintergrund der Förderverein Dankeskirche Halbe e.V., der ein Jahr später vom Förderkreis Alte Kirchen mit einem „Startkapital“ in Höhe von 2.500 Euro bedacht wurde. Doch bevor dann wirklich Instandsetzungsarbeiten beginnen konnten, waren schier endlose bürokratische Hürden zu überwinden. Im September 2015 konnte endlich mit einem ersten Bauabschnitt begonnen werden, in dessen Verlauf der Kirchturm instandgesetzt wurde. Im Laufe der weiteren Planungen wurde beschlossen, neben der Kirche auch das im ehemaligen Pfarr- und Gemeindehaus befindliche evangelische Freizeitheim zu sanieren. Möglich wurde dies durch eine Zuwendung aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union. An der Kofinanzierung beteiligten sich neben der Kirchengemeinde auch der Kirchenkreis Zossen-Fläming und die Landeskirche. Im Sommer 2019 war die Sanierung abgeschlossen. Die Wände des Innenraumes erhielten entsprechend der Fassung von 1952 einen warmen grauen Anstrich, während die gelben und weißen  Farbtöne sowie die farbige Decke des Vorraumes sich an der Ursprungsfassung von 1914 orientierten.

    Zum Abschluss der umfangreichen Sanierungsphase soll nun die 1914 von der damals in Frankfurt/Oder ansässigen Firma Sauer geschaffene zweimanualige Orgel wieder spielbar gemacht werden. An der Finanzierung der Arbeiten beteiligt sich auch der Förderkreis Alte Kirchen. Trotz vorhandener Mittel der Gemeinde und des Fördervereins reichen die vorhandenen Mittel nur dazu, die Choralbegleitung im Gottesdienst wieder zu ermöglichen. Einige Register müssen warten, bis neues Geld vorhanden ist …

    Weitere Informationen: Förderverein Dankeskirche Halbe e.V.; Martina Morgenstern; Tel.: 033765-80504; Mail: info@freizeitheim-halbe.de.

    Dorfkirche des Monats , Juli 2021

    Die alte Stadt „Vrigenstene“ (Freyenstein) – entstanden im Schutze einer von den Havelberger Bischöfen gegründeten Grenzburg zu Mecklenburg – wechselte in den kriegerischen Auseinandersetzungen des späten 13. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer und wurde schließlich zerstört. Die Markgrafen Otto IV. und Konrad gründeten die Stadt 1287 neu und verlegten sie vom Höhenrand weiter nach Osten in eine Niederung der Dosse, die besseren Schutz bot. Die alte Stadtstelle ist nach umfangreichen Ausgrabungen und archäologischen Untersuchungen als Archäologischer Park in den Sommermonaten ein interessanter Anziehungspunkt für Touristen. Das neue Freyenstein hat bis in die Gegenwart seinen planmäßig angelegten mittelalterlichen Grundriss kaum vergrößern können und zählt heute knapp 800 Einwohner. Im Zuge der Neugründung wurde auch mit dem Bau eines Kirchengebäudes begonnen, das 1325 mit der Altarweihe zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria fertiggestellt war. Entstanden ist eine dreischiffige Feldsteinhalle mit geradem Ostschluss; der ebenfalls aus Feldsteinen aufgemauerte Turm kam nach jüngsten Erkenntnissen des Bauhistorikers Dirk Schumann erst um 1700 hinzu. Nach Brand- und Sturmschäden wurde die Kirche immer wieder auf- und umgebaut. Die Ausstattung des Innenraumes stammt zum größten Teil aus dem 19. Jahrhundert. Erhalten blieb jedoch ein ursprünglich aus der Dorfkirche in Brügge stammender barocker Taufengel, der um 1730 in der Werkstatt des bekannten Holzbildhauers Elias Keßler entstand und im Zuge der vom Förderkreis Alte Kirchen initiierten Spendenaktion „Menschen helfen Engeln“ gesichert und restauriert werden konnte.

    Im Jahr 2009 ergab eine bauplanerische Bestandsaufnahme, dass umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen nötig sind, um das Gebäude für die Zukunft zu bewahren. Bereits zwei Jahre zuvor war aus statischen Gründen das Läuten der Kirchenglocken eingestellt worden. Die damals geschätzte Gesamtsumme von 700.000 Euro versetzte der Kirchengemeinde zunächst einen gewaltigen Schrecken. Es dauerte dann auch einige Jahre, bis die Arbeiten beginnen konnten. 2012 war es dann endlich so weit: Der vom Echten Hausschwamm befallene Dachstuhl des Kirchenschiffes wurde saniert und das Dach neu gedeckt. Fast eine Rettung in letzter Minute: Die hölzerne Dachkonstruktion drückte bereits das Mauerwerk nach außen. 2017/18 schlossen sich Sanierungsarbeiten am 34 Meter hohen Kirchturm an. Risse im Mauerwerk wurden beseitigt, Dachkonstruktion und Dachdeckung erneuert und der Glockenstuhl repariert. Eine neue Turmuhr verkündet den Freyensteinern seitdem wieder die Zeit. Ein dritter und letzter Bauabschnitt konnte im vergangenen Jahr 2020 abgeschlossen werden: Die Fassade des Kirchenschiffes wurde instandgesetzt, der Innenraum erhielt einen neuen Farbanstrich. Das alles war dann wesentlich teurer als geplant, obwohl Mittel aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union, Mittel der Landeskirche, des Kirchenkreises und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zur Verfügung gestellt wurden. Einen sehr großen Anteil musste die Kirchengemeinde jedoch selbst aufbringen.

    Bereits im vergangenen Jahr 2020 sollte nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten eine große Festveranstaltung als Dankeschön für alle Beteiligten stattfinden, was die Corona-Pandemie leider verhinderte. Am 20. Juni 2021 wurde die feierliche Einweihung nun nachgeholt. 141 Menschen bildeten eine Menschenkette um das sanierte Kirchengebäude, um zu zeigen, dass die Freyensteiner Kirche ein Ort für alle ist. Gerade rechtzeitig war auch die Reparatur der 1841 vom Potsdamer Orgelbauer Gottlieb Heise geschaffenen Orgel abgeschlossen worden. Die Firma Alexander Schuke, Werder – in siebenter Generation quasi ein Nachfolger Heises – hatte sämtliche Holzpfeifen originalgetreu erneuert, so dass Kreiskantor und Orgelsachverständiger Johannes Wauer und Kantor Uwe Metlitzky aus Wittstock sämtliche Register ziehen konnten.

    Nun gibt es in der Kirchengemeinde nur noch einen letzten Wunsch: Die Aufhängung der Großen Glocke der Marienkirche muss erneuert werden, um auch sie wieder zum Klingen zu bringen. Etwa 16.000 Euro sind dafür veranschlagt. Nach den Anstrengungen der letzten Jahre ist die Baukasse der Gemeinde erst einmal leer. Spenden, die auch als Anerkennung des bisher Geleisteten gelten können, sind deshalb herzlich willkommen!

    Spendenkonto:

    Förderkreis Alte Kirchen

    IBAN DE94 5206 0410 0003 9113 90

    BIC GENODEF1EK1 (Ev. Bank)

    Kennwort: Freyenstein

    Weitere Informationen: Friedhelm Kanzler; Tel.: 033967-60335; Mail: bundfkanzler@gmx.de

    Dorfkirche des Monats , August 2020

    Eigentlich sollte das etwa 20 Kilometer südwestlich der Stadt Cottbus gelegene Dorf  Steinitz längst verschwunden sein – und mit ihm die auf einer kleinen Anhöhe gelegene markante Dorfkirche. Aus Richtung Südosten bewegte sich lange Zeit der Braunkohlentagebau Welzow-Süd auf die Ortschaft zu. 1992 verschlang er das Dorf Wolkenberg und noch 1996/97 wurde das benachbarte Kausche devastiert. Auch Steinitz war bereits „Bergbauschutzgebiet“, wie es verharmlosend im Beamtendeutsch der DDR hieß. Doch dann stoppten die Großraumbagger knapp drei Kilometer vor dem Ortseingangsschild. Der bis dahin extensiv betriebene Abbau der Braunkohle wurde stark eingeschränkt und das Dorf Steinitz erhielt eine neue Chance. Zuvor wurden allein zwischen 1974 und 1989 49 Siedlungen vernichtet und 8.219 Personen umgesiedelt. Neben anderen erhaltenswerten Denkmalen sind auch 27 Kirchengebäude – zum großen Teil sogar ohne vorherige Dokumentation – vernichtet worden. 

    Bereits 1280 wird in Steinitz eine Kirche erwähnt – sogar als Mutterkirche von Welzow,  Drebkau und weiteren Ortschaften. Wie dieses erste Gotteshaus aussah, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Die jetzige Steinitzer Dorfkirche wurde um das Jahr 1454 fertiggestellt, wie eine kürzlich erfolgte dendrochronologische Untersuchung der Dachkonstruktion ergab. Das über dem Erdboden zwei Meter mächtige Mauerwerk besteht aus unbehauenen Feldsteinen; Tür und Fenstergewände sowie die Ecken wurden mit Backsteinen eingefasst. Der massive quadratische Westturm mit einem hohen Walmdach entstand vermutlich einige Zeit später, ebenso ein Anbau auf der Nordseite. Aus der Bauzeit stammen die rundbogig abgestuften Portale, während die Fensteröffnungen im Barock verändert wurden. 

    Den Innenraum überzieht eine Flachdecke mit schöner Kassettenmalerei, von der jedoch bereits größere Teile zerstört sind. Ein auf älteren Abbildungen erkennbarer Kanzelaltar mit bauchigem Kanzelkorb ist in großen Teilen noch vorhanden und lagert abgebaut in der Kirche. Vom Orgelprospekt sind nur Rudimente zu sehen. Vorhanden sind Reste mittelalterlicher Wandmalereien. Geprägt wird der Raum jedoch durch die zweigeschossige Hufeisenempore aus dem späten 18. Jahrhundert, die sich bis in den Altarraum erstreckt und dort auf beiden Seiten in verglasten Patronatslogen mit aufgemalten Familienwappen ausläuft. Insgesamt finden sich – an der Empore sowie auf Grab- und Gedenksteinen –  in der Steinitzer Kirche die Wappen von zehn adligen Familien, was auf komplizierte Besitzverhältnisse schließen lässt. 

    Steinitz war eines jener Dörfer, bei denen ein Anteil zum böhmischen, später sächsischen Markgraftum Niederlausitz gehörte und ein weiterer zum alten brandenburgischen Kreis Cottbus. Erst 1816 kam der gesamte Ort zum preußischen Kreis Calau. Noch verworrener stellten sich die Besitzrechte an Gut und Dorf dar, die unter verschiedenen Grund- und Patronatsherren aufgesplittert waren. So finden sich auf dem Kirchhof noch zwei verwitterte Grabsteine für Henriette Wilhelmine von Loeben und Alfred Ehrenreich von Muschwitz.

    Die letzte kirchliche Amtshandlung im aufgegebenen Steinitzer Gotteshaus fand 1984 statt. Danach und bis heute stand das Kirchengebäude ungenutzt und verfiel. Schließlich musste das Bauwerk bauaufsichtlich gesperrt werden. 

    Im Rahmen eines studentischen Projektes der brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg konnte im Jahr 2010 eine umfangreiche Baudokumentation erarbeitet und die Baugeschichte, inklusive der Ausstattung und Patronatsgeschichte, detailliert untersucht werden. Seit kurzem liegt diese Dokumentation nun auch als Arbeitsheft des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege in gedruckter Form vor. Und vor wenigen Wochen erreichte die Kirchengemeinde ein Förderbescheid über Mittel  aus der Denkmalhilfe des Landes Brandenburg in Höhe von 150.000 Euro. Die LEAG als Nachfolgerin des Braunkohle-Konzerns Vattenfall steuert 300.000 Euro bei. Derzeit wird eine erste Sicherungsphase vorbereitet. Weitere Sanierungs- und Restaurierungsschritte müssen folgen, ein erster hoffnungsvoller Schritt ist getan…Weitere Informationen: Ev. Kirchengemeinde Drebkau-Steinitz-Kausche; Pfarrer Wolfgang Selchow; Mail: kirche-drebkau@t-online.de; Tel.: 035602-51517

    Dorfkirche des Monats , Mai 2020,

    Die Nachricht kam Anfang des Jahres 2017 völlig überraschend: Die Glocken der Kirche im uckermärkischen Greiffenberg durften nicht mehr geläutet werden. Bei einer Baubegehung waren massive Schäden durch den Echten Hausschwamm festgestellt worden, was Reparaturarbeiten notwendig erscheinen ließ. Was zunächst jedoch nach einer bloßen Sicherheitsmaßnahme aussah, erwies sich als mittlere Katastrophe: „Dass der hoch über dem Berg aufragende Turm überhaupt noch dem Wind standgehalten hat, grenzt an ein Wunder.“ berichtete im September 2019 die Märkische Oderzeitung. Das ganze Ausmaß der Schäden trat erst zutage, als die Sanierungsmaßnahmen bereits begonnen hatten und die Fachleute erstmals Einblick hinter die Verschalungen und Bretterverkleidungen der Turmkonstruktion nehmen konnten. Balkenköpfe lagen nicht mehr auf dem Mauerwerk auf, Holznägel fehlten, ganze Verbindungen hatten ihren Geist aufgegeben. Ganze Konstruktionsteile waren völlig vom Schwamm zerfressen. In den vergangenen einhundert Jahren war bei notwendigen Instandsetzungen immer nur notdürftig geflickt worden. Mit Blick auf die erforderlichen Mehrkosten war die ursprüngliche Kostenkalkulation zur bloßen Makulatur geworden.

    Der Name Greiffenberg, erstmals 1261 als Städtchen („Civitas“) urkundlich erwähnt, weist auf eine Gründung durch das pommersche Herrschergeschlecht der Greifen hin. Nach mehrfachem Wechsel der Landesherrschaft verblieb Greiffenberg erst 1446 bei Brandenburg. Kirchlich gehörte der Ort weiterhin zum pommerschen Bistum Kammin. Bis zur Eingemeindung nach Angermünde im Jahr 2003 besaß der heute nur etwa 700 Einwohner zählende Ort das eigenständige Stadtrecht.

    Die Kirche, ein einfacher barocker Putzbau mit einem schiefergedeckten Turm über dem Westteil entstand in den Jahren 1723-24 auf einem steilen Hügel inmitten des Ortes. Inwieweit sich hinter den verputzten Außenmauern mittelalterliche Bausubstanz eines Vorgängerbaus befindet, kann derzeit nicht beantwortet werden. Auch die Ausstattung ist vom Barock geprägt: Der hölzerne Kanzelaltar, dessen Schalldeckel von einem Gottesauge inmitten einer Strahlengloriole geschmückt ist, stammt aus der Bauzeit. Etwas älter, und damit aus dem Vorgängerbau stammend, ist die sechseckige Sandsteintaufe mit qualitätsvoll gearbeiteten Reliefs, die biblische Szenen zeigen. Die Orgel wurde 1742 vom Berliner Instrumentenbauer Johann Michael Röder gefertigt, einem Zeitgenossen Joachim Wagners. 1967 erfolgte eine Restaurierung durch die Potsdamer Firma von Alexander Schuke. Derzeit ist die Orgel zwar spielbar, bedürfte jedoch aufgrund ihrer Bedeutung dringend einer Nachrestaurierung. In der südlichen Vorhalle blieben mehrere Grabsteine der Patronatsfamilie von Sparr erhalten, darunter ein sehr schön erhaltener Figurengrabstein des Ehepaars Otto und Anna von Sparr aus dem Jahr 1576.

    Im vergangenen Jahr 2019 wurde mit der Instandsetzung des Greiffenberger Kirchturms begonnen. Rund 13 Meter der oberen Turmspitze mit Laterne und Helm mussten abgetragen werden. Da sogar die Deckenbalken unterhalb der Turmkonstruktion ausgetauscht werden mussten, wurde die Orgel ausgebaut und vorübergehend sicher eingelagert. Auch die Turmuhr wurde ausgebaut; die großen Zifferblätter stehen zwischen den Kirchenbänken. Da wie bereits erwähnt die Schäden am Turmfachwerk weitaus größer waren als gedacht, musste die Instandsetzung in zwei Bauabschnitte aufgeteilt werden. Um einen Teil der zusätzlichen Kosten aufzubringen, entschloss sich die Kirchengemeinde schweren Herzens, den schönen und liebgewonnenen Pfarrhof zu verkaufen und den Erlös als Zwischenfinanzierung für die Sanierung einzusetzen. Ebenfalls notwendige Sanierungsarbeiten an anderen Kirchen des Pfarrsprengels wurden mangels Finanzen notgedrungen erst einmal zurückgestellt. Greiffenberg besitzt eine recht aktive Kirchengemeinde. Das Kirchengebäude wurde neben regelmäßig stattfindenden Gottesdiensten auch für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich an der Finanzierung des ersten Bauabschnittes mit einem Zuschuss aus den Erlösen seiner Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen und wird auch in diesem Jahr finanzielle Unterstützung leisten. Zusätzlich ist jede Spende herzlich willkommen!

    Dorfkirche des Monats , Februar 2020

    Die letzten schweren Kämpfe des Zweiten Weltkrieges fanden im Oderbruch statt und hinterließen in den meisten Dörfern und Kleinstädten eine trostlose Trümmerlandschaft zurück. Zerstört oder schwer beschädigt wurden auch zahlreiche Kirchengebäude. In etlichen Fällen war es die deutsche Wehrmacht, die auf ihrem Rückzug die Kirchtürme sprengte um der vordringenden sowjetischen Artillerie keine Orientierungshilfe für ihre schwere Artillerie zu geben. Ein großer Teil dieser

    Kriegsschäden konnte bis zur Wende 1989/90 nicht beseitigt werden. So ist auch die Kirche in Ortwig bis heute eine Ruine, in deren Westteil sich die Gemeinde eine bescheidene Notkirche errichtete.

    Vermutlich 1706 erhielt das bereits Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnte Dorf Ortwig eine Kirche, errichtet als Fachwerkkonstruktion. Nachdem diese baufällig geworden war, wurde 1849 nach Plänen des Schinkel-Schülers Karl Wilhelm Flaminius eine neue Fachwerkkirche errichtet, in der – aus dem Vorgängerbau stammend – ein reich verzierter barocker Altar des Mohriner Bildschnitzers Bernhard Heinrich Hattenkerell erhalten geblieben war. Auch dieses Gotteshaus hatte kein langes Leben. Bereits 1911 wurde der Grundstein für ein neues Kirchengebäude gelegt; diesmal sollte es ein repräsentativer Backsteinbau sein, dessen imposanter Turm wegen Gründungsproblemen auf der Ostseite platziert wurde. Auch musste wegen des morastigen Bruchbodens für den gesamten Bau eine massive Betonplatte errichtet werden, was den Baupreis immens steigen ließ. Eingeweiht wurde die neue Ortwiger Kirche 1913. Stolz war die Gemeinde auf eine Altarbibel, die Kaiserin Auguste Viktoria gestiftet hatte.

    Im Frühjahr 1945 entbrannten auch um das Dorf Ortwig heftige Kämpfe. Mehrfach wechselte die Frontlinie. Auch die Kirche war schwer beschädigt. Teile des Gebäudes wurden darüber hinaus nach Kriegsende zur Gewinnung von Baumaterial für zerstörte Wohnhäuser abgetragen. Die bereits erwähnte Notkirche wurde 1954 eingebaut. Zwei im Bauschutt wieder gefundene kleine Glocken wurden in den Fensteröffnungen der erhaltenen Südwand aufgehängt. Die Gottesdienste leitete in der Nachkriegszeit der im Ort lebende Lektor Willi Lehmann. Von Mai 1947 bis 1967 hieß die zuständige Pfarrerin (damals musste sie sich noch Pfarrvikarin nennen) Hannelore Reiffen, eine Schülerin von Karl Barth und befreundet mit Martin Niemöller und Helmut Gollwitzer.

    Erst 1990/91 wurde mit der Beräumung noch verschütteter Gebäudeteile begonnen. Dabei wurden der im wesentlichen unbeschädigte Sandstein-Altar und Teile des gefliesten Kirchenbodens freigelegt. Zugleich wurde begonnen, Teile der Ruine zu sichern und zu sanieren. Im Sommer finden seitdem in der Kirchenruine Konzerte und Gottesdienste unter freiem Himmel statt.

    Nun hat die Gemeinde beschlossen, mit der Instandsetzung fortzufahren. Als erstes ist in zwei Bauabschnitten eine Sanierung des Gemeinderaumes vorgesehen, in dem noch immer regelmäßig Gottesdienste, aber auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Später sollen auch die Ruine endgültig gesichert und das Umfeld neu gestaltet werden. Ein kompletter Wiederaufbau ist nicht vorgesehen; die Ruine soll als Mahnmal und Gedenkort gegen Krieg und Gewalt erhalten bleiben. Zahlreiche Einwohner engagieren sich für die Instandsetzungen und werden verschiedene Arbeiten in Eigenleistung durchführen. Trotzdem sind enorme Geldmittel erforderlich, die von der Kirchengemeinde selbst nicht getragen werden können. Der Vorstand des Förderkreises hat in seiner Dezember-Sitzung beschlossen, sich an der Finanzierung des ersten Bauabschnittes, der noch in diesem Jahr beginnen wird, zu beteiligen. In den vergangenen dreißig Jahren konnten viele der 1945 zerstörten oder beschädigten Kirchen gesichert und zum Teil wieder aufgebaut werden. Jüngstes

    Beispiel ist die Kirche in Dolgelin, wo erst kürzlich nach Aufsetzen eines neuen Daches die Einweihung gefeiert werden konnte. Wünschen wir den Ortwigern nun also ebenfalls viel Erfolg bei ihrem ambitionierten Vorhaben!

    Weitere Informationen: Pfarrer Frank Schneider; Bahnhofstr. 33; 15324 Letschin; Tel.: 033475-330; Mobil: 0172-8797940; Mail: pfarramt-letschin@freenet.de

    Dorfkirche des Monats , August 2019

    Wenn man dem wohl berühmtesten Bewohner des Ortes Glauben schenkt, dann liegt das Dorf Kagel „in der Mark … wo sie am märkischsten ist, das heißt zwischen Sand, See und Kiefern“. Der Schriftsteller Moritz Heimann, geboren 1868 im nahen Werder bei Rehfelde geboren, verbrachte hier in Kagel, „einem Dorfe von etwas über hundert Häusern, drum herum nichts als Sand, See, schütterer Wald, und drüber weg ein Himmel“, seine Kindheit und Jugend. Heimanns Eltern betrieben in einem kleinen Haus direkt neben der Kirche einen Gemischtwarenladen. Später, als Moritz Heimann in Berlin als allseits anerkannter Cheflektor des S. Fischer Verlages in Berlin wirkte, zog es ihn immer wieder in seinen Heimatort zurück. Die von schwerer Krankheit geprägten letzten Lebensjahre verbrachte er wieder in Kagel. Er starb 1925; sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. In seinen meisterhaften, zu Unrecht vergessenen Novellen und kurzen Betrachtungen setzte er dem Ort ein bleibendes Denkmal.

    Doch zur Kirche, die – Ironie der Geschichte – nicht an einer nach Moritz Heimann benannten Straße, sondern an der Gerhard-Hauptmann-Straße liegt. Der Großdichter war mehrfach bei seinem Lektor, Freund und Schwager zu Gast. Von einem Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses sind Zeichnungen und ein Grundriss vorhanden. Der damalige Fachwerkbau mit einem bescheidenen, von einem Zeltdach gekrönten,  Turmaufsatz stammte vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. 1868 (im Geburtsjahr Heimanns) musste die alte Kirche wegen Baufälligkeit abgetragen werden. An ihrer Stelle entstand ein Neubau aus gelbem Backstein mit halbkreisförmiger Apsis eingezogenem quadratischen Westturm im Stile der Schinkelschule. Die Entwürfe lieferte Bauinspektor Eduard Bürkner. Die Ausstattung der Kirche stammt geschlossen aus der Bauzeit. Unter einem offenen Dachstuhl zieht sich eine Hufeisenempore um den Raum. Über einer schlichten Altarmensa zeigt ein Gemälde den auferstandenen Christus, rechts davon befindet sich die ebenfalls schmucklose Kanzel. Die Orgel schuf 1871 der Berliner Orgelbauer Ferdinand Dinse. 

