Dorfkirche Kagel

Diese Kirche ist nicht offen.
Steckbrief
15537 Grünheide OT Kagel Oder-Spree
Gelber Backsteinbau der Schinkelschule mit halbkreisförmiger Apsis und eingezogenem quadratischen Westturm (ca. 1870), Altargemälde mit auferstandenem Christus, Orgel von Ferdinand Dinse (1871).
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Dorfkirche Kagel
Dorfkirche des Monats August 2019

Wenn man dem wohl berühmtesten Bewohner des Ortes Glauben schenkt, dann liegt das Dorf Kagel „in der Mark … wo sie am märkischsten ist, das heißt zwischen Sand, See und Kiefern“. Der Schriftsteller Moritz Heimann, geboren 1868 im nahen Werder bei Rehfelde geboren, verbrachte hier in Kagel, „einem Dorfe von etwas über hundert Häusern, drum herum nichts als Sand, See, schütterer Wald, und drüber weg ein Himmel“, seine Kindheit und Jugend. Heimanns Eltern betrieben in einem kleinen Haus direkt neben der Kirche einen Gemischtwarenladen. Später, als Moritz Heimann in Berlin als allseits anerkannter Cheflektor des S. Fischer Verlages in Berlin wirkte, zog es ihn immer wieder in seinen Heimatort zurück. Die von schwerer Krankheit geprägten letzten Lebensjahre verbrachte er wieder in Kagel. Er starb 1925; sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. In seinen meisterhaften, zu Unrecht vergessenen Novellen und kurzen Betrachtungen setzte er dem Ort ein bleibendes Denkmal.

Doch zur Kirche, die – Ironie der Geschichte – nicht an einer nach Moritz Heimann benannten Straße, sondern an der Gerhard-Hauptmann-Straße liegt. Der Großdichter war mehrfach bei seinem Lektor, Freund und Schwager zu Gast. Von einem Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses sind Zeichnungen und ein Grundriss vorhanden. Der damalige Fachwerkbau mit einem bescheidenen, von einem Zeltdach gekrönten,  Turmaufsatz stammte vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. 1868 (im Geburtsjahr Heimanns) musste die alte Kirche wegen Baufälligkeit abgetragen werden. An ihrer Stelle entstand ein Neubau aus gelbem Backstein mit halbkreisförmiger Apsis eingezogenem quadratischen Westturm im Stile der Schinkelschule. Die Entwürfe lieferte Bauinspektor Eduard Bürkner. Die Ausstattung der Kirche stammt geschlossen aus der Bauzeit. Unter einem offenen Dachstuhl zieht sich eine Hufeisenempore um den Raum. Über einer schlichten Altarmensa zeigt ein Gemälde den auferstandenen Christus, rechts davon befindet sich die ebenfalls schmucklose Kanzel. Die Orgel schuf 1871 der Berliner Orgelbauer Ferdinand Dinse. 

In den 1990er Jahren erhielt die Kageler Kirche ein neues Dach. Geldmangel verhinderte jedoch weitere dringend notwendige Instandsetzungen; zudem wurden die Arbeiten damals wohl auch nicht ganz fachgerecht ausgeführt. Jedenfalls gab es wenige Jahre später bereits wieder dringenden Sanierungsbedarf. Ein Artikel in der Märkischen Oderzeitung vom 7. Oktober 2011 dokumentiert die Bauschäden: „Der Turm und das Schiff seien undicht. Der First müsse umgedeckt werden, weil Regen und Schnee  über die Wetterseite eindringen. … Ebenso problematisch ist der Zustand des Sockels. … Ganz schlimm steht es um den Turm. Wem die unterschiedlich tickenden Uhren auffallen, der kann seinen Blick gleich weiter über die Schallluken schweifen lassen – die sind teilweise zugemauert, mit Spanplatten zugestellt.“ 

Eine umfassende Grundsanierung war notwendig. Im Juli 2011 gründete sich der Förderverein Dorfkirche in Kagel e.V., der im Jahr darauf mit einem „Startkapital“ des Förderkreises Alte Kirchen ausgezeichnet wurde. Der Verein sammelte Spenden, organisierte Konzerte und andere Kulturveranstaltungen in der Kirche. Ein erster Erfolg war 2015 die Restaurierung der Dinse-Orgel, an der sich der Förderkreis Alte Kirchen ebenfalls finanziell beteiligte. In diesem Jahr ist es nun im Rahmen eines umfassenden Sanierungskonzeptes möglich, einen größeren Bauabschnitt zu bewältigen: Schäden im Dachbereich der Apsis, an der Fassade und den Fenstern, im Sockelbereich und besonders im Turm und dem Glockenstuhl sollen beseitigt werden. Nach der Sanierung der Kirche möchten Kirchengemeinde und Förderverein noch mehr Veranstaltungen für junge Menschen anbieten, um auch zugezogene Neubürger besser in das Gemeindeleben einzubeziehen. Der Förderkreis Alte Kirchen stellt zur Kofinanzierung der laufenden Bauarbeiten weitere 2.000 Euro zur Verfügung. 

Wer die Dorfkirche in Kagel besuchen möchte, dem sei am 18. August ein Konzert mit den „Wolga-Kosaken“ empfohlen. In der der Kirche benachbarten Alten Schule ist übrigens auch eine kleine Ausstellung über Moritz Heimann zu besichtigen… 

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Kagel e.V.; Vorsitzender Kurt Paul; Neue Wiesenstraße 19; 15537 Grünheide / OT Kagel; Tel.: 033434-46880;                                                               Mail: waldspechtkurt@t-online.de

Dorfkirche des Monats , Juni 2019

Als Theodor Fontane im Mai 1860 eine seiner Erkundungsfahrten für die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ auf die Seelower Höhen unternahm, beeindruckte ihn „der ferne, halb ersterbende Klang von dreißig Kirchtürmen … als läute der Himmel selber die Pfingsten des nächsten Morgens ein“. Nicht einmal ein Jahrhundert später war von all dieser Idylle wenig geblieben. In der letzten Schlacht des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Kirchen zerstört und Türme gesprengt; Ausstattungen verbrannten. Auch die Kirche in Dolgelin, nur wenige Kilometer südlich von Seelow am Westrand des Oderbruches gelegen, wurde zur Ruine. Seit wenigen Wochen besitzt der stattliche Feldsteinbau wieder ein Dach. Doch bis dahin war es ein langer Weg… 

Erstmals urkundlich erwähnt wird Dolgelin im Jahr 1321 im Zusammenhang mit der Komturei des des Johanniterordens im nahe gelegenen Lietzen, der dort die Nachfolge des aufgehobenen Templerordens angetreten hatte. Im Besitz der Johanniter blieb der Ort dann auch über 500 Jahre hinweg. Im der Kirche benachbarten Pfarrhaus übernachtete mehrmals Friedrich der Große während seiner Inspektionsreisen durch das Oderbruch.

Das Kirchengebäude entstand wohl bereits zu Ende des 13. Jahrhunderts als einschiffiger langgezogener Granitquaderbau mit rechteckigem Langhaus und geschlossenem Chor. 1870 wurde an Stelle eines baufällig gewordenen und teilweise eingestürzten Vorgängers ein mächtiger neugotischer Backsteinturm vorgesetzt, der unter anderem eine wertvolle Bronzeglocke von 1500 mit dem Wappen der Familie von Schlieben enthielt. 

Während der Kämpfe im Frühjahr 1945 wurde auch die Dolgeliner Kirche beschädigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern der Umgebung jedoch blieben sowohl der Turm und auch die Dachdeckung erhalten. Bis 1946 fanden in dem notgesicherten Kirchenschiff sogar noch Gottesdienste statt. Erst dann gab der damalige Ortsbürgermeister das Kirchengebäude zur „Gewinnung von Baumaterialien“ frei. Als die Aktion, die auf lokaler Ebene auch in Orten ähnlich ablief, staatlicherseits gestoppt wurde, war es zu spät: Die Dacheindeckung war abgetragen, was schließlich zum Einsturz des Dachstuhles führte. Der Kirchturmwurde am 25. März 1965 gesprengt, erst mehr als zwanzig Jahre später beseitigte man den entstandenen Schuttberg. Seitdem feierte die kleine Gemeinde ihre Gottesdienste in einem Raum des ehemaligen Pfarrhauses.

Die jetzt erfolgten Sanierungsarbeiten gehen, so berichtet Pfarrer Martin Müller, auf eine „Biertischidee“ zurück. Mitglieder des Dolgeliner Männergesangsvereins, die auch der Kirchengemeinde verbunden waren, wollten sich nicht damit abfinden, für alle Zeiten eine Ruine in der Mitte des Dorfes zu behalten. Bereits im Jahr 2002 wurde ein Förderverein gegründet, der die Planungen für den Wiederaufbau vorantrieb. Erste Konzepte fanden damals keine Akzeptanz bei den Dienststellen der Denkmalpflege. Doch man gab nicht auf. Im vergangenen Jahr 2018 konnte mit der Errichtung eines neuen Kirchendaches begonnen werden. Für die nicht unerheblichen Kosten gab es keine öffentliche Förderung. In der Kostenaufstellung finden sich die Ausgleichzahlung einer Windenergiefirma, zahlreiche namhafte Spenden der Bevölkerung und Mittel des Kirchenkreises. Die Gemeinde selbst beteiligte sich immerhin mit einem Eigenanteil in Höhe von 50.000 Euro. Ein riesiger Glücksfall war es, dass ein örtlicher Bauunternehmer aus Lokalpatriotismus einen absoluten „Freundschaftspreis“ anbot. 

Als vor dem Richtfest im Juni 2018 der auf dem Kirchhof vormontierte Dachstuhl aufgesetzt wurde, stellte man erschrocken fest, dass es einen Fehler bei der Berechnung gegeben hatte. Ausgerechnet der Überstand an der Westwand der Kirche, an der nach der Sprengung des Turmes wertvolle Putzblenden mit mittelalterlichen Ritzzeichnungen zum Vorschein gekommen waren, nicht ausreichte. Auch diese Schwierigkeit jedoch konnte überwunden werden. Am 25. Mai fand die feierliche Einweihung mit einem Andacht und einem großen Fest statt. Mit der Denkmalpflege haben sich Förderverein und Kirchengemeinde auf die Sprachregelung einer „Ruine unter Dach“ geeinigt. Doch insgeheim wollen die Dolgeliner weitermachen. Spender, die zum Beispiel ein Kirchenfenster finanzieren wollen, stehen bereits in den Startlöchern… 

Dorfkirche des Monats , Februar 2019

Gröden ist ein breit gelagertes Dorf im sogenannten Schraden, einer Landschaft am Südrand von Brandenburg – die sächsische Grenze ist in Sichtweite. Aus Gröden stammten der seinerzeit bekannte „Schradenmaler“ Hans Nadler (1879-1958) sowie sein gleichnamiger Sohn (1910-2005), der langjährige Dresdener Landeskonservator und Nestor der sächsischen Denkmalpflege. 1.300 Einwohner zählt das Dorf, von denen noch 60% (!) Mitglieder in der Kirchengemeinde sind. Die 2008/09 äußerlich blitzsauber sanierte Martinskirche steht mitten im Dorf und gibt ihm Charakter.

Es ist ein verputzter Saalbau aus dem 16. Jahrhundert der aus einer 1378 erstmals erwähnten mittelalterlichen Feldsteinkirche heraus entwickelt wurde, was man innen am spätgotischen Portal zur Sakristei sehen kann. Der typisch sächsische Turm – unten quadratisch, oben achteckig mit geschweifter Haube und Laterne wurde Ende des 16. Jahrhunderts angebaut. Zur Ausstattung gehören neben einem am Beginn des 16. Jahrhunderts entstandenen Marienretabel ein spätromanischer Taufstein, das Mittelteil eines spätgotischen Taufsteins sowie ein schön geschnitztes Triumphkreuz aus der Zeit um 1400.

In der Kirche hat man alles für die Innensanierung vorbereitet. Das meiste Inventar ist ausgeräumt, der verbliebene Rest verpackt. Große Dinge stehen bevor: Im Chor wurden barocke Malereien am flachen Kreuzgewölbe wieder ans Licht gebracht, an der Innenseite des Triumphbogens wurden viel ältere Fresken gefunden und an einigen Stellen zur Untersuchung freigelegt. Sie sollen alle aufgedeckt werden. Die düstere Flachdecke im Schiff soll hellblau und weiß übermalt und so farblich dem Chor angeglichen werden. Die Kirche würde dadurch viel heller werden. 60.000 Euro wurden bereits investiert, die jetzigen Maßnahmen sollen noch einmal 80.000 Euro kosten, deren Verfügbarkeit aber noch offen ist. Wie überall, so auch hier: es fehlt das Geld…

Aber nicht nur das: Der Altaraufsatz wirkt etwas verloren. Es ist der Mittelschrein eines spätgotischen Marienaltars, der wohl seit der Reformationszeit auf dem Dachboden lag und wieder entdeckt wurde. Ein Kunstwerk, dem einmal vier Schnitzfiguren aus dem 16. Jahrhundert zur Seite standen: St. Georg, St. Sebastian, St. Christophorus und eine Anna Selbdritt. Sie fehlen.

Diese Figuren sind 1961 vom damaligen Pfarrer für DM 600,- verkauft worden, der unbedingt Geld für seine Gemeinde brauchte. Ihm war nicht bewusst, wie sehr er über den Tisch gezogen worden ist, hinzu kommt noch, dass der Kauf mit dem Konsistorium und dem Gemeindekirchenrat hätte abgestimmt werden müssen. Es gibt auch keinen Kaufvertrag. Der Verkauf war also gut gemeint, jedoch illegal. Die Kunstwerke im Wert von heute weit über 10.000 Euro sind längst weiter verkauft worden und befinden sich wohl in der Sammlung eines gutgläubigen Erwerbers.  Nachdem die Skulpturen nun aber als illegal in den Handel gekommen gelten und entsprechend deklariert wurden, sind sie auf dem Kunstmarkt kaum noch verkäuflich, und ihr Wert wird deshalb sinken. Deshalb hofft Herr Dr. Sebastian Rick, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, dass der jetzige Besitzer sich von den Objekten trennen könnte, da sie keine Wertsteigerung mehr versprechen. Dr. Rick fahndet nun in Kunstzeitschriften und Versteigerungskatalogen nach Hinweisen auf die Figuren, die zurückgekauft werden müssten, wofür derzeit natürlich auch das Geld fehlen würde.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch nach der vollendeten Sanierung wird der Kirche noch etwas fehlen, die „verlorenen Kinder“ sollen wieder nach Hause zurück. Drücken wir die Daumen, dass eine Rückführung möglich wird.

Weitere Informationen:
Dr. Sebastian Rick
Tel.: 035343-60056
E-Mail: rick-groeden@t-online.de

Dorfkirche des Monats , Dezember 2004, Dezember 2005, August 2007

Die Sonntagsausgabe der Westberliner Zeitung „Der Tag“ vom 17. Juli 1949 veröffentlichte auf der Titelseite einen Artikel mit dem Titel „SED demontiert Kirchen“. Darin wird berichtet, „daß in der Ostzone und vor allem im Lande Brandenburg eine regelrechte Kirchendemontage nach sowjetischem Vorbild vorgenommen worden ist.“ Weiter heißt es: „Da keinerlei Rechtsgrundlage für ein solches Zerstörungswerk besteht und da auch die sowjetischen Befehle über die Bodenreform die Niederreißung von Kirchen nicht vorgesehen haben, so erklärt man von Seiten der SED, daß es sich hier um beschädigte Kirchen handele, deren Baumaterial für die Errichtung von Neusiedlerbauten Verwendung finden solle.“ Neben anderen Beispielen erscheint in diesem Bericht auch der Name des Dorfes Strehlow bei Prenzlau.

Strehlow ist ein schön angelegtes Dorf, das sich zu beiden Seiten eines breiten, in zwei Reihen mit Bäumen bestandenen Angers hinzieht. Von der ehemaligen Gutsanlage sind noch einige Wirtschaftsgebäude und das Verwalterhaus erhalten, in dem der Verein „Kindervereinigung Strehlow“ eine ambitionierte Kinder- und Jugendarbeit betreibt. Am Ende des Angers ragt ein hölzerner Kirchturm aus den Bäumen, die auf dem Friedhof stehen. Und beim näheren Hinsehen erstaunt es, dass die Konstruktion dieses Turmes überhaupt noch tragfähig ist.

Der mittelalterliche Saalbau mit dem schiffbreiten Westturm und der gewölbten Nordsakristei entstand ñ wie zahlreiche weitere Feldsteinkirchen in der Uckermark ñ in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Portale und Lanzettfenster der heutigen Kirchenruine sind noch im ursprünglichen mittelalterlichen Zustand erhalten; an den Innenwänden blieben Weihekreuze erhalten. Auf alten Fotos sieht man eine barocke Innenausstattung; im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut. In dieser Zeit erhielt sie auch den verbretterten Turmaufsatz mit der geschwungenen Haube und einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1747.

In den letzten Kriegstagen 1945 leicht beschädigt, wurde die Strehlower Dorfkirche, wie oben zitiert, durch den Bürgermeister zur Gewinnung von Baumaterial frei gegeben. Auf der Südseite des Kirchenschiffes ist deutlich zu erkennen, dass ein großer Teil der sorgfältig behauenen Feldsteine aus dem Mauerverband gebrochen wurden. Dachdeckung und Dachstuhl wurden abgetragen. Die nun ungeschützte Mauerkrone verfiel. Besucher des um die Kirche liegenden Friedhofes sind von herabfallenden Steinen bedroht. Der mit Schiefer gedeckte und an den Wänden verbretterte Turm mit seiner komplizierten Fachwerkkonstruktion und der vorgebauten Wetterschale ist durch Witterungseinflüsse stark beschädigt und muß dringend instand gesetzt werden.

Die Strehlower Dorfkirche wird als Gotteshaus für den kleinen Ort heute nicht mehr benötigt. Nach der Fusion der Dörfer und der Kirchengemeinden besuchen die wenigen Christen die Gottesdienste im nur einen Kilometer entfernten Potzlow. Es geht nicht darum, die Strehlower Kirche wieder aufzubauen, doch die verbliebenen baulichen Reste des das Dorfbild prägenden Denkmals sollten möglichst bald gesichert werden, um weitere Verluste zu vermeiden. Ursprünglich war der hölzerne Aufsatz einer der schönsten barocken Kirchtürme in der Region.

In diesem Jahr hat der Förderkreis Alte Kirchen ein holzschutztechnisches Gutachten finanziert, um zu erfahren, welche Möglichkeiten der Erhaltung und Reparatur des Turmes es gibt. Eine Sanierung des Turmes im Bestand, d. h. ohne Demontage der einzelnen Teile, wird für möglich gehalten. Die Kommune hat Interesse an der Erhaltung der Kirchenruine. Allein mit der winzigen Kirchengemeinde wird sie die Kosten der nötigen Bauarbeiten jedoch nicht aufbringen können.

Der Förderkreis Alte Kirchen möchte sich auch in Zukunft an der Erhaltung der Strehlower Kirche beteiligen.