    In den 1990er Jahren erhielt die Kageler Kirche ein neues Dach. Geldmangel verhinderte jedoch weitere dringend notwendige Instandsetzungen; zudem wurden die Arbeiten damals wohl auch nicht ganz fachgerecht ausgeführt. Jedenfalls gab es wenige Jahre später bereits wieder dringenden Sanierungsbedarf. Ein Artikel in der Märkischen Oderzeitung vom 7. Oktober 2011 dokumentiert die Bauschäden: „Der Turm und das Schiff seien undicht. Der First müsse umgedeckt werden, weil Regen und Schnee  über die Wetterseite eindringen. … Ebenso problematisch ist der Zustand des Sockels. … Ganz schlimm steht es um den Turm. Wem die unterschiedlich tickenden Uhren auffallen, der kann seinen Blick gleich weiter über die Schallluken schweifen lassen – die sind teilweise zugemauert, mit Spanplatten zugestellt.“ 

    Eine umfassende Grundsanierung war notwendig. Im Juli 2011 gründete sich der Förderverein Dorfkirche in Kagel e.V., der im Jahr darauf mit einem „Startkapital“ des Förderkreises Alte Kirchen ausgezeichnet wurde. Der Verein sammelte Spenden, organisierte Konzerte und andere Kulturveranstaltungen in der Kirche. Ein erster Erfolg war 2015 die Restaurierung der Dinse-Orgel, an der sich der Förderkreis Alte Kirchen ebenfalls finanziell beteiligte. In diesem Jahr ist es nun im Rahmen eines umfassenden Sanierungskonzeptes möglich, einen größeren Bauabschnitt zu bewältigen: Schäden im Dachbereich der Apsis, an der Fassade und den Fenstern, im Sockelbereich und besonders im Turm und dem Glockenstuhl sollen beseitigt werden. Nach der Sanierung der Kirche möchten Kirchengemeinde und Förderverein noch mehr Veranstaltungen für junge Menschen anbieten, um auch zugezogene Neubürger besser in das Gemeindeleben einzubeziehen. Der Förderkreis Alte Kirchen stellt zur Kofinanzierung der laufenden Bauarbeiten weitere 2.000 Euro zur Verfügung. 

    Wer die Dorfkirche in Kagel besuchen möchte, dem sei am 18. August ein Konzert mit den „Wolga-Kosaken“ empfohlen. In der der Kirche benachbarten Alten Schule ist übrigens auch eine kleine Ausstellung über Moritz Heimann zu besichtigen… 

    Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Kagel e.V.; Vorsitzender Kurt Paul; Neue Wiesenstraße 19; 15537 Grünheide / OT Kagel; Tel.: 033434-46880;                                                               Mail: waldspechtkurt@t-online.de

    Dorfkirche des Monats , Juni 2019

    Als Theodor Fontane im Mai 1860 eine seiner Erkundungsfahrten für die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ auf die Seelower Höhen unternahm, beeindruckte ihn „der ferne, halb ersterbende Klang von dreißig Kirchtürmen … als läute der Himmel selber die Pfingsten des nächsten Morgens ein“. Nicht einmal ein Jahrhundert später war von all dieser Idylle wenig geblieben. In der letzten Schlacht des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Kirchen zerstört und Türme gesprengt; Ausstattungen verbrannten. Auch die Kirche in Dolgelin, nur wenige Kilometer südlich von Seelow am Westrand des Oderbruches gelegen, wurde zur Ruine. Seit wenigen Wochen besitzt der stattliche Feldsteinbau wieder ein Dach. Doch bis dahin war es ein langer Weg… 

    Erstmals urkundlich erwähnt wird Dolgelin im Jahr 1321 im Zusammenhang mit der Komturei des des Johanniterordens im nahe gelegenen Lietzen, der dort die Nachfolge des aufgehobenen Templerordens angetreten hatte. Im Besitz der Johanniter blieb der Ort dann auch über 500 Jahre hinweg. Im der Kirche benachbarten Pfarrhaus übernachtete mehrmals Friedrich der Große während seiner Inspektionsreisen durch das Oderbruch.

    Das Kirchengebäude entstand wohl bereits zu Ende des 13. Jahrhunderts als einschiffiger langgezogener Granitquaderbau mit rechteckigem Langhaus und geschlossenem Chor. 1870 wurde an Stelle eines baufällig gewordenen und teilweise eingestürzten Vorgängers ein mächtiger neugotischer Backsteinturm vorgesetzt, der unter anderem eine wertvolle Bronzeglocke von 1500 mit dem Wappen der Familie von Schlieben enthielt. 

    Während der Kämpfe im Frühjahr 1945 wurde auch die Dolgeliner Kirche beschädigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern der Umgebung jedoch blieben sowohl der Turm und auch die Dachdeckung erhalten. Bis 1946 fanden in dem notgesicherten Kirchenschiff sogar noch Gottesdienste statt. Erst dann gab der damalige Ortsbürgermeister das Kirchengebäude zur „Gewinnung von Baumaterialien“ frei. Als die Aktion, die auf lokaler Ebene auch in Orten ähnlich ablief, staatlicherseits gestoppt wurde, war es zu spät: Die Dacheindeckung war abgetragen, was schließlich zum Einsturz des Dachstuhles führte. Der Kirchturmwurde am 25. März 1965 gesprengt, erst mehr als zwanzig Jahre später beseitigte man den entstandenen Schuttberg. Seitdem feierte die kleine Gemeinde ihre Gottesdienste in einem Raum des ehemaligen Pfarrhauses.

    Die jetzt erfolgten Sanierungsarbeiten gehen, so berichtet Pfarrer Martin Müller, auf eine „Biertischidee“ zurück. Mitglieder des Dolgeliner Männergesangsvereins, die auch der Kirchengemeinde verbunden waren, wollten sich nicht damit abfinden, für alle Zeiten eine Ruine in der Mitte des Dorfes zu behalten. Bereits im Jahr 2002 wurde ein Förderverein gegründet, der die Planungen für den Wiederaufbau vorantrieb. Erste Konzepte fanden damals keine Akzeptanz bei den Dienststellen der Denkmalpflege. Doch man gab nicht auf. Im vergangenen Jahr 2018 konnte mit der Errichtung eines neuen Kirchendaches begonnen werden. Für die nicht unerheblichen Kosten gab es keine öffentliche Förderung. In der Kostenaufstellung finden sich die Ausgleichzahlung einer Windenergiefirma, zahlreiche namhafte Spenden der Bevölkerung und Mittel des Kirchenkreises. Die Gemeinde selbst beteiligte sich immerhin mit einem Eigenanteil in Höhe von 50.000 Euro. Ein riesiger Glücksfall war es, dass ein örtlicher Bauunternehmer aus Lokalpatriotismus einen absoluten „Freundschaftspreis“ anbot. 

    Als vor dem Richtfest im Juni 2018 der auf dem Kirchhof vormontierte Dachstuhl aufgesetzt wurde, stellte man erschrocken fest, dass es einen Fehler bei der Berechnung gegeben hatte. Ausgerechnet der Überstand an der Westwand der Kirche, an der nach der Sprengung des Turmes wertvolle Putzblenden mit mittelalterlichen Ritzzeichnungen zum Vorschein gekommen waren, nicht ausreichte. Auch diese Schwierigkeit jedoch konnte überwunden werden. Am 25. Mai fand die feierliche Einweihung mit einem Andacht und einem großen Fest statt. Mit der Denkmalpflege haben sich Förderverein und Kirchengemeinde auf die Sprachregelung einer „Ruine unter Dach“ geeinigt. Doch insgeheim wollen die Dolgeliner weitermachen. Spender, die zum Beispiel ein Kirchenfenster finanzieren wollen, stehen bereits in den Startlöchern… 

    Dorfkirche des Monats , Februar 2019

    Gröden ist ein breit gelagertes Dorf im sogenannten Schraden, einer Landschaft am Südrand von Brandenburg – die sächsische Grenze ist in Sichtweite. Aus Gröden stammten der seinerzeit bekannte „Schradenmaler“ Hans Nadler (1879-1958) sowie sein gleichnamiger Sohn (1910-2005), der langjährige Dresdener Landeskonservator und Nestor der sächsischen Denkmalpflege. 1.300 Einwohner zählt das Dorf, von denen noch 60% (!) Mitglieder in der Kirchengemeinde sind. Die 2008/09 äußerlich blitzsauber sanierte Martinskirche steht mitten im Dorf und gibt ihm Charakter.

    Es ist ein verputzter Saalbau aus dem 16. Jahrhundert der aus einer 1378 erstmals erwähnten mittelalterlichen Feldsteinkirche heraus entwickelt wurde, was man innen am spätgotischen Portal zur Sakristei sehen kann. Der typisch sächsische Turm – unten quadratisch, oben achteckig mit geschweifter Haube und Laterne wurde Ende des 16. Jahrhunderts angebaut. Zur Ausstattung gehören neben einem am Beginn des 16. Jahrhunderts entstandenen Marienretabel ein spätromanischer Taufstein, das Mittelteil eines spätgotischen Taufsteins sowie ein schön geschnitztes Triumphkreuz aus der Zeit um 1400.

    In der Kirche hat man alles für die Innensanierung vorbereitet. Das meiste Inventar ist ausgeräumt, der verbliebene Rest verpackt. Große Dinge stehen bevor: Im Chor wurden barocke Malereien am flachen Kreuzgewölbe wieder ans Licht gebracht, an der Innenseite des Triumphbogens wurden viel ältere Fresken gefunden und an einigen Stellen zur Untersuchung freigelegt. Sie sollen alle aufgedeckt werden. Die düstere Flachdecke im Schiff soll hellblau und weiß übermalt und so farblich dem Chor angeglichen werden. Die Kirche würde dadurch viel heller werden. 60.000 Euro wurden bereits investiert, die jetzigen Maßnahmen sollen noch einmal 80.000 Euro kosten, deren Verfügbarkeit aber noch offen ist. Wie überall, so auch hier: es fehlt das Geld…

    Aber nicht nur das: Der Altaraufsatz wirkt etwas verloren. Es ist der Mittelschrein eines spätgotischen Marienaltars, der wohl seit der Reformationszeit auf dem Dachboden lag und wieder entdeckt wurde. Ein Kunstwerk, dem einmal vier Schnitzfiguren aus dem 16. Jahrhundert zur Seite standen: St. Georg, St. Sebastian, St. Christophorus und eine Anna Selbdritt. Sie fehlen.

    Diese Figuren sind 1961 vom damaligen Pfarrer für DM 600,- verkauft worden, der unbedingt Geld für seine Gemeinde brauchte. Ihm war nicht bewusst, wie sehr er über den Tisch gezogen worden ist, hinzu kommt noch, dass der Kauf mit dem Konsistorium und dem Gemeindekirchenrat hätte abgestimmt werden müssen. Es gibt auch keinen Kaufvertrag. Der Verkauf war also gut gemeint, jedoch illegal. Die Kunstwerke im Wert von heute weit über 10.000 Euro sind längst weiter verkauft worden und befinden sich wohl in der Sammlung eines gutgläubigen Erwerbers.  Nachdem die Skulpturen nun aber als illegal in den Handel gekommen gelten und entsprechend deklariert wurden, sind sie auf dem Kunstmarkt kaum noch verkäuflich, und ihr Wert wird deshalb sinken. Deshalb hofft Herr Dr. Sebastian Rick, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, dass der jetzige Besitzer sich von den Objekten trennen könnte, da sie keine Wertsteigerung mehr versprechen. Dr. Rick fahndet nun in Kunstzeitschriften und Versteigerungskatalogen nach Hinweisen auf die Figuren, die zurückgekauft werden müssten, wofür derzeit natürlich auch das Geld fehlen würde.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch nach der vollendeten Sanierung wird der Kirche noch etwas fehlen, die „verlorenen Kinder“ sollen wieder nach Hause zurück. Drücken wir die Daumen, dass eine Rückführung möglich wird.

    Weitere Informationen:
    Dr. Sebastian Rick
    Tel.: 0172 – 773 93 83
    E-Mail: rick-groeden@t-online.de

    Dorfkirche des Monats , Dezember 2004, Dezember 2005, August 2007

    Die Sonntagsausgabe der Westberliner Zeitung „Der Tag“ vom 17. Juli 1949 veröffentlichte auf der Titelseite einen Artikel mit dem Titel „SED demontiert Kirchen“. Darin wird berichtet, „daß in der Ostzone und vor allem im Lande Brandenburg eine regelrechte Kirchendemontage nach sowjetischem Vorbild vorgenommen worden ist.“ Weiter heißt es: „Da keinerlei Rechtsgrundlage für ein solches Zerstörungswerk besteht und da auch die sowjetischen Befehle über die Bodenreform die Niederreißung von Kirchen nicht vorgesehen haben, so erklärt man von Seiten der SED, daß es sich hier um beschädigte Kirchen handele, deren Baumaterial für die Errichtung von Neusiedlerbauten Verwendung finden solle.“ Neben anderen Beispielen erscheint in diesem Bericht auch der Name des Dorfes Strehlow bei Prenzlau.

    Strehlow ist ein schön angelegtes Dorf, das sich zu beiden Seiten eines breiten, in zwei Reihen mit Bäumen bestandenen Angers hinzieht. Von der ehemaligen Gutsanlage sind noch einige Wirtschaftsgebäude und das Verwalterhaus erhalten, in dem der Verein „Kindervereinigung Strehlow“ eine ambitionierte Kinder- und Jugendarbeit betreibt. Am Ende des Angers ragt ein hölzerner Kirchturm aus den Bäumen, die auf dem Friedhof stehen. Und beim näheren Hinsehen erstaunt es, dass die Konstruktion dieses Turmes überhaupt noch tragfähig ist.

    Der mittelalterliche Saalbau mit dem schiffbreiten Westturm und der gewölbten Nordsakristei entstand ñ wie zahlreiche weitere Feldsteinkirchen in der Uckermark ñ in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Portale und Lanzettfenster der heutigen Kirchenruine sind noch im ursprünglichen mittelalterlichen Zustand erhalten; an den Innenwänden blieben Weihekreuze erhalten. Auf alten Fotos sieht man eine barocke Innenausstattung; im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut. In dieser Zeit erhielt sie auch den verbretterten Turmaufsatz mit der geschwungenen Haube und einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1747.

    In den letzten Kriegstagen 1945 leicht beschädigt, wurde die Strehlower Dorfkirche, wie oben zitiert, durch den Bürgermeister zur Gewinnung von Baumaterial frei gegeben. Auf der Südseite des Kirchenschiffes ist deutlich zu erkennen, dass ein großer Teil der sorgfältig behauenen Feldsteine aus dem Mauerverband gebrochen wurden. Dachdeckung und Dachstuhl wurden abgetragen. Die nun ungeschützte Mauerkrone verfiel. Besucher des um die Kirche liegenden Friedhofes sind von herabfallenden Steinen bedroht. Der mit Schiefer gedeckte und an den Wänden verbretterte Turm mit seiner komplizierten Fachwerkkonstruktion und der vorgebauten Wetterschale ist durch Witterungseinflüsse stark beschädigt und muß dringend instand gesetzt werden.

    Die Strehlower Dorfkirche wird als Gotteshaus für den kleinen Ort heute nicht mehr benötigt. Nach der Fusion der Dörfer und der Kirchengemeinden besuchen die wenigen Christen die Gottesdienste im nur einen Kilometer entfernten Potzlow. Es geht nicht darum, die Strehlower Kirche wieder aufzubauen, doch die verbliebenen baulichen Reste des das Dorfbild prägenden Denkmals sollten möglichst bald gesichert werden, um weitere Verluste zu vermeiden. Ursprünglich war der hölzerne Aufsatz einer der schönsten barocken Kirchtürme in der Region.

    In diesem Jahr hat der Förderkreis Alte Kirchen ein holzschutztechnisches Gutachten finanziert, um zu erfahren, welche Möglichkeiten der Erhaltung und Reparatur des Turmes es gibt. Eine Sanierung des Turmes im Bestand, d. h. ohne Demontage der einzelnen Teile, wird für möglich gehalten. Die Kommune hat Interesse an der Erhaltung der Kirchenruine. Allein mit der winzigen Kirchengemeinde wird sie die Kosten der nötigen Bauarbeiten jedoch nicht aufbringen können.

    Der Förderkreis Alte Kirchen möchte sich auch in Zukunft an der Erhaltung der Strehlower Kirche beteiligen.

    Informationen über: Pfr. Johannes Reimer; Tel.: (03 98 63) 3 23   
    Dorfkirche des Monats , September 2009
    Derzeit ist die Kirche in Kolpien eine große Baustelle. Das Kirchenschiff ist von außen komplett eingerüstet und anstelle einer Dachdeckung flattern riesige Kunststoffplanen im Wind. Der einfache Feldsteinbau unter teilweiser Verwendung des für die Region typischen Raseneinsensteins stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Nach 1870 entstand der hohe, schlanke Westturm mit einem kupfergedeckten Spitzhelm. Aus der Gründungszeit des Kirchenbaus blieb eine mittelalterliche Glocke in typischer Zuckerhutform erhalten. Seit kurzem mit einer elektrischen Läuteanlage versehen, ruft sie seit siebenhundert Jahren die Kolpiener zum sonntäglichen Gottesdienst. Unter einer schlichten hölzernen Kassettendecke präsentiert sich der Innenraum der Kirche: Der Altaraufsatz stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert; zwischen zwei Säulen sind Tafelgemälde des Abendmahls, der Kreuzigung und der Himmelfahrt zu sehen, die Bekrönung bildet ein kleines gotisches Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert. Die barocke Kanzel an der Südwand zeigt in den Feldern des Kanzelkorbes Porträts der vier Evangelisten. Ein Renaissance-Taufbecken aus Sandstein stammt inschriftlich aus dem Jahr 1619 und ist mit Wappenschilden der damaligen Patronatsherren von Löser sowie verwandter Adelsfamilien geschmückt. Zur Zeit jedoch sind sämtliche Ausstattungsgegenstände sorgfältig verpackt, um sie während der Sanierungsarbeiten vor Beschädigung und Staub zu schützen. Bereits seit einigen Jahren waren die Kolpiener Kirche und mit ihr das wertvolle Inventar akut gefährdet. Armdicke Risse zogen sich durch das Feldsteinmauerwerk, und sie wurden zusehends breiter. Über die Ursachen dafür streiten sich die Fachleute. Hatten dicht beim Dorf gezogene Meliorationsgräben eine Senkung des Grundwasserspiegels bewirkt oder sind die Setzungen vielleicht sogar Auswirkungen des Jahrzehnte langen exzessiven Braunkohleabbaus in der nahen Niederlausitz? Zudem wurden zu DDR-Zeiten Betonsteine auf das Dach gebracht, die für den Dachstuhl viel zu schwer waren und eine ungünstige Lastenverteilung auf die Außenmauern verursachten. Dringende Notsicherungsarbeiten waren jedenfalls dringend geboten. Doch das erwies sich als nicht so einfach. Kolpien hatte nie einen eigenen Pfarrer, der saß schon seit dem Mittelalter im benachbarten Schöna und hatte lediglich die Aufgabe, „an jedem dritten Sonntag in Kolpien das Evangelium zu predigen und zu lehren“. Nebenbei sei vermerkt, dass es unter den Schönaer ñ und damit auch Kolpiener ñ Pastoren eine spätere Berühmtheit gab: von 1527 bis 1538 wirkte hier als erster evangelischer Geistlicher der Gemeinde ein gewisser Georg Buchholzer. Von Joachim II. später als Propst an St. Nikolai in Berlin-Cölln berufen, war es Buchholzer, der dem Kurfürsten erstmalig das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichte und damit die Reformation in der Mark Brandenburg offiziell einführte. Doch zurück in die heutige Zeit: Da auch im benachbarten Schöna eine umfassende Kirchensanierung nötig war, schien es für die Gemeinde illusionär, auch noch die finanziellen Mittel für eine Sicherung des Gotteshauses in Kolpien aufzubringen. Und doch wurde durch Mittel aus dem Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in diesem Jahr überraschend ein größerer Bauabschnitt möglich. Ein gewaltiger Ringanker aus Stahl, der durch die gesamte Länge und Breite der massiven Feldsteinwände getrieben wurde, gibt dem Kirchenschiff wieder Stabilität. Auch eine Sanierung des Dachstuhls und der Dachdeckung können durchgeführt werden. Die gravierendsten Bauschäden werden damit erst einmal beseitigt sein. Reparaturarbeiten sind jedoch noch am Backsteinmauerwerk des Turms nötig. Auch der Innenraum bedarf einer grundlegenden Restaurierung. In Kolpien gibt es noch viel zu tun. Weitere Informationen über: Ev. Kirchspiel Schöna Kolpien; Frau Elvira Müller (Vorsitzende des Gemeindekirchenrates); Tel.: (03 53 64) 41 34
    Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2012: Kolpiens Kirche ist wieder sicher Lausitzer Rundschau vom 22. Januar 2016: Kreuz und Kugel glänzen wieder   
    Dorfkirche des Monats , Januar 2012
    Inmitten einer ausgedehnten Wiesen- und Teichlandschaft liegt, in der Nachbarschaft des ehemaligen Zisterzienserklosters Dobrilugk (heute Doberlug-Kirchhain), das Dorf Lindena. Am 3. Mai 1228 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Ortes. Bereits um 1200 jedoch wurde in dem Dorf, das sich im Besitz des Dobrilugker Klosters befand, mit dem Bau einer Kirche begonnen. Aus dieser Zeit blieb der untere Teil des Turmes erhalten, der aus dem in der Region häufig verwendeten Raseneisenstein besteht. Nach einer zu vermutenden Änderung der Bauplanungen nur wenige Jahrzehnte später entstand die heutige Kirche: eine kleine, äußerst anspruchsvolle, schön gestaffelte Basilika aus Backsteinen im Klosterformat mit eingezogenem Chor und halbrunder Apsis, die als „Schulbau“ des Klosters Dobrilugk gilt. In der Apsis und im nördlichen Obergaden blieben die spätromanischen Fensteröffnungen der Bauzeit erhalten. Das Portal am südlichen Seitenschiff und die Priesterpforte auf der südlichen Chorseite besitzen sogar noch ihre mittelalterlichen Türblätter.
    Mit einem Stifterbild des Ritters „Volmarus von Lienwerde“, im nördlichen Apsisfenster, einer großen Sandsteintaufe und einer Einbaumtruhe aus der Zeit um 1220 blieben Ausstattungsstücke erhalten, die ñ wie auch Teile der ornamentalen Wandmalereien ñ aus der Entstehungszeit des Kirchengebäudes stammen. Der hölzerne Altaraufsatz mit zahleichen qualitätsvollen Schnitzfiguren und wunderschönen Tafelbildern auf den Außenseiten der Altarflügel entstand zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Im Mittelfeld steht Maria zwischen Johannes dem Täufer und Johannes dem Apostel. Neben weiteren Heiligenfiguren sind in den Seitenflügeln ñ selten für diese Region ñ elf der vierzehn Nothelfer zu sehen. Ein zeitgleich mit dem Retabel entstandenes Triumphkruzifix, eine Renaissance-Kanzel sowie die restaurierte, 1874 von dem Frankfurter Instrumentenbauer Wilhelm Sauer geschaffene, zweimanualige Orgel komplettieren das Inventar und machen in ihrer Gesamtheit den Raum zu einem der ansprechendsten der Umgebung. Leider ist diese Schönheit zum Teil bedroht. Das größte Problem ist Feuchtigkeit, die an zahlreichen Stellen dem Gebäude zu schaffen macht. Dachkonstruktion und Gewölbe sind gefährdet und harren einer Sanierung. Vor allem jedoch hat die aufsteigende Nässe den Turmsockel angegriffen, dessen Baumaterial ñ der bereits erwähnte Raseneisenstein ñ besonders intensiv auf Umwelteinflüsse reagiert. Im Rahmen eines Modellprojektes des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege wurden bereits vor etwa zehn Jahren verschiedene Möglichkeiten zur Stabilisierung des Steinmaterials getestet. Das Mauerwerk zeigt zum Teil klaffende Risse, vor allem am Turm und über den Fensterstürzen. Im Turm sollten die früher vorhandenen Geschossdecken wieder eingezogen werden, um die Stabilität zu erhöhen. Maueröffnungen sollten durch Fenster oder Schallluken geschlossen werden, um das Eindringen von Vögeln zu verhindern. Im Innenraum sind große Teile des Inventars durch Holzschädlinge angegriffen. Vor allem der Altar wartet dringend auf eine Restaurierung. An den aus mindestens drei mittelalterlichen Gestaltungsphasen stammenden Wandmalereien wurden in den vergangenen Jahren erste Untersuchungen, Freilegungen und Proberestaurierungen durchgeführt; ein umfassendes Konzept für die Innenfassung des Raumes steht jedoch noch aus. Für die notwendigen Arbeiten an der Lindenaer Kirche ist viel Geld nötig. Da der Ort sich an der neu installierten „Kirchenstraße Elbe-Elster“ beteiligt, hofft man auf Mittel aus Fördertöpfen der Europäischen Union. Zumindest für die Rettung des Altarretabels hat eine Aktionsgruppe um Pfarrer Fred Pohle in den letzten Jahren bereits Benefizkonzerte veranstaltet und Spenden gesammelt. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Lugau; Pfarrer Fred Pohle; Tel.: (03 53 22) 26 61; E-Mail: kirche.pohle.lugau@t-online.de

    Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 21. Juni 2012: ILE-Fördermittel für sanierungsbedürftige Lindenaer Kirche Lausitzer Rundschau vom 01. August 2013: Verborgene Schätze sichern Lausitzer Rundschau vom 29. April 2014: Langer Atem hat sich ausgezahlt Lausitzer Rundschau vom 02. März 2016: Der Schnitzaltar der Lindenaer Kirche ist in Berlin zur Kur
    Dorfkirche des Monats , Mai 2012
    Erstmals wird „Brugghe“ 1325 in einer Urkunde der Grafen von Lindow erwähnt, die das Dorf dem Herzog von Mecklenburg verpfändeten. Ab 1364 war der zur markgräflich-brandenburgischen Terra Pritzwalk gehörige Ort Brügge dann für über 500 Jahre im Besitz der Familie von Rohr. Die Namensgleichheit des Ortes mit der im heutigen Belgien gelegenen bedeutenden Handelsstadt ist vermutlich nicht zufällig: Ebenso wie im Falle des im Fläming gelegenen Städtchens Brück werden es hier wohl flämische Siedler gewesen sein, die im Zuge der mittelalterlichen Ostsiedlung des 12. und 13. Jahrhunderts den Ort gründeten. Heute zählt das zwischen Pritzwalk und Meyenburg gelegene Rundlingsdorf etwa 150 Einwohner. Eine Kirche ist in Brügge seit 1697 schriftlich nachgewiesen. Wegen Bauschäden sind bereits für das Jahr 1810 Reparaturen nachgewiesen, was den Verfall des Gebäudes jedoch nur kurzfristig aufhalten konnte. Otto August Alexander von Rohr als Patronatsherr ließ 1862 mehrere Entwürfe für einen Kirchenneubau in Auftrag geben und entschied sich schließlich für die Planungen des noch relativ unbekannten Architekten Reinhold Persius, Sohn des bekannten „Baumeisters des Königs“ Ludwig Persius. Eine Rolle bei der Auftragsvergabe könnte auch gespielt haben, dass ein Bruder des Architekten ñ Friedrich Ludwig Paul Persius ñ zur damaligen Zeit Landrat in Kyritz war. Das dortige Landratsamt durfte Reinhold Persius in den Jahren 1865/66 errichten. Die 1864 fertiggestellte Brügger Kirche ist ein qualitätsvoller, trutzig wirkender neugotischer Feldsteinbau mit polygonaler Apsis und einem imposanten achteckigen Turmaufsatz aus Backstein mit hoher Spitze. Im Innenraum blieben unter dem hölzernen Hängewerk des offenen Dachraums Reste der bauzeitlichen Ausstattung erhalten. Kanzel und Taufstein wurden von dem Potsdamer Bildhauer und Stuckateur Friedrich Wilhelm Koch aus dem damals noch recht neuen Baustoff Portlandzement geschaffen. Die Orgel, von der leider nur noch Reste vorhanden sind, schuf der aus Klosterhäseler bei Naumburg stammende Orgelbauer Johann Friedrich Wilhelm Heerwagen, dessen größtes Instrument noch heute in der Nauener Jacobikirche zu bewundern ist. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Dorfkirche Brügge immer weniger genutzt, was sicher auch mit der Tatsache zu tun hat, dass sich die örtlichen Großbauern nach ihrer Enteignung im Rahmen der Bodenreform in den Westen absetzten, wodurch die Sozialstruktur des Dorfes irreparabel beschädigt wurde. Die Kirche verfiel zusehends, sogar über einen Abbruch wurde nachgedacht. 1997 konnte zwar der Turm der Kirche saniert werden, das Kirchenschiff und der Innenraum jedoch verfielen weiterhin, so dass ein völliger Verlust des denkmalgeschützten Gebäudes nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. Erst ein von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz initiiertes studentisches Projekt der Europa Universität Viadrina brachte ab 2006 wieder Bewegung in die Bemühungen um den Erhalt des Kirchengebäudes. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich finanziell an der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes und an ersten Sicherungsarbeiten im Bereich des Daches. Auch im Dorf selbst erwachte das Interesse an dem Mittelpunkt des Dorfes: Immer mehr Einwohner beteiligten sich an Aufräum- und Reinigungsarbeiten. Erste Veranstaltungen wurden durchgeführt; 2007 konnte nach Jahrzehnten erstmals wieder eine Andacht in der Kirche gefeiert werden. Großes Interesse fanden in den letzten beiden Jahren die jeweils im November angebotenen Hubertusmessen. Nach langer Zeit formierte sich, gemeinsam mit dem Nachbarort Halenbeck, wieder ein eigener Gemeindekirchenrat. Mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung konnten die Kirchenfenster erneuert werden. Ende März dieses Jahres wurde mit 21 Gründungsmitgliedern der Förderverein Persius-Kirche Brügge ins Leben gerufen. Der Verein möchte die positiven Impulse der letzten Jahre aufnehmen und sich für die Sanierung und Erhaltung der Kirche einsetzen, aber auch für deren angemessene Nutzung. Ein in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Pritzwalk erarbeitetes Nutzungskonzept bietet dafür erste spannende Ideen. Im Jahr 2016 wird die Brügger Kirche ihr 150. Jubiläum feiern. Ehrgeiziges Ziel des Vereins ist es, bis dahin das Gebäude komplett instand zu setzen. Weitere Informationen: Förderverein Persius-Kirche Brügge; Vors.: Georg Zander; Am Bahnhof 3; 16945 Halenbeck-Rohlsdorf / GT Brügge; Tel.: (03 39 86) 5 03 90; E-Mail: georg.zander@zander-brennstoffe.de.
    Zum Weiterlesen: Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2012“ KiBa-Kirche des Monats Mai 2014 Preisträger 2015 des Brandenburgischen Denkmalpflegepreises Märkische Allgemeine vom 16. Mai 2011: Brügge macht mobil Märkische Allgemeine vom 21. April 2012: Förderverein Persiuskirche Brügge wurde gegründet Märkische Allgemeine vom 28. August 2012: „Die Kirche muss im Dorf bleiben“ Märkische Allgemeine vom 14. November 2012: Zwei Ehrenmitglieder ernannt Märkische Allgemeine vom 10. September 2013: Dachsanierung gesichert Märkische Allgemeine vom 14. Mai 2014: Innen und außen ein Stahlgerüst Märkische Allgemeine vom 18. Mai 2016: Brügge: Kirchengebäude feiert Jubiläum Märkische Allgemeine vom 01. Juni 2016: Brügger feiern 150 Jahre Persiuskirche Märkische Allgemeine vom 11. September 2016: Landesdenkmaltag in der Persiuskirche eröffnet Märkische Allgemeine vom 14. April 2017: Kirche mit Küche und Bad Märkische Allgemeine vom 10. September 2018: Persiuskirche in Brügge saniert
    Dorfkirche des Monats , Juli 2013
    Auf den ersten Blick ist es vielleicht etwas verwunderlich, die Schlosskirche in Buch – mittlerweile umgeben vom pulsierenden Leben einer Großstadt – als Dorfkirche des Monats vorgestellt zu bekommen. Bis zur Eingemeindung im Rahmen der Bildung Groß-Berlins im Jahre 1920 jedoch war Buch ein Gutsdorf im Landkreis Niederbarnim und die Schlosskirche erfüllte die Funktion einer ganz normalen Dorfkirche. Und so schilderte denn auch August Trinius in seinem Reiseführer „Die Umgebungen der Kaiserstadt Berlin“ das Dorf Buch wie folgt: „Trotz der verhältnismäßig nur geringen Entfernung von Berlin (zwei Meilen) verrät doch nichts hier die gefährliche Nähe einer Riesenstadt. Die vornehme Abgeschlossenheit eines Parkes mit seinem Schlosse, der Kirche und Erinnerungszeichen, sowie die schlichte Bewirtung, welche Buch den Wallfahrern bietet, beides hat dazu beigetragen, dieser märkischen Perle ihren vollen Glanz, ihre unberührte Jungfräulichkeit bis heute zu erhalten.“ Bereits etwa drei Jahrzehnte zuvor, im Juni 1860, weilte auch Theodor Fontane im Rahmen einer „Wochenend-Partie“ in Buch. Er empfindet „den Eintritt ins Dorf [als] malerisch“ und schildert den Ort als „reich an Landschaftsbildern aller Art, aber noch reicher an historischen Erinnerungen“. Ausführlich berichtet Fontane über die Adelsfamilien, die mit der Gemeinde Buch im Laufe der Geschichte verknüpft waren: von Röbel, von Pöllnitz, von Viereck, von VoßÖ Wohlwollend beschreibt Fontane den Park und das Schloss. Die Kirche jedoch, die der Publizist Friedrich Nicolai euphorisch als „schöne Kirche“ bezeichnete, findet vor seinen Augen keine Gnade. Dies sei „ein Ausspruch, der wohl nur in Zeiten möglich war, in denen man aufrichtig glaubte, durch Laternen- und Butterglockentürme die gotischen Formen unserer alten Feldsteinkirchen ersetzen oder gar noch verbessern zu können.“ Verzeihen wir dem Wanderer dies Fehlurteil; auch an anderer Stelle wird sichtbar, dass er der Formensprache des Barock nichts abgewinnen konnte. Nachdem ein vermutlich baufälliger Vorgängerbau aus Fachwerk abgebrochen worden war, ließ der damalige Besitzer von Buch, Adam Otto von Viereck, am 16. Juli 1731 den Grundstein für einen repräsentativen Neubau legen, für den der Berliner Baudirektor Friedrich Wilhelm Diterichs die Entwürfe geliefert hatte. Über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes entstand ein durch Säulen und Pilaster gegliederter Kuppelbau, dessen Hauptfassade einem griechischen Tempel nachempfunden erscheint. Bekrönt wurde der Bau durch einen mächtigen barocken Zentralturm. Wenn man bedenkt, dass Buch als Gutsdorf zur Bauzeit nur ganze fünf Bauernstellen und insgesamt 150 Einwohner zählte, ist man darüber erstaunt, welchen Aufwand der Patron dem Sakralbau angedeihen ließ. Erklärbar ist dies nur im Blick auf den durch Adam Otto von Viereck betriebenen Ausbau des alten Gutshauses zu einer dreiflügeligen Schlossanlage. Mit Park und Kirche entstand ein einheitliches Landschafts- und Architekturensemble. Von diesem Ensemble ist heute nicht mehr viel zu erkennen. Die „Riesenstadt“ hat das ehemals idyllische Dörfchen längst aufgesogen. Das Schloss wurde 1964 wegen angeblicher Baufälligkeit abgetragen, den Schlosspark umtost der Verkehr stark befahrener Hauptstraßen. Und der wunderschöne barocke Kirchturm stürzte am 18. November 1943 nach einem britischen Fliegerangriff brennend in das Kirchenschiff. Bereits in den frühen fünfziger Jahren war es der Kirchengemeinde, wenn auch unter größten Anstrengungen, möglich, die Kirche als Gottesdienstraum wieder herzustellen. Zum Glück waren Teile der Ausstattung wie Kanzelkorb und Altartisch bereits vor dem Luftangriff ausgelagert und das von dem Bildhauer Johann Georg Glume für Adam Otto von Viereck geschaffene Marmorepitaph vermauert worden. Weitere Instandsetzungsarbeiten folgten im Laufe der nächsten Jahrzehnte, so dass die Kirche heute einen intakten und gepflegten Eindruck macht. Noch immer jedoch fehlt der barocke Turmaufsatz, wodurch der Bau seltsam proportionslos wirkt und eher einem zu schmal geratenen Herrenhaus als einem Sakralbau gleicht. Um dem „denkmalgeschützten sakralen und historisch bedeutsamen Bauwerk mit dem Turm dessen sinngebende Bestimmung sowie architektonische Vollendung und Schönheit wiedergeben zu können“, gründeten Bucher Bürger im Jahr 2007 den „Förderverein zum denkmalgetreuen Wiederaufbau des Turmes der barocken Schlosskirche in Berlin-Buch e.V.“. Für den Verein – und natürlich auch für die aktive Kirchengemeinde – ist die Schlosskirche jedoch nicht nur ein schützenswertes Denkmal, sondern ein geistliches, kulturelles und soziales Zentrum inmitten der bis hierher vorgedrungenen Großstadt. Und so soll denn auch der geplante Wiederaufbau des Kirchturms nicht nur der Korrektur der Stadtsilhouette dienen, sondern ein weithin sichtbares Zeugnis für lebendiges kirchliches Leben im Nordosten Berlins bilden. Nach Abschluss der bauvorbereitenden Maßnahmen wurde der Bauantrag für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Turmes der barocken Schlosskirche in Buch am 28. Mai 2013 der zuständigen Bauaufsichtsbehörde Berlin-Pankow übergeben. Die dafür notwendigen bauvorbereitenden Maßnahmen – Baugrunduntersuchungen, Angrabung des Fundaments, bauphysikalische und bauchemische Untersuchungen, Aufmaß, Baumodell und Kostenermittlung – konnten vom Förderverein finanziert werden, der bisher mehr als 100.000 Euro an Spenden sammeln konnte. Die Gesamtkosten werden 2,48 Millionen Euro betragen, für die nun öffentliche und institutionelle Förderungen und weitere Spenden eingeworben werden sollen. Weitere Informationen: www.schlosskirche-berlin-buch.de
    Dorfkirche des Monats , April 2011
    In Kappe gilt die Redewendung „die Kirche im Dorf lassen“ nur bedingt. Das Gotteshaus liegt etwas versteckt hinter Bäumen ñ ganz am Rande des Ortes. Das Dorf Cappe, wenige Kilometer südöstlich von Zehdenick in der Schorfheide gelegen, wurde in der Mitte des 18, Jahrhunderts unter der Regierung Friedrichs des Großen als Siedlung für ausgewanderte reformierte Pfälzer angelegt. Die zur Parochie Groß Dölln gehörige Gemeinde besaß ein Schul- und Bethaus, das jedoch bei einem Dorfbrand 1873 zerstört wurde. „Als der Pfarrer Emil Maune am 10. November 1873 das hiesige Amt antrat“, berichtet die Kirchenchronik, „fand er in Cappe einen Trümmerhaufen vor und musste die Gemeinde erst wieder sammeln.“ Trotz großer Bemühungen des Pfarrers dauerte es fast zwanzig Jahre, bis am Sonntag Jubilate, dem 19. April 1891 der Grundstein für einen Kirchenneubau gelegt werden konnte. Der Berliner Stadtrat Georg Friedrich Krug, dessen Großvater aus Kappe stammte, spendete 3.500 Mark, weitere 1.000 Mark bewilligte die Provinzialsynode aus ihrem Kollektenfonds und auch die Einwohner des Ortes beteiligten sich mit Hand- und Spanndiensten. In der Chronik wird der Büdner Christian Dähne erwähnt, der die damals große Summe von 100 Mark für den Kirchenbau beisteuerte. Auf Drängen von Pfarrer Maune beteiligte sich schließlich auch das Ministerium für Kirchen- und Schulwesen mit einer größeren Summe. Die feierliche Kirchenweihe fand am 4. November 1892 statt. Bereits zur Grundsteinlegung hatte der Pfarrer seine guten Wünsche wie folgt formuliert: „Der Herr wird seine Verheißung in Gnaden erfüllen, dass die Herrlichkeit des zweiten Hauses eine größere werden soll als die des ersten gewesen ist. Der hochragende Turm aber möge einem jeden die Weisung geben: Himmelan geht unsere Bahn!“ In der Tat besaß der unter der Bauleitung des Templiner Kreisbaurats Prentzel geschaffene neugotische Kirchenbau einen imposanten spitzen Turmhelm, der jedoch bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgetragen werden musste. Der jetzige verkürzte Turm lässt das Kirchengengebäude leider etwas proportionslos wirken. Umso eindrucksvoller wirkt der schlichte, bauzeitlich ausgestattete, Innenraum unter einem hölzernen Tonnengewölbe. Neben der Empore, dem schlichten Altar, der Kanzel und dem Gestühl sind es vor allem zwei Ausstattungsstücke, die dem Besucher sofort auffallen. Da ist zum einen der mit wunderschöner Ornamentik verzierte Kirchenofen, der am 11. Dezember 1911 sogar dem Zehdenicker Anzeiger eine Notiz wert war: „Auf Veranlassung des Pfarrers Maune ist aus den Mitteln des Krugíschen Vermächtnisses unter Zustimmung des Verwaltungsvorstandes ein Kirchenofen beschafft worden, und zwar ein Regulier-Füll-Ofen mit frühgotischem Mantel in brauner Majolika-Emaillierung, Irisches SystemÖ“. Etwas Besonderes ist auch die vermutlich aus der Neuruppiner Werkstatt von Albert Hollenbach stammende Orgel von 1892. Dieses Instrument wieder uneingeschränkt spielbar zu machen, ist eines der Ziele des 2010 gegründeten Fördervereins Kapper Cappe e.V. Zudem sollen dringend notwendige Sanierungsarbeiten am Kirchengebäude selbst durchgeführt werden. Langfristig möchte Vereinsvorsitzender Christian Schulze auch den Turmaufsatz mit seiner markanten Spitze wieder aufgebaut sehen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Als Benefizveranstaltungen wurden im vergangen Jahr die Kapper „Brunchkonzerte“ aus der Taufe gehoben, bei denen unter anderem Musiker der Deutschen Oper Berlin musizierten. Diese Konzertreihe soll 2011 fortgeführt werden, ergänzt durch weitere Veranstaltungen. Bereits am 24. April um 15 Uhr wird der bekannte Pianist Andreas Göbel in der Kapper Kirche Werke von Franz Schubert und Franz Liszt spielen. Weitere Informationen: Förderverein Kapper Cappe e.V.; Christian Schulze; Kapper Dorfstr. 37; 16792 Zehdenick / OT Kappe; Tel.: (0 33 07) 31 50 90; E-Mail: info@jck-schulze.de.

    Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 27. Juli 2011: Die Früchte hängen hoch Märkische Allgemeine vom 27. November 2012: Kapper Kirche könnte ab nächstes Jahr saniert werden Märkische Allgemeine vom 11. Dezember 2012: Es fehlt noch das i-Tüpfelchen Märkische Allgemeine vom 20. Dezember 2012: Mauer der Ignoranz Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2013: Land irritiert mit Streichliste Märkische Allgemeine vom 01. Februar 2013: Kapper Cappe kann Rechnungen bezahlen Märkische Oderzeitung vom 01. Oktober 2013: Kulturförderpreis geht nach Kappe Märkische Allgemeine vom 05. Juni 2014: Dorfkirche wird saniert Märkische Onlinezeitung vom 28. August 2014: Sanierung des Kapper Kirchturms beginnt Mitteilungsblatt Dezember 2014: Hinterm Gerüst wächst wieder der stolze Turmhelm empor Märkische Onlinezeitung vom 14. März 2015: Kapper Förderverein löst sich auf Märkische Onlinezeitung vom 24. März 2015: Neue „Kappe“ für Kapper Kirche Märkische Onlinezeitung vom 04. März 2017: Kapper Kulturkirche bekommt neues Dach
    Dorfkirche des Monats , Januar 2015
    Das Dorf Wismar bildet den nördlichsten Zipfel des Landes Brandenburg und wird in fast allen Himmelsrichtungen vom Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern umschlossen. Den einzigen direkten Zugang ins Brandenburgische behindert in südöstlicher Richtung der Lauf eines Baches. Historisch gehörte das 1316 erstmals urkundlich erwähnte Dorf über Jahrhunderte zur Uckermark und bis zur Kreisgebietsreform 1952 zum Kreis Prenzlau. Nach der sogenannten Wende wurde es dem neu gegründeten pommerschen Kreis Pasewalk zugeschlagen, bevor sich die Wismarer – gemeinsam mit den Einwohnern einiger Nachbarorte – per Volksentscheid die geographische Rückkehr in die uckermärkische Alt-Heimat erkämpften. Die zur Pommerschen Kirche (heute Nordkirche) gehörende Wismarer Dorfkirche ist im Kern ein rechteckiger Saalbau aus unregelmäßig behauenen Feldsteinen mit einem vorspringenden querrechteckigen Turm. Bei einem größeren Umbau im Jahr 1825 wurde der Charakter des Kirchengebäudes wesentlich verändert: Der Ostgiebel wurde neu aufgemauert, die Fenster vergrößert und an der Südseite entstand eine kleine Vorhalle. Der Kirchturm wurde – vielleicht an Stelle eines abgetragenen Vorgängers? – neu gebaut; über einem Zwischengeschoss aus Backstein erhebt sich ein „mit großer Holzverschwendung“ (Inventar der Kunstdenkmäler des Kreises Prenzlau von 1921) errichteter Fachwerkaufsatz, der in eine offene Laterne mündet. Den Innenraum dominiert ein äußerst qualitätsvoller, farbenprächtiger barocker Kanzelaltar, der allerdings erst seit wenigen Jahren den Wismarer Kirchenraum schmückt. Geschaffen wurde das mit reichen Verzierungen versehene Ausstattungsstück 1741 für die Fachwerkkirche im nicht weit entfernten, heute zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden, Dorf Schwarzensee, die 1964 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Der Kanzelaltar sollte nach Wismar kommen, dessen ursprünglicher Altar wohl ein Opfer des Holzwurmes geworden war. Aus heute nicht mehr so recht nachvollziehbaren Gründen wurde der Kanzelaltar an verschiedenen, zum Teil äußerst ungeeigneten Orten zwischengelagert und war den Unbilden der Witterung ausgesetzt. Auf Initiative des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege wurde er im Jahr 2000 endlich in der Wismarer Kirche aufgestellt und im Laufe mehrerer Jahre vorbildlich restauriert. Ebenfalls erst seit Kurzem hängt links vom Kanzelaltar ein Taufengel, der allerdings zum ursprünglichen Inventar der Wismarer Kirche gehört. Im Jahr 1788 bezahlte die Kirchengemeinde für den Engel den stolzen Preis von vierzig Reichstalern. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der nicht mehr in die moderne Zeit passende Himmelsbote an das Uckermärkische Museum in Prenzlau abgegeben, kehrte jedoch in den 1960er Jahren in die Wismarer Kirche zurück und wurde über der Orgelempore aufgehängt. Auf ebendieser Empore lag der Taufengel dann viele Jahre nach einem Absturz, der ihm schwere Schäden zugefügt hatte. Im Rahmen der Aktion „Menschen helfen Engeln“ konnte er restauriert und im Sommer 2010 im Rahmen eines Taufgottesdienstes wieder in Gebrauch genommen werden. Mit dem neu aufgestellten Kanzelaltar und dem wieder hergestellten Taufengel bot der Innenraum der Wismarer Kirche nun wieder einen wunderschönen Anblick. Sorgen jedoch bereiteten schwere Bauschäden am Kirchengebäude selbst. Aber auch hier konnte inzwischen Abhilfe geschaffen werden. Im zu Ende gehenden Jahr 2014 war es möglich, erste Instandsetzungsmaßnahmen am Mauerwerk des Kirchenschiffes, speziell am Ostgiebel, auszuführen. Für 2015 ist – dank einer großzügigen Hilfe aus einem Sonderfonds des Bundeskulturministeriums – eine umfassende Sanierung des Kirchturms geplant. Für diesen Bauabschnitt stellt auch der Förderkreis Alte Kirchen, der bereits die Restaurierung des Kanzelaltars und des Taufengels finanziell unterstützte (s. u.a. Mitteilungsblatt September 2008), Fördermittel zur Verfügung.
    Dorfkirche des Monats , März 2006
    In dem Buch „Die evangelische Kirche der Kurmark“ von 1932 wird sie bei der Beschreibung des Kirchenkreises Perleberg mit nur einem Satz erwähnt: „Der kleinste zum Gottesdienst benutzte Raum ist wohl die Gruftkapelle in Klein-Linde, in der Glieder der Familien Seebald und von Karstädt ihre letzte Ruhe gefunden haben.“ Und doch ist die Kapelle von Klein Linde etwas besonderes. Erbaut wurde sie 1736 auf Veranlassung des damaligen Patrons Siegmund Seebald, seines Zeichens Zoll- und Salzdirektor zu Wittenberge, der das Gut gerade zwei Jahre vorher erworben hatte. Das heutige Dorf Klein Linde war damals lediglich ein Schäfereivorwerk, errichtet auf einer wüsten mittelalterlichen Feldmark. Einige Jahrzehnte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte die arg mitgenommene Prignitz sich wirtschaftlich etwas erholt; auch die zerstörten Kirchen konnten wieder aufgebaut und vereinzelt sogar „Neubauten“ errichtet werden. In Schilde entstand 1723 der barocke Fachwerkturm, in Bresch wurde der verbretterte, eingezogene Westturm 1726 errichtet, die alte Wetterfahne der Kirche in Dergenthin zeigte die Jahreszahl 1749. Zu dieser Zeit wurde also auch die Kapelle in Klein Linde gebaut und zwar als verputzter zentraler Fachwerkbau über fast quadratischem Grundriss mit einem mittig angeordneten schiefergedeckten Glockentürmchen über dem zeltartigen Walmdach. Damit ist die Kapelle der einzige barocke Putzbau in der Prignitz. Trotz seiner Einzigartigkeit ist das Denkmal jedoch seit längerem dem Verfall preisgegeben und droht endgültig verlustig zu gehen, wenn nicht bald Sicherungsarbeiten ausgeführt werden. Die jedoch sind alles andere als leicht zu bewerkstelligen, ist doch schon die Frage nach dem verantwortlichen Bauherren schwierig zu beantworten. Nach der Auflösung der Patronatsverhältnisse im Jahre 1946 kam die Kapelle als Teil des aufgelösten Gutes in staatlichen Besitz. Genutzt wurde sie nicht mehr und verfiel durch Witterungseinflüsse und mutwillige Zerstörung. 2003 wurde die Kapelle mit dem zugehörigen Grundstück von der Bodenverwaltungs- und -verwertungs GmbH (BVVG), einer Treuhand-Nachfolgegesellschaft, an den Naturschutzfonds Brandenburg übertragen. Dieser wiederum fühlte sich mit dem maroden Bauwerk überfordert und gab es an die BVVG zurück. Gegenwärtig wird eifrig nach einem neuen Eigentümer und Nutzer gesucht. 1994 /95 konnten, finanziert von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises und dem Kirchenkreis, Notsicherungsarbeiten durchgeführt werden. Damals wurden auch Teile des Inventars ausgelagert. Die Glocke von 1738 befindet sich heute im Heimatmuseum Perleberg. Die barocke Kanzel ist ausgelagert, der wunderschöne Sandsteinepitaph für Katharina Sophia Seebald, geb. Ludewig, die Ehefrau des Erbauers der Kapelle, in einer Restaurierungswerkstatt sichergestellt. Die Notsicherung schuf etwas Zeit, doch inzwischen ist der Zustand der Kapelle alarmierend. Die Rückwand ist bereits eingestürzt, Teile der Dachkonstruktion sind zerstört. Für März hat der Förderkreis Alte Kirchen zu einem Ortstermin eingeladen, um gemeinsam mit Institutionen und interessierten Bürgern der Region über die Zukunft der Kapelle von Klein Linde zu beraten.
    Zum Weiterlesen:Dorf- und Förderverein Klein Linde e.V.
    Dorfkirche des Monats , Mai 2013
    Der heutige Besucher findet auf dem Friedhof des uckermärkischen Dorfes Flieth lediglich eine ñ wenn auch malerische ñ Kirchenruine. Die Mauer des Kirchenschiffes aus ehemals verputzten Feldsteinen ist einschließlich des Chores bis in Traufhöhe erhalten. Die Spitze des querrechteckigen Turmschaftes, auf deren einen Ecke ein Storchennest thront, erscheint wie mit einem Messer abgeschnitten. Dass der filigrane Triumphbogen noch immer das Kirchenschiff überspannt, grenzt an ein Wunder. Aus Mangel an schriftlichen Überlieferungen lässt es sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber vermutlich war diese Kirchenruine einmal das Gotteshaus eines nur kurze Zeit bei dem Dorf Flieth existierenden Nonnenklosters. Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1269 ñ der einzig erhaltenen ñ stattete der Ritter Heinrich von Stegelitz ein von ihm gegründetes Benediktinerinnenkloster mit Besitz unter anderem in Marienvlete, dem heutigen Flieth, aus. Leider jedoch hatte der stolze Ritter, der hier sicher eine Grablege für seine Familie schaffen wollte, die Rechnung ohne den brandenburgischen Markgrafen gemacht. Klostergründungen waren zu dieser Zeit ausschließlich dem Landesherren vorbehalten und so wurde der laut Urkunde bereits vorhandene Konvent wieder aufgelöst. Die Nonnen siedelten vermutlich in die Zisterzienserklöser Boitzenburg und Seehausen um. Nur eine kurze Episode also. Ob bereits mit dem Bau der eigentlichen Klosteranlage begonnen worden war, lässt sich nirgend nachweisen. Und auch die Vermutung, die Fliether Kirche wäre mit der ehemaligen Klosterkirche identisch, stützt sich lediglich auf den damals verwendeten Ortsnamen Marienvlete. Allerdings ist der Grundriss des Fliether Kirchengebäudes mit seinen Maßen von 36 mal 12 Metern schon recht stattlich und von der Größe her der ebenfalls zerstörten Klosterkirche in Boitzenburg vergleichbar. Nach schweren Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die noch immer unter dem Patronat der Familie von Stegelitz stehende Fliether Dorfkirche wieder aufgebaut und erhielt 1714 einen barocken Turm. Durch die Kriegswirren nicht betroffen war wohl der Innenraum, denn es hatte sich ein bemerkenswerter Renaissance-Altaraufsatz aus dem Jahr 1601 erhalten, der einer Werkstatt in Lübeck zugeschrieben wurde. Der Prenzlauer Pfarrer und Heimatforscher Rudolf Ohle schrieb 1913 über die Fliether Kirche, sie gehöre zu den wenigen, „in denen uns sofort ein behagliches Fluidum umfängt“. Den erwähnten Altaraufsatz bezeichnete er als „das verkörperte Hohelied auf die Schönheit der Farbe und Form“. Ende April 1945 wurde die Fliether Kirche nach einem russischen Fliegerangriff beschädigt und brannte aus. Dabei ging auch die gesamte Ausstattung verloren. Im Jahr 2001 fanden Sicherungsmaßnahmen statt, die sich jedoch auf das nötigste beschränkten. Bald danach hatte sich der Zustand der Kirchenruine jedoch dramatisch verschlechtert. Wiederholt fielen Ziegel aus der Mauerkrone, was wegen des den Bau umgebenden Friedhofes zur Gefahr für Leib und Leben der Besucher wurde. Im vergangenen Jahr 2012 war es, auch Dank der Unterstützung durch den Förderkreis Alte Kirchen, möglich, die Mauerkrone durch eine Zinkblechabdeckung zu sichern. Für das laufende Jahr sind nun umfassende Sicherungsmaßnahmen am Turmstumpf vorgesehen. Wie bereits in der Vergangenheit sollen in der Kirchenruine Flieth auch weiterhin Gottesdienste und Konzerte unter freiem Himmel stattfinden. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Gerswalde; Ziegenwinkel 18; 17291 Gerswalde; Tel.: (03 98 87) 2 27
    Dorfkirche des Monats , Oktober 2008
    Zum Erntedankgottesdienst in Bagemühl, bei dem auch die Wiedereinweihung der seit Jahren bauaufsichtlich gesperrten Kirche gefeiert wurde, konnten 163 Besucher gezählt werden ñ mehr als das Dorf im äußersten Nordosten der Uckermark Einwohner besitzt. Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung, 1433, gehörte „Bagemyle“ zum Schloss Löcknitz. Später erhielt die Familie von Buch den Ort als kurfürstliches Lehen. Ab 1680 schließlich gehörte Bagemühl zum kurfürstlichen Amt Löcknitz. Von der mittelalterlichen Granitquaderkirche sind nur noch Reste der Umfassungsmauern erhalten. Zwischen 1873 und 1877 erfolgte ein wesentlich vergrößerter Kirchenneubau als neugotischer Feldsteinsaal mit polygonaler Apsis aus Backstein. Dem Kirchenschiff wurde im Westen ein schlanker, schiefergedeckter Turm vorgesetzt. Auch die einfach gehaltene Ausstattung ñ Altar, Kanzel und Taufe ñ zeigt die neugotischen Formen der Bauzeit. Im Jahr 1982 erfolgte eine Neueindeckung des Kirchendaches mit Betonsteinen. Eine umfassende Instandsetzung des Dachstuhls jedoch war zu dieser Zeit nicht möglich. Bautechnische Mängel bei der Konstruktion des Ortgangs (seitlicher Abschluss der Dachfläche am senkrecht stehenden Giebel) und anhaltende Undichtigkeiten in der Dachfläche führten zu derart massiven Bauschäden, dass die Bagemühler Kirche 2002 gesperrt werden musste. Unter der Deckenschalung hatte sich großflächig Hausschwamm gebildet. Eingezogene Spannstähle waren nicht mehr funktionsfähig. Es bestand Einsturzgefahr. Im Jahr 2007 wurde es dann möglich, mit der Reparatur der Dachkonstruktion zu beginnen. Aufgrund der riesigen Dachfläche war eine Finanzierung nur in zwei Bauabschnitten möglich. Vor wenigen Tagen konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Neben zahlreichen weiteren Geldgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mit insgesamt 4.500 Euro an den Sicherungsmaßnahmen. Um die Bagemühler Kirche endgültig baulich zu sichern, sind weitere Bauabschnitte dringend nötig. Durch die Sanierung des Dachstuhls ist jedoch erst einmal die akute Gefahr gebannt und eine Nutzung wieder möglich geworden. Vielleicht wird ja in absehbarer Zeit auch die ausgelagerte Orgel zurückkehren. 1877 schuf der Stettiner Orgelbauer Barnim Grünewald für die Bagemühler Kirche ein „durchaus lobens- und empfehlenswertes“ Instrument, das „zur Führung des Gemeinde-Gesangs nicht unwesentlich beitragen“ sollte. Wegen des einsturzgefährdeten Kirchendaches wurde die Orgel vor einigen Jahren als Leihgabe an das Baltische Orgel Centrum Stralsund gegeben, wo sie gereinigt sowie um fehlende Prospektpfeifen ergänzt wurde und hin und wieder zu kleinen Konzerten genutzt wird. Der Einweihungsgottesdienst am vergangenen Wochenende wurde, dem Anlass entsprechend, festlich begangen, musikalisch unterstützt von Gemeinde- und Posaunenchor. Am Abendmahl nahm auch ein Ehepaar aus Bagemühl teil, das damit ihren Wiedereintritt in die Kirche vollzog. Durch eine Zuwendung der Sparkasse Uckermark war es möglich, kurzfristig eines der fünf farbigen Apsisfenster zu restaurieren, die um 1900 entstanden. Die restlichen zwei sanierungsbedürftigen Fenster werden in den nächsten Monaten restauriert; es konnten inzwischen auch hierfür Spender gefunden werden: die Sparkasse (7.000 Euro) und die Pommersche Ev. Kirche (2.500 Euro). Nach Festgottesdienst und opulenter Kaffeetafel zog es die Bagemühler und ihre Gäste in die Gaststätte „Zur Linde“, die nach langem Leerstand im Frühjahr wieder öffnete und nun von einem polnischen Gastwirt betrieben wird. Anhand einer Diaschau konnten hier die aufwändigen Arbeiten zur Instandsetzung des Kirchengebäudes noch einmal in Augenschein genommen werden.   
    Dorfkirche des Monats , Februar 2014
    „Zur Eröffnung des Klausdorfer Adventsmarktes wurden die Glocken geläutet und die Gäste folgten ihrem Ruf in die festlich geschmückte Kirche zur Weihnachtsandacht, die von Prädikant Andreas Bruns, den Kindern der Kita „Kinderland Pechüle“ und dem Gesangstalent Felix Fügner gestaltet wurde.“ Mit diesen Worten beginnt der anrührende Bericht von Kerstin Schäfer, Schriftführerin des Fördervereins zum Erhalt der Klausdorfer Kirche, über ein Ereignis, zu dem vor wenigen Wochen die Klausdorfer Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Erstmalig urkundlich erwähnt wird Klausdorf 1311. Im Jahr 1426 dann wird der recht kleine Ort – zur Ausstattung gehörten lediglich 20 Hufen – durch Markgraf Johann von Sachsen an das Kloster Zinna veräußert. Ausdrücklich verspricht der Markgraf in der erwähnten Urkunde den Einwohnern seinen Schutz. Jedoch nur wenige Jahre später, zwischen 1435 und 1452, ist der Ort bereits verlassen und die Mönche aus Zinna verpachten „die wüste mark und dorpstelle“ Klausdorf an die Bauern im benachbarten Pechüle, die die Feldmark über mehrere Jahrhunderte als Wiesen- und Weideland nutzen. Als 1748 die kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer auf der Klausdorfer Feldmark die Familien von neun Pfälzer reformierten Flüchtlingen anzusiedeln beabsichtigt, stößt dies zunächst auf erbitterten und renitenten Widerspruch der Pechüler, der erst durch ein amtliches Schreiben des preußischen Königs und ein Kommando von zwanzig Grenadieren aus Treuenbrietzen gebrochen werden konnte. Aus der so entstandenen Ansiedlung entwickelte sich das heutige Klausdorf. Auf eine Kirche mussten die Einwohner jedoch noch längere Zeit warten. Erst 1907 wurde der Grundstein für einen vom Treuenbrietzener Maurermeister Hannemann projektierten bescheidenen, massiven Saalbau in neobarocken Formen mit dreiseitigem Ostschluss und einem Dachturm in Fachwerkbauweise gelegt, der am 27. April 1908 feierlich eingeweiht wurde. Auch der Innenraum unter einer Holztonnendecke ist eher schlicht gehalten; lediglich ein Bild des Gekreuzigten schmückt den Altartisch. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt die Klausdorfer Kirche starke Beschädigungen und war in den folgenden Jahren dem weiteren Verfall preisgegeben. Ein bleiverglastes farbiges Fenster im Altarraum wurde zerstört, das mit Schnitzereien verzierte Taufbecken, der prunkvolle Kronleuchter und ein Harmonium verschwanden spurlos. Nach einer bauaufsichtlichen Sperrung im Jahre 1979 wurde bereits über einen Abbruch des Kirchengebäudes nachgedacht, doch die Klausdorfer waren sich einig, dass die Kirche im Dorf bleiben sollte. In den Jahren von 1984 bis 1986 wurde das Kirchengebäude mit finanzieller Hilfe und tatkräftiger Unterstützung auch aus den Nachbarorten Bardenitz und Pechüle umfangreich instandgesetzt. Zwei Jahrzehnte später jedoch wies das Gebäude erneut massive Schäden auf. Wieder ergriffen die Einwohner die Initiative und gründeten 2010 den Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche. Ein umfangreiches Nutzungskonzept wurde erstellt und Spenden gesammelt, Veranstaltungen organisiert und zahlreiche Kuchen gebacken. Von den lediglich 68 Einwohnern des Dorfes engagieren sich 19 im Förderverein, noch einmal so viele helfen bei der Vorbereitung und Durchführung von Theateraufführungen, Konzerten oder Basaren. Kerstin Schäfer stellt zufrieden fest: „Der Gemeinschaftssinn und das Miteinander werden gestärkt und der soziale Zusammenhalt gefestigt.“ Das Engagement der Klausdorfer brachte auch erste Erfolge: Im vergangenen Jahr 2013 konnte der gefährdete Fachwerkturm saniert werden. Sogar vom Ministerpräsidenten Matthias Platzeck erhielt der Verein dafür eine Spende. Für 2014 ist nun die Instandsetzung der Fassade des Kirchenschiffes geplant. Risse im Mauerwerk müssen geschlossen, die Fundamente trockengelegt und isoliert werden; zudem soll die Kirche eine Dachrinne erhalten. An der Finanzierung des diesjährigen Bauabschnittes wird sich auch der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 3.000 Euro beteiligen, nachdem er dem Förderverein bereits 2012 mit einem „Startkapital“ seine Anerkennung vermitteln konnte. Bis zum nächsten Adventsmarkt in der Klausdorfer Kirche sollen die umfangreichen Arbeiten ein glückliches Ende gefunden haben. Weitere Informationen: Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche e.V.; Lothar Schäfer; Klausdorfer Dorfstr. 22; 14929 Treuenbrietzen; Tel.: (03 37 48) 1 53 72; Mail: KuLSchaefer@t-online.de
    Zum Weiterlesen: Mitteilungsblatt Mai 2014: Die Irrwege einer heimgekehrten Bibel Mitteilungsblatt September 2014: Gaukler, Tanz und Sabinchen in Wildwest Märkische Allgemeine vom 08. August 2017: Kirchensanierung: Arbeiten dauern bis 2018 Märkische Allgemeine vom 25. Mai 2018: Ein Hoch auf die Dorfgemeinschaft Süddeutsche Zeitung vom 24. August 2018: Raus, raus, alle raus
    Dorfkirche des Monats , August 2012
    Vor mehr als zwei Jahren wurde der barocke Turmaufsatz der Kirche in Dauer mit hölzerner Laterne und Helm abgenommen. Seitdem stand die Haube neben der Kirche und wurde ñ ebenso wie der hölzerne Turmschaft ñ sorgfältig instandgesetzt. Als am Donnerstag dem 19. Juli ein mächtiger Kran die 8,5 Tonnen schwere Haube wieder auf den Turm bringen wollte, gab es unerwartete Schwierigkeiten: Ein mächtiges Unwetter mit Sturmböen, Blitz und Donner, Regenschauern und Hagelkörnern zog über den nördlich von Prenzlau an der B 109 gelegenen Ort hinweg. Die meisten der zahlreichen Zuschauer harrten aus und wurden für ihre Geduld belohnt. Mit nur zweistündiger Verspätung wurde die Haube auf dem Turmschaft abgesetzt und befestigt. Die Dorfkirche in Dauer entstand, wie die meisten uckermärkischen Kirchenbauten der Kolonisationszeit, im 13. Jahrhundert. Sie ist ein einfacher Rechtecksaal mit schiffbreitem Westturm aus sorgfältig behauenen Feldsteinquadern. Umfangreiche Reparaturarbeiten des 18. Jahrhunderts an der Westwand des Gebäudes erfolgten nach einem durch Blitzschlag verursachten Brand im Jahre 1779. Im Zuge dieser Instandsetzung erhielt die Kirche 1738 auch den backsteinernen Turmaufsatz; die bei dem Brand zerstörte hölzerne Laterne und der Turmhelm entstanden laut Inschrift in der Bekrönung 1785 neu. Unter einer flachen Holzdecke weist der Innenraum eine schöne barocke Ausstattung auf, die um 1700 entstand. Der qualitätsvolle Altaraufsatz mit korinthischen Säulen und reicher Akanthusornamentik zeigt in der Mittelachse geschnitzte Reliefdarstellungen des Abendmahls, der Auferstehung und der Himmelfahrt. Flankiert werden diese Abbildungen durch die Evangelisten, von denen zwei gleichsam aus der seitlichen Ornamentik herauswachsen und zwei die Himmelfahrtdarstellung im Giebelfeld links und rechts einrahmen. Wappenschilde und Puttenköpfchen vervollständigen das Retabel. Ebenso wie der Altaraufsatz wurde auch der in der Mitte des Raumes schwebende Taufengel von dem Stettiner Bildschnitzer Rosenberg geschaffen. In der rechten Hand hält er eine tiefe Muschelschale, während die linke ursprünglich vermutlich ein Spruchband oder einen Palmzweig trug. Reparaturen des 20. Jahrhunderts, die auch eine farbliche Neufassung mit sich brachten, haben dem Engel nicht unbedingt gut getan, so dass eine erneute Konservierung und Restaurierung angeraten wäre. Auch die hölzerne Kanzel sowie das Pastoren-, Patronats- und Gemeindegestühl entstand in der Zeit um 1700. Die einmanualige Orgel des Stettiner Instrumentenbauers Barnim Grüneberg entstand 1872. Erstaunlicherweise ist die originale Substanz einschließlich der wertvollen Prospektpfeifen vollständig erhalten. Sowohl im Gottesdienst als auch für Konzerte wird die Orgel von der Gemeinde genutzt. Ältestes Ausstattungsstück ist eine um 1300 entstandene Bronzeglocke, die vermutlich im 18. Jahrhundert aus der Kirche im benachbarten Göritz nach Dauer kam. Um dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten an dem Kirchengebäude in Gang zu bringen, gründete sich vor einigen Jahren der Förderverein Dorfkirche Dauer. Den derzeit laufenden ersten Bauabschnitt kann der Verein dabei als ersten Erfolg verbuchen. Bis zum September soll die komplette Sanierung des Kirchturms abgeschlossen sein. Ein Brand, bei dem ein großer Teil der historischen Hölzer des Turmschaftes vernichtet wurden, hatte die Reparaturarbeiten dabei um fast ein Jahr verzögert. Mit dem Abschluss der laufenden Sanierung wird auch eine Turmuhr wieder nach allen vier Himmelsrichtungen die Zeit im Dorf anzeigen. Im Zuge der laufenden Arbeiten war ein hölzernes Zifferblatt gefunden worden, das aus der Zeit des barocken Turmneubaus von 1738 stammt und von späteren Generationen irgendwann als Treppenpodest im Turm verbaut worden war. In Anlehnung an diesen Fund entstand die Turmuhr neu. Die dafür nötige Summe von 8.000 Euro konnte durch den Förderverein bei Sammlungen im Dorf bereits aufgebracht werden. Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Dauer e.V.; Jens Putz; Prenzlauer Str. 25; 17291 Prenzlau / OT Dauer; Tel.: (03 98 51) 63 80 60; E-Mail: info@holzschutz-putz.de
    Zum Weiterlesen: Nordkurier vom 06. Oktober 2012: Die Kirche im Dorf gelassen Nordkurier vom 12. Oktober 2012: Turm der Ñlackierten Eisdieleì fertig
    Dorfkirche des Monats , Mai 2014
    Das Angerdorf Löhsten (Landkreis Elbe-Elster) liegt an der Bundesstraße 87 und ist, von Sachsen kommend, der erste Ort hinter der brandenburgischen Landesgrenze. Im Südosten des breiten, ovalen Angers steht die hübsche Fachwerkkirche, ihr gegenüber einer der ältesten Gasthöfe der Region, ein imposanter zweistöckiger Fachwerkbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts unter einem hohen Krüppelwalmdach. Erstmalig taucht das Dorf „Lesne“ 1251 in einer Urkunde auf; ausdrücklich erwähnt wird damals bereits eine Pfarrkirche im Ort, die den Heiligen Johannes und der Heiligen Barbara gewidmet war. Im Dreißigjährigen Krieg 1637 wird der Ort niedergebrannt. Auch die Kirche wird dabei ein Raub der Flammen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erfolgt auf Initiative des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. die Wiederbesiedlung der wüsten Feldmark. Eine damals entstandene, vermutlich provisorische, Fachwerkkirche wird 1777 durch den heutigen Kirchbau ersetzt. Die Löhstener Kirche besitzt auf der Westseite eine kleine Eingangshalle und ist von einem quadratischen, ins Oktogon übergehenden Dachturm mit barocker Haube und Laterne bekrönt. Der schlichte, durch die großen rechteckigen Fenster hell wirkende Innenraum unter einer Putzdecke ist mit seiner schlichten, bauzeitlichen Ausstattung gut erhalten. Die Ostseite wird von einer Kanzelaltarwand mit seitlichen Durchgängen gebildet, die im 20. Jahrhundert eine neue Farbfassung erhielt. Den dreiseitigen Kanzelkorb flankieren schmale Akanthuswangen, die den einzigen Schmuck bilden. Auch die pokalförmige Taufe und das Gestühl stammen aus der Bauzeit der Kirche. Über drei Seitenwände des Kirchenschiffes zieht sich eine Hufeisenempore, auf der im Westen die kleine Orgel platziert ist. Diese Orgel möchte der Förderverein Kirche Löhsten e.V., der sich seit einigen Jahren für die Sanierung des Kirchengebäudes und seine Erhaltung engagiert, instand setzen lassen. Die kleine Orgel mit mechanischen Schleifladen und acht Registern im Manual und Pedal gibt in Bezug auf seine Entstehung noch Rätsel auf: Bisher ging man davon aus, dass das Instrument 1816 vom Orgelbauer Fläming aus Torgau gebaut wurde. Andere Quellen verweisen auf eine Herstellung durch die Firma Kaufmann in Dresden. Auf Nachfrage will sich auch Orgelbauer Mike Zuber aus Mixdorf, der ein Restaurierungskonzept erarbeitet hat, derzeit nicht endgültig festlegen: „Vielleicht finden sich im Laufe der Sanierungsarbeiten Hinweise, die eine endgültige Zuordnung zulassen.“ Bereits im Ersten Weltkrieg mussten die Prospektpfeifen als „Kriegsopfer“ abgeliefert werden, die später durch minderwertige Pfeifen ersetzt wurden. Heute ist sie nur noch sehr eingeschränkt spielbar. Einige Register lassen sich überhaupt nicht mehr bedienen, in anderen begleiten „Heuler“ die musikalischen Darbietungen. Konzerte mussten bereits abgesagt werden, da sich Organisten weigerten, das Instrument zu spielen. Durch umfangreiche Bauarbeiten am Kirchengebäude sind die Rücklagen der Gemeinde und des Fördervereins nahezu aufgebraucht. Deshalb wirbt Vereinsvorsitzender Bernhard Richter nun um Spenden: „Für die Gottesdienste sowie für Konzerte oder kirchliche Feiern, wie Hochzeiten, Kindtaufen und Konfirmationen ist für uns die Orgel von unschätzbarem Wert.“ Weitere Informationen: Förderverein Kirche Löhsten e.V.; Bernhard Richter; An der Roten Lache 12; 04916 Herzberg / Elster; OT Löhsten; Tel.: 035363-265
    Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 18. Juli 2015: Finanzminister bringt 10 000 Euro für die Löhstener Orgel mit
    Dorfkirche des Monats , Juli 2014