Informationen über: Pfr. Johannes Reimer; Tel.: (03 98 63) 3 23   
Dorfkirche des Monats , Februar 2015
Als vor wenigen Jahren das nicht mehr genutzte Pfarrhaus in Sadenbeck verkauft werden sollte, wurde zuvor das gesamte dazu gehörige große Grundstück bereinigt und aufgeräumt. Dabei fanden sich in einem mit uraltem Gerümpel gefüllten Schuppen des Gehöftes auch zwei nahezu lebensgroße hölzerne Schnitzfiguren aus der Barockzeit. Nachdem sie aus ihrer notdürftigen Verpackung befreit, von Staub und Spinnweben gereinigt und vorsichtig auf die Empore der Sadenbecker Dorfkirche gebracht worden waren, konnten die Skulpturen genauer in Augenschein genommen werden: Obwohl bei beiden der Kopf und die Hände fehlten, stellte sich heraus, dass es sich um recht qualitätsvolle Schnitzarbeiten handelt, die Engelsgestalten darstellen. Wie die Gestaltung der Gewänder zeigt, stammen beide Figuren wohl aus der Hand ein und desselben Schnitzers und lassen sich nach Auskunft von Kunsthistorikern mit ziemlicher Sicherheit der Werkstatt des Havelberger Bildhauers Heinrich Joachim Schulz zuordnen, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Prignitz wirkte Selbst im Inventar der Kunstdenkmäler des Kreises Ostprignitz von 1907 und in alten Aufzeichnungen im Gemeindearchiv finden sich keine Hinweise auf die Figuren, so dass ihre genaue Herkunft noch immer Rätsel aufgibt. Die kleinere Figur ist auf der Rückseite abgeflacht und könnte – wie Vergleichsbeispiele aus benachbarten Orten nahelegen – zum Schmuck eines barocken Altaraufsatzes gehört haben. Die zweite Skulptur lässt sich durch ein Bohrloch im Rücken zur Befestigung der Aufhängung, durch Flügelansätze und durch die Körperform eindeutig als Taufengel identifizieren. Die Kirche des bereits recht früh im Besitz des nahen Klosters Heiligengrabe befindlichen, wenige Kilometer nordöstlich von Pritzwalk gelegenen Dorfes „Zadenbeke“ ist ein spätmittelalterlicher Bau der Mitte des 15. Jahrhunderts aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk mit geradem Ostschluss und einem wuchtigen Feldsteinturm. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde auf der Nordseite eine- wohl von der Wallfahrtsarchitektur im benachbarten Alt Krüssow beeinflusste – hübsche Backsteinvorhalle angebaut, deren fialenbekrönter Staffelgiebel von durchbrochenen Zierfriesen und Vierpassrosetten geschmückt ist. Bei einem Umbau im Jahr 1833 wurden das Kirchenschiff nach Osten verlängert und die Fenster vergrößert. Die hufeisenförmige Empore und das Gestühl stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts. Die Orgel wurde 1893 von der der Firma Knauf im thüringischen Bleicherode geschaffen. Mitte der 80er Jahres des 20. Jahrhunderts bemalte die Ehefrau des damaligen Pfarrers Buchholz die Flachdecke mit floralen Motiven, die durchaus mit dem bescheiden-barocken Erscheinungsbild des Innenraumes harmonieren. Nachdem nun überraschend die oben beschriebenen Engelsfiguren wiederentdeckt wurden, möchte die Gemeinde diese auf jeden Fall in ihre Kirche zurückholen. Zuvor jedoch sind umfangreiche Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten an den arg mitgenommenen hölzernen Himmelsboten dringend notwendig. Lohnend ist diese Aufgabe auf jeden Fall. Trotz der großen Risse im Holz, der verlorenen Körperteile und den sichtbaren Spuren mehrerer Generationen von Holzwürmern strahlen die kunstvoll gearbeiteten Figuren eine feierliche Eleganz aus. Im Rahmen der Aktion „Menschen helfen Engeln“ sagte der Förderkreis Alte Kirchen Unterstützung zu. Im vergangenen Jahr gingen die Figuren dann bereits auf die Reise. Für sechs Monate wurden sie in der Paul-Gerhardt-Kirche im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ausgestellt; immerhin etwa 900 Euro an Spenden konnten hier eingeworben werden. Weitere Gelder hat der Förderkreis Alte Kirchen bereits zugesagt. Und so konnten die beiden Engel aus der Berliner Kirche direkt weiterreisen in die Werkstatt des Restaurators Thoralf Herschel im havelländischen Falkensee. In Abstimmung mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und mit der Kirchengemeinde wird derzeit ein Restaurierungskonzept erarbeitet. Um einige der fehlenden Körperteile ergänzt, werden sie dann hoffentlich bald wieder in ihre angestammte Dorfkirche in Sadenbeck zurückkehren können. Weitere Informationen: Ev. Kirchengemeinde Sadenbeck; Frau Ilona Giese; Tel.: 033989-40076
Zum Weiterlesen: Der Prignitzer vom 05. März 2015: Wiederbelebung eines Engels Märkische Allgemeine vom 31. August 2018: Sadenbecker Kirche: Sanierung fast fertig Märkische Allgemeine vom 07. Oktober 2018: Erster Gottesdienst unter neuem Kirchendach
Dorfkirche des Monats , Januar 2015
Das Dorf Wismar bildet den nördlichsten Zipfel des Landes Brandenburg und wird in fast allen Himmelsrichtungen vom Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern umschlossen. Den einzigen direkten Zugang ins Brandenburgische behindert in südöstlicher Richtung der Lauf eines Baches. Historisch gehörte das 1316 erstmals urkundlich erwähnte Dorf über Jahrhunderte zur Uckermark und bis zur Kreisgebietsreform 1952 zum Kreis Prenzlau. Nach der sogenannten Wende wurde es dem neu gegründeten pommerschen Kreis Pasewalk zugeschlagen, bevor sich die Wismarer – gemeinsam mit den Einwohnern einiger Nachbarorte – per Volksentscheid die geographische Rückkehr in die uckermärkische Alt-Heimat erkämpften. Die zur Pommerschen Kirche (heute Nordkirche) gehörende Wismarer Dorfkirche ist im Kern ein rechteckiger Saalbau aus unregelmäßig behauenen Feldsteinen mit einem vorspringenden querrechteckigen Turm. Bei einem größeren Umbau im Jahr 1825 wurde der Charakter des Kirchengebäudes wesentlich verändert: Der Ostgiebel wurde neu aufgemauert, die Fenster vergrößert und an der Südseite entstand eine kleine Vorhalle. Der Kirchturm wurde – vielleicht an Stelle eines abgetragenen Vorgängers? – neu gebaut; über einem Zwischengeschoss aus Backstein erhebt sich ein „mit großer Holzverschwendung“ (Inventar der Kunstdenkmäler des Kreises Prenzlau von 1921) errichteter Fachwerkaufsatz, der in eine offene Laterne mündet. Den Innenraum dominiert ein äußerst qualitätsvoller, farbenprächtiger barocker Kanzelaltar, der allerdings erst seit wenigen Jahren den Wismarer Kirchenraum schmückt. Geschaffen wurde das mit reichen Verzierungen versehene Ausstattungsstück 1741 für die Fachwerkkirche im nicht weit entfernten, heute zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden, Dorf Schwarzensee, die 1964 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Der Kanzelaltar sollte nach Wismar kommen, dessen ursprünglicher Altar wohl ein Opfer des Holzwurmes geworden war. Aus heute nicht mehr so recht nachvollziehbaren Gründen wurde der Kanzelaltar an verschiedenen, zum Teil äußerst ungeeigneten Orten zwischengelagert und war den Unbilden der Witterung ausgesetzt. Auf Initiative des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege wurde er im Jahr 2000 endlich in der Wismarer Kirche aufgestellt und im Laufe mehrerer Jahre vorbildlich restauriert. Ebenfalls erst seit Kurzem hängt links vom Kanzelaltar ein Taufengel, der allerdings zum ursprünglichen Inventar der Wismarer Kirche gehört. Im Jahr 1788 bezahlte die Kirchengemeinde für den Engel den stolzen Preis von vierzig Reichstalern. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der nicht mehr in die moderne Zeit passende Himmelsbote an das Uckermärkische Museum in Prenzlau abgegeben, kehrte jedoch in den 1960er Jahren in die Wismarer Kirche zurück und wurde über der Orgelempore aufgehängt. Auf ebendieser Empore lag der Taufengel dann viele Jahre nach einem Absturz, der ihm schwere Schäden zugefügt hatte. Im Rahmen der Aktion „Menschen helfen Engeln“ konnte er restauriert und im Sommer 2010 im Rahmen eines Taufgottesdienstes wieder in Gebrauch genommen werden. Mit dem neu aufgestellten Kanzelaltar und dem wieder hergestellten Taufengel bot der Innenraum der Wismarer Kirche nun wieder einen wunderschönen Anblick. Sorgen jedoch bereiteten schwere Bauschäden am Kirchengebäude selbst. Aber auch hier konnte inzwischen Abhilfe geschaffen werden. Im zu Ende gehenden Jahr 2014 war es möglich, erste Instandsetzungsmaßnahmen am Mauerwerk des Kirchenschiffes, speziell am Ostgiebel, auszuführen. Für 2015 ist – dank einer großzügigen Hilfe aus einem Sonderfonds des Bundeskulturministeriums – eine umfassende Sanierung des Kirchturms geplant. Für diesen Bauabschnitt stellt auch der Förderkreis Alte Kirchen, der bereits die Restaurierung des Kanzelaltars und des Taufengels finanziell unterstützte (s. u.a. Mitteilungsblatt September 2008), Fördermittel zur Verfügung. Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Strasburg; Pfarrer Manfred Hojczyk; Tel.: 039753-20258; Mail: strasburg@pek.de
Dorfkirche des Monats , Juli 2014
Gleich zwei mal gibt es im Umkreis von Brandenburg an der Havel den Ortsnamen Gollwitz; eines der so benannten Dörfer liegt nur wenige Kilometer östlich der Domstadt an der B 1, die dann weiter nach Werder führt. Unser Gollwitz liegt gut zwanzig Kilometer weiter westlich. Eine schmale Allee führt von Wusterwitz durch die feuchten Wiesen zu dem in idyllischer Einsamkeit liegenden Dorf. Die niedrigen Häuser stehen hinter Vorgärten an der erneuerten und mit jungen Bäumen gesäumten Dorfstraße. Der „Bunte Dörferweg“, eine touristische Fahrradroute, führt durch Gollwitz. Mitten im Dorf steht eine Tafel mit Text und Bildern zur Geschichte des Ortes. Früher hatte der Ort um die 150 Einwohner. Jetzt hält sich die Bevölkerung stabil bei etwa 70 Einwohnern. Die Dorfkirche liegt ein wenig zurückgesetzt, aber gut sichtbar, auf einer eingefriedeten, jetzt nur noch zu einem geringen Teil als Friedhof genutzten Wiese. Kirchenschiff, Chor und Apsis wurden im 13. Jahrhundert aus gespaltenen Feldsteinen gemauert. Etwa um 1700 wurde der Innenraum mit reich verziertem Kanzelaltar, Patronatsgestühl und Kommunionsgitter im barocken Stil ausgestattet. Auf dem mit handgestrichenen Biberschwanz-Ziegeln gedeckten Satteldach hockt über dem Westgiebel ein Uhr- und Glockenturm von 1878. Die Empore, die Orgel und die Ausmalung des Innenraumes stammen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. In den letzten Jahrzehnten wurde die Kirche vernachlässigt. Der hölzerne Turmaufsatz ist marode und instabil, so dass eigentlich nicht mehr geläutet werden dürfte. Der Mörtel des Sockelmauerwerks ist zerbröselt. Das Gefüge der Außenwände zeigt kräftige Risse. Die Biberdeckung der Hauptdächer weist zahlreiche notdürftige Flicken auf und ist insgesamt verschlissen. Die innere Ausstattung wurde wohl vor 100 Jahren zum letzten Mal renoviert. Die Orgel ist unspielbar. Noch findet aber in der Gollwitzer Dorfkirche mindestens einmal im Monat ein Gottesdienst statt. Doch jetzt tut sich mehr. Bestandszeichnungen, Schadensanalysen, ein restauratorisches Gutachten und die zur Instandsetzung des denkmalgeschützten Bauwerks erforderliche Genehmigungsplanung liegen vor. Bereits im Oktober der vorigen Jahres haben engagierte Gollwitzer in Eigeninitiative mit der Notsicherung der Dächer von Turm und Kirchenschiff begonnen, um weitere Schäden zu vermeiden; in naher Zukunft wollen sie das Turmdach ein weiteres Mal sichern. Um der Kirchengemeinde auch bei der langfristigen Instandsetzung der Dorfkirche zu helfen, aber auch um kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, hat sich nun im März 2014 der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche gegründet. Ein Faltblatt soll bald auf das Ziel der Initiative aufmerksam machen und Spenden einwerben. Der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche bewarb sich in diesem Jahr – nur wenige Wochen nach seiner Gründung – um das jährlich vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebene „Startkapital für Kirchen-Fördervereine“. Das Entscheidungsgremium konnte den sehr jungen Verein bei der Vergabe der fünf Preise in diesem Jahr nicht berücksichtigen. Ausdrücklich ermunterte die Jury den sympathischen Verein jedoch, sich im kommenden Jahr noch einmal zu bewerben und mit seiner wichtigen Tätigkeit zur Bewahrung des Gollwitzer Dorfmittelpunktes fortzufahren. Weitere Informationen: Förderverein Gollwitzer Dorfkirche e.V.; Werner Fräßdorf; Mühlenstraße 23; 14789 Wusterwitz; Tel.: 033839-423; Mail: fraessdorf@mbf-brb.de
Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 08. Januar 2015: Dorfkirche erwacht aus dem Dornröschenschlaf Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2015“ Märkische Allgemeine vom 09. März 2016: Rettung für die Gollwitzer Dorfkirche Märkische Allgemeine vom 26. Oktober 2016: Noch ist das Läuten in Gollwitz verboten Märkische Onlinezeitung vom 18. März 2017: Millionenschatz geborgen Märkische Allgemeine vom 09. September 2017: Münzen und MAZ für 100 Jahre verschlossen Märkische Allgemeine vom 21. September 2018: Neue Glocken für Gollwitzer Kirche gegossen Märkische Allgemeine vom 29. Oktober 2018: Glockenweihe: Einmal alle tausend Jahre
Dorfkirche des Monats , Mai 2014
Das Angerdorf Löhsten (Landkreis Elbe-Elster) liegt an der Bundesstraße 87 und ist, von Sachsen kommend, der erste Ort hinter der brandenburgischen Landesgrenze. Im Südosten des breiten, ovalen Angers steht die hübsche Fachwerkkirche, ihr gegenüber einer der ältesten Gasthöfe der Region, ein imposanter zweistöckiger Fachwerkbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts unter einem hohen Krüppelwalmdach. Erstmalig taucht das Dorf „Lesne“ 1251 in einer Urkunde auf; ausdrücklich erwähnt wird damals bereits eine Pfarrkirche im Ort, die den Heiligen Johannes und der Heiligen Barbara gewidmet war. Im Dreißigjährigen Krieg 1637 wird der Ort niedergebrannt. Auch die Kirche wird dabei ein Raub der Flammen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erfolgt auf Initiative des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. die Wiederbesiedlung der wüsten Feldmark. Eine damals entstandene, vermutlich provisorische, Fachwerkkirche wird 1777 durch den heutigen Kirchbau ersetzt. Die Löhstener Kirche besitzt auf der Westseite eine kleine Eingangshalle und ist von einem quadratischen, ins Oktogon übergehenden Dachturm mit barocker Haube und Laterne bekrönt. Der schlichte, durch die großen rechteckigen Fenster hell wirkende Innenraum unter einer Putzdecke ist mit seiner schlichten, bauzeitlichen Ausstattung gut erhalten. Die Ostseite wird von einer Kanzelaltarwand mit seitlichen Durchgängen gebildet, die im 20. Jahrhundert eine neue Farbfassung erhielt. Den dreiseitigen Kanzelkorb flankieren schmale Akanthuswangen, die den einzigen Schmuck bilden. Auch die pokalförmige Taufe und das Gestühl stammen aus der Bauzeit der Kirche. Über drei Seitenwände des Kirchenschiffes zieht sich eine Hufeisenempore, auf der im Westen die kleine Orgel platziert ist. Diese Orgel möchte der Förderverein Kirche Löhsten e.V., der sich seit einigen Jahren für die Sanierung des Kirchengebäudes und seine Erhaltung engagiert, instand setzen lassen. Die kleine Orgel mit mechanischen Schleifladen und acht Registern im Manual und Pedal gibt in Bezug auf seine Entstehung noch Rätsel auf: Bisher ging man davon aus, dass das Instrument 1816 vom Orgelbauer Fläming aus Torgau gebaut wurde. Andere Quellen verweisen auf eine Herstellung durch die Firma Kaufmann in Dresden. Auf Nachfrage will sich auch Orgelbauer Mike Zuber aus Mixdorf, der ein Restaurierungskonzept erarbeitet hat, derzeit nicht endgültig festlegen: „Vielleicht finden sich im Laufe der Sanierungsarbeiten Hinweise, die eine endgültige Zuordnung zulassen.“ Bereits im Ersten Weltkrieg mussten die Prospektpfeifen als „Kriegsopfer“ abgeliefert werden, die später durch minderwertige Pfeifen ersetzt wurden. Heute ist sie nur noch sehr eingeschränkt spielbar. Einige Register lassen sich überhaupt nicht mehr bedienen, in anderen begleiten „Heuler“ die musikalischen Darbietungen. Konzerte mussten bereits abgesagt werden, da sich Organisten weigerten, das Instrument zu spielen. Durch umfangreiche Bauarbeiten am Kirchengebäude sind die Rücklagen der Gemeinde und des Fördervereins nahezu aufgebraucht. Deshalb wirbt Vereinsvorsitzender Bernhard Richter nun um Spenden: „Für die Gottesdienste sowie für Konzerte oder kirchliche Feiern, wie Hochzeiten, Kindtaufen und Konfirmationen ist für uns die Orgel von unschätzbarem Wert.“ Weitere Informationen: Förderverein Kirche Löhsten e.V.; Bernhard Richter; An der Roten Lache 12; 04916 Herzberg / Elster; OT Löhsten; Tel.: 035363-265
Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 18. Juli 2015: Finanzminister bringt 10 000 Euro für die Löhstener Orgel mit
Dorfkirche des Monats , Februar 2014
„Zur Eröffnung des Klausdorfer Adventsmarktes wurden die Glocken geläutet und die Gäste folgten ihrem Ruf in die festlich geschmückte Kirche zur Weihnachtsandacht, die von Prädikant Andreas Bruns, den Kindern der Kita „Kinderland Pechüle“ und dem Gesangstalent Felix Fügner gestaltet wurde.“ Mit diesen Worten beginnt der anrührende Bericht von Kerstin Schäfer, Schriftführerin des Fördervereins zum Erhalt der Klausdorfer Kirche, über ein Ereignis, zu dem vor wenigen Wochen die Klausdorfer Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Erstmalig urkundlich erwähnt wird Klausdorf 1311. Im Jahr 1426 dann wird der recht kleine Ort – zur Ausstattung gehörten lediglich 20 Hufen – durch Markgraf Johann von Sachsen an das Kloster Zinna veräußert. Ausdrücklich verspricht der Markgraf in der erwähnten Urkunde den Einwohnern seinen Schutz. Jedoch nur wenige Jahre später, zwischen 1435 und 1452, ist der Ort bereits verlassen und die Mönche aus Zinna verpachten „die wüste mark und dorpstelle“ Klausdorf an die Bauern im benachbarten Pechüle, die die Feldmark über mehrere Jahrhunderte als Wiesen- und Weideland nutzen. Als 1748 die kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer auf der Klausdorfer Feldmark die Familien von neun Pfälzer reformierten Flüchtlingen anzusiedeln beabsichtigt, stößt dies zunächst auf erbitterten und renitenten Widerspruch der Pechüler, der erst durch ein amtliches Schreiben des preußischen Königs und ein Kommando von zwanzig Grenadieren aus Treuenbrietzen gebrochen werden konnte. Aus der so entstandenen Ansiedlung entwickelte sich das heutige Klausdorf. Auf eine Kirche mussten die Einwohner jedoch noch längere Zeit warten. Erst 1907 wurde der Grundstein für einen vom Treuenbrietzener Maurermeister Hannemann projektierten bescheidenen, massiven Saalbau in neobarocken Formen mit dreiseitigem Ostschluss und einem Dachturm in Fachwerkbauweise gelegt, der am 27. April 1908 feierlich eingeweiht wurde. Auch der Innenraum unter einer Holztonnendecke ist eher schlicht gehalten; lediglich ein Bild des Gekreuzigten schmückt den Altartisch. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt die Klausdorfer Kirche starke Beschädigungen und war in den folgenden Jahren dem weiteren Verfall preisgegeben. Ein bleiverglastes farbiges Fenster im Altarraum wurde zerstört, das mit Schnitzereien verzierte Taufbecken, der prunkvolle Kronleuchter und ein Harmonium verschwanden spurlos. Nach einer bauaufsichtlichen Sperrung im Jahre 1979 wurde bereits über einen Abbruch des Kirchengebäudes nachgedacht, doch die Klausdorfer waren sich einig, dass die Kirche im Dorf bleiben sollte. In den Jahren von 1984 bis 1986 wurde das Kirchengebäude mit finanzieller Hilfe und tatkräftiger Unterstützung auch aus den Nachbarorten Bardenitz und Pechüle umfangreich instandgesetzt. Zwei Jahrzehnte später jedoch wies das Gebäude erneut massive Schäden auf. Wieder ergriffen die Einwohner die Initiative und gründeten 2010 den Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche. Ein umfangreiches Nutzungskonzept wurde erstellt und Spenden gesammelt, Veranstaltungen organisiert und zahlreiche Kuchen gebacken. Von den lediglich 68 Einwohnern des Dorfes engagieren sich 19 im Förderverein, noch einmal so viele helfen bei der Vorbereitung und Durchführung von Theateraufführungen, Konzerten oder Basaren. Kerstin Schäfer stellt zufrieden fest: „Der Gemeinschaftssinn und das Miteinander werden gestärkt und der soziale Zusammenhalt gefestigt.“ Das Engagement der Klausdorfer brachte auch erste Erfolge: Im vergangenen Jahr 2013 konnte der gefährdete Fachwerkturm saniert werden. Sogar vom Ministerpräsidenten Matthias Platzeck erhielt der Verein dafür eine Spende. Für 2014 ist nun die Instandsetzung der Fassade des Kirchenschiffes geplant. Risse im Mauerwerk müssen geschlossen, die Fundamente trockengelegt und isoliert werden; zudem soll die Kirche eine Dachrinne erhalten. An der Finanzierung des diesjährigen Bauabschnittes wird sich auch der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 3.000 Euro beteiligen, nachdem er dem Förderverein bereits 2012 mit einem „Startkapital“ seine Anerkennung vermitteln konnte. Bis zum nächsten Adventsmarkt in der Klausdorfer Kirche sollen die umfangreichen Arbeiten ein glückliches Ende gefunden haben. Weitere Informationen: Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche e.V.; Lothar Schäfer; Klausdorfer Dorfstr. 22; 14929 Treuenbrietzen; Tel.: (03 37 48) 1 53 72; Mail: KuLSchaefer@t-online.de
Zum Weiterlesen: Mitteilungsblatt Mai 2014: Die Irrwege einer heimgekehrten Bibel Mitteilungsblatt September 2014: Gaukler, Tanz und Sabinchen in Wildwest Märkische Allgemeine vom 08. August 2017: Kirchensanierung: Arbeiten dauern bis 2018 Märkische Allgemeine vom 25. Mai 2018: Ein Hoch auf die Dorfgemeinschaft Süddeutsche Zeitung vom 24. August 2018: Raus, raus, alle raus
Dorfkirche des Monats , Juli 2013
Auf den ersten Blick ist es vielleicht etwas verwunderlich, die Schlosskirche in Buch – mittlerweile umgeben vom pulsierenden Leben einer Großstadt – als Dorfkirche des Monats vorgestellt zu bekommen. Bis zur Eingemeindung im Rahmen der Bildung Groß-Berlins im Jahre 1920 jedoch war Buch ein Gutsdorf im Landkreis Niederbarnim und die Schlosskirche erfüllte die Funktion einer ganz normalen Dorfkirche. Und so schilderte denn auch August Trinius in seinem Reiseführer „Die Umgebungen der Kaiserstadt Berlin“ das Dorf Buch wie folgt: „Trotz der verhältnismäßig nur geringen Entfernung von Berlin (zwei Meilen) verrät doch nichts hier die gefährliche Nähe einer Riesenstadt. Die vornehme Abgeschlossenheit eines Parkes mit seinem Schlosse, der Kirche und Erinnerungszeichen, sowie die schlichte Bewirtung, welche Buch den Wallfahrern bietet, beides hat dazu beigetragen, dieser märkischen Perle ihren vollen Glanz, ihre unberührte Jungfräulichkeit bis heute zu erhalten.“ Bereits etwa drei Jahrzehnte zuvor, im Juni 1860, weilte auch Theodor Fontane im Rahmen einer „Wochenend-Partie“ in Buch. Er empfindet „den Eintritt ins Dorf [als] malerisch“ und schildert den Ort als „reich an Landschaftsbildern aller Art, aber noch reicher an historischen Erinnerungen“. Ausführlich berichtet Fontane über die Adelsfamilien, die mit der Gemeinde Buch im Laufe der Geschichte verknüpft waren: von Röbel, von Pöllnitz, von Viereck, von VoßÖ Wohlwollend beschreibt Fontane den Park und das Schloss. Die Kirche jedoch, die der Publizist Friedrich Nicolai euphorisch als „schöne Kirche“ bezeichnete, findet vor seinen Augen keine Gnade. Dies sei „ein Ausspruch, der wohl nur in Zeiten möglich war, in denen man aufrichtig glaubte, durch Laternen- und Butterglockentürme die gotischen Formen unserer alten Feldsteinkirchen ersetzen oder gar noch verbessern zu können.“ Verzeihen wir dem Wanderer dies Fehlurteil; auch an anderer Stelle wird sichtbar, dass er der Formensprache des Barock nichts abgewinnen konnte. Nachdem ein vermutlich baufälliger Vorgängerbau aus Fachwerk abgebrochen worden war, ließ der damalige Besitzer von Buch, Adam Otto von Viereck, am 16. Juli 1731 den Grundstein für einen repräsentativen Neubau legen, für den der Berliner Baudirektor Friedrich Wilhelm Diterichs die Entwürfe geliefert hatte. Über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes entstand ein durch Säulen und Pilaster gegliederter Kuppelbau, dessen Hauptfassade einem griechischen Tempel nachempfunden erscheint. Bekrönt wurde der Bau durch einen mächtigen barocken Zentralturm. Wenn man bedenkt, dass Buch als Gutsdorf zur Bauzeit nur ganze fünf Bauernstellen und insgesamt 150 Einwohner zählte, ist man darüber erstaunt, welchen Aufwand der Patron dem Sakralbau angedeihen ließ. Erklärbar ist dies nur im Blick auf den durch Adam Otto von Viereck betriebenen Ausbau des alten Gutshauses zu einer dreiflügeligen Schlossanlage. Mit Park und Kirche entstand ein einheitliches Landschafts- und Architekturensemble. Von diesem Ensemble ist heute nicht mehr viel zu erkennen. Die „Riesenstadt“ hat das ehemals idyllische Dörfchen längst aufgesogen. Das Schloss wurde 1964 wegen angeblicher Baufälligkeit abgetragen, den Schlosspark umtost der Verkehr stark befahrener Hauptstraßen. Und der wunderschöne barocke Kirchturm stürzte am 18. November 1943 nach einem britischen Fliegerangriff brennend in das Kirchenschiff. Bereits in den frühen fünfziger Jahren war es der Kirchengemeinde, wenn auch unter größten Anstrengungen, möglich, die Kirche als Gottesdienstraum wieder herzustellen. Zum Glück waren Teile der Ausstattung wie Kanzelkorb und Altartisch bereits vor dem Luftangriff ausgelagert und das von dem Bildhauer Johann Georg Glume für Adam Otto von Viereck geschaffene Marmorepitaph vermauert worden. Weitere Instandsetzungsarbeiten folgten im Laufe der nächsten Jahrzehnte, so dass die Kirche heute einen intakten und gepflegten Eindruck macht. Noch immer jedoch fehlt der barocke Turmaufsatz, wodurch der Bau seltsam proportionslos wirkt und eher einem zu schmal geratenen Herrenhaus als einem Sakralbau gleicht. Um dem „denkmalgeschützten sakralen und historisch bedeutsamen Bauwerk mit dem Turm dessen sinngebende Bestimmung sowie architektonische Vollendung und Schönheit wiedergeben zu können“, gründeten Bucher Bürger im Jahr 2007 den „Förderverein zum denkmalgetreuen Wiederaufbau des Turmes der barocken Schlosskirche in Berlin-Buch e.V.“. Für den Verein – und natürlich auch für die aktive Kirchengemeinde – ist die Schlosskirche jedoch nicht nur ein schützenswertes Denkmal, sondern ein geistliches, kulturelles und soziales Zentrum inmitten der bis hierher vorgedrungenen Großstadt. Und so soll denn auch der geplante Wiederaufbau des Kirchturms nicht nur der Korrektur der Stadtsilhouette dienen, sondern ein weithin sichtbares Zeugnis für lebendiges kirchliches Leben im Nordosten Berlins bilden. Nach Abschluss der bauvorbereitenden Maßnahmen wurde der Bauantrag für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Turmes der barocken Schlosskirche in Buch am 28. Mai 2013 der zuständigen Bauaufsichtsbehörde Berlin-Pankow übergeben. Die dafür notwendigen bauvorbereitenden Maßnahmen – Baugrunduntersuchungen, Angrabung des Fundaments, bauphysikalische und bauchemische Untersuchungen, Aufmaß, Baumodell und Kostenermittlung – konnten vom Förderverein finanziert werden, der bisher mehr als 100.000 Euro an Spenden sammeln konnte. Die Gesamtkosten werden 2,48 Millionen Euro betragen, für die nun öffentliche und institutionelle Förderungen und weitere Spenden eingeworben werden sollen. Weitere Informationen: www.schlosskirche-berlin-buch.de
Dorfkirche des Monats , Mai 2013
Der heutige Besucher findet auf dem Friedhof des uckermärkischen Dorfes Flieth lediglich eine ñ wenn auch malerische ñ Kirchenruine. Die Mauer des Kirchenschiffes aus ehemals verputzten Feldsteinen ist einschließlich des Chores bis in Traufhöhe erhalten. Die Spitze des querrechteckigen Turmschaftes, auf deren einen Ecke ein Storchennest thront, erscheint wie mit einem Messer abgeschnitten. Dass der filigrane Triumphbogen noch immer das Kirchenschiff überspannt, grenzt an ein Wunder. Aus Mangel an schriftlichen Überlieferungen lässt es sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber vermutlich war diese Kirchenruine einmal das Gotteshaus eines nur kurze Zeit bei dem Dorf Flieth existierenden Nonnenklosters. Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1269 ñ der einzig erhaltenen ñ stattete der Ritter Heinrich von Stegelitz ein von ihm gegründetes Benediktinerinnenkloster mit Besitz unter anderem in Marienvlete, dem heutigen Flieth, aus. Leider jedoch hatte der stolze Ritter, der hier sicher eine Grablege für seine Familie schaffen wollte, die Rechnung ohne den brandenburgischen Markgrafen gemacht. Klostergründungen waren zu dieser Zeit ausschließlich dem Landesherren vorbehalten und so wurde der laut Urkunde bereits vorhandene Konvent wieder aufgelöst. Die Nonnen siedelten vermutlich in die Zisterzienserklöser Boitzenburg und Seehausen um. Nur eine kurze Episode also. Ob bereits mit dem Bau der eigentlichen Klosteranlage begonnen worden war, lässt sich nirgend nachweisen. Und auch die Vermutung, die Fliether Kirche wäre mit der ehemaligen Klosterkirche identisch, stützt sich lediglich auf den damals verwendeten Ortsnamen Marienvlete. Allerdings ist der Grundriss des Fliether Kirchengebäudes mit seinen Maßen von 36 mal 12 Metern schon recht stattlich und von der Größe her der ebenfalls zerstörten Klosterkirche in Boitzenburg vergleichbar. Nach schweren Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die noch immer unter dem Patronat der Familie von Stegelitz stehende Fliether Dorfkirche wieder aufgebaut und erhielt 1714 einen barocken Turm. Durch die Kriegswirren nicht betroffen war wohl der Innenraum, denn es hatte sich ein bemerkenswerter Renaissance-Altaraufsatz aus dem Jahr 1601 erhalten, der einer Werkstatt in Lübeck zugeschrieben wurde. Der Prenzlauer Pfarrer und Heimatforscher Rudolf Ohle schrieb 1913 über die Fliether Kirche, sie gehöre zu den wenigen, „in denen uns sofort ein behagliches Fluidum umfängt“. Den erwähnten Altaraufsatz bezeichnete er als „das verkörperte Hohelied auf die Schönheit der Farbe und Form“. Ende April 1945 wurde die Fliether Kirche nach einem russischen Fliegerangriff beschädigt und brannte aus. Dabei ging auch die gesamte Ausstattung verloren. Im Jahr 2001 fanden Sicherungsmaßnahmen statt, die sich jedoch auf das nötigste beschränkten. Bald danach hatte sich der Zustand der Kirchenruine jedoch dramatisch verschlechtert. Wiederholt fielen Ziegel aus der Mauerkrone, was wegen des den Bau umgebenden Friedhofes zur Gefahr für Leib und Leben der Besucher wurde. Im vergangenen Jahr 2012 war es, auch Dank der Unterstützung durch den Förderkreis Alte Kirchen, möglich, die Mauerkrone durch eine Zinkblechabdeckung zu sichern. Für das laufende Jahr sind nun umfassende Sicherungsmaßnahmen am Turmstumpf vorgesehen. Wie bereits in der Vergangenheit sollen in der Kirchenruine Flieth auch weiterhin Gottesdienste und Konzerte unter freiem Himmel stattfinden. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Gerswalde; Ziegenwinkel 18; 17291 Gerswalde; Tel.: (03 98 87) 2 27
Dorfkirche des Monats , Januar 2013
Vor wenigen Wochen startete der Förderkreis Alte Kirchen ñ gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ñ unter dem Titel „Vergessene Kunstwerke“ eine Spendenaktion für den Renaissance-Altar in der Dorfkirche Laubst. Doch nicht nur das wunderschöne Retabel aus dem Jahr 1608 muss gesichert werden, auch das Kirchengebäude selbst benötigt dringend Hilfe. Die Kirche in dem 1350 erstmals erwähnten Dorf Laubst (sorbisch: Lubosc) entstand im späten 15. Jahrhundert als rechteckiger Feldsteinbau. Erst im 19. Jahrhundert entstanden der neubarocke Westturm und die seitlichen Anbauten. Der Innenraum wird dominiert von dem bereits erwähnten Altaraufsatz, der zu den schönsten manieristischen Ausstattungsstücken in brandenburgischen Kirchen gehört, jedoch dringend substanzerhaltender Maßnahmen bedarf. Ein barocker Taufengel kam 1752 in den Kirchenraum; er konnte bereits 2007 restauriert werden. Ein prächtiger Totenschild in der südlichen Ecke des Chorraums erinnert an den damaligen Patron Adolf von Nostitz, gestorben 1700. Zu DDR-Zeiten wurde das Dorf Laubst zum „Bergbauschutzgebiet“ erklärt, was zunächst recht harmlos klingt. In der Realität jedoch bedeutete dies, dass der Ort dem Braunkohlentagebau weichen sollte und zur Abbaggerung vorgesehen war. Bauliche Instandsetzungsmaßnahmen an der Kirche durften nicht mehr durchgeführt werden. Nachdem feststand, dass Laubst von der drohenden Devastierung verschont bleiben würde, konnte das Kirchendach saniert werden. Schon damals gab es Überlegungen, auch den maroden Turm instand zu setzen, was jedoch die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde weit überschritt. Vor einem Jahr wurde nun festgestellt, dass der Kirchturm stark einsturzgefährdet ist. Im April 2012 wurden in einer aufwändigen Aktion erst die Laterne mit Wetterfahne und Kreuz und dann die geschweifte Haube mit einem Spezialkran abgenommen und auf dem Friedhof neben dem Kirchengebäude abgesetzt. Der größte Wunsch der Laubster ist es, den Kirchturm so schnell wie möglich zu sanieren und die gewohnte Dorfsilhouette wiederherzustellen. Um jedoch Anträge für Fördermittel stellen zu können, sind umfangreiche Voruntersuchungen durch Architekten, Holzschutzsachverständige und Statiker nötig. Schon für die Erstellung dieser Gutachten ist die Kirchengemeinde Leuthen-Schorbus, zu der Laubst gehört, auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Weitere Informationen: Pfarrer Robert Marnitz; Alte Poststraße 7; 03050 Cottbus; Tel.: (03 55) 52 28 28; Mail: pfarrer-marnitz@martinskirche-cottbus.de
Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 05. Dezember 2012: Rettungsaktion für ein Laubster Kleinod läuft an Lausitzer Rundschau vom 18. Dezember 2012: Ein Glücksfall für die Denkmalpflege Uckermarkkurier vom 18. Dezember 2012: „Der Altar ist ein Glücksfall für die Denkmalpflege“ Lausitzer Rundschau vom 10. Mai 2013: Spenden fließen zur Rettung des Laubster Altars Lausitzer Rundschau vom 29. September 2015: Künstler musizieren für Laubster Kirchturm LR ONLINE vom 24. Oktober 2017: Laubster Kirche unter der Haube LR ONLINE vom 23. August 2018: Laubster Gotteshauswird zur ÑKirche Plusì LR ONLINE vom 19. Oktober 2018: Mehr Leben in Laubst dank Projekt ÑKirche Plusì
Dorfkirche des Monats , Oktober 2012