    Gleich zwei mal gibt es im Umkreis von Brandenburg an der Havel den Ortsnamen Gollwitz; eines der so benannten Dörfer liegt nur wenige Kilometer östlich der Domstadt an der B 1, die dann weiter nach Werder führt. Unser Gollwitz liegt gut zwanzig Kilometer weiter westlich. Eine schmale Allee führt von Wusterwitz durch die feuchten Wiesen zu dem in idyllischer Einsamkeit liegenden Dorf. Die niedrigen Häuser stehen hinter Vorgärten an der erneuerten und mit jungen Bäumen gesäumten Dorfstraße. Der „Bunte Dörferweg“, eine touristische Fahrradroute, führt durch Gollwitz. Mitten im Dorf steht eine Tafel mit Text und Bildern zur Geschichte des Ortes. Früher hatte der Ort um die 150 Einwohner. Jetzt hält sich die Bevölkerung stabil bei etwa 70 Einwohnern. Die Dorfkirche liegt ein wenig zurückgesetzt, aber gut sichtbar, auf einer eingefriedeten, jetzt nur noch zu einem geringen Teil als Friedhof genutzten Wiese. Kirchenschiff, Chor und Apsis wurden im 13. Jahrhundert aus gespaltenen Feldsteinen gemauert. Etwa um 1700 wurde der Innenraum mit reich verziertem Kanzelaltar, Patronatsgestühl und Kommunionsgitter im barocken Stil ausgestattet. Auf dem mit handgestrichenen Biberschwanz-Ziegeln gedeckten Satteldach hockt über dem Westgiebel ein Uhr- und Glockenturm von 1878. Die Empore, die Orgel und die Ausmalung des Innenraumes stammen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. In den letzten Jahrzehnten wurde die Kirche vernachlässigt. Der hölzerne Turmaufsatz ist marode und instabil, so dass eigentlich nicht mehr geläutet werden dürfte. Der Mörtel des Sockelmauerwerks ist zerbröselt. Das Gefüge der Außenwände zeigt kräftige Risse. Die Biberdeckung der Hauptdächer weist zahlreiche notdürftige Flicken auf und ist insgesamt verschlissen. Die innere Ausstattung wurde wohl vor 100 Jahren zum letzten Mal renoviert. Die Orgel ist unspielbar. Noch findet aber in der Gollwitzer Dorfkirche mindestens einmal im Monat ein Gottesdienst statt. Doch jetzt tut sich mehr. Bestandszeichnungen, Schadensanalysen, ein restauratorisches Gutachten und die zur Instandsetzung des denkmalgeschützten Bauwerks erforderliche Genehmigungsplanung liegen vor. Bereits im Oktober der vorigen Jahres haben engagierte Gollwitzer in Eigeninitiative mit der Notsicherung der Dächer von Turm und Kirchenschiff begonnen, um weitere Schäden zu vermeiden; in naher Zukunft wollen sie das Turmdach ein weiteres Mal sichern. Um der Kirchengemeinde auch bei der langfristigen Instandsetzung der Dorfkirche zu helfen, aber auch um kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, hat sich nun im März 2014 der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche gegründet. Ein Faltblatt soll bald auf das Ziel der Initiative aufmerksam machen und Spenden einwerben. Der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche bewarb sich in diesem Jahr – nur wenige Wochen nach seiner Gründung – um das jährlich vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebene „Startkapital für Kirchen-Fördervereine“. Das Entscheidungsgremium konnte den sehr jungen Verein bei der Vergabe der fünf Preise in diesem Jahr nicht berücksichtigen. Ausdrücklich ermunterte die Jury den sympathischen Verein jedoch, sich im kommenden Jahr noch einmal zu bewerben und mit seiner wichtigen Tätigkeit zur Bewahrung des Gollwitzer Dorfmittelpunktes fortzufahren. Weitere Informationen: Förderverein Gollwitzer Dorfkirche e.V.; Werner Fräßdorf; Mühlenstraße 23; 14789 Wusterwitz; Tel.: 033839-423; Mail: fraessdorf@mbf-brb.de
    Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 08. Januar 2015: Dorfkirche erwacht aus dem Dornröschenschlaf Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2015“ Märkische Allgemeine vom 09. März 2016: Rettung für die Gollwitzer Dorfkirche Märkische Allgemeine vom 26. Oktober 2016: Noch ist das Läuten in Gollwitz verboten Märkische Onlinezeitung vom 18. März 2017: Millionenschatz geborgen Märkische Allgemeine vom 09. September 2017: Münzen und MAZ für 100 Jahre verschlossen Märkische Allgemeine vom 21. September 2018: Neue Glocken für Gollwitzer Kirche gegossen Märkische Allgemeine vom 29. Oktober 2018: Glockenweihe: Einmal alle tausend Jahre
    Dorfkirche des Monats , Januar 2013
    Vor wenigen Wochen startete der Förderkreis Alte Kirchen ñ gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ñ unter dem Titel „Vergessene Kunstwerke“ eine Spendenaktion für den Renaissance-Altar in der Dorfkirche Laubst. Doch nicht nur das wunderschöne Retabel aus dem Jahr 1608 muss gesichert werden, auch das Kirchengebäude selbst benötigt dringend Hilfe. Die Kirche in dem 1350 erstmals erwähnten Dorf Laubst (sorbisch: Lubosc) entstand im späten 15. Jahrhundert als rechteckiger Feldsteinbau. Erst im 19. Jahrhundert entstanden der neubarocke Westturm und die seitlichen Anbauten. Der Innenraum wird dominiert von dem bereits erwähnten Altaraufsatz, der zu den schönsten manieristischen Ausstattungsstücken in brandenburgischen Kirchen gehört, jedoch dringend substanzerhaltender Maßnahmen bedarf. Ein barocker Taufengel kam 1752 in den Kirchenraum; er konnte bereits 2007 restauriert werden. Ein prächtiger Totenschild in der südlichen Ecke des Chorraums erinnert an den damaligen Patron Adolf von Nostitz, gestorben 1700. Zu DDR-Zeiten wurde das Dorf Laubst zum „Bergbauschutzgebiet“ erklärt, was zunächst recht harmlos klingt. In der Realität jedoch bedeutete dies, dass der Ort dem Braunkohlentagebau weichen sollte und zur Abbaggerung vorgesehen war. Bauliche Instandsetzungsmaßnahmen an der Kirche durften nicht mehr durchgeführt werden. Nachdem feststand, dass Laubst von der drohenden Devastierung verschont bleiben würde, konnte das Kirchendach saniert werden. Schon damals gab es Überlegungen, auch den maroden Turm instand zu setzen, was jedoch die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde weit überschritt. Vor einem Jahr wurde nun festgestellt, dass der Kirchturm stark einsturzgefährdet ist. Im April 2012 wurden in einer aufwändigen Aktion erst die Laterne mit Wetterfahne und Kreuz und dann die geschweifte Haube mit einem Spezialkran abgenommen und auf dem Friedhof neben dem Kirchengebäude abgesetzt. Der größte Wunsch der Laubster ist es, den Kirchturm so schnell wie möglich zu sanieren und die gewohnte Dorfsilhouette wiederherzustellen. Um jedoch Anträge für Fördermittel stellen zu können, sind umfangreiche Voruntersuchungen durch Architekten, Holzschutzsachverständige und Statiker nötig. Schon für die Erstellung dieser Gutachten ist die Kirchengemeinde Leuthen-Schorbus, zu der Laubst gehört, auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Weitere Informationen: Pfarrer Robert Marnitz; Alte Poststraße 7; 03050 Cottbus; Tel.: (03 55) 52 28 28; Mail: buero@kirchengemeinde-leuthen-schorbus.de
    Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 05. Dezember 2012: Rettungsaktion für ein Laubster Kleinod läuft an Lausitzer Rundschau vom 18. Dezember 2012: Ein Glücksfall für die Denkmalpflege Uckermarkkurier vom 18. Dezember 2012: „Der Altar ist ein Glücksfall für die Denkmalpflege“ Lausitzer Rundschau vom 10. Mai 2013: Spenden fließen zur Rettung des Laubster Altars Lausitzer Rundschau vom 29. September 2015: Künstler musizieren für Laubster Kirchturm LR ONLINE vom 24. Oktober 2017: Laubster Kirche unter der Haube LR ONLINE vom 23. August 2018: Laubster Gotteshauswird zur ÑKirche Plusì LR ONLINE vom 19. Oktober 2018: Mehr Leben in Laubst dank Projekt ÑKirche Plusì
    Dorfkirche des Monats , November 2010
    Mit einem Festgottesdienst konnte am vergangenen Samstag, dem 30. Oktober, der Abschluss der Sanierung der Dorfkirche in Golm (Landkreis Uckermark) begangen werden. Die umfassenden Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf Golm in einer Urkunde von 1354, mit der der brandenburgische Markgraf Ludwig der Römer Teile der Uckermark mit den Städten Schwedt, Angermünde, Stolpe, dem Kloster Gramzow und etlichen Ortschaften, darunter Golm dem pommerschen Herzog Barnim überlässt. Für mehr als 125 Jahre verblieb dieser Teil der Uckermark im pommerschen Besitz. Bald nachdem die Region wieder brandenburgisch geworden war, ist von Golm als einer wüsten Mark – dem „veld Golme“ – die Rede. 1472 gelangt die Familie von Arnim in den Besitz des Schlosses im benachbarten Zichow, von wo aus sie auch die Feldmark Golm bewirtschaften, so dass sich aus einem Schäfereivorwerk wieder ein Dorf entwickelt. Bis 1864 verbleiben Golm und Zichow im Arnimschen Besitz. Die Golmer Kirche ist ein sorgfältig gearbeiteter, langgestreckter Feldsteinbau des 13. Jahrhunderts mit einem schiffbreiten Turm, in dessen portalloster Westwand noch die alte Mauertreppe zum Turmobergeschoss erhalten blieb. Die Fenstergewände, darunter zwei schmale Lanzettfenster in der Ostwand, sowie die Umrahmungen der Portale bilden kunstvolle Rundstabprofile aus Backstein. An der Nordseite sind Reste eines später abgebrochenen Sakristeianbaus zu erkennen. Nach dem Dreißigjährige Krieg wurde das stark zerstörte Dorf wieder aufgebaut und mit Kossäten und Einliegern besetzt. Der nächste Schrecken kam bereits 1674/75 mit dem brandenburgisch-schwedischen Krieg, der in den drei Dörfern Golm, Zichow und Bertikow eine Gesamtschaden in Höhe von 3.000 Reichstalern anrichtete. Wie die Chronik berichtete, wurde sogar „dem Golmer Schäfer Wäsche aus der Kirche in Briest geraubt“. Durch beide Kriege war auch die Kirche „total ruiniert“. Erst 1711-14 gelang es Stefan Friedrich von Arnim, die Kosten für den Wiederaufbau aufzubringen. Die Golmer Kirche erhielt einen verbretterten quadratischen Turmaufsatz mit geschweifter Haube und Schieferdeckung sowie an der südlichen Priesterpforte eine Vorhalle aus Fachwerk. Nach einer Inschrift an der Chornordwand entstand im Zuge dieser Instandsetzung 1714 auch die Ausstattung des Kircheninneren mit Orgelempore und Gestühl. Am Korb des weiß gefassten großen Kanzelaltars befindet sich ein Abendmahlsgemälde, seitlich davon „die etwas handwerklich durchgeführten Standfiguren von Petrus und Paulus“. Erhalten haben sich die Altarschranken, vor denen die Gläubigen beim Empfang des Abendmahles knieten. Die Orgel mit mechanischen Schleifladen wurde 1875 von dem Berliner Orgelbauer Albert Lang geschaffen. Wie durch ein Wunder sind sogar die Zinnpfeifen des Prospektes der Konfiszierung in zwei Weltkriegen entgangen. Durch starke Verschmutzung ist das Instrument derzeit leider nicht spielbar. Eine Restaurierung in absehbarer Zeit wäre wünschenswert. Eine Besonderheit ist auf dem Dachboden der Golmer Kirche zu entdecken. Hier befinden sich Reste einer Aufzugsvorrichtung. Vermutlich wurde auf dem Boden der Golmer Kirche, wie auch anderswo in der Uckermark, Tabak getrocknet, dessen Anbau seit der Ansiedlung von Hugenotten in der Region weit verbreitet war. In einem ersten Bauabschnitt war es 2007 möglich, den Dachstuhl über dem Kirchenschiff, der großflächig vom Echten Hausschwamm und von Braunfäule befallen war, zu sanieren. In diesem Jahr konnte der gefährlich schief stehende Turm repariert werden. Neben vielen anderen Fördermittelgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an die Finanzierung der umfassenden Instandsetzungsarbeiten. Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Briest; Pfarrer Peter Börner; Kleine Str. 3; 16306 Passow OT Briest; Tel.: (03 33 36) 5 52 58   
    Dorfkirche des Monats , Oktober 2011
    Am Samstag, dem 17. September 2011 fand in der Gruhnoer Kirche im Rahmen unserer gemeinsam mit dem Landesmusikschulverband initiierten Reihe „Musikschulen öffnen Kirchen“ ein Benefizkonzert der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ statt. In einem Presseartikel wird Eckhard Heinrich, der Vorsitzende des Fördervereins Gruhno e.V., angesichts des großen Andrangs der Besucher mit den Worten zitiert: „Ist das nicht ein herrliches Gewusel!“ Bei dem Benefizkonzert kam eine Kollekte für die Erhaltung des Kirchengebäudes in Höhe von 370 Euro zusammen. Eine Woche später erhielt der Verein noch einmal 2.500 Euro überreicht, da er zu den fünf diesjährigen Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen Preises „Startkapital für Kirchen-Fördervereine“ gehörte. Das Dorf Gruhno mit etwa 140 Einwohnern liegt abseits der Hauptstraßen südlich von Doberlug. Man muss es suchen. Die Kirche ist ein rechteckiger Bau des späten 13. Jahrhunderts aus Raseneinsenstein, wohl unter dem Patronat des Klosters Dobrilugk entstanden. 1885 wurde ein Backsteinturm hinzugefügt. Der Innenraum, der sich über einen spitzen Triumphbogen zum Chorraum öffnet, ist schlicht und stimmig. Ältestes Ausstattungsstück ist ein spätromanischer Taufstein, der aus einem großen sandsteinernen Kelchblockkapitell gefertigt ist, das vermutlich von abgebrochenen Gebäuden des Klosters Doberlug stammt. In einem barocken Altaraufsatz blieben Skulpturen eines spätgotischen Retabels von 1470/80 erhalten. Neben einer schön geschnitzten Maria mit Kind stehen der Evangelist Johannes und die Figur eines Bischofs. Die Renaissancekanzel an der Südwand des Kirchenschiffes ist direkt mit einem evangelischen Beichtstuhl verbunden. Die Orgel des Instrumentenbauers Johann Christoph Schröther aus Sonnewalde erklang zum ersten Mal zum Pfingstfest 1833. Sie ist zwar spielbar, bedarf jedoch dringend einer Restaurierung. Die Mechanik ist verschlissen, der Blasebalg muss erneuert und einige Pfeifen erneuert werden. Um Geld für die Instandsetzung der Orgel zu sammeln, gründete sich 2010 der Förderverein. Ein Ortstermin mit Vertretern der Denkmalpflege führte jedoch dazu, dass die Prioritäten schnell neu gesetzt werden mussten. Einige Dachbalken des Westgiebels sind im Anschluss zum Turm durch Schädlingsbefall stark geschädigt und bedürfen dringend einer Sanierung. Für den jungen Verein stellte das eine Herausforderung dar, die er jedoch angenommen hat. Inzwischen ist der Förderverein Gruhno e.V. ein wichtiger soziokultureller Faktor im Dorf. Im Sommer richtete er das Dorffest zum 780-jährigen Bestehen des Dorfes aus. Im August 2010 wurde bei der ersten Kirchennacht eine Ortschronik „Gruhno ñ Ortsgeschichte und Geschichten in Wort und Bild“ von Sibylle Schrey und Bernhard Wagner vorgestellt. Dieser Chronik ist unter anderem zu entnehmen, dass Gruhno bereits seit 1231 gemeinsam mit Friedersdorf und Rückersdorf einen Pfarrsprengel bildete. In diesem Sprengel wiederum wurde von Martin Luther selbst im Jahre 1540 Florian Albhorn als Pfarrer eingesetzt. Florian Albhorn hatte Luther bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg „als Famulus aufgewartet“. Gruhno beteiligt sich auch an der „Kirchenstraße Elbe-Elster“, mit deren Hilfe die Gotteshäuser der Region touristisch erschlossen werden sollen. Konzerte und andere Veranstaltungen werden organisiert. Zudem will man sich für den Erhalt eines weiteren Denkmals im Ort einsetzen. In einem derzeit ungenutzten Fachwerkhaus, das im Ensemble mit der Kirche das Dorfbild wesentlich mit prägt, soll ein Dorfmuseum, auf dem dazugehörigen Grundstück ein Kulturhof entstehen. Der Förderkreis Alte Kirchen gratuliert zum Erhalt des „Startkapitals“, wünscht für die weitere Arbeit viel Erfolg und bietet auch für die Zukunft seine Unterstützung an. Weitere Informationen: Förderverein Gruhno e.V.; Eckhard Heinrich; Gruhnoer Hauptstr. 15; 03253 Schönborn; Tel.: (03 53 25) 1 83 50
    Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 09. September 2013: Glockenguss unter freiem Himmel in Gruhno
    Dorfkirche des Monats , Oktober 2005
    Im Frühjahr 1945, während der verzweifelten Kämpfe um dieSeelower Höhen und den Übergang der sowjetischen Truppen über die Oder, wurdeauch das Dorf Carzig fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende wurde diebeschädigte Kirche des Ortes zur Gewinnung von Baumaterial freigegeben und istnoch heute ñ über sechzig Jahre später ñ eine Ruine. Von den Kriegszerstörungen an Kirchengebäuden war derehemalige Kirchenkreis Seelow der am schwersten betroffene in Deutschland: Von50 Kirchen waren 28 zerstört, 12 davon wurden in derNachkriegszeit durch Abriss vernichtet. Der PfarrsprengelMallnow, zu dem auch Carzig gehört, verfügte noch nach 1990 über keine intakteKirche. In allen fünf Dörfern standen Kriegsruinen. Mitte der 90er Jahrebeschlossen die Gemeindekirchenräte den Wiederaufbau der Kirche von Niederjesarmit teilweise modernen Materialien, was durch die Unterstützung einesFördervereins und der Kommune ermöglicht wurde. Andernorts, z. B. in Schönfließ,konnten Sicherungsarbeiten durchgeführt werden, um weitere Substanzverluste zuvermeiden. In Carzig gründete sich im vergangenen Jahr einFörderverein, der laut Satzung das ehrgeizige Ziel des Ñäußerlich möglichstoriginalgetreuen Wiederaufbaus der Dorfkircheì verfolgt. Von dem auf Veranlassung des damaligen Patronatsherren, CarlAlbert Leopold von Burgsdorff, errichteten neugotischen Backsteinbau sind dermit einem Notdach versehene, stark verkürzte Turm sowie Teile des Ostgiebelsund der Umfassungsmauern erhalten. Nach dem Kriege errichtete sich die Gemeindeim Inneren der Ruine eine provisorische Notkirche, die äußerlich eher einemSchuppen gleicht und noch heute für Gottesdienste genutzt wird. 1957 konntesogar wieder eine Glocke im Turm aufgehängt werden ñ die einzige nach 1945gegossene Bronzeglocke des Kirchenkreises. Der neugegründete Verein will sich mit dem Anblick der Ruineund dem Provisorium der Notkirche nicht länger abfinden. Als erste Maßnahmeerhielt die Kirchturmspitze eine neue vergoldete Bekrönung mit Kugel und Kreuz.Nach einem Sturmschaden wurde das Turmdach neu eingedeckt. Bei verschiedenenVeranstaltungen konnten erste Spenden eingeworben werden. Ein im Maßstab 1 : 50gebautes Architekturmodell der alten (und erhofften neuen) Kirche zeigt, wieweit der Weg zur Wiederherstellung des Gotteshauses noch ist. Aber auch ananderen Orten hat man scheinbar Unmögliches geschafft… Für sein bürgerschaftliches Engagement wurde der Verein alseiner von sechs Preisträgern mit einem ÑStartkapital für Kirchen-Fördervereine2005ì gewürdigt. Die vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen Preisewurden am 23. September im Rahmen eines Festgottesdienstes in Templinüberreicht. Weitere Informationen: Evang. Pfarramt Mallnow, Pfr. Martin Müller, Tel.: (03 36 02) 4 37
    Zum Weiterlesen: Märkische Oderzeitung vom 20. März 2010: Einmal im Jahr Gottesdienst und kultureller Rahmen Märkische Oderzeitung vom 12. Juli 2011: Spektakel unterm Glockenturm Märkische Oderzeitung vom 17. August 2011: Kirchenruine mit neuem Gesicht Mitteilungsblatt September 2012: Eine Ruine erwacht zu neuem Leben Mitteilungsblatt Mai 2013: Sommerfest vor einer (Noch)-Ruine Märkische Onlinezeitung vom 08. Juli 2014: 17 500 Euro in zehn Jahren gesammelt    
    Dorfkirche des Monats , Oktober 2012
    Das 1342 erstmalig erwähnte Dorf Schäpe liegt am Rande der Zauche zwischen den Städten Beelitz und Brück. 2001 wurde der Ort nach Beelitz eingemeindet, das durch seinen Spargelanbau weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt ist. Und so hat auch Schäpe ñ neben einem neu errichteten Pferdehof und zwei Pensionen ñ seit einigen Jahren einen Spargelhof, der im Frühjahr zahlreiche Besucher aus der Umgebung und aus Berlin in das Dorf zieht. Mittelpunkt des Ortes jedoch ist die Schinkel-Kirche. Ein erst 1770 erbautes sechseckiges Kirchengebäude aus Fachwerk war im Jahr 1824 einem Brand zum Opfer gefallen. Die Pläne für den Neubau lieferte der Geheime Oberbaurat und spätere Leiter der preußischen Oberbaudeputation Karl Friedrich Schinkel. Es entstand ein klassizistischer verputzter Saalbau mit großen Rundbogenfenstern, der 1827 geweiht wurde und vorerst turmlos blieb. „Ein Thurm sei nicht nötig, da das Dorf nur klein ist, und ganz entfernt von der Treuenbrietzener Chaussee liegt.“ schrieb Schinkel in einer Erläuterung zu seinen Entwürfen. So wurde vorerst ein einfacher, frei stehender Glockenschauer neben der Kirche gebaut, in dem zwei Glocken ihren Platz fanden. 1861 erhielt die Schäper Kirche dann doch noch einen massiven Turm, der zudem auch auf einen früheren Entwurf Schinkels zurückgeht. Ebenso wie in dem nahe Werder gelegenen Dorf Petzow wurde dem Kirchenschiff ein durch eine offene Bogenhalle angebundener quadratischer Kirchturm hinzugefügt. Der Innenraum der Kirche mit seiner schlichten bauzeitlichen Ausstattung ist durch den Einbau quadratischer Holzpfeiler dreischiffig gestaltet. Bereits seit etlichen Jahren waren erhebliche Bauschäden an dem Kirchengebäude sichtbar; eine umfassende Instandsetzung wurde lange geplant, Anträge gestellt, abgelehnt und neu gestellt. Schließlich war das Dach des Turmes so marode, dass das Gelände rund um die Kirche gesperrt werden musste, damit Besucher des Kirchhofes nicht von herab segelnden Schieferplatten verletzt werden konnten. Eine bauaufsichtliche Schließung des Kirchengebäudes schien unabwendbar, als im vergangenen Jahr schließlich doch genügend Mittel vorhanden waren, um den Kirchturm zu sanieren. Die arg geschädigte Holzkonstruktion des Turmhelms wurde erneuert und das Dach neu mit Schiefer eingedeckt. Auf den 32 Meter hohen Kirchturm wurde am 14. September eine 2,50 Meter hohe vergoldete Bekrönung aus Kreuz, Kugel und Turmhelm aufgesetzt, nachdem zuvor Dokumente und Münzen in einer wasserfesten Schatulle eingefügt wurden. An der Finanzierung der Arbeiten beteiligten sich die Landeskirche, der Kirchenkreis, die Kirchengemeinde, die Stadt Beelitz, der Förderkreis Alte Kirchen und der Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V. Der im Dezember 2010 gegründete Förderverein in dem 150-Einwohner-Dorf zählt inzwischen etwa 50 Mitglieder. Er kümmert sich nicht nur um die Sanierung des Gotteshauses, sondern organisiert auch Konzerte und andere Kulturveranstaltungen. Im Frühjahr dieses Jahres weihten Vereinsmitglieder einen historischen Rundweg durch das Dorf ein; auf acht Infotafeln werden den Besuchern die wichtigsten historischen Gebäude des Ortes vorgestellt. Ein Schild an der Dorfkirche von Schäpe informiert nicht nur über die Geschichte des Gebäudes, sondern auch über den Stand der Restaurierung und die weiteren Bauvorhaben. Die Instandsetzung des Kirchturms war nur ein erster Schritt auf dem Wege zur geplanten Gesamtsanierung. In vier weiteren Bauabschnitten sollen nacheinander das Dach des Kirchenschiffes, die Fassaden von Turm und Schiff sowie der historische Innenraum erneuert werden. Durch einen kuriosen Fund entstand zusätzlich der Wunsch nach einer weiteren, vergleichsweise kleinen, Bauaufgabe: Als bei einer Aufräumaktion auf dem Kirchhof zwei ungepflegte Blumenkübel vor dem Kirchenportal entfernt werden sollten, stellten die erstaunten Helfer fest, dass es sich hierbei um die zwei verschollen geglaubten Glocken aus der Schinkel-Zeit handelte. Für sie soll im kommenden Jahr der ursprüngliche, frei stehende Glockenturm, dessen Pläne noch vorhanden sind, wieder entstehen. Weitere Informationen: Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V.; Hartwig Remy; Schäpe 1 B; 14547 Beelitz / OT Schäpe; Tel.: (03 32 04) ñ 3 42 18
    Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 16. Februar 2013: Fördergelder für Schäper Kirche passé Kirche des Monats März 2013 der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland Märkische Allgemeine vom 18. März 2013: Kur für märkische Kirchen Märkische Allgemeine vom 25. April 2013: Glocken von Schäpe wieder schön Potsdamer Neueste Nachrichten vom 21. August 2013: Neues Dach für Schäper Schinkel-Kirche Mitteilungsblatt vom Dezember 2013: Ein neues Dach für die Schinkelkirche Potsdamer Neueste Nachrichten vom 09. Dezember 2013: Vergessene Glocken ausgegraben Mitteilungsblatt September 2015: Schäpe setzt auf Gemeinsamkeit Märkische Allgemeine vom 06. März 2016: Ein Mini-Museum für die Rettung der Kirche Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2016: Kirche bekommt zu Weihnachten neues Kleid Märkische Allgemeine vom 03. April 2017: Sanierung der Dorfkirche in der Zielgeraden
    Dorfkirche des Monats , Februar 2015
    Als vor wenigen Jahren das nicht mehr genutzte Pfarrhaus in Sadenbeck verkauft werden sollte, wurde zuvor das gesamte dazu gehörige große Grundstück bereinigt und aufgeräumt. Dabei fanden sich in einem mit uraltem Gerümpel gefüllten Schuppen des Gehöftes auch zwei nahezu lebensgroße hölzerne Schnitzfiguren aus der Barockzeit. Nachdem sie aus ihrer notdürftigen Verpackung befreit, von Staub und Spinnweben gereinigt und vorsichtig auf die Empore der Sadenbecker Dorfkirche gebracht worden waren, konnten die Skulpturen genauer in Augenschein genommen werden: Obwohl bei beiden der Kopf und die Hände fehlten, stellte sich heraus, dass es sich um recht qualitätsvolle Schnitzarbeiten handelt, die Engelsgestalten darstellen. Wie die Gestaltung der Gewänder zeigt, stammen beide Figuren wohl aus der Hand ein und desselben Schnitzers und lassen sich nach Auskunft von Kunsthistorikern mit ziemlicher Sicherheit der Werkstatt des Havelberger Bildhauers Heinrich Joachim Schulz zuordnen, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Prignitz wirkte Selbst im Inventar der Kunstdenkmäler des Kreises Ostprignitz von 1907 und in alten Aufzeichnungen im Gemeindearchiv finden sich keine Hinweise auf die Figuren, so dass ihre genaue Herkunft noch immer Rätsel aufgibt. Die kleinere Figur ist auf der Rückseite abgeflacht und könnte – wie Vergleichsbeispiele aus benachbarten Orten nahelegen – zum Schmuck eines barocken Altaraufsatzes gehört haben. Die zweite Skulptur lässt sich durch ein Bohrloch im Rücken zur Befestigung der Aufhängung, durch Flügelansätze und durch die Körperform eindeutig als Taufengel identifizieren. Die Kirche des bereits recht früh im Besitz des nahen Klosters Heiligengrabe befindlichen, wenige Kilometer nordöstlich von Pritzwalk gelegenen Dorfes „Zadenbeke“ ist ein spätmittelalterlicher Bau der Mitte des 15. Jahrhunderts aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk mit geradem Ostschluss und einem wuchtigen Feldsteinturm. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde auf der Nordseite eine- wohl von der Wallfahrtsarchitektur im benachbarten Alt Krüssow beeinflusste – hübsche Backsteinvorhalle angebaut, deren fialenbekrönter Staffelgiebel von durchbrochenen Zierfriesen und Vierpassrosetten geschmückt ist. Bei einem Umbau im Jahr 1833 wurden das Kirchenschiff nach Osten verlängert und die Fenster vergrößert. Die hufeisenförmige Empore und das Gestühl stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts. Die Orgel wurde 1893 von der der Firma Knauf im thüringischen Bleicherode geschaffen. Mitte der 80er Jahres des 20. Jahrhunderts bemalte die Ehefrau des damaligen Pfarrers Buchholz die Flachdecke mit floralen Motiven, die durchaus mit dem bescheiden-barocken Erscheinungsbild des Innenraumes harmonieren. Nachdem nun überraschend die oben beschriebenen Engelsfiguren wiederentdeckt wurden, möchte die Gemeinde diese auf jeden Fall in ihre Kirche zurückholen. Zuvor jedoch sind umfangreiche Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten an den arg mitgenommenen hölzernen Himmelsboten dringend notwendig. Lohnend ist diese Aufgabe auf jeden Fall. Trotz der großen Risse im Holz, der verlorenen Körperteile und den sichtbaren Spuren mehrerer Generationen von Holzwürmern strahlen die kunstvoll gearbeiteten Figuren eine feierliche Eleganz aus. Im Rahmen der Aktion „Menschen helfen Engeln“ sagte der Förderkreis Alte Kirchen Unterstützung zu. Im vergangenen Jahr gingen die Figuren dann bereits auf die Reise. Für sechs Monate wurden sie in der Paul-Gerhardt-Kirche im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ausgestellt; immerhin etwa 900 Euro an Spenden konnten hier eingeworben werden. Weitere Gelder hat der Förderkreis Alte Kirchen bereits zugesagt. Und so konnten die beiden Engel aus der Berliner Kirche direkt weiterreisen in die Werkstatt des Restaurators Thoralf Herschel im havelländischen Falkensee. In Abstimmung mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und mit der Kirchengemeinde wird derzeit ein Restaurierungskonzept erarbeitet. Um einige der fehlenden Körperteile ergänzt, werden sie dann hoffentlich bald wieder in ihre angestammte Dorfkirche in Sadenbeck zurückkehren können.
    Zum Weiterlesen: Der Prignitzer vom 05. März 2015: Wiederbelebung eines Engels Märkische Allgemeine vom 31. August 2018: Sadenbecker Kirche: Sanierung fast fertig Märkische Allgemeine vom 07. Oktober 2018: Erster Gottesdienst unter neuem Kirchendach
    Dorfkirche des Monats , Juni 2016
    Wenn Pfarrer Dieter Rohde in Dargersdorf, einem Ortsteil von Templin (Uckermark), zum Gottesdienst lädt, kann er die Gläubigen meist an einer Hand zählen. Unlängst jedoch war die kleine Kirche an einem Sonntagnachmittag erheblich besser gefüllt, denn die Dorfkirche am nördlichen Rand der Schorfheide ist in Gefahr und sucht Spender. Erstmals wird Dargysdorp 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt. Mit einer kurzen Unterbrechung von wenigen Jahren ist der Ort über vierhundert Jahre im Besitz der Familie von Holzendorf. Der Dreißigjährige Krieg hinterlässt auch in Dargersdorf seine Spuren: Ein Landreiterbericht von 1687 teilt mit, dass kein Bauer mehr im Dorf ansässig ist, lediglich zwei Kossäten fristen kümmerlich ihr Dasein. Kirche und Küsterei werden als wüst beschrieben. Die Feldmark ist erst zu einem Drittel wieder vom Wildwuchs befreit. Die als wüst beschriebene Kirche wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts instandgesetzt, bei einem Dorfbrand 1724 jedoch wiederum zerstört. Der Abschluss des erneuten Wiederaufbaus einer bescheidenen Fachwerkkirche mit Satteldach ist vermutlich 1749 abgeschlossen, wovon die Jahreszahl in der Wetterfahne berichtet. Eine Glocke im Kirchturm wurde 1741 gegossen. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist das Kirchengebäude wiederum baufällig; Gottesdienste müssen im Freien abgehalten werden. Mit bescheidenen Mitteln erfolgt 1957/58 eine Instandsetzung, bei der im östlichen Teil des Kirchenschiffes ein Gemeinderaum als „Winterkirche“ abgetrennt wird. Inzwischen gibt es erneut massive bauliche Probleme: Der Turm ist marode und droht sich zu neigen, was wegen der Fachwerk-Konstruktion auch im Kirchenschiff zu Verwerfungen führen würde. Noch ist von außen nicht viel davon zu sehen; die Kirche steht auf einem kleinen Hügel pittoresk zwischen alten Bäumen. Doch innen sieht es weniger schön aus. Die Glocke darf schon seit einiger Zeit nicht mehr geläutet werden, weil die Balken des Glockenstuhls teilweise verfault sind. Als im letzten Jahr Bernhard Haertel vom Gemeindekirchenrat mit Fachleuten in den Turm kletterte, da wollte kein Experte für die weitere Stabilität des Gebäudes garantieren, niemand einen baldigen Einsturz des Turmes ausschließen. Also wurde beschlossen, den schon mehrfach notdürftig reparierten und in der DDR-Zeit mit Brettern verkleideten Turm abzutragen und neu aufzubauen. Das wird nicht billig – die geschätzten Kosten liegen bei 350.000 Euro. Daher soll das Projekt in drei Bauabschnitte unterteilt werden. Die Kirchengemeinde Polsensee, zu der neben Dargersdorf auch Gollin und Vietmannsdorf gehören, hat inzwischen mit der Geldsammlung begonnen, und da die ehemalige Finanzsenatorin von Berlin Annette Fugmann-Heesing zur Gemeinde zählt, hofft man auf Hilfe bei der Einwerbung von Fördermitteln. Wenn zudem einige Stiftungen ähnlich spendabel sind wie die Besucher der Spendenaktion, könnte das Turmprojekt gelingen. Der Förderkreis Alte Kirchen hat bereits eine finanzielle Unterstützung der Baukosten zugesagt. Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Hammelspring; Pfarrer Dieter Rohde; Tel.: 03987-51856; Mail: pfarrer-rohde@kkobereshavelland.de   
    Dorfkirche des Monats , Februar 2018