Das 1342 erstmalig erwähnte Dorf Schäpe liegt am Rande der Zauche zwischen den Städten Beelitz und Brück. 2001 wurde der Ort nach Beelitz eingemeindet, das durch seinen Spargelanbau weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt ist. Und so hat auch Schäpe ñ neben einem neu errichteten Pferdehof und zwei Pensionen ñ seit einigen Jahren einen Spargelhof, der im Frühjahr zahlreiche Besucher aus der Umgebung und aus Berlin in das Dorf zieht. Mittelpunkt des Ortes jedoch ist die Schinkel-Kirche. Ein erst 1770 erbautes sechseckiges Kirchengebäude aus Fachwerk war im Jahr 1824 einem Brand zum Opfer gefallen. Die Pläne für den Neubau lieferte der Geheime Oberbaurat und spätere Leiter der preußischen Oberbaudeputation Karl Friedrich Schinkel. Es entstand ein klassizistischer verputzter Saalbau mit großen Rundbogenfenstern, der 1827 geweiht wurde und vorerst turmlos blieb. „Ein Thurm sei nicht nötig, da das Dorf nur klein ist, und ganz entfernt von der Treuenbrietzener Chaussee liegt.“ schrieb Schinkel in einer Erläuterung zu seinen Entwürfen. So wurde vorerst ein einfacher, frei stehender Glockenschauer neben der Kirche gebaut, in dem zwei Glocken ihren Platz fanden. 1861 erhielt die Schäper Kirche dann doch noch einen massiven Turm, der zudem auch auf einen früheren Entwurf Schinkels zurückgeht. Ebenso wie in dem nahe Werder gelegenen Dorf Petzow wurde dem Kirchenschiff ein durch eine offene Bogenhalle angebundener quadratischer Kirchturm hinzugefügt. Der Innenraum der Kirche mit seiner schlichten bauzeitlichen Ausstattung ist durch den Einbau quadratischer Holzpfeiler dreischiffig gestaltet. Bereits seit etlichen Jahren waren erhebliche Bauschäden an dem Kirchengebäude sichtbar; eine umfassende Instandsetzung wurde lange geplant, Anträge gestellt, abgelehnt und neu gestellt. Schließlich war das Dach des Turmes so marode, dass das Gelände rund um die Kirche gesperrt werden musste, damit Besucher des Kirchhofes nicht von herab segelnden Schieferplatten verletzt werden konnten. Eine bauaufsichtliche Schließung des Kirchengebäudes schien unabwendbar, als im vergangenen Jahr schließlich doch genügend Mittel vorhanden waren, um den Kirchturm zu sanieren. Die arg geschädigte Holzkonstruktion des Turmhelms wurde erneuert und das Dach neu mit Schiefer eingedeckt. Auf den 32 Meter hohen Kirchturm wurde am 14. September eine 2,50 Meter hohe vergoldete Bekrönung aus Kreuz, Kugel und Turmhelm aufgesetzt, nachdem zuvor Dokumente und Münzen in einer wasserfesten Schatulle eingefügt wurden. An der Finanzierung der Arbeiten beteiligten sich die Landeskirche, der Kirchenkreis, die Kirchengemeinde, die Stadt Beelitz, der Förderkreis Alte Kirchen und der Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V. Der im Dezember 2010 gegründete Förderverein in dem 150-Einwohner-Dorf zählt inzwischen etwa 50 Mitglieder. Er kümmert sich nicht nur um die Sanierung des Gotteshauses, sondern organisiert auch Konzerte und andere Kulturveranstaltungen. Im Frühjahr dieses Jahres weihten Vereinsmitglieder einen historischen Rundweg durch das Dorf ein; auf acht Infotafeln werden den Besuchern die wichtigsten historischen Gebäude des Ortes vorgestellt. Ein Schild an der Dorfkirche von Schäpe informiert nicht nur über die Geschichte des Gebäudes, sondern auch über den Stand der Restaurierung und die weiteren Bauvorhaben. Die Instandsetzung des Kirchturms war nur ein erster Schritt auf dem Wege zur geplanten Gesamtsanierung. In vier weiteren Bauabschnitten sollen nacheinander das Dach des Kirchenschiffes, die Fassaden von Turm und Schiff sowie der historische Innenraum erneuert werden. Durch einen kuriosen Fund entstand zusätzlich der Wunsch nach einer weiteren, vergleichsweise kleinen, Bauaufgabe: Als bei einer Aufräumaktion auf dem Kirchhof zwei ungepflegte Blumenkübel vor dem Kirchenportal entfernt werden sollten, stellten die erstaunten Helfer fest, dass es sich hierbei um die zwei verschollen geglaubten Glocken aus der Schinkel-Zeit handelte. Für sie soll im kommenden Jahr der ursprüngliche, frei stehende Glockenturm, dessen Pläne noch vorhanden sind, wieder entstehen. Weitere Informationen: Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V.; Hartwig Remy; Schäpe 1 B; 14547 Beelitz / OT Schäpe; Tel.: (03 32 04) ñ 3 42 18
Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 16. Februar 2013: Fördergelder für Schäper Kirche passé Kirche des Monats März 2013 der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland Märkische Allgemeine vom 18. März 2013: Kur für märkische Kirchen Märkische Allgemeine vom 25. April 2013: Glocken von Schäpe wieder schön Potsdamer Neueste Nachrichten vom 21. August 2013: Neues Dach für Schäper Schinkel-Kirche Mitteilungsblatt vom Dezember 2013: Ein neues Dach für die Schinkelkirche Potsdamer Neueste Nachrichten vom 09. Dezember 2013: Vergessene Glocken ausgegraben Mitteilungsblatt September 2015: Schäpe setzt auf Gemeinsamkeit Märkische Allgemeine vom 06. März 2016: Ein Mini-Museum für die Rettung der Kirche Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2016: Kirche bekommt zu Weihnachten neues Kleid Märkische Allgemeine vom 03. April 2017: Sanierung der Dorfkirche in der Zielgeraden
Dorfkirche des Monats , August 2012
Vor mehr als zwei Jahren wurde der barocke Turmaufsatz der Kirche in Dauer mit hölzerner Laterne und Helm abgenommen. Seitdem stand die Haube neben der Kirche und wurde ñ ebenso wie der hölzerne Turmschaft ñ sorgfältig instandgesetzt. Als am Donnerstag dem 19. Juli ein mächtiger Kran die 8,5 Tonnen schwere Haube wieder auf den Turm bringen wollte, gab es unerwartete Schwierigkeiten: Ein mächtiges Unwetter mit Sturmböen, Blitz und Donner, Regenschauern und Hagelkörnern zog über den nördlich von Prenzlau an der B 109 gelegenen Ort hinweg. Die meisten der zahlreichen Zuschauer harrten aus und wurden für ihre Geduld belohnt. Mit nur zweistündiger Verspätung wurde die Haube auf dem Turmschaft abgesetzt und befestigt. Die Dorfkirche in Dauer entstand, wie die meisten uckermärkischen Kirchenbauten der Kolonisationszeit, im 13. Jahrhundert. Sie ist ein einfacher Rechtecksaal mit schiffbreitem Westturm aus sorgfältig behauenen Feldsteinquadern. Umfangreiche Reparaturarbeiten des 18. Jahrhunderts an der Westwand des Gebäudes erfolgten nach einem durch Blitzschlag verursachten Brand im Jahre 1779. Im Zuge dieser Instandsetzung erhielt die Kirche 1738 auch den backsteinernen Turmaufsatz; die bei dem Brand zerstörte hölzerne Laterne und der Turmhelm entstanden laut Inschrift in der Bekrönung 1785 neu. Unter einer flachen Holzdecke weist der Innenraum eine schöne barocke Ausstattung auf, die um 1700 entstand. Der qualitätsvolle Altaraufsatz mit korinthischen Säulen und reicher Akanthusornamentik zeigt in der Mittelachse geschnitzte Reliefdarstellungen des Abendmahls, der Auferstehung und der Himmelfahrt. Flankiert werden diese Abbildungen durch die Evangelisten, von denen zwei gleichsam aus der seitlichen Ornamentik herauswachsen und zwei die Himmelfahrtdarstellung im Giebelfeld links und rechts einrahmen. Wappenschilde und Puttenköpfchen vervollständigen das Retabel. Ebenso wie der Altaraufsatz wurde auch der in der Mitte des Raumes schwebende Taufengel von dem Stettiner Bildschnitzer Rosenberg geschaffen. In der rechten Hand hält er eine tiefe Muschelschale, während die linke ursprünglich vermutlich ein Spruchband oder einen Palmzweig trug. Reparaturen des 20. Jahrhunderts, die auch eine farbliche Neufassung mit sich brachten, haben dem Engel nicht unbedingt gut getan, so dass eine erneute Konservierung und Restaurierung angeraten wäre. Auch die hölzerne Kanzel sowie das Pastoren-, Patronats- und Gemeindegestühl entstand in der Zeit um 1700. Die einmanualige Orgel des Stettiner Instrumentenbauers Barnim Grüneberg entstand 1872. Erstaunlicherweise ist die originale Substanz einschließlich der wertvollen Prospektpfeifen vollständig erhalten. Sowohl im Gottesdienst als auch für Konzerte wird die Orgel von der Gemeinde genutzt. Ältestes Ausstattungsstück ist eine um 1300 entstandene Bronzeglocke, die vermutlich im 18. Jahrhundert aus der Kirche im benachbarten Göritz nach Dauer kam. Um dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten an dem Kirchengebäude in Gang zu bringen, gründete sich vor einigen Jahren der Förderverein Dorfkirche Dauer. Den derzeit laufenden ersten Bauabschnitt kann der Verein dabei als ersten Erfolg verbuchen. Bis zum September soll die komplette Sanierung des Kirchturms abgeschlossen sein. Ein Brand, bei dem ein großer Teil der historischen Hölzer des Turmschaftes vernichtet wurden, hatte die Reparaturarbeiten dabei um fast ein Jahr verzögert. Mit dem Abschluss der laufenden Sanierung wird auch eine Turmuhr wieder nach allen vier Himmelsrichtungen die Zeit im Dorf anzeigen. Im Zuge der laufenden Arbeiten war ein hölzernes Zifferblatt gefunden worden, das aus der Zeit des barocken Turmneubaus von 1738 stammt und von späteren Generationen irgendwann als Treppenpodest im Turm verbaut worden war. In Anlehnung an diesen Fund entstand die Turmuhr neu. Die dafür nötige Summe von 8.000 Euro konnte durch den Förderverein bei Sammlungen im Dorf bereits aufgebracht werden. Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Dauer e.V.; Jens Putz; Prenzlauer Str. 25; 17291 Prenzlau / OT Dauer; Tel.: (03 98 51) 63 80 60; E-Mail: info@holzschutz-putz.de
Zum Weiterlesen: Nordkurier vom 06. Oktober 2012: Die Kirche im Dorf gelassen Nordkurier vom 12. Oktober 2012: Turm der Ñlackierten Eisdieleì fertig
Dorfkirche des Monats , Mai 2012
Erstmals wird „Brugghe“ 1325 in einer Urkunde der Grafen von Lindow erwähnt, die das Dorf dem Herzog von Mecklenburg verpfändeten. Ab 1364 war der zur markgräflich-brandenburgischen Terra Pritzwalk gehörige Ort Brügge dann für über 500 Jahre im Besitz der Familie von Rohr. Die Namensgleichheit des Ortes mit der im heutigen Belgien gelegenen bedeutenden Handelsstadt ist vermutlich nicht zufällig: Ebenso wie im Falle des im Fläming gelegenen Städtchens Brück werden es hier wohl flämische Siedler gewesen sein, die im Zuge der mittelalterlichen Ostsiedlung des 12. und 13. Jahrhunderts den Ort gründeten. Heute zählt das zwischen Pritzwalk und Meyenburg gelegene Rundlingsdorf etwa 150 Einwohner. Eine Kirche ist in Brügge seit 1697 schriftlich nachgewiesen. Wegen Bauschäden sind bereits für das Jahr 1810 Reparaturen nachgewiesen, was den Verfall des Gebäudes jedoch nur kurzfristig aufhalten konnte. Otto August Alexander von Rohr als Patronatsherr ließ 1862 mehrere Entwürfe für einen Kirchenneubau in Auftrag geben und entschied sich schließlich für die Planungen des noch relativ unbekannten Architekten Reinhold Persius, Sohn des bekannten „Baumeisters des Königs“ Ludwig Persius. Eine Rolle bei der Auftragsvergabe könnte auch gespielt haben, dass ein Bruder des Architekten ñ Friedrich Ludwig Paul Persius ñ zur damaligen Zeit Landrat in Kyritz war. Das dortige Landratsamt durfte Reinhold Persius in den Jahren 1865/66 errichten. Die 1864 fertiggestellte Brügger Kirche ist ein qualitätsvoller, trutzig wirkender neugotischer Feldsteinbau mit polygonaler Apsis und einem imposanten achteckigen Turmaufsatz aus Backstein mit hoher Spitze. Im Innenraum blieben unter dem hölzernen Hängewerk des offenen Dachraums Reste der bauzeitlichen Ausstattung erhalten. Kanzel und Taufstein wurden von dem Potsdamer Bildhauer und Stuckateur Friedrich Wilhelm Koch aus dem damals noch recht neuen Baustoff Portlandzement geschaffen. Die Orgel, von der leider nur noch Reste vorhanden sind, schuf der aus Klosterhäseler bei Naumburg stammende Orgelbauer Johann Friedrich Wilhelm Heerwagen, dessen größtes Instrument noch heute in der Nauener Jacobikirche zu bewundern ist. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Dorfkirche Brügge immer weniger genutzt, was sicher auch mit der Tatsache zu tun hat, dass sich die örtlichen Großbauern nach ihrer Enteignung im Rahmen der Bodenreform in den Westen absetzten, wodurch die Sozialstruktur des Dorfes irreparabel beschädigt wurde. Die Kirche verfiel zusehends, sogar über einen Abbruch wurde nachgedacht. 1997 konnte zwar der Turm der Kirche saniert werden, das Kirchenschiff und der Innenraum jedoch verfielen weiterhin, so dass ein völliger Verlust des denkmalgeschützten Gebäudes nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. Erst ein von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz initiiertes studentisches Projekt der Europa Universität Viadrina brachte ab 2006 wieder Bewegung in die Bemühungen um den Erhalt des Kirchengebäudes. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich finanziell an der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes und an ersten Sicherungsarbeiten im Bereich des Daches. Auch im Dorf selbst erwachte das Interesse an dem Mittelpunkt des Dorfes: Immer mehr Einwohner beteiligten sich an Aufräum- und Reinigungsarbeiten. Erste Veranstaltungen wurden durchgeführt; 2007 konnte nach Jahrzehnten erstmals wieder eine Andacht in der Kirche gefeiert werden. Großes Interesse fanden in den letzten beiden Jahren die jeweils im November angebotenen Hubertusmessen. Nach langer Zeit formierte sich, gemeinsam mit dem Nachbarort Halenbeck, wieder ein eigener Gemeindekirchenrat. Mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung konnten die Kirchenfenster erneuert werden. Ende März dieses Jahres wurde mit 21 Gründungsmitgliedern der Förderverein Persius-Kirche Brügge ins Leben gerufen. Der Verein möchte die positiven Impulse der letzten Jahre aufnehmen und sich für die Sanierung und Erhaltung der Kirche einsetzen, aber auch für deren angemessene Nutzung. Ein in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Pritzwalk erarbeitetes Nutzungskonzept bietet dafür erste spannende Ideen. Im Jahr 2016 wird die Brügger Kirche ihr 150. Jubiläum feiern. Ehrgeiziges Ziel des Vereins ist es, bis dahin das Gebäude komplett instand zu setzen. Weitere Informationen: Förderverein Persius-Kirche Brügge; Vors.: Georg Zander; Am Bahnhof 3; 16945 Halenbeck-Rohlsdorf / GT Brügge; Tel.: (03 39 86) 5 03 90; E-Mail: georg.zander@zander-brennstoffe.de.
Zum Weiterlesen: Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2012“ KiBa-Kirche des Monats Mai 2014 Preisträger 2015 des Brandenburgischen Denkmalpflegepreises Märkische Allgemeine vom 16. Mai 2011: Brügge macht mobil Märkische Allgemeine vom 21. April 2012: Förderverein Persiuskirche Brügge wurde gegründet Märkische Allgemeine vom 28. August 2012: „Die Kirche muss im Dorf bleiben“ Märkische Allgemeine vom 14. November 2012: Zwei Ehrenmitglieder ernannt Märkische Allgemeine vom 10. September 2013: Dachsanierung gesichert Märkische Allgemeine vom 14. Mai 2014: Innen und außen ein Stahlgerüst Märkische Allgemeine vom 18. Mai 2016: Brügge: Kirchengebäude feiert Jubiläum Märkische Allgemeine vom 01. Juni 2016: Brügger feiern 150 Jahre Persiuskirche Märkische Allgemeine vom 11. September 2016: Landesdenkmaltag in der Persiuskirche eröffnet Märkische Allgemeine vom 14. April 2017: Kirche mit Küche und Bad Märkische Allgemeine vom 10. September 2018: Persiuskirche in Brügge saniert
Dorfkirche des Monats , Januar 2012
Inmitten einer ausgedehnten Wiesen- und Teichlandschaft liegt, in der Nachbarschaft des ehemaligen Zisterzienserklosters Dobrilugk (heute Doberlug-Kirchhain), das Dorf Lindena. Am 3. Mai 1228 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Ortes. Bereits um 1200 jedoch wurde in dem Dorf, das sich im Besitz des Dobrilugker Klosters befand, mit dem Bau einer Kirche begonnen. Aus dieser Zeit blieb der untere Teil des Turmes erhalten, der aus dem in der Region häufig verwendeten Raseneisenstein besteht. Nach einer zu vermutenden Änderung der Bauplanungen nur wenige Jahrzehnte später entstand die heutige Kirche: eine kleine, äußerst anspruchsvolle, schön gestaffelte Basilika aus Backsteinen im Klosterformat mit eingezogenem Chor und halbrunder Apsis, die als „Schulbau“ des Klosters Dobrilugk gilt. In der Apsis und im nördlichen Obergaden blieben die spätromanischen Fensteröffnungen der Bauzeit erhalten. Das Portal am südlichen Seitenschiff und die Priesterpforte auf der südlichen Chorseite besitzen sogar noch ihre mittelalterlichen Türblätter.
Mit einem Stifterbild des Ritters „Volmarus von Lienwerde“, im nördlichen Apsisfenster, einer großen Sandsteintaufe und einer Einbaumtruhe aus der Zeit um 1220 blieben Ausstattungsstücke erhalten, die ñ wie auch Teile der ornamentalen Wandmalereien ñ aus der Entstehungszeit des Kirchengebäudes stammen. Der hölzerne Altaraufsatz mit zahleichen qualitätsvollen Schnitzfiguren und wunderschönen Tafelbildern auf den Außenseiten der Altarflügel entstand zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Im Mittelfeld steht Maria zwischen Johannes dem Täufer und Johannes dem Apostel. Neben weiteren Heiligenfiguren sind in den Seitenflügeln ñ selten für diese Region ñ elf der vierzehn Nothelfer zu sehen. Ein zeitgleich mit dem Retabel entstandenes Triumphkruzifix, eine Renaissance-Kanzel sowie die restaurierte, 1874 von dem Frankfurter Instrumentenbauer Wilhelm Sauer geschaffene, zweimanualige Orgel komplettieren das Inventar und machen in ihrer Gesamtheit den Raum zu einem der ansprechendsten der Umgebung. Leider ist diese Schönheit zum Teil bedroht. Das größte Problem ist Feuchtigkeit, die an zahlreichen Stellen dem Gebäude zu schaffen macht. Dachkonstruktion und Gewölbe sind gefährdet und harren einer Sanierung. Vor allem jedoch hat die aufsteigende Nässe den Turmsockel angegriffen, dessen Baumaterial ñ der bereits erwähnte Raseneisenstein ñ besonders intensiv auf Umwelteinflüsse reagiert. Im Rahmen eines Modellprojektes des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege wurden bereits vor etwa zehn Jahren verschiedene Möglichkeiten zur Stabilisierung des Steinmaterials getestet. Das Mauerwerk zeigt zum Teil klaffende Risse, vor allem am Turm und über den Fensterstürzen. Im Turm sollten die früher vorhandenen Geschossdecken wieder eingezogen werden, um die Stabilität zu erhöhen. Maueröffnungen sollten durch Fenster oder Schallluken geschlossen werden, um das Eindringen von Vögeln zu verhindern. Im Innenraum sind große Teile des Inventars durch Holzschädlinge angegriffen. Vor allem der Altar wartet dringend auf eine Restaurierung. An den aus mindestens drei mittelalterlichen Gestaltungsphasen stammenden Wandmalereien wurden in den vergangenen Jahren erste Untersuchungen, Freilegungen und Proberestaurierungen durchgeführt; ein umfassendes Konzept für die Innenfassung des Raumes steht jedoch noch aus. Für die notwendigen Arbeiten an der Lindenaer Kirche ist viel Geld nötig. Da der Ort sich an der neu installierten „Kirchenstraße Elbe-Elster“ beteiligt, hofft man auf Mittel aus Fördertöpfen der Europäischen Union. Zumindest für die Rettung des Altarretabels hat eine Aktionsgruppe um Pfarrer Fred Pohle in den letzten Jahren bereits Benefizkonzerte veranstaltet und Spenden gesammelt. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Lugau; Pfarrer Fred Pohle; Tel.: (03 53 22) 26 61; E-Mail: kirche.pohle.lugau@t-online.de

Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 21. Juni 2012: ILE-Fördermittel für sanierungsbedürftige Lindenaer Kirche Lausitzer Rundschau vom 01. August 2013: Verborgene Schätze sichern Lausitzer Rundschau vom 29. April 2014: Langer Atem hat sich ausgezahlt Lausitzer Rundschau vom 02. März 2016: Der Schnitzaltar der Lindenaer Kirche ist in Berlin zur Kur
Dorfkirche des Monats , Oktober 2011

Am Samstag, dem 17. September 2011 fand in der Gruhnoer Kirche im Rahmen unserer gemeinsam mit dem Landesmusikschulverband initiierten Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen" ein Benefizkonzert der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" statt. In einem Presseartikel wird Eckhard Heinrich, der Vorsitzende des Fördervereins Gruhno e.V., angesichts des großen Andrangs der Besucher mit den Worten zitiert: "Ist das nicht ein herrliches Gewusel!"

Bei dem Benefizkonzert kam eine Kollekte für die Erhaltung des Kirchengebäudes in Höhe von 370 Euro zusammen. Eine Woche später erhielt der Verein noch einmal 2.500 Euro überreicht, da er zu den fünf diesjährigen Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen Preises "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" gehörte.

Das Dorf Gruhno mit etwa 140 Einwohnern liegt abseits der Hauptstraßen südlich von Doberlug. Man muss es suchen. Die Kirche ist ein rechteckiger Bau des späten 13. Jahrhunderts aus Raseneinsenstein, wohl unter dem Patronat des Klosters Dobrilugk entstanden. 1885 wurde ein Backsteinturm hinzugefügt. Der Innenraum, der sich über einen spitzen Triumphbogen zum Chorraum öffnet, ist schlicht und stimmig. Ältestes Ausstattungsstück ist ein spätromanischer Taufstein, der aus einem großen sandsteinernen Kelchblockkapitell gefertigt ist, das vermutlich von abgebrochenen Gebäuden des Klosters Doberlug stammt. In einem barocken Altaraufsatz blieben Skulpturen eines spätgotischen Retabels von 1470/80 erhalten. Neben einer schön geschnitzten Maria mit Kind stehen der Evangelist Johannes und die Figur eines Bischofs. Die Renaissancekanzel an der Südwand des Kirchenschiffes ist direkt mit einem evangelischen Beichtstuhl verbunden.

Die Orgel des Instrumentenbauers Johann Christoph Schröther aus Sonnewalde erklang zum ersten Mal zum Pfingstfest 1833. Sie ist zwar spielbar, bedarf jedoch dringend einer Restaurierung. Die Mechanik ist verschlissen, der Blasebalg muss erneuert und einige Pfeifen erneuert werden. Um Geld für die Instandsetzung der Orgel zu sammeln, gründete sich 2010 der Förderverein. Ein Ortstermin mit Vertretern der Denkmalpflege führte jedoch dazu, dass die Prioritäten schnell neu gesetzt werden mussten. Einige Dachbalken des Westgiebels sind im Anschluss zum Turm durch Schädlingsbefall stark geschädigt und bedürfen dringend einer Sanierung. Für den jungen Verein stellte das eine Herausforderung dar, die er jedoch angenommen hat.

Inzwischen ist der Förderverein Gruhno e.V. ein wichtiger soziokultureller Faktor im Dorf. Im Sommer richtete er das Dorffest zum 780-jährigen Bestehen des Dorfes aus. Im August 2010 wurde bei der ersten Kirchennacht eine Ortschronik "Gruhno ñ Ortsgeschichte und Geschichten in Wort und Bild" von Sibylle Schrey und Bernhard Wagner vorgestellt. Dieser Chronik ist unter anderem zu entnehmen, dass Gruhno bereits seit 1231 gemeinsam mit Friedersdorf und Rückersdorf einen Pfarrsprengel bildete. In diesem Sprengel wiederum wurde von Martin Luther selbst im Jahre 1540 Florian Albhorn als Pfarrer eingesetzt. Florian Albhorn hatte Luther bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg "als Famulus aufgewartet".

Gruhno beteiligt sich auch an der "Kirchenstraße Elbe-Elster", mit deren Hilfe die Gotteshäuser der Region touristisch erschlossen werden sollen. Konzerte und andere Veranstaltungen werden organisiert. Zudem will man sich für den Erhalt eines weiteren Denkmals im Ort einsetzen. In einem derzeit ungenutzten Fachwerkhaus, das im Ensemble mit der Kirche das Dorfbild wesentlich mit prägt, soll ein Dorfmuseum, auf dem dazugehörigen Grundstück ein Kulturhof entstehen.

Der Förderkreis Alte Kirchen gratuliert zum Erhalt des "Startkapitals", wünscht für die weitere Arbeit viel Erfolg und bietet auch für die Zukunft seine Unterstützung an.

Weitere Informationen: Förderverein Gruhno e.V.; Eckhard Heinrich; Gruhnoer Hauptstr. 15; 03253 Schönborn; Tel.: (03 53 25) 1 83 50


Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 09. September 2013: Glockenguss unter freiem Himmel in Gruhno

Dorfkirche des Monats , April 2011
In Kappe gilt die Redewendung „die Kirche im Dorf lassen“ nur bedingt. Das Gotteshaus liegt etwas versteckt hinter Bäumen ñ ganz am Rande des Ortes. Das Dorf Cappe, wenige Kilometer südöstlich von Zehdenick in der Schorfheide gelegen, wurde in der Mitte des 18, Jahrhunderts unter der Regierung Friedrichs des Großen als Siedlung für ausgewanderte reformierte Pfälzer angelegt. Die zur Parochie Groß Dölln gehörige Gemeinde besaß ein Schul- und Bethaus, das jedoch bei einem Dorfbrand 1873 zerstört wurde. „Als der Pfarrer Emil Maune am 10. November 1873 das hiesige Amt antrat“, berichtet die Kirchenchronik, „fand er in Cappe einen Trümmerhaufen vor und musste die Gemeinde erst wieder sammeln.“ Trotz großer Bemühungen des Pfarrers dauerte es fast zwanzig Jahre, bis am Sonntag Jubilate, dem 19. April 1891 der Grundstein für einen Kirchenneubau gelegt werden konnte. Der Berliner Stadtrat Georg Friedrich Krug, dessen Großvater aus Kappe stammte, spendete 3.500 Mark, weitere 1.000 Mark bewilligte die Provinzialsynode aus ihrem Kollektenfonds und auch die Einwohner des Ortes beteiligten sich mit Hand- und Spanndiensten. In der Chronik wird der Büdner Christian Dähne erwähnt, der die damals große Summe von 100 Mark für den Kirchenbau beisteuerte. Auf Drängen von Pfarrer Maune beteiligte sich schließlich auch das Ministerium für Kirchen- und Schulwesen mit einer größeren Summe. Die feierliche Kirchenweihe fand am 4. November 1892 statt. Bereits zur Grundsteinlegung hatte der Pfarrer seine guten Wünsche wie folgt formuliert: „Der Herr wird seine Verheißung in Gnaden erfüllen, dass die Herrlichkeit des zweiten Hauses eine größere werden soll als die des ersten gewesen ist. Der hochragende Turm aber möge einem jeden die Weisung geben: Himmelan geht unsere Bahn!“ In der Tat besaß der unter der Bauleitung des Templiner Kreisbaurats Prentzel geschaffene neugotische Kirchenbau einen imposanten spitzen Turmhelm, der jedoch bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgetragen werden musste. Der jetzige verkürzte Turm lässt das Kirchengengebäude leider etwas proportionslos wirken. Umso eindrucksvoller wirkt der schlichte, bauzeitlich ausgestattete, Innenraum unter einem hölzernen Tonnengewölbe. Neben der Empore, dem schlichten Altar, der Kanzel und dem Gestühl sind es vor allem zwei Ausstattungsstücke, die dem Besucher sofort auffallen. Da ist zum einen der mit wunderschöner Ornamentik verzierte Kirchenofen, der am 11. Dezember 1911 sogar dem Zehdenicker Anzeiger eine Notiz wert war: „Auf Veranlassung des Pfarrers Maune ist aus den Mitteln des Krugíschen Vermächtnisses unter Zustimmung des Verwaltungsvorstandes ein Kirchenofen beschafft worden, und zwar ein Regulier-Füll-Ofen mit frühgotischem Mantel in brauner Majolika-Emaillierung, Irisches SystemÖ“. Etwas Besonderes ist auch die vermutlich aus der Neuruppiner Werkstatt von Albert Hollenbach stammende Orgel von 1892. Dieses Instrument wieder uneingeschränkt spielbar zu machen, ist eines der Ziele des 2010 gegründeten Fördervereins Kapper Cappe e.V. Zudem sollen dringend notwendige Sanierungsarbeiten am Kirchengebäude selbst durchgeführt werden. Langfristig möchte Vereinsvorsitzender Christian Schulze auch den Turmaufsatz mit seiner markanten Spitze wieder aufgebaut sehen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Als Benefizveranstaltungen wurden im vergangen Jahr die Kapper „Brunchkonzerte“ aus der Taufe gehoben, bei denen unter anderem Musiker der Deutschen Oper Berlin musizierten. Diese Konzertreihe soll 2011 fortgeführt werden, ergänzt durch weitere Veranstaltungen. Bereits am 24. April um 15 Uhr wird der bekannte Pianist Andreas Göbel in der Kapper Kirche Werke von Franz Schubert und Franz Liszt spielen. Weitere Informationen: Förderverein Kapper Cappe e.V.; Christian Schulze; Kapper Dorfstr. 37; 16792 Zehdenick / OT Kappe; Tel.: (0 33 07) 31 50 90; E-Mail: info@jck-schulze.de.

Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 27. Juli 2011: Die Früchte hängen hoch Märkische Allgemeine vom 27. November 2012: Kapper Kirche könnte ab nächstes Jahr saniert werden Märkische Allgemeine vom 11. Dezember 2012: Es fehlt noch das i-Tüpfelchen Märkische Allgemeine vom 20. Dezember 2012: Mauer der Ignoranz Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2013: Land irritiert mit Streichliste Märkische Allgemeine vom 01. Februar 2013: Kapper Cappe kann Rechnungen bezahlen Märkische Oderzeitung vom 01. Oktober 2013: Kulturförderpreis geht nach Kappe Märkische Allgemeine vom 05. Juni 2014: Dorfkirche wird saniert Märkische Onlinezeitung vom 28. August 2014: Sanierung des Kapper Kirchturms beginnt Mitteilungsblatt Dezember 2014: Hinterm Gerüst wächst wieder der stolze Turmhelm empor Märkische Onlinezeitung vom 14. März 2015: Kapper Förderverein löst sich auf Märkische Onlinezeitung vom 24. März 2015: Neue „Kappe“ für Kapper Kirche Märkische Onlinezeitung vom 04. März 2017: Kapper Kulturkirche bekommt neues Dach
Dorfkirche des Monats , November 2010
Mit einem Festgottesdienst konnte am vergangenen Samstag, dem 30. Oktober, der Abschluss der Sanierung der Dorfkirche in Golm (Landkreis Uckermark) begangen werden. Die umfassenden Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf Golm in einer Urkunde von 1354, mit der der brandenburgische Markgraf Ludwig der Römer Teile der Uckermark mit den Städten Schwedt, Angermünde, Stolpe, dem Kloster Gramzow und etlichen Ortschaften, darunter Golm dem pommerschen Herzog Barnim überlässt. Für mehr als 125 Jahre verblieb dieser Teil der Uckermark im pommerschen Besitz. Bald nachdem die Region wieder brandenburgisch geworden war, ist von Golm als einer wüsten Mark – dem „veld Golme“ – die Rede. 1472 gelangt die Familie von Arnim in den Besitz des Schlosses im benachbarten Zichow, von wo aus sie auch die Feldmark Golm bewirtschaften, so dass sich aus einem Schäfereivorwerk wieder ein Dorf entwickelt. Bis 1864 verbleiben Golm und Zichow im Arnimschen Besitz. Die Golmer Kirche ist ein sorgfältig gearbeiteter, langgestreckter Feldsteinbau des 13. Jahrhunderts mit einem schiffbreiten Turm, in dessen portalloster Westwand noch die alte Mauertreppe zum Turmobergeschoss erhalten blieb. Die Fenstergewände, darunter zwei schmale Lanzettfenster in der Ostwand, sowie die Umrahmungen der Portale bilden kunstvolle Rundstabprofile aus Backstein. An der Nordseite sind Reste eines später abgebrochenen Sakristeianbaus zu erkennen. Nach dem Dreißigjährige Krieg wurde das stark zerstörte Dorf wieder aufgebaut und mit Kossäten und Einliegern besetzt. Der nächste Schrecken kam bereits 1674/75 mit dem brandenburgisch-schwedischen Krieg, der in den drei Dörfern Golm, Zichow und Bertikow eine Gesamtschaden in Höhe von 3.000 Reichstalern anrichtete. Wie die Chronik berichtete, wurde sogar „dem Golmer Schäfer Wäsche aus der Kirche in Briest geraubt“. Durch beide Kriege war auch die Kirche „total ruiniert“. Erst 1711-14 gelang es Stefan Friedrich von Arnim, die Kosten für den Wiederaufbau aufzubringen. Die Golmer Kirche erhielt einen verbretterten quadratischen Turmaufsatz mit geschweifter Haube und Schieferdeckung sowie an der südlichen Priesterpforte eine Vorhalle aus Fachwerk. Nach einer Inschrift an der Chornordwand entstand im Zuge dieser Instandsetzung 1714 auch die Ausstattung des Kircheninneren mit Orgelempore und Gestühl. Am Korb des weiß gefassten großen Kanzelaltars befindet sich ein Abendmahlsgemälde, seitlich davon „die etwas handwerklich durchgeführten Standfiguren von Petrus und Paulus“. Erhalten haben sich die Altarschranken, vor denen die Gläubigen beim Empfang des Abendmahles knieten. Die Orgel mit mechanischen Schleifladen wurde 1875 von dem Berliner Orgelbauer Albert Lang geschaffen. Wie durch ein Wunder sind sogar die Zinnpfeifen des Prospektes der Konfiszierung in zwei Weltkriegen entgangen. Durch starke Verschmutzung ist das Instrument derzeit leider nicht spielbar. Eine Restaurierung in absehbarer Zeit wäre wünschenswert. Eine Besonderheit ist auf dem Dachboden der Golmer Kirche zu entdecken. Hier befinden sich Reste einer Aufzugsvorrichtung. Vermutlich wurde auf dem Boden der Golmer Kirche, wie auch anderswo in der Uckermark, Tabak getrocknet, dessen Anbau seit der Ansiedlung von Hugenotten in der Region weit verbreitet war. In einem ersten Bauabschnitt war es 2007 möglich, den Dachstuhl über dem Kirchenschiff, der großflächig vom Echten Hausschwamm und von Braunfäule befallen war, zu sanieren. In diesem Jahr konnte der gefährlich schief stehende Turm repariert werden. Neben vielen anderen Fördermittelgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an die Finanzierung der umfassenden Instandsetzungsarbeiten. Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Briest; Pfarrer Peter Börner; Kleine Str. 3; 16306 Passow OT Briest; Tel.: (03 33 36) 5 52 58   
Dorfkirche des Monats , September 2009
Derzeit ist die Kirche in Kolpien eine große Baustelle. Das Kirchenschiff ist von außen komplett eingerüstet und anstelle einer Dachdeckung flattern riesige Kunststoffplanen im Wind. Der einfache Feldsteinbau unter teilweiser Verwendung des für die Region typischen Raseneinsensteins stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Nach 1870 entstand der hohe, schlanke Westturm mit einem kupfergedeckten Spitzhelm. Aus der Gründungszeit des Kirchenbaus blieb eine mittelalterliche Glocke in typischer Zuckerhutform erhalten. Seit kurzem mit einer elektrischen Läuteanlage versehen, ruft sie seit siebenhundert Jahren die Kolpiener zum sonntäglichen Gottesdienst. Unter einer schlichten hölzernen Kassettendecke präsentiert sich der Innenraum der Kirche: Der Altaraufsatz stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert; zwischen zwei Säulen sind Tafelgemälde des Abendmahls, der Kreuzigung und der Himmelfahrt zu sehen, die Bekrönung bildet ein kleines gotisches Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert. Die barocke Kanzel an der Südwand zeigt in den Feldern des Kanzelkorbes Porträts der vier Evangelisten. Ein Renaissance-Taufbecken aus Sandstein stammt inschriftlich aus dem Jahr 1619 und ist mit Wappenschilden der damaligen Patronatsherren von Löser sowie verwandter Adelsfamilien geschmückt. Zur Zeit jedoch sind sämtliche Ausstattungsgegenstände sorgfältig verpackt, um sie während der Sanierungsarbeiten vor Beschädigung und Staub zu schützen. Bereits seit einigen Jahren waren die Kolpiener Kirche und mit ihr das wertvolle Inventar akut gefährdet. Armdicke Risse zogen sich durch das Feldsteinmauerwerk, und sie wurden zusehends breiter. Über die Ursachen dafür streiten sich die Fachleute. Hatten dicht beim Dorf gezogene Meliorationsgräben eine Senkung des Grundwasserspiegels bewirkt oder sind die Setzungen vielleicht sogar Auswirkungen des Jahrzehnte langen exzessiven Braunkohleabbaus in der nahen Niederlausitz? Zudem wurden zu DDR-Zeiten Betonsteine auf das Dach gebracht, die für den Dachstuhl viel zu schwer waren und eine ungünstige Lastenverteilung auf die Außenmauern verursachten. Dringende Notsicherungsarbeiten waren jedenfalls dringend geboten. Doch das erwies sich als nicht so einfach. Kolpien hatte nie einen eigenen Pfarrer, der saß schon seit dem Mittelalter im benachbarten Schöna und hatte lediglich die Aufgabe, „an jedem dritten Sonntag in Kolpien das Evangelium zu predigen und zu lehren“. Nebenbei sei vermerkt, dass es unter den Schönaer ñ und damit auch Kolpiener ñ Pastoren eine spätere Berühmtheit gab: von 1527 bis 1538 wirkte hier als erster evangelischer Geistlicher der Gemeinde ein gewisser Georg Buchholzer. Von Joachim II. später als Propst an St. Nikolai in Berlin-Cölln berufen, war es Buchholzer, der dem Kurfürsten erstmalig das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichte und damit die Reformation in der Mark Brandenburg offiziell einführte. Doch zurück in die heutige Zeit: Da auch im benachbarten Schöna eine umfassende Kirchensanierung nötig war, schien es für die Gemeinde illusionär, auch noch die finanziellen Mittel für eine Sicherung des Gotteshauses in Kolpien aufzubringen. Und doch wurde durch Mittel aus dem Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in diesem Jahr überraschend ein größerer Bauabschnitt möglich. Ein gewaltiger Ringanker aus Stahl, der durch die gesamte Länge und Breite der massiven Feldsteinwände getrieben wurde, gibt dem Kirchenschiff wieder Stabilität. Auch eine Sanierung des Dachstuhls und der Dachdeckung können durchgeführt werden. Die gravierendsten Bauschäden werden damit erst einmal beseitigt sein. Reparaturarbeiten sind jedoch noch am Backsteinmauerwerk des Turms nötig. Auch der Innenraum bedarf einer grundlegenden Restaurierung. In Kolpien gibt es noch viel zu tun. Weitere Informationen über: Ev. Kirchspiel Schöna Kolpien; Frau Elvira Müller (Vorsitzende des Gemeindekirchenrates); Tel.: (03 53 64) 41 34
Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2012: Kolpiens Kirche ist wieder sicher Lausitzer Rundschau vom 22. Januar 2016: Kreuz und Kugel glänzen wieder   
Dorfkirche des Monats , Oktober 2008
Zum Erntedankgottesdienst in Bagemühl, bei dem auch die Wiedereinweihung der seit Jahren bauaufsichtlich gesperrten Kirche gefeiert wurde, konnten 163 Besucher gezählt werden ñ mehr als das Dorf im äußersten Nordosten der Uckermark Einwohner besitzt. Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung, 1433, gehörte „Bagemyle“ zum Schloss Löcknitz. Später erhielt die Familie von Buch den Ort als kurfürstliches Lehen. Ab 1680 schließlich gehörte Bagemühl zum kurfürstlichen Amt Löcknitz. Von der mittelalterlichen Granitquaderkirche sind nur noch Reste der Umfassungsmauern erhalten. Zwischen 1873 und 1877 erfolgte ein wesentlich vergrößerter Kirchenneubau als neugotischer Feldsteinsaal mit polygonaler Apsis aus Backstein. Dem Kirchenschiff wurde im Westen ein schlanker, schiefergedeckter Turm vorgesetzt. Auch die einfach gehaltene Ausstattung ñ Altar, Kanzel und Taufe ñ zeigt die neugotischen Formen der Bauzeit. Im Jahr 1982 erfolgte eine Neueindeckung des Kirchendaches mit Betonsteinen. Eine umfassende Instandsetzung des Dachstuhls jedoch war zu dieser Zeit nicht möglich. Bautechnische Mängel bei der Konstruktion des Ortgangs (seitlicher Abschluss der Dachfläche am senkrecht stehenden Giebel) und anhaltende Undichtigkeiten in der Dachfläche führten zu derart massiven Bauschäden, dass die Bagemühler Kirche 2002 gesperrt werden musste. Unter der Deckenschalung hatte sich großflächig Hausschwamm gebildet. Eingezogene Spannstähle waren nicht mehr funktionsfähig. Es bestand Einsturzgefahr. Im Jahr 2007 wurde es dann möglich, mit der Reparatur der Dachkonstruktion zu beginnen. Aufgrund der riesigen Dachfläche war eine Finanzierung nur in zwei Bauabschnitten möglich. Vor wenigen Tagen konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Neben zahlreichen weiteren Geldgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mit insgesamt 4.500 Euro an den Sicherungsmaßnahmen. Um die Bagemühler Kirche endgültig baulich zu sichern, sind weitere Bauabschnitte dringend nötig. Durch die Sanierung des Dachstuhls ist jedoch erst einmal die akute Gefahr gebannt und eine Nutzung wieder möglich geworden. Vielleicht wird ja in absehbarer Zeit auch die ausgelagerte Orgel zurückkehren. 1877 schuf der Stettiner Orgelbauer Barnim Grünewald für die Bagemühler Kirche ein „durchaus lobens- und empfehlenswertes“ Instrument, das „zur Führung des Gemeinde-Gesangs nicht unwesentlich beitragen“ sollte. Wegen des einsturzgefährdeten Kirchendaches wurde die Orgel vor einigen Jahren als Leihgabe an das Baltische Orgel Centrum Stralsund gegeben, wo sie gereinigt sowie um fehlende Prospektpfeifen ergänzt wurde und hin und wieder zu kleinen Konzerten genutzt wird. Der Einweihungsgottesdienst am vergangenen Wochenende wurde, dem Anlass entsprechend, festlich begangen, musikalisch unterstützt von Gemeinde- und Posaunenchor. Am Abendmahl nahm auch ein Ehepaar aus Bagemühl teil, das damit ihren Wiedereintritt in die Kirche vollzog. Durch eine Zuwendung der Sparkasse Uckermark war es möglich, kurzfristig eines der fünf farbigen Apsisfenster zu restaurieren, die um 1900 entstanden. Die restlichen zwei sanierungsbedürftigen Fenster werden in den nächsten Monaten restauriert; es konnten inzwischen auch hierfür Spender gefunden werden: die Sparkasse (7.000 Euro) und die Pommersche Ev. Kirche (2.500 Euro). Nach Festgottesdienst und opulenter Kaffeetafel zog es die Bagemühler und ihre Gäste in die Gaststätte „Zur Linde“, die nach langem Leerstand im Frühjahr wieder öffnete und nun von einem polnischen Gastwirt betrieben wird. Anhand einer Diaschau konnten hier die aufwändigen Arbeiten zur Instandsetzung des Kirchengebäudes noch einmal in Augenschein genommen werden.   
Dorfkirche des Monats , März 2006
In dem Buch „Die evangelische Kirche der Kurmark“ von 1932 wird sie bei der Beschreibung des Kirchenkreises Perleberg mit nur einem Satz erwähnt: „Der kleinste zum Gottesdienst benutzte Raum ist wohl die Gruftkapelle in Klein-Linde, in der Glieder der Familien Seebald und von Karstädt ihre letzte Ruhe gefunden haben.“ Und doch ist die Kapelle von Klein Linde etwas besonderes. Erbaut wurde sie 1736 auf Veranlassung des damaligen Patrons Siegmund Seebald, seines Zeichens Zoll- und Salzdirektor zu Wittenberge, der das Gut gerade zwei Jahre vorher erworben hatte. Das heutige Dorf Klein Linde war damals lediglich ein Schäfereivorwerk, errichtet auf einer wüsten mittelalterlichen Feldmark. Einige Jahrzehnte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte die arg mitgenommene Prignitz sich wirtschaftlich etwas erholt; auch die zerstörten Kirchen konnten wieder aufgebaut und vereinzelt sogar „Neubauten“ errichtet werden. In Schilde entstand 1723 der barocke Fachwerkturm, in Bresch wurde der verbretterte, eingezogene Westturm 1726 errichtet, die alte Wetterfahne der Kirche in Dergenthin zeigte die Jahreszahl 1749. Zu dieser Zeit wurde also auch die Kapelle in Klein Linde gebaut und zwar als verputzter zentraler Fachwerkbau über fast quadratischem Grundriss mit einem mittig angeordneten schiefergedeckten Glockentürmchen über dem zeltartigen Walmdach. Damit ist die Kapelle der einzige barocke Putzbau in der Prignitz. Trotz seiner Einzigartigkeit ist das Denkmal jedoch seit längerem dem Verfall preisgegeben und droht endgültig verlustig zu gehen, wenn nicht bald Sicherungsarbeiten ausgeführt werden. Die jedoch sind alles andere als leicht zu bewerkstelligen, ist doch schon die Frage nach dem verantwortlichen Bauherren schwierig zu beantworten. Nach der Auflösung der Patronatsverhältnisse im Jahre 1946 kam die Kapelle als Teil des aufgelösten Gutes in staatlichen Besitz. Genutzt wurde sie nicht mehr und verfiel durch Witterungseinflüsse und mutwillige Zerstörung. 2003 wurde die Kapelle mit dem zugehörigen Grundstück von der Bodenverwaltungs- und -verwertungs GmbH (BVVG), einer Treuhand-Nachfolgegesellschaft, an den Naturschutzfonds Brandenburg übertragen. Dieser wiederum fühlte sich mit dem maroden Bauwerk überfordert und gab es an die BVVG zurück. Gegenwärtig wird eifrig nach einem neuen Eigentümer und Nutzer gesucht. 1994 /95 konnten, finanziert von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises und dem Kirchenkreis, Notsicherungsarbeiten durchgeführt werden. Damals wurden auch Teile des Inventars ausgelagert. Die Glocke von 1738 befindet sich heute im Heimatmuseum Perleberg. Die barocke Kanzel ist ausgelagert, der wunderschöne Sandsteinepitaph für Katharina Sophia Seebald, geb. Ludewig, die Ehefrau des Erbauers der Kapelle, in einer Restaurierungswerkstatt sichergestellt. Die Notsicherung schuf etwas Zeit, doch inzwischen ist der Zustand der Kapelle alarmierend. Die Rückwand ist bereits eingestürzt, Teile der Dachkonstruktion sind zerstört. Für März hat der Förderkreis Alte Kirchen zu einem Ortstermin eingeladen, um gemeinsam mit Institutionen und interessierten Bürgern der Region über die Zukunft der Kapelle von Klein Linde zu beraten.
Zum Weiterlesen:Dorf- und Förderverein Klein Linde e.V.   
Dorfkirche des Monats , Oktober 2005
Im Frühjahr 1945, während der verzweifelten Kämpfe um dieSeelower Höhen und den Übergang der sowjetischen Truppen über die Oder, wurdeauch das Dorf Carzig fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende wurde diebeschädigte Kirche des Ortes zur Gewinnung von Baumaterial freigegeben und istnoch heute ñ über sechzig Jahre später ñ eine Ruine. Von den Kriegszerstörungen an Kirchengebäuden war derehemalige Kirchenkreis Seelow der am schwersten betroffene in Deutschland: Von50 Kirchen waren 28 zerstört, 12 davon wurden in derNachkriegszeit durch Abriss vernichtet. Der PfarrsprengelMallnow, zu dem auch Carzig gehört, verfügte noch nach 1990 über keine intakteKirche. In allen fünf Dörfern standen Kriegsruinen. Mitte der 90er Jahrebeschlossen die Gemeindekirchenräte den Wiederaufbau der Kirche von Niederjesarmit teilweise modernen Materialien, was durch die Unterstützung einesFördervereins und der Kommune ermöglicht wurde. Andernorts, z. B. in Schönfließ,konnten Sicherungsarbeiten durchgeführt werden, um weitere Substanzverluste zuvermeiden. In Carzig gründete sich im vergangenen Jahr einFörderverein, der laut Satzung das ehrgeizige Ziel des Ñäußerlich möglichstoriginalgetreuen Wiederaufbaus der Dorfkircheì verfolgt. Von dem auf Veranlassung des damaligen Patronatsherren, CarlAlbert Leopold von Burgsdorff, errichteten neugotischen Backsteinbau sind dermit einem Notdach versehene, stark verkürzte Turm sowie Teile des Ostgiebelsund der Umfassungsmauern erhalten. Nach dem Kriege errichtete sich die Gemeindeim Inneren der Ruine eine provisorische Notkirche, die äußerlich eher einemSchuppen gleicht und noch heute für Gottesdienste genutzt wird. 1957 konntesogar wieder eine Glocke im Turm aufgehängt werden ñ die einzige nach 1945gegossene Bronzeglocke des Kirchenkreises. Der neugegründete Verein will sich mit dem Anblick der Ruineund dem Provisorium der Notkirche nicht länger abfinden. Als erste Maßnahmeerhielt die Kirchturmspitze eine neue vergoldete Bekrönung mit Kugel und Kreuz.Nach einem Sturmschaden wurde das Turmdach neu eingedeckt. Bei verschiedenenVeranstaltungen konnten erste Spenden eingeworben werden. Ein im Maßstab 1 : 50gebautes Architekturmodell der alten (und erhofften neuen) Kirche zeigt, wieweit der Weg zur Wiederherstellung des Gotteshauses noch ist. Aber auch ananderen Orten hat man scheinbar Unmögliches geschafft… Für sein bürgerschaftliches Engagement wurde der Verein alseiner von sechs Preisträgern mit einem ÑStartkapital für Kirchen-Fördervereine2005ì gewürdigt. Die vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen Preisewurden am 23. September im Rahmen eines Festgottesdienstes in Templinüberreicht. Weitere Informationen: Evang. Pfarramt Mallnow, Pfr. Martin Müller, Tel.: (03 36 02) 4 37
Zum Weiterlesen: Märkische Oderzeitung vom 20. März 2010: Einmal im Jahr Gottesdienst und kultureller Rahmen Märkische Oderzeitung vom 12. Juli 2011: Spektakel unterm Glockenturm Märkische Oderzeitung vom 17. August 2011: Kirchenruine mit neuem Gesicht Mitteilungsblatt September 2012: Eine Ruine erwacht zu neuem Leben Mitteilungsblatt Mai 2013: Sommerfest vor einer (Noch)-Ruine Märkische Onlinezeitung vom 08. Juli 2014: 17 500 Euro in zehn Jahren gesammelt    
Dorfkirche des Monats , März 2018
Der Ort Kemnitz – ein Dorf mit knapp einhundert Einwohnern – liegt etwa auf halber Strecke zwischen Treuenbrietzen und Luckenwalde. Seit der Gemeindegebietsreform 1993 gehört er als einer von 23 Ortsteilen zur Gemeinde Nuthe-Urstomtal. Die erste urkundliche Erwähnung von Kemnitz stammt aus dem Jahr 1295, als Heydrenricus von Trebbin den Ort an das Kloster Zinna verkaufte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag das Dorf weitgehend wüst; einziger Bewohner war der Lehnschulze. Bereits vier Jahrzehnte später jedoch wurden bereits wieder 22 Höfe bewirtschaftet. Neben der spätmittelalterlichen Kirche ist das sogenannte „Spiekerhus“ eine Sehenswürdigkeit des Dorfes – eine spezielle Form des märkischen Mittelflurhauses. Ab dem 16. Jahrhundert stellten die Bauern der Region ihre Speicher im festen Verbund an die Giebelseite der Wohnhäuser, die gewöhnlich der Straße zugekehrt war. Heute ist das denkmalgeschützte Fachwerkensemble das letzte verbliebene Beispiel für den in der Landeskunde auch als Nuthe-Nieplitz-Haus bezeichneten Haustyp. Doch zurück zur Kirche: Das Gotteshaus entstand zunächst als schlichter Saalbau aus Feldsteinmauerwerk in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Seltsamerweise weist das Gotteshaus auf der Nordseite keine Fensteröffnung auf; der Besucher steht vor einer geschlossenen glatten Wand aus behauenen Granitquadern. In der Ostwand sind drei schmale Spitzbogenfenster, von denen das mittlere vermauert ist. Die drei Fenster der Südseite wurden im Barock vergrößert und schließen ebenso wie die beiden Portale rundbogig. Dazwischen sorgen drei an die Südwand angesetzte massive Strebepfeiler aus Ziegelmauerwerk für Stabilität. Im Jahr 1739 (die Jahreszahl ist auf der Wetterfahne verzeichnet) wurde das Kirchengebäude nach Westen hin erweitert und bekam den mit Schiefer gedeckten schlichten Dachturm. Zu dieser Zeit erhielt vermutlich auch der Innenraum sein heutiges Aussehen: Ein hölzernes Tonnengewölbe bildet den oberen Abschluss. Den Altarraum schmückt ein hölzerner Kanzelaltar. In den Akanthuswangen links und rechts vom Kanzelkorb halten zwei Putten Schrifttafeln mit den Einsetzungsworten des Abendmahls. Auf der Westempore befand sich ursprünglich eine Orgel, die leider bei einer Modernisierung des Kirchenraumes in den sechziger Jahren ausgebaut wurde. Bereits im Jahr 2006 gründete sich für die Kemnitzer Kirche ein Förderverein, der zwei Jahre später mit einem „Startkapital“ des Förderkreises Alte Kirchen ausgezeichnet wurde. Ausstellungen wurden organisiert, Konzerte veranstaltet und regelmäßig fanden in der Kirche Kinovorführungen statt. Erste Spenden wurden gesammelt. Und doch dauerte es nahezu ein ganzes Jahrzehnt, bis erste Baumaßnahmen stattfinden konnten. Fördermittel aus dem Denkmal-Sonderprogramm des Bundes konnten eingeworben werden, die vom Landkreis, von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde kofinanziert wurden. Und auch der Förderverein konnte inzwischen einen erheblichen finanziellen Beitrag leisten. So konnte in den vergangenen zwei Jahren der inzwischen ziemlich marode Kirchturm instandgesetzt werden. Durch den nicht fachgerechten Einbau einer Winterkirche im Untergeschoss des Turmes in den 1960er Jahren gab es statische Probleme, die zu gefährlichen Rissen im Turmmauerwerk geführt hatten. Da die Schäden sich nach Baubeginn schlimmer als ursprünglich angenommen darstellten war eine Nachfinanzierung nötig, die jedoch erfolgreich gestemmt werden konnte. Durch die umfangreichen Arbeiten am Turm (unter anderem musste die Bodenplatte komplett saniert werden) ist jedoch die im Untergeschoss befindliche Winterkirche derzeit nicht nutzbar. Hier fanden bisher nicht nur in der kalten Jahreszeit die Gottesdienste der Gemeinde statt. Zugleich diente der Raum auch als eine Art Dorfgemeinschaftsraum, in dem sich unter anderem regelmäßig die älteren Bewohner des Dorfes zu nachmittäglichen Kaffeerunden trafen. Dieser Treffpunkt soll so schnell wie möglich wieder nutzbar gemacht werden, der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt sich wiederum an der Finanzierung. In einem weiteren größeren Bauabschnitt soll dann möglichst bald auch das Kirchenschiff instandgesetzt werden.

Weitere Informationen: Förderverein Alte Dorfkirche Kemnitz e.V.; Steve Mertens; Kemnitzer Hauptstraße 11; 14947 Nuthe-Urstromtal / OT Kemnitz; Tel.: 033734-60181; Mail: kirchekemnitz@aol.com

Dorfkirche des Monats , Februar 2018

Der Ort Heinersbrück liegt einige Kilometer nordöstlich der Stadt Cottbus; wiederum östlich erstreckt sich der Tagebau Jänschwalde. Das Dorf gehört zum angestammten sorbischen Siedlungsgebiet der Niederlausitz; noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Anteil der wendischsprachigen Bevölkerung mit 92 Prozent angegeben. Durch Heinersbrück fließt der Fluss Malxe, der nördlich von Forst in die Neiße mündet. Auf eine Querung dieses Gewässers weist auch der sorbische Name Móst (= Brücke) hin.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Heinersbrück im Jahr 1411 als „Henrichsbrugk“. Eine örtliche Sage jedoch führt den Namen bereits auf Heinrich II. zurück, der von 1014 bis 1024 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war und laut Überlieferung einen Knüppeldamm und eine Holzbrücke bauen ließ, um die Malxe und ihre morastige Uferregion bei seinen Feldzügen in Richtung Polen überqueren zu können. Und so schmückt seit dem Jahr 2010 auch selbstbewusst ein gekrönter Kaiser zu Pferde mit gezogenem Schwert das Ortswappen von Heinersbrück.

Die Kirche des Ortes, ein für die Region überdurchschnittlich großer Backsteinbau in neugotischer Formensprache, steht imposant in der Mitte des Dorfes. Nachdem ein Fachwerkbau von 1739/40 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste, beginnen die Bauarbeiten für den Neubau nach einem Entwurf des Cottbuser Baurates Robert Beutler im Frühjahr des Jahres 1900. Bereits im November konnte Richtfest gefeiert werden und am 9. Oktober 1901 fand die feierliche Einweihung statt. Seitdem hat es kaum bauliche Veränderungen gegeben. Das Gotteshaus präsentiert sich als zweischiffige Hallenkirche mit einheitlichem Satteldach, eingezogenem Chor, mehreren seitlichen Anbauten und einem hohen Westturm mit oktogonalem Dachtürmchen, Laterne und Spitzhelm.

Im Innenraum werden die beiden durch Granitpfeiler voneinander getrennten Schiffe von Kreuzgewölben überspannt. Die relativ schlichte, aber durchaus qualitätsvolle Ausstattung der Bauzeit blieb nahezu vollständig erhalten: Der Altaraufsatz aus Eiche (ein Kreuz auf einem Dreiecksgiebel) und die Kanzel mit einem großen Schalldeckel sind holzsichtig; die Taufe ist aus Sandstein gearbeitet. Die ursprüngliche Orgel wurde 1945 zerstört. Als Ersatz kam 1999 ein ursprünglich (1939) als Hausorgel für den Berliner Großbäcker Erich Dahm geschaffenes Instrument als Schenkung der Erben nach Heinersbrück. Eine mittelalterliche Einbaumtruhe stammt aus Groß Lieskow, einem Ort, der 1982 dem Braunkohletagebau weichen musste.

Durch den Einbau einer Winterkirche und einer Toilette ist die Heinersbrücker Kirche ganzjährig nutzbar. Gottesdienste finden monatlich statt. Darüber hinaus jedoch gibt es regelmäßig Konzerte und Ausstellungen. Mit der Kommune gibt es eine Nutzungsvereinbarung; die Zusammenarbeit läuft gut.