    Der Ort Heinersbrück liegt einige Kilometer nordöstlich der Stadt Cottbus; wiederum östlich erstreckt sich der Tagebau Jänschwalde. Das Dorf gehört zum angestammten sorbischen Siedlungsgebiet der Niederlausitz; noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Anteil der wendischsprachigen Bevölkerung mit 92 Prozent angegeben. Durch Heinersbrück fließt der Fluss Malxe, der nördlich von Forst in die Neiße mündet. Auf eine Querung dieses Gewässers weist auch der sorbische Name Móst (= Brücke) hin.

    Erstmalig urkundlich erwähnt wird Heinersbrück im Jahr 1411 als „Henrichsbrugk“. Eine örtliche Sage jedoch führt den Namen bereits auf Heinrich II. zurück, der von 1014 bis 1024 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war und laut Überlieferung einen Knüppeldamm und eine Holzbrücke bauen ließ, um die Malxe und ihre morastige Uferregion bei seinen Feldzügen in Richtung Polen überqueren zu können. Und so schmückt seit dem Jahr 2010 auch selbstbewusst ein gekrönter Kaiser zu Pferde mit gezogenem Schwert das Ortswappen von Heinersbrück.

    Die Kirche des Ortes, ein für die Region überdurchschnittlich großer Backsteinbau in neugotischer Formensprache, steht imposant in der Mitte des Dorfes. Nachdem ein Fachwerkbau von 1739/40 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste, beginnen die Bauarbeiten für den Neubau nach einem Entwurf des Cottbuser Baurates Robert Beutler im Frühjahr des Jahres 1900. Bereits im November konnte Richtfest gefeiert werden und am 9. Oktober 1901 fand die feierliche Einweihung statt. Seitdem hat es kaum bauliche Veränderungen gegeben. Das Gotteshaus präsentiert sich als zweischiffige Hallenkirche mit einheitlichem Satteldach, eingezogenem Chor, mehreren seitlichen Anbauten und einem hohen Westturm mit oktogonalem Dachtürmchen, Laterne und Spitzhelm.

    Im Innenraum werden die beiden durch Granitpfeiler voneinander getrennten Schiffe von Kreuzgewölben überspannt. Die relativ schlichte, aber durchaus qualitätsvolle Ausstattung der Bauzeit blieb nahezu vollständig erhalten: Der Altaraufsatz aus Eiche (ein Kreuz auf einem Dreiecksgiebel) und die Kanzel mit einem großen Schalldeckel sind holzsichtig; die Taufe ist aus Sandstein gearbeitet. Die ursprüngliche Orgel wurde 1945 zerstört. Als Ersatz kam 1999 ein ursprünglich (1939) als Hausorgel für den Berliner Großbäcker Erich Dahm geschaffenes Instrument als Schenkung der Erben nach Heinersbrück. Eine mittelalterliche Einbaumtruhe stammt aus Groß Lieskow, einem Ort, der 1982 dem Braunkohletagebau weichen musste.

    Durch den Einbau einer Winterkirche und einer Toilette ist die Heinersbrücker Kirche ganzjährig nutzbar. Gottesdienste finden monatlich statt. Darüber hinaus jedoch gibt es regelmäßig Konzerte und Ausstellungen. Mit der Kommune gibt es eine Nutzungsvereinbarung; die Zusammenarbeit läuft gut.

    In den vergangenen Jahren war es möglich, die Dächer des Turmes, des Chores und der Anbauten sowie der Südseite des Kirchenschiffes neu zu decken. Nun stand noch die Dachreparatur der Nordseite an; zuvor jedoch musste in Teilbereichen der Dachkonstruktion der Echte Hausschwamm beseitigt werden. Notwendig war auch eine Sanierung des Mauerwerks. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich in zwei Bauabschnitten an den Kosten der umfangreichen Instandsetzungsarbeiten. Bevor im Frühjahr dieses Jahres das Storchennest auf dem Kirchendach wieder bezogen wird, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In den vergangenen zwei Jahren wurde das Nest nur von einem einzelnen Storch bewohnt. Nun hofft man im Dorf, dass auf der frisch gedeckten Dachfläche endlich wieder eine Familiengründung stattfindet.

    Informationen: Evangelische Kirchengemeinde Heinersbrück; Frau Christine Adam; Kirchstr. 6; 03197 Jänschwalde / OT Jänschwalde-Dorf; Tel.: 035601-82076