In den vergangenen Jahren war es möglich, die Dächer des Turmes, des Chores und der Anbauten sowie der Südseite des Kirchenschiffes neu zu decken. Nun stand noch die Dachreparatur der Nordseite an; zuvor jedoch musste in Teilbereichen der Dachkonstruktion der Echte Hausschwamm beseitigt werden. Notwendig war auch eine Sanierung des Mauerwerks. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich in zwei Bauabschnitten an den Kosten der umfangreichen Instandsetzungsarbeiten. Bevor im Frühjahr dieses Jahres das Storchennest auf dem Kirchendach wieder bezogen wird, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In den vergangenen zwei Jahren wurde das Nest nur von einem einzelnen Storch bewohnt. Nun hofft man im Dorf, dass auf der frisch gedeckten Dachfläche endlich wieder eine Familiengründung stattfindet.

Informationen: Evangelische Kirchengemeinde Heinersbrück; Frau Christine Adam; Kirchstr. 6; 03197 Jänschwalde / OT Jänschwalde-Dorf; Tel.: 035601-82076

Dorfkirche des Monats , September 2017
Teilnehmer eines Familientreffens in Ahlsdorf wollten am 20. August 2011 die dortige Dorfkirche besuchen, als plötzlich aus dem Gebäude lauter Lärm zu hören war und aus einer Seitentür Staub herausgewirbelte. Teile der Kirchendecke und der hölzernen Dachkonstruktion waren eingestürzt. Glücklicherweise befand sich niemand in der Kirche. Auch der prächtige barocke Altaraufsatz, über dem nun ein großes Loch in der Decke klaffte, blieb wie durch ein Wunder nahezu unversehrt. Das Straßenangerdorf Ahlsdorf (Landkreis Elbe-Elster) liegt etwa drei Kilometer nordwestlich des Städtchens Schönewalde an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Die erste urkundliche Erwähnung von „Algorstorff“ datiert aus dem Jahr 1380. Aus dem 14. Jahrhundert stammt auch die Dorfkirche. Eine Burg an der Stelle des heutigen Schlosses ist erstmals 1428 belegt. Von 1700 bis 1857 war die Familie von Seyffertitz in Ahlsdorf ansässig. Sie ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Schloss in seiner heutigen Gestalt neu erbauen, einen großen barocken Garten anlegen und die mittelalterliche Kirche umgestalten. Der ursprüngliche mittelalterliche Feldsteinbau der Kirche wurde bei dem oben erwähnten Umbau verputzt; die Fensteröffnungen wurden vergrößert. Der mit einer Laterne und einer Schweifhaube bekrönte Turm entstand laut einer Inschrift über dem Westportal im Jahr 1717. An der Nordwand zeigen Abbruchspuren, dass hier einst das Erbbegräbnis der Patronatsfamilien vorgesetzt war. Der reich mit vergoldetem Rankenwerk und von Weinlaub umrankten Säulen geschmückte Altaraufsatz entstand 1710. In der Predella ist in gut protestantischer Tradition das Abendmahl dargestellt. Im Mittelteil wird eine Kreuzigungsszene von Bildern der Verkündigung und der Geburt Christi flankiert. Darüber folgen Gemälde der Auferstehung und, als abschließendes ovales Medaillon, der Himmelfahrt. Aus derselben Zeit stammt die ebenfalls reich verzierte Kanzel mit Bildnissen der Evangelisten und des Erlösers sowie einiger Apostel. Über einem erst 1908 entstandenen schlichten Taufstein schwebt ein ebenfalls mit dem barocken Umbau im Zusammenhang stehender Taufengel. In der rechten Hand hält er einen Palmzweig. Anders als üblich lässt die Stellung der linken Hand nicht erkennen, ob bzw. wie der Engel ursprünglich eine Taufschale gehalten hat. Zwei prächtige Epitaphien, geschmückt unter anderem mit etlichen Kriegstrophäen, verweisen auf die militärische Laufbahn von Joachim Henning von Seyffertitz (gestorben 1736) und seinem Bruder Anton Friedrich (gestorben 1732) am sächsischen Königshof in Dresden. Eine komplette Restaurierung des Innenraumes erfolgte 1908; damals schuf der bekannte Kirchenmaler Professor Max Kutschmann auch die heutige Farbfassung. Nach dem Teileinsturz der Kirchendecke, der für die Gemeinde völlig überraschend geschah, ergaben Untersuchungen, dass über lange Zeit eindringende Feuchtigkeit zu Braunfäuleschäden an der hölzernen Dach- und Deckenkonstruktion geführt hatten. Eine umfassende Sanierung des Gebäudes erwies sich als dringend notwendig. Der Förderkreis Alte Kirchen bot sofort eine finanzielle Unterstützung an. Weitere Förderanträge wurden gestellt, Spenden gesammelt und Benefizkonzerte organisiert. Drei Jahre nach dem Unglück, im August 2014, konnte der Abschluss der Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten feierlich begangen werden. Die Ahlsdorfer Kirche, sicher zu den schönsten im südlichen Brandenburg zählend, präsentiert sich außen wie innen wieder als wahres Schmuckstück. Parallel dazu wurde in einer Scheune des Schlosses ein neues Begegnungszentrum geschaffen, in dem (nicht nur) nach Veranstaltungen in der Kirche zünftig gefeiert werden kann. Die Kirchengemeinde und die rührige Interessengemeinschaft Kranichgrund nutzten das zwischenzeitlich entstandene Engagement und sammelten weiterhin emsig Spenden. Ziel war es, auch die Orgel der Ahlsdorfer Kirche wieder zum Klingen zu bringen. Zur Geschichte der Ahlsdorfer Orgel ist nicht allzu viel bekannt; bei manchen Details ist man auf Vermutungen angewiesen. Ein erstes zweimanualiges Instrument entstand um 1715 vermutlich in der Werkstatt des Döbelner Orgelbauers Gottfried Richter; der barocke Prospekt blieb (wenn auch verändert) bis heute erhalten. Um 1850 schuf (wiederum vermutlich) der in Eilenburg ansässige Orgelbauer Nicolaus Schrickel ein neues Instrument mit romantischer Disposition, das 1907/08 eine umfassende Restaurierung erfuhr. Die Werkstatt von Arno Voigt aus dem nahen Bad Liebenwerda führte 1961 schließlich einen einschneidenden Umbau durch, der dem Zeitgeist folgend zu einer neobarocken Disposition führte, wobei aus Kostengründen das zweite Manual nicht ausgeführt wurde. Die unzureichende Qualität der damals zur Verfügung stehenden Materialien führte dazu, dass die Ahlsdorfer Orgel eine erneute Instandsetzung dringend nötig hatte. Mit dieser wurde nun wiederum die Firma Voigt beauftragt. Inzwischen sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Mit dem barocken Innenraum korrespondierend, wird künftig wieder ein zweimanualiges Instrument mit barockem Werkcharakter erklingen. Ende Oktober sollen in der Ahlsdorfer Kirche sowohl das Reformationsjubiläum als auch der Abschluss der Orgelsanierung gebührend gefeiert werden. Am Samstag, dem 28. Oktober um 16 Uhr findet ein Konzert mit Studierenden des Instituts für Musikpädagogik der Hochschule für Musik und Theater Leipzig unter dem Motto „Musik der Reformations- und Nachreformationszeit“ statt. Am Sonntag, dem 29. Oktober beginnt um 10 Uhr ein Festgottesdienst mit anschließendem kurzem Orgelkonzert. Ein Vortrag von Prof. Dr. Helmut Loos (Leipzig) zu Luther, der Reformation und der Musik der damaligen Zeit um 15 Uhr leitet schließlich zu einem Konzert des Ensembles „Chanceaux“ mit europäischer Volksmusik um 1700 über. Gäste sind an beiden Tagen herzlich willkommen! Weitere Informationen: Interessengemeinschaft Kranichgrund; Hans-Werner Unger; Lindenstr. 15; 04916 Schönewalde; Tel.: 0175-3812454; Mail: hawe.unger@kranichgrund.de   
Dorfkirche des Monats , Juni 2017

Das zwischen Lenzen und Stavenow gelegene Dorf Mankmuß gehörte vermutlich zur Erstausstattung des 1287 durch Markgraf Otto IV. gestifteten Klosters Heiligengrabe. Besiedelt war der Ort jedoch bereits in slawischer Zeit, worauf die Reste eines vier bis fünf Meter hohen Burgwalles nordöstlich des Dorfes hinweisen, der einen Raum mit einem Durchmesser von etwa sechzig Metern kreisförmig umschließt. Unweit der mecklenburgischen Grenze und nahe an dem Flüsschen Löcknitz gelegen, besaß Mankmuß auch nach der deutschen Besiedlung eine wichtige strategische Funktion. So ist in alten Urkunden ein „Festes Haus“ erwähnt, von dem eine alte Chronik erzählt, es „sei zu Zeiten der Luxemburger Markgrafen ein Schlupfwinkel von Räubern gewesen.“ Zum Ende des 14. Jahrhunderts wurde es zerstört. Vielleicht geschah dies 1399, als trotz des Perleberger Landfriedens Herzog Albrecht von Mecklenburg zusammen mit den Herren von Wenden in die Region einfiel; sie nahmen etliche Dörfer – darunter auch Mankmuß – ein und „brenden se de bet an den Grund“.

Die Kirche des Dorfes, ein flachgedeckter Feldsteinsaal mit Backsteinkanten entstand um 1500. Der östliche Chorschluss ist im Inneren halbrund, außen in drei Seiten eines Achtecks gestaltet. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg musste sie von Grund auf erneuert werden, worauf eine wappengeschmückte Inschrift über dem Südportal hinweist: „Anno 1696 ist diese Kirche von der hochwohlgeborenen Frauen, Frau Katharina Elisabeth v. Capellen Ö auf diesem alten und über 100 Jahre wüst gelegenen Grund ganz neu erbaut worden.“ Aus dieser Zeit stammt auch der Turmaufsatz aus Fachwerk mit einer geschlossenen, schiefergedeckten und geschweiften Haube.

Der Innenraum ist eher schlicht gehalten. Einziger Schmuck des Kanzelaltars sind die Bildnisse der vier Evangelisten auf den Feldern des Kanzelkorbes. Zwei geschnitzte Trägerfiguren des ehemaligen Altaraufbaus sind auf der Westempore gelagert. Die ursprüngliche Orgel der Firma Schlag & Söhne aus dem schlesischen Schweidnitz (1890) wurde 1945 zerstört. Erhalten blieb eine im Jahr 1700 von Chr. Heinze gegossene Bronzeglocke. Bei denkmalpflegerischen Arbeiten wurden 1992 zwischen den Apsisfenstern Reste barocker Wandmalereien entdeckt, die durch eine Restauratorin freigelegt und fixiert wurden.

Die Fachwerkkonstruktion des Turmes wurde in zwei Bauabschnitten 1996 und 2000 komplett überarbeitet. Wenige Jahre später konnten das Dachtragwerk und die Holzbalkendecke des Kirchenschiffes ertüchtigt und die Dacheindeckung erneuert werden. Der Innenraum wurde neu ausgemalt. Für dieses Jahr hat sich die Kirchengemeinde nun das Ziel gesetzt, die Außenfassade der Kirche grundlegend zu sanieren. Das unregelmäßige Feldsteinmauerwerk war ursprünglich verputzt; unter dem brüchigen und weitgehend hohl liegenden Quaderputz des 19. Jahrhunderts sind nun größere Restflächen des mittelalterlichen Putzes sichtbar geworden. Diese sollen gefestigt und, neben einem neu aufzutragenden zweilagigen Kalkputz, konserviert werden.

Das fertige Bild einer eingeputzten Feldsteinkirche ist in der Prignitz nur noch sehr selten zu sehen und dürfte so einen besonderen Anziehungspunkt darstellen. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt sich an der Finanzierung der Maßnahme.

Weitere Informationen: Pfarrer Marcel Borchers; Warnower Str. 32; 19357 Großwarnow; Tel.: 038788-904720; Mail: m.borchers@kirchenkreis-prignitz.de