    Dorfkirche des Monats , September 2017
    Teilnehmer eines Familientreffens in Ahlsdorf wollten am 20. August 2011 die dortige Dorfkirche besuchen, als plötzlich aus dem Gebäude lauter Lärm zu hören war und aus einer Seitentür Staub herausgewirbelte. Teile der Kirchendecke und der hölzernen Dachkonstruktion waren eingestürzt. Glücklicherweise befand sich niemand in der Kirche. Auch der prächtige barocke Altaraufsatz, über dem nun ein großes Loch in der Decke klaffte, blieb wie durch ein Wunder nahezu unversehrt. Das Straßenangerdorf Ahlsdorf (Landkreis Elbe-Elster) liegt etwa drei Kilometer nordwestlich des Städtchens Schönewalde an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Die erste urkundliche Erwähnung von „Algorstorff“ datiert aus dem Jahr 1380. Aus dem 14. Jahrhundert stammt auch die Dorfkirche. Eine Burg an der Stelle des heutigen Schlosses ist erstmals 1428 belegt. Von 1700 bis 1857 war die Familie von Seyffertitz in Ahlsdorf ansässig. Sie ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Schloss in seiner heutigen Gestalt neu erbauen, einen großen barocken Garten anlegen und die mittelalterliche Kirche umgestalten. Der ursprüngliche mittelalterliche Feldsteinbau der Kirche wurde bei dem oben erwähnten Umbau verputzt; die Fensteröffnungen wurden vergrößert. Der mit einer Laterne und einer Schweifhaube bekrönte Turm entstand laut einer Inschrift über dem Westportal im Jahr 1717. An der Nordwand zeigen Abbruchspuren, dass hier einst das Erbbegräbnis der Patronatsfamilien vorgesetzt war. Der reich mit vergoldetem Rankenwerk und von Weinlaub umrankten Säulen geschmückte Altaraufsatz entstand 1710. In der Predella ist in gut protestantischer Tradition das Abendmahl dargestellt. Im Mittelteil wird eine Kreuzigungsszene von Bildern der Verkündigung und der Geburt Christi flankiert. Darüber folgen Gemälde der Auferstehung und, als abschließendes ovales Medaillon, der Himmelfahrt. Aus derselben Zeit stammt die ebenfalls reich verzierte Kanzel mit Bildnissen der Evangelisten und des Erlösers sowie einiger Apostel. Über einem erst 1908 entstandenen schlichten Taufstein schwebt ein ebenfalls mit dem barocken Umbau im Zusammenhang stehender Taufengel. In der rechten Hand hält er einen Palmzweig. Anders als üblich lässt die Stellung der linken Hand nicht erkennen, ob bzw. wie der Engel ursprünglich eine Taufschale gehalten hat. Zwei prächtige Epitaphien, geschmückt unter anderem mit etlichen Kriegstrophäen, verweisen auf die militärische Laufbahn von Joachim Henning von Seyffertitz (gestorben 1736) und seinem Bruder Anton Friedrich (gestorben 1732) am sächsischen Königshof in Dresden. Eine komplette Restaurierung des Innenraumes erfolgte 1908; damals schuf der bekannte Kirchenmaler Professor Max Kutschmann auch die heutige Farbfassung. Nach dem Teileinsturz der Kirchendecke, der für die Gemeinde völlig überraschend geschah, ergaben Untersuchungen, dass über lange Zeit eindringende Feuchtigkeit zu Braunfäuleschäden an der hölzernen Dach- und Deckenkonstruktion geführt hatten. Eine umfassende Sanierung des Gebäudes erwies sich als dringend notwendig. Der Förderkreis Alte Kirchen bot sofort eine finanzielle Unterstützung an. Weitere Förderanträge wurden gestellt, Spenden gesammelt und Benefizkonzerte organisiert. Drei Jahre nach dem Unglück, im August 2014, konnte der Abschluss der Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten feierlich begangen werden. Die Ahlsdorfer Kirche, sicher zu den schönsten im südlichen Brandenburg zählend, präsentiert sich außen wie innen wieder als wahres Schmuckstück. Parallel dazu wurde in einer Scheune des Schlosses ein neues Begegnungszentrum geschaffen, in dem (nicht nur) nach Veranstaltungen in der Kirche zünftig gefeiert werden kann. Die Kirchengemeinde und die rührige Interessengemeinschaft Kranichgrund nutzten das zwischenzeitlich entstandene Engagement und sammelten weiterhin emsig Spenden. Ziel war es, auch die Orgel der Ahlsdorfer Kirche wieder zum Klingen zu bringen. Zur Geschichte der Ahlsdorfer Orgel ist nicht allzu viel bekannt; bei manchen Details ist man auf Vermutungen angewiesen. Ein erstes zweimanualiges Instrument entstand um 1715 vermutlich in der Werkstatt des Döbelner Orgelbauers Gottfried Richter; der barocke Prospekt blieb (wenn auch verändert) bis heute erhalten. Um 1850 schuf (wiederum vermutlich) der in Eilenburg ansässige Orgelbauer Nicolaus Schrickel ein neues Instrument mit romantischer Disposition, das 1907/08 eine umfassende Restaurierung erfuhr. Die Werkstatt von Arno Voigt aus dem nahen Bad Liebenwerda führte 1961 schließlich einen einschneidenden Umbau durch, der dem Zeitgeist folgend zu einer neobarocken Disposition führte, wobei aus Kostengründen das zweite Manual nicht ausgeführt wurde. Die unzureichende Qualität der damals zur Verfügung stehenden Materialien führte dazu, dass die Ahlsdorfer Orgel eine erneute Instandsetzung dringend nötig hatte. Mit dieser wurde nun wiederum die Firma Voigt beauftragt. Inzwischen sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Mit dem barocken Innenraum korrespondierend, wird künftig wieder ein zweimanualiges Instrument mit barockem Werkcharakter erklingen. Ende Oktober sollen in der Ahlsdorfer Kirche sowohl das Reformationsjubiläum als auch der Abschluss der Orgelsanierung gebührend gefeiert werden. Am Samstag, dem 28. Oktober um 16 Uhr findet ein Konzert mit Studierenden des Instituts für Musikpädagogik der Hochschule für Musik und Theater Leipzig unter dem Motto „Musik der Reformations- und Nachreformationszeit“ statt. Am Sonntag, dem 29. Oktober beginnt um 10 Uhr ein Festgottesdienst mit anschließendem kurzem Orgelkonzert. Ein Vortrag von Prof. Dr. Helmut Loos (Leipzig) zu Luther, der Reformation und der Musik der damaligen Zeit um 15 Uhr leitet schließlich zu einem Konzert des Ensembles „Chanceaux“ mit europäischer Volksmusik um 1700 über. Gäste sind an beiden Tagen herzlich willkommen! Weitere Informationen: Interessengemeinschaft Kranichgrund; Hans-Werner Unger; Lindenstr. 15; 04916 Schönewalde; Tel.: 0175-3812454; Mail: hawe.unger@kranichgrund.de   
    Dorfkirche des Monats , Februar 2017
    Die zur Niederlausitz gehörende Gemeinde Lauta liegt am südlichen Rande des Lausitzer Seenlandes. Verwaltungstechnisch gehört das direkt an der Landesgrenze zu Brandenburg gelegene Dorf zum Freistaat Sachsen, kirchlich jedoch zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Erstmalig urkundlich erwähnt wird das Dorf Lauta (damals Luthe, woran noch heute die sorbische Ortsbezeichnung Łuty erinnert) 1374 in einem Zinsbrief des nahe der Stadt Kamenz gelegenen Zisterzienserinnen-Klosters St. Marienstern. Chroniken erzählen von Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges, als 1641 schwedische Reiter im Dorf Feuer legten und von einem weiteren verheerenden Brand, der am 1. Mai 1769 bis auf Kirche, Pfarrhaus, Schule und ein einzelnes Gehöft wiederum das ganze Dorf zerstörte. Die große Geschichte jedoch machte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen einen Bogen um Lauta. Das änderte sich erst, als die Vereinigte Aluminiumwerke AG im Jahr 1917 östlich des alten Dorfes hier eine gewaltige Aluminumhütte – das sogenannte Lautawerk – zu bauen begann. Zeitgleich entstand für die Beschäftigten des Werkes die Gartenstadt Lauta-Nord als damals hochmoderne Werkssiedlung. 1965 fusionierten die Ortsteile zur Stadt Lauta, die Altsiedlung erhielt als Ortsteil die Bezeichnung Lauta-Dorf. Die Dorfkirche von Lauta, ein kleiner verputzter Feldsteinbau aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts, wurde nach den erwähnten Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg ab 1652 mit einem steilen Satteldach und einem mittig aufgesetzten Dachreiter wieder aufgebaut. Ein frei stehender verbretterter Glockenturm steht etwas versetzt südlich vom Kirchengebäude. Er trägt eine dem heiligen Laurentius gewidmete Glocke, die nachweislich 1512 gegossen wurde und der Sage nach aus einer uralten, heute nicht mehr existierenden Kapelle auf dem nahen Koschenberg stammen soll. An den gotischen Ursprungsbau erinnern das spitzbogige Portal auf der Südseite des Gotteshauses, zwei ursprüngliche schmale Fenster, die Sakramentsnischen im Altarraum und der schöne achteckige Taufstein aus dem 15. Jahrhundert. So bescheiden die Lautaer Dorfkirche von außen wirkt, so überraschend wirkt der stimmungsvolle Innenraum auf den Betrachter. Durch zweimal drei hölzerne Säulen entsteht unter einer flachen Holzdecke der Eindruck eines dreischiffigen Kirchenraumes. Die vorschwingende Orgelempore und eine daran anschließende Empore auf der Nordseite wurden von 1663 und 1667 durch Michael Krumach mit Motiven aus der Passionsgeschichte und mit naiven Rankenmalereien versehen. Bereits kurz zuvor, 1657, entstand auch der Altaraufsatz im typischen architektonischen Aufbau und Dekor der Renaissance mit freistehenden Säulen und reichlichem Beschlagwerk. Eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe im mittleren Hauptfeld wird auf zwei seitlichen Flügeln flankiert durch gemalte Szenen aus dem Leben Jesu. Die Predella bildet ein geschnitztes Abendmahl, während die Bekrönung eine detailreiche Darstellung des Jüngsten Gerichtes darstellt, gerahmt von fünf Engelsfiguren, die die Marterwerkzeug Christi – Hammer und Nagel, Isopstab, Leiter und Kreuz)präsentieren. Die ebenfalls zeitgleich entstandene Kanzel zeigt an den Brüstungsfeldern Bilder Christi und der vier Evangelisten. Am Aufgang findet sich eine schöne Darstellung vom Traum Jakobs von der Himmelsleiter. Die Orgel schuf ursprünglich der Sonnewalder Orgelbauer Carl Gotthold Claunigk; sie wurde jedoch 1882 mit einem Werk von Conrad Geissler aus Eilenburg neu bestückt. Ob eine bereits aus dem 15. Jahrhundert stammende geschnitzte Holzfigur „Christus auf der Rast“ mit originaler Farbfassung zur ursprünglichen Ausstattung gehörte, lässt sich heute nicht mehr verifizieren. In den Jahren 1992/93 waren Instandsetzungsarbeiten an der Außenhaut der Lautaer Dorfkirche durchgeführt worden. Nun jedoch ist dringend eine umfassende Sanierung der hölzernen Dachkonstruktion notwendig, um eine Sperrung und Schließung des Kirchengebäudes zu verhindern. Ursachen der Schäden speziell im Traufbereich sind der Befall durch den Echten Hauschwamm und durch tierische Holzschädlinge, aber auch unsachgemäß ausgeführte Arbeiten zu Beginn der neunziger Jahre. Gegenwärtig läuft ein Antrag der Kirchengemeinde auf Förderung der Baumaßnahmen aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union. Für den Fall der Bewilligung dieser Mittel hat auch der Förderkreis Alte Kirchen seine finanzielle Unterstützung zugesagt. Übrigens: Im Ortsteil Lauta-Stadt, der ehemaligen Werkssiedlung, steht ein weiteres Kirchengebäude, ein beeindruckender moderner Sakralbau aus dem Jahr 1924. Ein äußerst rühriger Verein, an dessen Gründung auch der Förderkreis Alte Kirchen beratend beteiligt war, kümmert sich um dessen Instandsetzung und seine Nutzung als Kulturkirche. Aber das wäre dann schon wieder eine andere GeschichteÖ Weitere Informationen: Pfarrer Norbert Krüger; Dorfstraße 9; 02991 Lauta; Tel.: 035722-91286; Mail: pfarramt-lauta@email.de
    Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 31. Januar 2017: Kleine Dorfkirche braucht Hilfe Lausitzer Rundschau vom 06. Februar 2017: Lautaer kämpfen um ihre Laurentiuskirche Lausitzer Rundschau vom 03. Mai 2017: Lautaer Kirche kann saniert werden Lausitzer Rundschau vom 22. Juli 2017: Kirchendach in Lauta wird saniert LR ONLINE vom 05. Dezember 2017: In der kleinen Kirche bleibt viel Arbeit   
    Dorfkirche des Monats , Oktober 2015
    „Wo Brandenburg zu Ende geht, dort liegt Altbelgern.“ Mit diesem Satz begann Dr. Hans Krag seine Laudatio auf den Förderverein Kirche zu Altbelgern, der am 18. September in Prenzlau mit einem „Startkapital“ des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg in Höhe von 2.500 Euro ausgezeichnet wurde. Und tatsächlich liegt das kleine Dorf mit nur etwa 60 Einwohnern versteckt hinter dem Elbdeich. Auch die geringe Einwohnerzahl hat Altbelgern dem Fluss zu verdanken. Als im Frühjahr 1784 nach einem ungewöhnlich kalten und schneereichen Winter ein plötzlicher Wärmeeinbruch Tauwetter brachte, stieg der Pegel der Elbe in Dresden innerhalb von nur elf Stunden um 350 Zentimeter. Im weiteren Flusslauf brachen vielerorts die Deiche und wurden Dörfer zerstört. So auch in Albelgern, wo sich die Elbe ein neues Flussbett suchte. Viele Besucher verließen den Ort und siedelten jenseits des Stroms auf einer Anhöhe, in dem heute bereits zu Sachsen gehörigen Städtchen Belgern neu. Das zum Teil verlassene Dorf Altbelgern auf dem östlichen Elbufer konnte seine einstige Bedeutung niemals wieder gewinnen. Eine Kirche wird in Altbelgern 1243 erstmals urkundlich erwähnt, als der Kaiser dem Zisterzienser-Nonnenkloster Marienthron bei Torgau die dortige Pfarrei mit zahlreichen Filialdörfern übertrug. Im Besitz dieses Klosters, das später nach Nimbschen (südlich von Grimma verlegt wurde) blieb die Kirche bis zur Reformation. Mehrfach wurde das Kirchengebäude zerstört und wiederaufgebaut, zuletzt fiel das Gotteshaus am 8. Mai 1813 im Krieg gegen Napoleon einem Feuer zum Opfer, dem – ausgelöst vermutlich durch einen Angriff russischer Kosaken – neben der Kirche und dem Pfarrhaus neun weitere Gebäude zum Opfer fielen. Auf den Fundamenten des Vorgängerbaus entstand 1817 der heutige verputzte Saalbau mit dreiseitigem Ostschluss und einem gedrungenen Westturm. Dem schlichten Äußeren entspricht der einfache, aber stimmige Innenraum. In der angedeuteten Apsis steht zwischen zwei Ältesten- bzw. Patronatsgestühlen eine schmucklose klassizistische Kanzelwand vor dem Altartisch. Im Westen findet sich auf der ornamental geschmückten Hufeisenempore eine kleine Orgel. Zwei mit Kerzen bestückte Flämische Kronen geben dem Raum Licht. Die letzte Renovierung der Dorfkirche von Altbelgern erfolgte im Jahr 1933. Nach inzwischen gut achtzig Jahren weist das Gotteshaus anscheinend noch keine gravierenden Bauschäden auf. Eine grundlegende Sanierung ist jedoch angebracht. Aufsteigende Feuchtigkeit macht dem Mauerwerk zu schaffen. Die Rahmen der Kirchenfenster sind morsch geworden, so dass die Verglasung herauszufallen droht. Und die geputzte flache Strohdecke weist erste Risse auf. Um notwendige Reparaturen anzuschieben und zu finanzieren, gründete sich im Frühjahr dieses Jahres der Förderverein Kirche zu Albelgern. Zugleich möchte der Verein – so sein schriftlich fixiertes Ziel – dem Sakralgebäude wieder „Leben einhauchen“. Von März bis Oktober ist die Kirche täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet und soll – im Verbund mit der bereits etablierten Kirchenstraße Elbe-Elster – zu einer Radwegekirche am Elberadweg werden. Auf dem derzeit unbebauten Pfarrgrundstück soll eine Rastmöglichkeit für Fahrradtouristen entstehen, der umgebende Garten zu einer „Oase der Ruhe“ werden, die auf die Klimaschutzregion Altbelgern aufmerksam macht. Die Kirche selbst stellen sich die Vereinsmitglieder, die eng mit der Kirchengemeinde zusammenwirken, als „offenen Raum für Religion, Kunst und Kultur“ vor. Erste Konzerte fanden bereits statt. Viel ist es, was sich der kleine Verein in dem kleinen Dorf vorgenommen hat. Der Förderkreis Alte Kirchen wünscht bei der Umsetzung der gesteckten Ziele Glück und Erfolg. Vielleicht kann das von uns ausgereichte „Startkapital“ die ohnehin vorhanden Motivation stärken und andere Sponsoren und Fördermittelgeber anregen, sich ebenfalls der Dorfkirche von Altbelgern anzunehmen. Weitere Informationen: Förderverein Kirche zu Altbelgern e.V.: Johannes Schneider; Elbstraße 34; 04895 Mühlberg/Elbe (GT Altbelgern)
    Zum Weiterlesen: Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2015“ Lausitzer Rundschau vom 30. September 2016: Kirche und Kultur sollen Hand in Hand gehen
    Dorfkirche des Monats , Oktober 2016
    Im Rahmen einer Festveranstaltung zeichnete der Förderkreis Alte Kirchen auch in diesem Jahr neu gegründete Kirchen-Fördervereine mit einem „Startkapital“ in Höhe von jeweils 2.500 Euro aus. Zu den Preisträgern 2016 gehörte der Förderkreis für die Erhaltung, Instandsetzung und Belebung der Kirche in Rehfelde. Sein Motto lautet: „Kirche für alle“. Mitte des 13. Jahrhunderts schenkt der askanische Markgraf dem Zisterzienserkloster Zinna neben weiteren Dörfern auch Rehfelde. Nach der Reformation fallen die Klosterdörfer an die Kurfürstliche, später Königliche Domänenkammer. Rehfelde hatte also nie einen Gutsherren. Seine Dorfstruktur war nicht bestimmt durch Herrensitz, Gutshof und Gutspark, sondern durch freie, freilich abgabepflichtige, Bauernwirtschaften und Kossätenstellen. Im Jahr 1874 wird Rehfelde an die preußische Ostbahn angeschlossen und damit Station auf der rund 800 Kilometer langen Bahnstrecke von Berlin nach Königsberg. Um den Rehfelder Bahnhof entsteht – neben dem historischen Dorfkern – ein zweites Ortszentrum mit Gewerbeansiedlungen. Sommerfrischler aus Berlin errichten sich hier, besonders in der Zwischenkriegszeit, ihre Sommerhäuschen; als im Zweiten Weltkrieg der Bombenkrieg in Berlin tobt, ziehen viele ganz nach Rehfelde. Der zweite immense Bevölkerungszuwachs beginnt nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung. Aus der Strausberger NVA-Garnison und dem Verteidigungsministerium der DDR in Strausberg lassen sich viele ehemalige NVA-Angehörige in Rehfelde nieder und errichten sich eine neue Heimstatt und in den darauf folgenden Jahren erfolgt immer neuer Zuzug aus Berlin, aus Strausberg, aber auch aus den alten Bundesländern. Nach Eingemeindung der Nachbardörfer Werder und Zinndorf zählt die Großgemeinde heue knapp 5.000 Einwohner – Tendenz weiterhin steigend. Die Gemeinde besteht aus Einheimischen, Zugezogenen und Wochenendlern. In Rehfelde bildete sich zudem noch eine besondere Struktur mit zwei Ortszentren heraus: Rehfelde Dorf und Rehfelde Bahnhof – mit einem großen flächenmäßigen Zuwachs und der damit einhergehenden Zersiedlung. Die Feldsteinkirche des Ortes mit eingezogenem Chor und vorgesetztem Westquerturm entstand Mitte des 13. Jahrhunderts unter dem Patronat der Zinnaer Zisterzienser. Eine Portalvorhalle auf der Südseite wurde laut Inschrift 1499 angefügt. Den Innenraum schmückt ein reich verzierter hölzerner Kanzelaltar aus dem Jahr 1722. Die 1861 in der Berliner Werkstatt von Ferdinand Dinse gebaute Orgel ist derzeit leider nicht spielbar. Umgeben ist die Kirche von einer weiten Grünfläche, dem ehemaligen Friedhof, eingefasst von einer halbhohen Feldsteinmauer und beschattet von schönen alten Bäumen: ein idealer Ort für Feste und Feiern. Zusammen mit der Schule und dem Pfarrhaus, das die Kirchengemeinde sehr geschmackvoll restauriert hat, bildet die siebenhundertjährige Kirche das zentrale Ensemble des alten Dorfes. Der Förderkreis, der sich im vergangenen Jahr gegründet hat, verfolgt als zentrales Ziel, das älteste Gebäude der Großgemeinde zu einem lebendigen Mittelpunkt des kirchlichen, kulturellen und geselligen Lebens zu machen und auch den vielen Zugezogenen und Wochenendlern zu vermitteln, dass dieses schöne alte Bauwerk auf sie wartet, sie einlädt, auch ihr Ort zu werden. Dabei kann der Förderkreis sich der Kooperation mit anderen engagierten Bürgern der Gemeinde sicher sein. Die Rehfelder Großgemeinde hat ein entwickeltes bürgerschaftliches Engagement vorzuweisen. Im vergangenen Jahr veranstaltete der Förderkreis in der Rehfelder Kirche ein Benefizdinner zugunsten der Kirche. Eine mit Speisen und Getränken gut versehene, weißgedeckte Tafel war im Mittelgang der Kirche aufgestellt. Im Juli dieses Jahres hatte der Verein gemeinsam mit dem Rehfelder Sängerkreis zu einem Benefizkonzert und zum Imbiss, auch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Die Resonanz übertraf die Erwartungen. Auf der Webseite der Gemeinde schreibt der Förderkreis: „Es war eine gelungene und wunderschöne Veranstaltung.“ Weiterhin ist hervorzuheben, dass die Rehfelder Kirche Station des Lilienweges ist. Dieser ist ein bereits gut organisiertes touristisches Angebot, die Zisterzienser-Kirchen der Umgebung zu Fuß zu erwandern. Und am vergangenen Tag des offenen Denkmals hatte auch die Rehfelder Kirche ihre Pforten weit geöffnet. Der Förderkreis organisierte mit dem Dorfangerverein, dem Sängerkreis und der touristischen Arbeitsgemeinschaft ein frohes Beisammensein mit den Besuchern. Soweit könnte alles gut sein, aber auch in Rehfelde bereitet der bauliche Zustand der Kirche große Sorgen. Nähert man sich dem Gotteshaus und schaut in den Innenraum, so macht alles einen sauberen, gepflegten, gar nicht baufälligen Eindruck. Bei genauerem Hinsehen jedoch sind die gravierenden Schäden und baulichen Probleme nicht zu übersehen: Die Dachkonstruktion muss instandgesetzt und die Dachdeckung erneuert werden. Die hölzerne Turmkonstruktion harrt einer umfassenden Reparatur. Notwendig sind die Sanierung der Feldsteinmauern ebenso wie Putz-, Fußboden- und Anstricharbeiten im Innenraum. Eine erste Kostenberechnung liegt vor; sie beläuft sich auf 350 000 Euro – eine stolze Summe. Die Kirchengemeinde ist derzeit mit der Antragstellung für Fördermittel aus dem neu aufgelegten LEADER-Programm der Europäischen Union beschäftigt. Für die dazu notwendigen Eigenmittel wird das vom Förderkreis Alte Kirchen überreichte Startkapital sicher willkommen sein. Informationen: Förderkreis zur Erhaltung, Instandsetzung und Belebung der Kirche in Rehfelde-Dorf e.V.; Angelika Reit; Lagerstr. 11; 15345 Rehfelde; Tel.: 033435-75009; Mail: reit.angelika@web.de
    Zum Weiterlesen: Märkische Onlinezeitung vom 05. Dezember 2016: Geschichtsbuch aus Feldsteinen   
    Dorfkirche des Monats , März 2016
    Abseits der großen Straßen – nahezu in der Mitte zwischen den Städten Fürstenwalde und Beeskow – liegt der Ort Görzig, ein Angerdorf mit großen, landwirtschaftlich geprägten Grundstücken beiderseits der Dorfstraße. Erstmals urkundlich erwähnt wird Jortzck 1393 in einer Besitzurkunde des Hospitals und der St. Nikolauskapelle zu Beeskow. Die Kirche des Ortes, ein kleiner, dreiachsiger Putzbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, steht auf einer leichten Anhöhe in der Mitte des Dorfes. Ein bescheidener, gedrungener Fachwerkturm wurde dem Gebäude 1827 aufgesetzt. Einziger Schmuck des Außenbaus ist auf der Südseite ein vornehm wirkendes barockes Korbbogenportal, durch welches der Besucher in den Innenraum gelangt. Während des Siebenjährigen Krieges verwüsteten russische Kosaken den Ort. „Im ganzen Dorf wurden die Fenster und Öfen zerschlagen. Frauen und Männer wurden an den Haaren herumgeschleppt.“ Die Dorfchronik berichtet zudem, dass damals auch die Kirche geplündert wurde. Den hohen Kanzelaltar, der zwei Jahrzehnte zuvor geschaffen wurde, scheinen die Marodeure verschont zu haben. Auf seiner Rückseite verkündet eine Inschrift: „Die Tischler- und Malerarbeiten in dieser Kirche ist durch Gottes Gnade verfertigt von zween Brüdern Meist: Christoph Friedrich und Meist: Gottfried Groschken aus Beeskow. Anno 1746.“ In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kirche umfassend instandgesetzt und erhielt eine frische Dachdeckung. Vor knapp zwei Jahren war es möglich, eine alte Glocke von 1510, die vermutlich aus einem Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses stammt, reparieren zu lassen. Durch reichliche Spenden aus dem Dorf konnte sogar eine zweite Glocke – als Ersatz für eine defekte gusseiserne „Notglocke“ aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – neu gegossen und eine elektrische Läuteanlage installiert werden. Am vierten Adventssonntag 2014 rief das erneuerte Doppelgeläut erstmals zum Gottesdienst. Und seitdem wird an jedem Werktag in Görzig wieder der Feierabend eingeläutet. Die erfolgreiche Glockenaktion hat die Görziger motiviert und es gibt ein neues Ziel: Die historische Orgel soll wieder zum Klingen gebracht werden. Initiator des Orgelbaus für die Görziger Kirche war der Bauer Emil Ruff, der 1879 selbst 75 Mark spendete und einen erfolgreichen Aufruf zu weiteren Spenden „an die Häusler und Besitzer ohne Acker, von denen keine oder nur wenig Jagdpachtgelder in ihrer Kirchenkasse sind“ richtete. Beauftragt wurde schließlich die damals bedeutendste Werkstatt in Berlin, die Orgelbau-Anstalt der Gebrüder Oswald und Paul Dinse. Es entstand eine einmanualige mechanische Schleifladen-Orgel mit acht Registern in Manual und Pedal. Am 1. Mai 1880 äußerte sich der Orgelrevisor Professor Julius Schneider aus Berlin bei der Abnahme des Instrumentes „ausnahmslos lobend und begeistert“. Die Hälfte der Kosten übernahm das Konsistorium, der Gemeinde quittierten die Gebrüder Dinse den Erhalt von 1.053 Mark 50 Pfennigen „incl. Wohnung und Beköstigung der Orgelbauer“. Derzeit ist das nahezu komplett erhaltene Instrument unspielbar und bedarf dringend einer umfassenden Restaurierung. Die hölzernen Pfeifen sind vom Holzwurm beschädigt. Das Leder der Balganlage ist völlig verschlissen. Einige Pfeifen wurden entwendet, die restlichen sind stark verschmutzt und zum Teil deformiert. Es ist etwa drei Jahrzehnte her, dass die Dinse-Orgel letztmalig die Choralbegleitung im Gottesdienst übernahm, zur Zeit wird dafür ein Elektro-Piano benutzt. Ein Restaurierungsgutachten der renommierten Firma Sauer Orgel Frankfurt (Oder) beziffert die Kosten für eine gründliche Reparatur auf etwa 27.000 Euro. Ein Teil der benötigten Summe konnte durch Spenden und Benefizkonzerte bereits gesammelt werden, die Görziger hoffen jedoch dringend auf weitere Unterstützung. Weitere Informationen: Anne-Kathrin Hartmann; Sauener Straße 1; 15848 Rietz-Neuendorf / OT Görzig; Tel.: 033672-5143; Mail: anne-kathrin.hartmann@t-online.de
    Dorfkirche des Monats , September 2016
    Derzeit ist die Dorfkirche in Grieben (Landkreis Oberhavel) teilweise eingerüstet. Ein grünes Netz verwehrt dem Besucher auf der Straßenseite den Blick auf den ehrwürdigen Feldsteinbau. Auch im Innenraum stehen Gerüste. Die Ausstattung des Gotteshauses ist vorläufig ausgelagert. Bauarbeiter sind emsig beschäftigt. Der Ort Grieben ist ein typisches brandenburgisches Straßendorf, gelegen an der B 167 zwischen Löwenberg und Herzberg. Erstmals erwähnt wird der Ortsname 1256 in einer Friesacker Urkunde. Ungefähr in dieser Zeit entstand wohl auch das Kirchengebäude. Im Mittelalter befanden sich das Dorf und die Feldmark im Besitz des Zisterzienserinnenklosters Lindow und gehörten damit zur formell eigenständigen Grafschaft Ruppin, die erst nach dem Tode des Grafen Wichmann im Jahre 1524 zum Kurfürstentum Brandenburg gehörte. Nach der Säkularisierung des Lindower Klosters gelangte Grieben in landesherrlichen Besitz. Heute ist es ein Ortsteil der Gemeinde Löwenberger Land. Die Kirche ist ein frühgotischer Feldsteinbau; am Ostgiebel haben sich die ursprünglichen drei schmalen und hohen Lanzettfenster erhalten. Die übrigen Fenster des Kirchenschiffes wurden im Zuge einer grundlegenden Erneuerung des Gotteshauses 1772 korbbogig vergrößert, worauf die Jahreszahl in der Wetterfahne hinweist. Anteile von Ziegelmauerwerk im ansonsten sorgfältig geschichteten Feldsteinverband lassen darauf schließen, dass es zuvor größere Beschädigungen am Kirchenbau gab, die vielleicht noch auf den Dreißigjährigen Krieg zurückgingen. Zugleich wurde damals dem Kirchengebäude der quadratische Westturm vorgesetzt. Der ansonsten eher schlichte Innenraum war einst von einer dreiseitigen Hufeisenempore umzogen, deren Seitenteile bei einer „Generalinstandsetzung“ 1982 bis 1984 entfernt wurden. Auf der verbliebenen östlichen Orgelempore steht ein schönes Instrument des Orgelbauers Carl August Buchholz. Dominiert wird der Raum von einem barocken, schön verzierten Kanzelaltar und einem Taufengel, der allerdings erst seit 1984 seine Heimat in Grieben gefunden hat. Geschaffen wurde er zu Beginn des 18. Jahrhunderts von einem unbekannten Schnitzer für die Kirche in Tasdorf (Märkisch Oderland). Als das dortige Gotteshaus – ein Renaissancebau aus der Zeit um 1600 – im Jahr 1982 abgerissen wurde, gelangte der Himmelbote nach Grieben. Leider verlief eine mit dem Umzug verbundene Restaurierung nicht ganz glücklich. Es wäre zumindest zu überlegen, ob eine Korrektur der damals vorgenommenen Bearbeitung des Engels vorgenommen werden kann. Zurzeit jedoch hat die Kirchengemeinde andere Sorgen. Wie bereits erwähnt, laufen gerade Sanierungsarbeiten zur Substanzsicherung. Bereits vor einigen Jahren musste der Gehweg neben der Kirche mit rot-weißem Flatterband für Passanten gesperrt werden, da immer wieder Dachsteine vom nördlichen Kirchendach herabfielen. Notsicherungsarbeiten brachten jeweils nur kurzfristigen Erfolg, da ein großer Teil der Dachdeckung marode war. Eine Förderung aus dem Staatskirchenvertrag macht jetzt eine umfangreiche Instandsetzung möglich. Während die südliche Hälfte des Kirchendaches in den achtziger Jahren mit Betonsteinen, die inzwischen allerdings auch schon marode sind, neu gedeckt wurde, haben sich auf der Nordseite umfangreiche Reste mittelalterlicher, handgefertigter Biberschwanzziegel erhalten. Da es nicht nur der fast selbstverständliche Wunsch der Denkmalpfleger, sondern auch der Wille der Kirchengemeinde ist, diese selten gewordene traditionelle Bedeckung zu erhalten, mussten entsprechende handgefertigte Kohlebrandziegel neu gefertigt werden. An den dadurch entstandenen geringfügigen Mehrkosten beteiligte sich der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 2.000 Euro. Während im Zuge der Dachsanierung auch Arbeiten im Traufbereich und an der hölzernen Balkendecke nötig wurden, konnten an den Deckenbalken und an den Deckenbretter umfangreiche Reste einer barocken Bemalung entdeckt und restauratorisch untersucht werden. Ursprünglich zierte nach diesen Befunden ein blauer Himmel mit gemalten Wolken und Sternen die flache Holzdecke des Griebener Kirchenraumes. Ob eine Freilegung und Präsentation der historischen Decke möglich ist, wird derzeit noch geprüft. Vor dem Beginn dieser Maßnahme müsste zudem erst ein Farbkonzept für den gesamten Innenraum erstellt werden. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Herzberg; Pfarrer Ulrich Baller; Ruppiner St. 49; 16835 Herzberg; Tel.: 033926-70353; Mail: pfarramt-herzberg-m@t-online.de
    Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 23. November 2016: Kunstschätze in der Kirche entdeckt Märkische Onlinezeitung vom 07. September 2017: Kirche Grieben verkauft die Sonne   
    Dorfkirche des Monats , März 2015
    In ihrer Grundsubstanz stammt die Trebuser Dorfkirche noch aus dem Mittelalter. Sorgfältig behauene und geschichtete Granitsteinquader im Mauerwerk weisen darauf hin, dass im Zuge der deutschen Besiedlung des als Missionsbistum gegen die heidnischen Lutizen bereits 1124/25 gegründeten Bistums Lebus hier schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine dauerhafte Feldsteinkirche errichtet wurde. Auf den zweiten Blick jedoch erkennt der Betrachter, dass zahlreiche Brüche und Eingriffe im Laufe der Jahrhunderte das Erscheinungsbild des Gotteshauses wesentlich verändert haben. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden Dorf und Kirche stark zerstört; der Ort lag sogar für längere Zeit wüst. Erst für das 18. Jahrhundert sind in den in den originalen Bauakten, die ein Trebuser Einwohner aus dem 1945 zerstörten Gutshaus bergen konnte, zwei größere Renovierungen überliefert: 1742 durch den geheimen Rat von Risselmann und 1774 auf Veranlassung einer Frau von Selchow, die zu der jeweiligen Zeit als Rittergutsbesitzer auch das Kirchenpatronat innehatten. Die Umbauten erfolgten „nach reformierter Weise einfach und ohne alle Verzierungen“, sind jedoch am Baukörper gut ablesbar: Die Fenster und wohl auch das Portal auf der Nordseite wurden in der heute noch erhaltenen Form vergrößert und mit einem rundbogigen Abschluss versehen sowie ein mehrfach abgestuftes Gesims zwischen Mauerabschluss und Dachhaut aufgemauert. Teile des Mauerwerks wurden verputzt. Zudem erhielt das zuvor turmlose Kirchengebäude einen bescheidenen barocken Turmaufsatz aus Fachwerk, um die Glocken aufzunehmen. Aus dem ursprünglichen Baubestand ist auf der Südseite des Kirchenschiffes eine zugemauerte gotische Türöffnung erhalten geblieben. Stolz ist die Gemeinde auf eine alte Kirchenbibel, die dem Gotteshaus laut handschriftlichem Eintrag im Jahr 1700 vom Geheimen Rat von Risselmann gestiftet wurde und auf einen 1760 von der Landrätin von Selchow für die Kirche erworbenen Abendmahlskelch. Einen weiteren gravierenden Einschnitt erlebte die Trebuser Kirche am Ende des Zweiten Weltkrieges. 1945 wurde die Kirche als „Militärdepot“ genutzt und beim Rückzug der deutschen Truppen von diesen angezündet. Die Kirche brannte vollständig aus. Bis auf die gerettete Wetterfahne aus dem 18. Jahrhundert wurde dabei die gesamte Ausstattung vernichtet. Mit dem Wiederaufbau wurde bereits 1953 begonnen; am 7. November 1955 konnte die Wiedereinweihung gefeiert werden. Damals entstand auch die schlichte hölzerne Ausstattung: der einfache Altartisch, dahinter an der Wand ein Kruzifix und die Kanzel. Die dritte und vorerst letzte schwere Beschädigung geschah erst vor wenigen Jahren: Am 11. September 2011 wurden das Dach und der Kirchturm bei einem Gewittersturm schwer beschädigt. Erste Sicherungsarbeiten konnten, auch dank einer teilweisen Übernahme der Kosten durch die Versicherung – bereits bis zum Sommer des nächsten Jahres beseitigt werden. Bei der Reparatur wurden jedoch im Fachwerk des Turmaufsatzes schwere Holzschäden sichtbar, deren Beseitigung sich nicht auf Anhieb finanzieren ließ. Seit 2012 durfte die Glocke der Trebuser Kirche nicht mehr geläutet werden. Kurz darauf stellte sich heraus, dass durch die marode Holzkonstruktion die Gefahr des Einsturzes bestand. Die komplette Turmkonstruktion musste abgetragen werden; die derzeit funktionslose Glocke steht neben dem Eingang zum Kirchenschiff. Seitdem läuft im Dorf eine erfolgreiche Spendenaktion, Benefizkonzerte („Turm-Musiken“) wurden organisiert und Fördermittel eingeworben. Noch in diesem Jahr soll der Wiederaufbau des Fachwerk-Turmaufsatzes der Kirche in Angriff genommen werden. Und dann bleibt das Trebuser Gotteshaus hoffentlich für längere Zeit von Katastrophen verschont.
    Zum Weiterlesen: MOZ.de vom 09. Oktober 2018: Alte Schultern warten auf neuen Turm
    Dorfkirche des Monats , März 2018
    Der Ort Kemnitz – ein Dorf mit knapp einhundert Einwohnern – liegt etwa auf halber Strecke zwischen Treuenbrietzen und Luckenwalde. Seit der Gemeindegebietsreform 1993 gehört er als einer von 23 Ortsteilen zur Gemeinde Nuthe-Urstomtal. Die erste urkundliche Erwähnung von Kemnitz stammt aus dem Jahr 1295, als Heydrenricus von Trebbin den Ort an das Kloster Zinna verkaufte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag das Dorf weitgehend wüst; einziger Bewohner war der Lehnschulze. Bereits vier Jahrzehnte später jedoch wurden bereits wieder 22 Höfe bewirtschaftet. Neben der spätmittelalterlichen Kirche ist das sogenannte „Spiekerhus“ eine Sehenswürdigkeit des Dorfes – eine spezielle Form des märkischen Mittelflurhauses. Ab dem 16. Jahrhundert stellten die Bauern der Region ihre Speicher im festen Verbund an die Giebelseite der Wohnhäuser, die gewöhnlich der Straße zugekehrt war. Heute ist das denkmalgeschützte Fachwerkensemble das letzte verbliebene Beispiel für den in der Landeskunde auch als Nuthe-Nieplitz-Haus bezeichneten Haustyp. Doch zurück zur Kirche: Das Gotteshaus entstand zunächst als schlichter Saalbau aus Feldsteinmauerwerk in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Seltsamerweise weist das Gotteshaus auf der Nordseite keine Fensteröffnung auf; der Besucher steht vor einer geschlossenen glatten Wand aus behauenen Granitquadern. In der Ostwand sind drei schmale Spitzbogenfenster, von denen das mittlere vermauert ist. Die drei Fenster der Südseite wurden im Barock vergrößert und schließen ebenso wie die beiden Portale rundbogig. Dazwischen sorgen drei an die Südwand angesetzte massive Strebepfeiler aus Ziegelmauerwerk für Stabilität. Im Jahr 1739 (die Jahreszahl ist auf der Wetterfahne verzeichnet) wurde das Kirchengebäude nach Westen hin erweitert und bekam den mit Schiefer gedeckten schlichten Dachturm. Zu dieser Zeit erhielt vermutlich auch der Innenraum sein heutiges Aussehen: Ein hölzernes Tonnengewölbe bildet den oberen Abschluss. Den Altarraum schmückt ein hölzerner Kanzelaltar. In den Akanthuswangen links und rechts vom Kanzelkorb halten zwei Putten Schrifttafeln mit den Einsetzungsworten des Abendmahls. Auf der Westempore befand sich ursprünglich eine Orgel, die leider bei einer Modernisierung des Kirchenraumes in den sechziger Jahren ausgebaut wurde. Bereits im Jahr 2006 gründete sich für die Kemnitzer Kirche ein Förderverein, der zwei Jahre später mit einem „Startkapital“ des Förderkreises Alte Kirchen ausgezeichnet wurde. Ausstellungen wurden organisiert, Konzerte veranstaltet und regelmäßig fanden in der Kirche Kinovorführungen statt. Erste Spenden wurden gesammelt. Und doch dauerte es nahezu ein ganzes Jahrzehnt, bis erste Baumaßnahmen stattfinden konnten. Fördermittel aus dem Denkmal-Sonderprogramm des Bundes konnten eingeworben werden, die vom Landkreis, von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde kofinanziert wurden. Und auch der Förderverein konnte inzwischen einen erheblichen finanziellen Beitrag leisten. So konnte in den vergangenen zwei Jahren der inzwischen ziemlich marode Kirchturm instandgesetzt werden. Durch den nicht fachgerechten Einbau einer Winterkirche im Untergeschoss des Turmes in den 1960er Jahren gab es statische Probleme, die zu gefährlichen Rissen im Turmmauerwerk geführt hatten. Da die Schäden sich nach Baubeginn schlimmer als ursprünglich angenommen darstellten war eine Nachfinanzierung nötig, die jedoch erfolgreich gestemmt werden konnte. Durch die umfangreichen Arbeiten am Turm (unter anderem musste die Bodenplatte komplett saniert werden) ist jedoch die im Untergeschoss befindliche Winterkirche derzeit nicht nutzbar. Hier fanden bisher nicht nur in der kalten Jahreszeit die Gottesdienste der Gemeinde statt. Zugleich diente der Raum auch als eine Art Dorfgemeinschaftsraum, in dem sich unter anderem regelmäßig die älteren Bewohner des Dorfes zu nachmittäglichen Kaffeerunden trafen. Dieser Treffpunkt soll so schnell wie möglich wieder nutzbar gemacht werden, der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt sich wiederum an der Finanzierung. In einem weiteren größeren Bauabschnitt soll dann möglichst bald auch das Kirchenschiff instandgesetzt werden.

    Weitere Informationen: Förderverein Alte Dorfkirche Kemnitz e.V.; Steve Mertens; Kemnitzer Hauptstraße 11; 14947 Nuthe-Urstromtal / OT Kemnitz; Tel.: 033734-60181; Mail: kirchekemnitz@aol.com

    Dorfkirche des Monats , Mai 2015
    Nach dem Erscheinen des fünften Bandes seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg („Fünf Schlösser“ im Oktober 1888) trug der fast siebzigjährige Theodor Fontane sich mit dem Gedanken, ein umfangreiches Buch über die im Havelland weitverzweigte Familie von Bredow zu schreiben. Nach umfangreichem Quellenstudium reiste Fontane am 27. Mai 1889 nach Landin, um, wie er am Tag zuvor seiner Tochter Mete mitteilte, „von diesem Hauptquartier aus meine Fahrten auf die Bredow-Güter, ungefähr 20, anzutreten“. Aus dem Buchprojekt wurde nichts, aber es sind umfangreiche Vorarbeiten erhalten, die wieder einmal zeigen, dass Fontane weniger an Architektur oder Kunstgeschichte interessiert war als am preußischen Adel, dessen Chronist er in seinen Reisebeschreibungen hauptsächlich war. Die Landiner Kirche wird in seinen Notizen nicht einmal erwähnt. Das zum „Ländchen Friesack“ gehörende Dorf Landin wird 1353 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1480 und bis zum Kriegsende 1945 ist Landin durchgängig im Besitz eines Zweiges der bereits erwähnten Familie von Bredow. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts heißt der Gutsherr Ludwig von Bredow. Dieser ist durch eine erfolgreiche und glanzvolle Militärlaufbahn zu Wohlstand gelangt und lässt nach der Eheschließung mit seiner zweiten Frau Johanna Wilhelmine Freiin von Metzsch im Jahr 1704 ein repräsentatives barockes Herrenhaus errichten, das in den letzten Tages des Zweiten Weltkrieges durch einen Brand leider völlig zerstört wurde. Etwa zeitgleich entstand auch die heutige Dorfkirche, die vermutlich einen marode gewordenen Vorgängerbau ersetzte, denn bereits in einem Visitationsbericht des 16. Jahrhunderts wird ein Gotteshaus in Landin als Filiale des benachbarten Dorfes Kriele genannt. Die Landiner Kirche, auf einer leichten Anhöhe gelegen, ist ein schlichter Fachwerkbau mit heute sichtbarer Ziegelausfachung. Ursprünglich waren die Gefache verputzt und setzten sich mit weißer Farbe gegen die schwarze Holzkonstruktion ab. Westgiebel und Südwand wurden in späterer Zeit massiv erneuert. Der jetzt verbretterte und mit Schiefer gedeckte Turmaufsatz trägt eine geschweifte „welsche“ Haube mit geschlossener, zwiebelbekrönter Laterne. Der Innenraum ist flachgedeckt. Aus dem Jahr 1736 stammt der schlichte Kanzelaltar, dessen einziger Schmuck – zwei kleine Engelsfiguren – gegenwärtig ausgelagert ist. Ursprünglich befand sich in der Kirche auch ein Taufengel, von dem jedoch bereits 1913 in dem Band „Die Kunstdenkmäler des Kreises Westhavelland“ lediglich berichtet wurde, dass er „in Trümmern auf dem Kirchenboden“ liegt. Heute befindet sich das inzwischen gesicherte und konservierte Fragment des relativ kleinen Engels im Altarraum der Dorfkirche Nennhausen. Insgesamt bietet der Innenraum der Landiner Kirche einen ziemlich desolaten Anblick. Es ist auf den ersten Blick zu sehen, dass hier seit vielen Jahren keine Gottesdienste mehr stattfanden. Die Kirche ist gegenwärtig aufgrund massiver Bauschäden nicht nutzbar und droht endgültig zu verfallen. Nachdem 1993 Sicherungsarbeiten am Kirchturm begonnen hatten, wurden wegen mangelnder Geldmittel – und vielleicht auch wegen mangelnden Interesses von Seiten der Kirchengemeinde – keine weiteren Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Seit wenigen Monaten gibt es nun einen kleinen Hoffnungsschimmer. Mit vorausgehender Hilfe des Förderkreises Alte Kirchen gründete sich im Februar der „Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin“. Der Verein möchte die Kirche langfristig instand setzen und sie unter anderem für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen nutzen. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde soll dafür ein tragfähiges Nutzungskonzept entwickelt werden. Der Förderkreis Alte Kirchen wünscht dem jungen Verein viel Erfolg und bietet langfristig seine weitere Unterstützung an. Weitere Informationen: Förderverein zum Erhalt der Dorfkirche Landin e.V.; Gert Dittrich; Steinstr. 13; 14715 Kotzen / OT Landin; Tel.: 0151-17339900
    Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 24. Juli 2015: Verein will Dorfkirche vor Verfall retten Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2016“ Märkische Allgemeine vom 22. Juli 2018: Über 400 000 Euro für die Kirchensanierung Märkische Allgemeine vom 30. September 2018: 1. Spatenstich als Sanierungsbeginn Mitteilungsblatt Dezember 2018: Nun geht es endlich los in Landin
    Dorfkirche des Monats , September 2015
    Erstmals taucht der Name des uckermärkischen Dorfes in einer päpstlichen Urkunde von 1285 auf, die dem Kloster Dünamünde im Sprengel Riga unter anderem auch den Besitz der Tramper Kornspeicher (grangea trampis) bestätigt. Die Gründung des Ortes erfolgte – vermutlich durch Kolonisten aus Westfalen – vermutlich bereits um 1200. Das Dorf befand sich damals noch unter pommerscher Landesherrschaft. Nachdem Trampe über längere Zeit wüst gelegen hatte, wurde das Dorf erst zum Ende des 16. Jahrhunderts erneut besiedelt. Verschiedene Adelsfamilien wechselten sich im Besitz des Dorfes ab; ein Bericht kurfürstlicher Kommissare, die nach dem Dreißigjährigen Krieg die Uckermark visitierten, stellte fest: „Pauren seint alhier nicht gewesen.“ Die Dorfkirche ist im Kern ein mittelalterlicher Feldsteinbau, der im Laufe der Jahrhunderte jedoch viele Veränderungen erfuhr. Im oben bereits erwähnten Bericht von 1688 wird der Bau nur noch als „etlicher maßen im Stande“ bezeichnet. Zudem wurde sie – ursprünglich „Unicum“ – damals bereits vom benachbarten Schmölln aus „curirt“. Seit 2004 gehört Trampe zum Pfarrsprengel Brüssow. Vom sauber geschichteten Ursprungsbau sind die westlichen Gebäudeteile mit dem spitzbogigen, abgestuften Westportal erhalten. Der größere östliche Teil wurde mit der Apsis in Form eines halben Achtecks wurde zwischen 1738 und 1740 unter dem Patronat des damaligen Gutsherren Friedrich von Broecker neu gebaut. Damals entstand wohl auch der ziegelsichtige Fachwerkturmaufsatz mit geschweifter Haube. Das von einer Rundbogentonne überwölbte Erdgeschoss des Turmes war ursprünglich mit dem Kirchenraum verbunden und diente einst als Grabkapelle und Bahrenkammer; jetzt jedoch ist der Raum vom Kirchenschiff abgetrennt und kann als Winterkirche genutzt werden. Einziger Schmuck des schlichten, flach gedeckten Innenraumes ist der einfache, jedoch schön gearbeitete Kanzelaltar, der um 1740, also zur Zeit des Wiederaufbaus, in die Kirche kam. Gegenwärtig ist die Konstruktion des Fachwerkturms schwer geschädigt und stellt bereits seit Längerem ein akutes Problem dar. Im Jahr 2003 wurden Notsicherungsarbeiten vorgenommen, die jedoch nur einen kurzen zeitlichen Aufschub zur Folge hatten. In Vorbereitung einer grundsätzlichen, inzwischen dringend notwendig gewordenen, Sanierung sind nun wieder Notsicherungsmaßnahmen notwendig geworden, die zumindest die eingetretene Schiefstellung beseitigen. Bereits 2013 wurde eine neue Glocke angeschafft, die die aus dem Jahr 1705 stammende Eisenglocke, die nicht mehr geläutet werden kann, ersetzen soll. Noch wartet sie darauf, eines Tages im sanierten Turm aufgehängt zu werden. Trampe gehört zum Landkreis Uckermark und damit zum Land Brandenburg. Kirchlich jedoch ist es Teil der Nordkirche (ehemals Pommersche Kirche). Diese Konstellation erschwert oftmals die notwendige Koordination von Fördermöglichkeiten. Durch Zuwendungen unter anderem von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) ist es möglich, die erstrebte erste Notsicherung noch in diesem Jahr durchzuführen. Es laufen weitere Anträge, um eine endgültige Instandsetzung zu ermöglichen; so müsste zum Beispiel auch die Dacheindeckung dringend erneuert werden. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Brüssow; Pfarrer Matthias Gienke; Amtsstr. 6 a; Tel.: 039742-80230; Mail: bruessow@pek.de