Dorfkirche des Monats , Februar 2017
Die zur Niederlausitz gehörende Gemeinde Lauta liegt am südlichen Rande des Lausitzer Seenlandes. Verwaltungstechnisch gehört das direkt an der Landesgrenze zu Brandenburg gelegene Dorf zum Freistaat Sachsen, kirchlich jedoch zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Erstmalig urkundlich erwähnt wird das Dorf Lauta (damals Luthe, woran noch heute die sorbische Ortsbezeichnung Łuty erinnert) 1374 in einem Zinsbrief des nahe der Stadt Kamenz gelegenen Zisterzienserinnen-Klosters St. Marienstern. Chroniken erzählen von Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges, als 1641 schwedische Reiter im Dorf Feuer legten und von einem weiteren verheerenden Brand, der am 1. Mai 1769 bis auf Kirche, Pfarrhaus, Schule und ein einzelnes Gehöft wiederum das ganze Dorf zerstörte. Die große Geschichte jedoch machte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen einen Bogen um Lauta. Das änderte sich erst, als die Vereinigte Aluminiumwerke AG im Jahr 1917 östlich des alten Dorfes hier eine gewaltige Aluminumhütte – das sogenannte Lautawerk – zu bauen begann. Zeitgleich entstand für die Beschäftigten des Werkes die Gartenstadt Lauta-Nord als damals hochmoderne Werkssiedlung. 1965 fusionierten die Ortsteile zur Stadt Lauta, die Altsiedlung erhielt als Ortsteil die Bezeichnung Lauta-Dorf. Die Dorfkirche von Lauta, ein kleiner verputzter Feldsteinbau aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts, wurde nach den erwähnten Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg ab 1652 mit einem steilen Satteldach und einem mittig aufgesetzten Dachreiter wieder aufgebaut. Ein frei stehender verbretterter Glockenturm steht etwas versetzt südlich vom Kirchengebäude. Er trägt eine dem heiligen Laurentius gewidmete Glocke, die nachweislich 1512 gegossen wurde und der Sage nach aus einer uralten, heute nicht mehr existierenden Kapelle auf dem nahen Koschenberg stammen soll. An den gotischen Ursprungsbau erinnern das spitzbogige Portal auf der Südseite des Gotteshauses, zwei ursprüngliche schmale Fenster, die Sakramentsnischen im Altarraum und der schöne achteckige Taufstein aus dem 15. Jahrhundert. So bescheiden die Lautaer Dorfkirche von außen wirkt, so überraschend wirkt der stimmungsvolle Innenraum auf den Betrachter. Durch zweimal drei hölzerne Säulen entsteht unter einer flachen Holzdecke der Eindruck eines dreischiffigen Kirchenraumes. Die vorschwingende Orgelempore und eine daran anschließende Empore auf der Nordseite wurden von 1663 und 1667 durch Michael Krumach mit Motiven aus der Passionsgeschichte und mit naiven Rankenmalereien versehen. Bereits kurz zuvor, 1657, entstand auch der Altaraufsatz im typischen architektonischen Aufbau und Dekor der Renaissance mit freistehenden Säulen und reichlichem Beschlagwerk. Eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe im mittleren Hauptfeld wird auf zwei seitlichen Flügeln flankiert durch gemalte Szenen aus dem Leben Jesu. Die Predella bildet ein geschnitztes Abendmahl, während die Bekrönung eine detailreiche Darstellung des Jüngsten Gerichtes darstellt, gerahmt von fünf Engelsfiguren, die die Marterwerkzeug Christi – Hammer und Nagel, Isopstab, Leiter und Kreuz)präsentieren. Die ebenfalls zeitgleich entstandene Kanzel zeigt an den Brüstungsfeldern Bilder Christi und der vier Evangelisten. Am Aufgang findet sich eine schöne Darstellung vom Traum Jakobs von der Himmelsleiter. Die Orgel schuf ursprünglich der Sonnewalder Orgelbauer Carl Gotthold Claunigk; sie wurde jedoch 1882 mit einem Werk von Conrad Geissler aus Eilenburg neu bestückt. Ob eine bereits aus dem 15. Jahrhundert stammende geschnitzte Holzfigur „Christus auf der Rast“ mit originaler Farbfassung zur ursprünglichen Ausstattung gehörte, lässt sich heute nicht mehr verifizieren. In den Jahren 1992/93 waren Instandsetzungsarbeiten an der Außenhaut der Lautaer Dorfkirche durchgeführt worden. Nun jedoch ist dringend eine umfassende Sanierung der hölzernen Dachkonstruktion notwendig, um eine Sperrung und Schließung des Kirchengebäudes zu verhindern. Ursachen der Schäden speziell im Traufbereich sind der Befall durch den Echten Hauschwamm und durch tierische Holzschädlinge, aber auch unsachgemäß ausgeführte Arbeiten zu Beginn der neunziger Jahre. Gegenwärtig läuft ein Antrag der Kirchengemeinde auf Förderung der Baumaßnahmen aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union. Für den Fall der Bewilligung dieser Mittel hat auch der Förderkreis Alte Kirchen seine finanzielle Unterstützung zugesagt. Übrigens: Im Ortsteil Lauta-Stadt, der ehemaligen Werkssiedlung, steht ein weiteres Kirchengebäude, ein beeindruckender moderner Sakralbau aus dem Jahr 1924. Ein äußerst rühriger Verein, an dessen Gründung auch der Förderkreis Alte Kirchen beratend beteiligt war, kümmert sich um dessen Instandsetzung und seine Nutzung als Kulturkirche. Aber das wäre dann schon wieder eine andere GeschichteÖ Weitere Informationen: Pfarrer Norbert Krüger; Dorfstraße 9; 02991 Lauta; Tel.: 035722-91286; Mail: pfarramt-lauta@email.de
Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 31. Januar 2017: Kleine Dorfkirche braucht Hilfe Lausitzer Rundschau vom 06. Februar 2017: Lautaer kämpfen um ihre Laurentiuskirche Lausitzer Rundschau vom 03. Mai 2017: Lautaer Kirche kann saniert werden Lausitzer Rundschau vom 22. Juli 2017: Kirchendach in Lauta wird saniert LR ONLINE vom 05. Dezember 2017: In der kleinen Kirche bleibt viel Arbeit   
Dorfkirche des Monats , Oktober 2016
Im Rahmen einer Festveranstaltung zeichnete der Förderkreis Alte Kirchen auch in diesem Jahr neu gegründete Kirchen-Fördervereine mit einem „Startkapital“ in Höhe von jeweils 2.500 Euro aus. Zu den Preisträgern 2016 gehörte der Förderkreis für die Erhaltung, Instandsetzung und Belebung der Kirche in Rehfelde. Sein Motto lautet: „Kirche für alle“. Mitte des 13. Jahrhunderts schenkt der askanische Markgraf dem Zisterzienserkloster Zinna neben weiteren Dörfern auch Rehfelde. Nach der Reformation fallen die Klosterdörfer an die Kurfürstliche, später Königliche Domänenkammer. Rehfelde hatte also nie einen Gutsherren. Seine Dorfstruktur war nicht bestimmt durch Herrensitz, Gutshof und Gutspark, sondern durch freie, freilich abgabepflichtige, Bauernwirtschaften und Kossätenstellen. Im Jahr 1874 wird Rehfelde an die preußische Ostbahn angeschlossen und damit Station auf der rund 800 Kilometer langen Bahnstrecke von Berlin nach Königsberg. Um den Rehfelder Bahnhof entsteht – neben dem historischen Dorfkern – ein zweites Ortszentrum mit Gewerbeansiedlungen. Sommerfrischler aus Berlin errichten sich hier, besonders in der Zwischenkriegszeit, ihre Sommerhäuschen; als im Zweiten Weltkrieg der Bombenkrieg in Berlin tobt, ziehen viele ganz nach Rehfelde. Der zweite immense Bevölkerungszuwachs beginnt nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung. Aus der Strausberger NVA-Garnison und dem Verteidigungsministerium der DDR in Strausberg lassen sich viele ehemalige NVA-Angehörige in Rehfelde nieder und errichten sich eine neue Heimstatt und in den darauf folgenden Jahren erfolgt immer neuer Zuzug aus Berlin, aus Strausberg, aber auch aus den alten Bundesländern. Nach Eingemeindung der Nachbardörfer Werder und Zinndorf zählt die Großgemeinde heue knapp 5.000 Einwohner – Tendenz weiterhin steigend. Die Gemeinde besteht aus Einheimischen, Zugezogenen und Wochenendlern. In Rehfelde bildete sich zudem noch eine besondere Struktur mit zwei Ortszentren heraus: Rehfelde Dorf und Rehfelde Bahnhof – mit einem großen flächenmäßigen Zuwachs und der damit einhergehenden Zersiedlung. Die Feldsteinkirche des Ortes mit eingezogenem Chor und vorgesetztem Westquerturm entstand Mitte des 13. Jahrhunderts unter dem Patronat der Zinnaer Zisterzienser. Eine Portalvorhalle auf der Südseite wurde laut Inschrift 1499 angefügt. Den Innenraum schmückt ein reich verzierter hölzerner Kanzelaltar aus dem Jahr 1722. Die 1861 in der Berliner Werkstatt von Ferdinand Dinse gebaute Orgel ist derzeit leider nicht spielbar. Umgeben ist die Kirche von einer weiten Grünfläche, dem ehemaligen Friedhof, eingefasst von einer halbhohen Feldsteinmauer und beschattet von schönen alten Bäumen: ein idealer Ort für Feste und Feiern. Zusammen mit der Schule und dem Pfarrhaus, das die Kirchengemeinde sehr geschmackvoll restauriert hat, bildet die siebenhundertjährige Kirche das zentrale Ensemble des alten Dorfes. Der Förderkreis, der sich im vergangenen Jahr gegründet hat, verfolgt als zentrales Ziel, das älteste Gebäude der Großgemeinde zu einem lebendigen Mittelpunkt des kirchlichen, kulturellen und geselligen Lebens zu machen und auch den vielen Zugezogenen und Wochenendlern zu vermitteln, dass dieses schöne alte Bauwerk auf sie wartet, sie einlädt, auch ihr Ort zu werden. Dabei kann der Förderkreis sich der Kooperation mit anderen engagierten Bürgern der Gemeinde sicher sein. Die Rehfelder Großgemeinde hat ein entwickeltes bürgerschaftliches Engagement vorzuweisen. Im vergangenen Jahr veranstaltete der Förderkreis in der Rehfelder Kirche ein Benefizdinner zugunsten der Kirche. Eine mit Speisen und Getränken gut versehene, weißgedeckte Tafel war im Mittelgang der Kirche aufgestellt. Im Juli dieses Jahres hatte der Verein gemeinsam mit dem Rehfelder Sängerkreis zu einem Benefizkonzert und zum Imbiss, auch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Die Resonanz übertraf die Erwartungen. Auf der Webseite der Gemeinde schreibt der Förderkreis: „Es war eine gelungene und wunderschöne Veranstaltung.“ Weiterhin ist hervorzuheben, dass die Rehfelder Kirche Station des Lilienweges ist. Dieser ist ein bereits gut organisiertes touristisches Angebot, die Zisterzienser-Kirchen der Umgebung zu Fuß zu erwandern. Und am vergangenen Tag des offenen Denkmals hatte auch die Rehfelder Kirche ihre Pforten weit geöffnet. Der Förderkreis organisierte mit dem Dorfangerverein, dem Sängerkreis und der touristischen Arbeitsgemeinschaft ein frohes Beisammensein mit den Besuchern. Soweit könnte alles gut sein, aber auch in Rehfelde bereitet der bauliche Zustand der Kirche große Sorgen. Nähert man sich dem Gotteshaus und schaut in den Innenraum, so macht alles einen sauberen, gepflegten, gar nicht baufälligen Eindruck. Bei genauerem Hinsehen jedoch sind die gravierenden Schäden und baulichen Probleme nicht zu übersehen: Die Dachkonstruktion muss instandgesetzt und die Dachdeckung erneuert werden. Die hölzerne Turmkonstruktion harrt einer umfassenden Reparatur. Notwendig sind die Sanierung der Feldsteinmauern ebenso wie Putz-, Fußboden- und Anstricharbeiten im Innenraum. Eine erste Kostenberechnung liegt vor; sie beläuft sich auf 350 000 Euro – eine stolze Summe. Die Kirchengemeinde ist derzeit mit der Antragstellung für Fördermittel aus dem neu aufgelegten LEADER-Programm der Europäischen Union beschäftigt. Für die dazu notwendigen Eigenmittel wird das vom Förderkreis Alte Kirchen überreichte Startkapital sicher willkommen sein. Informationen: Förderkreis zur Erhaltung, Instandsetzung und Belebung der Kirche in Rehfelde-Dorf e.V.; Angelika Reit; Lagerstr. 11; 15345 Rehfelde; Tel.: 033435-75009; Mail: reit.angelika@web.de
Zum Weiterlesen: Märkische Onlinezeitung vom 05. Dezember 2016: Geschichtsbuch aus Feldsteinen   
Dorfkirche des Monats , September 2016
Derzeit ist die Dorfkirche in Grieben (Landkreis Oberhavel) teilweise eingerüstet. Ein grünes Netz verwehrt dem Besucher auf der Straßenseite den Blick auf den ehrwürdigen Feldsteinbau. Auch im Innenraum stehen Gerüste. Die Ausstattung des Gotteshauses ist vorläufig ausgelagert. Bauarbeiter sind emsig beschäftigt. Der Ort Grieben ist ein typisches brandenburgisches Straßendorf, gelegen an der B 167 zwischen Löwenberg und Herzberg. Erstmals erwähnt wird der Ortsname 1256 in einer Friesacker Urkunde. Ungefähr in dieser Zeit entstand wohl auch das Kirchengebäude. Im Mittelalter befanden sich das Dorf und die Feldmark im Besitz des Zisterzienserinnenklosters Lindow und gehörten damit zur formell eigenständigen Grafschaft Ruppin, die erst nach dem Tode des Grafen Wichmann im Jahre 1524 zum Kurfürstentum Brandenburg gehörte. Nach der Säkularisierung des Lindower Klosters gelangte Grieben in landesherrlichen Besitz. Heute ist es ein Ortsteil der Gemeinde Löwenberger Land. Die Kirche ist ein frühgotischer Feldsteinbau; am Ostgiebel haben sich die ursprünglichen drei schmalen und hohen Lanzettfenster erhalten. Die übrigen Fenster des Kirchenschiffes wurden im Zuge einer grundlegenden Erneuerung des Gotteshauses 1772 korbbogig vergrößert, worauf die Jahreszahl in der Wetterfahne hinweist. Anteile von Ziegelmauerwerk im ansonsten sorgfältig geschichteten Feldsteinverband lassen darauf schließen, dass es zuvor größere Beschädigungen am Kirchenbau gab, die vielleicht noch auf den Dreißigjährigen Krieg zurückgingen. Zugleich wurde damals dem Kirchengebäude der quadratische Westturm vorgesetzt. Der ansonsten eher schlichte Innenraum war einst von einer dreiseitigen Hufeisenempore umzogen, deren Seitenteile bei einer „Generalinstandsetzung“ 1982 bis 1984 entfernt wurden. Auf der verbliebenen östlichen Orgelempore steht ein schönes Instrument des Orgelbauers Carl August Buchholz. Dominiert wird der Raum von einem barocken, schön verzierten Kanzelaltar und einem Taufengel, der allerdings erst seit 1984 seine Heimat in Grieben gefunden hat. Geschaffen wurde er zu Beginn des 18. Jahrhunderts von einem unbekannten Schnitzer für die Kirche in Tasdorf (Märkisch Oderland). Als das dortige Gotteshaus – ein Renaissancebau aus der Zeit um 1600 – im Jahr 1982 abgerissen wurde, gelangte der Himmelbote nach Grieben. Leider verlief eine mit dem Umzug verbundene Restaurierung nicht ganz glücklich. Es wäre zumindest zu überlegen, ob eine Korrektur der damals vorgenommenen Bearbeitung des Engels vorgenommen werden kann. Zurzeit jedoch hat die Kirchengemeinde andere Sorgen. Wie bereits erwähnt, laufen gerade Sanierungsarbeiten zur Substanzsicherung. Bereits vor einigen Jahren musste der Gehweg neben der Kirche mit rot-weißem Flatterband für Passanten gesperrt werden, da immer wieder Dachsteine vom nördlichen Kirchendach herabfielen. Notsicherungsarbeiten brachten jeweils nur kurzfristigen Erfolg, da ein großer Teil der Dachdeckung marode war. Eine Förderung aus dem Staatskirchenvertrag macht jetzt eine umfangreiche Instandsetzung möglich. Während die südliche Hälfte des Kirchendaches in den achtziger Jahren mit Betonsteinen, die inzwischen allerdings auch schon marode sind, neu gedeckt wurde, haben sich auf der Nordseite umfangreiche Reste mittelalterlicher, handgefertigter Biberschwanzziegel erhalten. Da es nicht nur der fast selbstverständliche Wunsch der Denkmalpfleger, sondern auch der Wille der Kirchengemeinde ist, diese selten gewordene traditionelle Bedeckung zu erhalten, mussten entsprechende handgefertigte Kohlebrandziegel neu gefertigt werden. An den dadurch entstandenen geringfügigen Mehrkosten beteiligte sich der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 2.000 Euro. Während im Zuge der Dachsanierung auch Arbeiten im Traufbereich und an der hölzernen Balkendecke nötig wurden, konnten an den Deckenbalken und an den Deckenbretter umfangreiche Reste einer barocken Bemalung entdeckt und restauratorisch untersucht werden. Ursprünglich zierte nach diesen Befunden ein blauer Himmel mit gemalten Wolken und Sternen die flache Holzdecke des Griebener Kirchenraumes. Ob eine Freilegung und Präsentation der historischen Decke möglich ist, wird derzeit noch geprüft. Vor dem Beginn dieser Maßnahme müsste zudem erst ein Farbkonzept für den gesamten Innenraum erstellt werden. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Herzberg; Pfarrer Ulrich Baller; Ruppiner St. 49; 16835 Herzberg; Tel.: 033926-70353; Mail: pfarramt-herzberg-m@t-online.de
Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 23. November 2016: Kunstschätze in der Kirche entdeckt Märkische Onlinezeitung vom 07. September 2017: Kirche Grieben verkauft die Sonne   
Dorfkirche des Monats , Juni 2016

Wenn Pfarrer Dieter Rohde in Dargersdorf, einem Ortsteil von Templin (Uckermark), zum Gottesdienst lädt, kann er die Gläubigen meist an einer Hand zählen. Unlängst jedoch war die kleine Kirche an einem Sonntagnachmittag erheblich besser gefüllt, denn die Dorfkirche am nördlichen Rand der Schorfheide ist in Gefahr und sucht Spender.

Erstmals wird Dargysdorp 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt. Mit einer kurzen Unterbrechung von wenigen Jahren ist der Ort über vierhundert Jahre im Besitz der Familie von Holzendorf. Der Dreißigjährige Krieg hinterlässt auch in Dargersdorf seine Spuren: Ein Landreiterbericht von 1687 teilt mit, dass kein Bauer mehr im Dorf ansässig ist, lediglich zwei Kossäten fristen kümmerlich ihr Dasein. Kirche und Küsterei werden als wüst beschrieben. Die Feldmark ist erst zu einem Drittel wieder vom Wildwuchs befreit. Die als wüst beschriebene Kirche wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts instandgesetzt, bei einem Dorfbrand 1724 jedoch wiederum zerstört. Der Abschluss des erneuten Wiederaufbaus einer bescheidenen Fachwerkkirche mit Satteldach ist vermutlich 1749 abgeschlossen, wovon die Jahreszahl in der Wetterfahne berichtet. Eine Glocke im Kirchturm wurde 1741 gegossen.

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist das Kirchengebäude wiederum baufällig; Gottesdienste müssen im Freien abgehalten werden. Mit bescheidenen Mitteln erfolgt 1957/58 eine Instandsetzung, bei der im östlichen Teil des Kirchenschiffes ein Gemeinderaum als „Winterkirche“ abgetrennt wird.

Inzwischen gibt es erneut massive bauliche Probleme: Der Turm ist marode und droht sich zu neigen, was wegen der Fachwerk-Konstruktion auch im Kirchenschiff zu Verwerfungen führen würde. Noch ist von außen nicht viel davon zu sehen; die Kirche steht auf einem kleinen Hügel pittoresk zwischen alten Bäumen. Doch innen sieht es weniger schön aus. Die Glocke darf schon seit einiger Zeit nicht mehr geläutet werden, weil die Balken des Glockenstuhls teilweise verfault sind. Als im letzten Jahr Bernhard Haertel vom Gemeindekirchenrat mit Fachleuten in den Turm kletterte, da wollte kein Experte für die weitere Stabilität des Gebäudes garantieren, niemand einen baldigen Einsturz des Turmes ausschließen.

Also wurde beschlossen, den schon mehrfach notdürftig reparierten und in der DDR-Zeit mit Brettern verkleideten Turm abzutragen und neu aufzubauen. Das wird nicht billig – die geschätzten Kosten liegen bei 350.000 Euro. Daher soll das Projekt in drei Bauabschnitte unterteilt werden. Die Kirchengemeinde Polsensee, zu der neben Dargersdorf auch Gollin und Vietmannsdorf gehören, hat inzwischen mit der Geldsammlung begonnen, und da die ehemalige Finanzsenatorin von Berlin Annette Fugmann-Heesing zur Gemeinde zählt, hofft man auf Hilfe bei der Einwerbung von Fördermitteln. Wenn zudem einige Stiftungen ähnlich spendabel sind wie die Besucher der Spendenaktion, könnte das Turmprojekt gelingen. Der Förderkreis Alte Kirchen hat bereits eine finanzielle Unterstützung der Baukosten zugesagt.

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Hammelspring; Pfarrer Dieter Rohde; Tel.: 03987-51856; Mail: pfarrer-rohde@kkobereshavelland.de


  
Dorfkirche des Monats , März 2016
Abseits der großen Straßen – nahezu in der Mitte zwischen den Städten Fürstenwalde und Beeskow – liegt der Ort Görzig, ein Angerdorf mit großen, landwirtschaftlich geprägten Grundstücken beiderseits der Dorfstraße. Erstmals urkundlich erwähnt wird Jortzck 1393 in einer Besitzurkunde des Hospitals und der St. Nikolauskapelle zu Beeskow. Die Kirche des Ortes, ein kleiner, dreiachsiger Putzbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, steht auf einer leichten Anhöhe in der Mitte des Dorfes. Ein bescheidener, gedrungener Fachwerkturm wurde dem Gebäude 1827 aufgesetzt. Einziger Schmuck des Außenbaus ist auf der Südseite ein vornehm wirkendes barockes Korbbogenportal, durch welches der Besucher in den Innenraum gelangt. Während des Siebenjährigen Krieges verwüsteten russische Kosaken den Ort. „Im ganzen Dorf wurden die Fenster und Öfen zerschlagen. Frauen und Männer wurden an den Haaren herumgeschleppt.“ Die Dorfchronik berichtet zudem, dass damals auch die Kirche geplündert wurde. Den hohen Kanzelaltar, der zwei Jahrzehnte zuvor geschaffen wurde, scheinen die Marodeure verschont zu haben. Auf seiner Rückseite verkündet eine Inschrift: „Die Tischler- und Malerarbeiten in dieser Kirche ist durch Gottes Gnade verfertigt von zween Brüdern Meist: Christoph Friedrich und Meist: Gottfried Groschken aus Beeskow. Anno 1746.“ In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kirche umfassend instandgesetzt und erhielt eine frische Dachdeckung. Vor knapp zwei Jahren war es möglich, eine alte Glocke von 1510, die vermutlich aus einem Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses stammt, reparieren zu lassen. Durch reichliche Spenden aus dem Dorf konnte sogar eine zweite Glocke – als Ersatz für eine defekte gusseiserne „Notglocke“ aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – neu gegossen und eine elektrische Läuteanlage installiert werden. Am vierten Adventssonntag 2014 rief das erneuerte Doppelgeläut erstmals zum Gottesdienst. Und seitdem wird an jedem Werktag in Görzig wieder der Feierabend eingeläutet. Die erfolgreiche Glockenaktion hat die Görziger motiviert und es gibt ein neues Ziel: Die historische Orgel soll wieder zum Klingen gebracht werden. Initiator des Orgelbaus für die Görziger Kirche war der Bauer Emil Ruff, der 1879 selbst 75 Mark spendete und einen erfolgreichen Aufruf zu weiteren Spenden „an die Häusler und Besitzer ohne Acker, von denen keine oder nur wenig Jagdpachtgelder in ihrer Kirchenkasse sind“ richtete. Beauftragt wurde schließlich die damals bedeutendste Werkstatt in Berlin, die Orgelbau-Anstalt der Gebrüder Oswald und Paul Dinse. Es entstand eine einmanualige mechanische Schleifladen-Orgel mit acht Registern in Manual und Pedal. Am 1. Mai 1880 äußerte sich der Orgelrevisor Professor Julius Schneider aus Berlin bei der Abnahme des Instrumentes „ausnahmslos lobend und begeistert“. Die Hälfte der Kosten übernahm das Konsistorium, der Gemeinde quittierten die Gebrüder Dinse den Erhalt von 1.053 Mark 50 Pfennigen „incl. Wohnung und Beköstigung der Orgelbauer“. Derzeit ist das nahezu komplett erhaltene Instrument unspielbar und bedarf dringend einer umfassenden Restaurierung. Die hölzernen Pfeifen sind vom Holzwurm beschädigt. Das Leder der Balganlage ist völlig verschlissen. Einige Pfeifen wurden entwendet, die restlichen sind stark verschmutzt und zum Teil deformiert. Es ist etwa drei Jahrzehnte her, dass die Dinse-Orgel letztmalig die Choralbegleitung im Gottesdienst übernahm, zur Zeit wird dafür ein Elektro-Piano benutzt. Ein Restaurierungsgutachten der renommierten Firma Sauer Orgel Frankfurt (Oder) beziffert die Kosten für eine gründliche Reparatur auf etwa 27.000 Euro. Ein Teil der benötigten Summe konnte durch Spenden und Benefizkonzerte bereits gesammelt werden, die Görziger hoffen jedoch dringend auf weitere Unterstützung. Weitere Informationen: Anne-Kathrin Hartmann; Sauener Straße 1; 15848 Rietz-Neuendorf / OT Görzig; Tel.: 033672-5143; Mail: anne-kathrin.hartmann@t-online.de
Dorfkirche des Monats , Oktober 2015
„Wo Brandenburg zu Ende geht, dort liegt Altbelgern.“ Mit diesem Satz begann Dr. Hans Krag seine Laudatio auf den Förderverein Kirche zu Altbelgern, der am 18. September in Prenzlau mit einem „Startkapital“ des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg in Höhe von 2.500 Euro ausgezeichnet wurde. Und tatsächlich liegt das kleine Dorf mit nur etwa 60 Einwohnern versteckt hinter dem Elbdeich. Auch die geringe Einwohnerzahl hat Altbelgern dem Fluss zu verdanken. Als im Frühjahr 1784 nach einem ungewöhnlich kalten und schneereichen Winter ein plötzlicher Wärmeeinbruch Tauwetter brachte, stieg der Pegel der Elbe in Dresden innerhalb von nur elf Stunden um 350 Zentimeter. Im weiteren Flusslauf brachen vielerorts die Deiche und wurden Dörfer zerstört. So auch in Albelgern, wo sich die Elbe ein neues Flussbett suchte. Viele Besucher verließen den Ort und siedelten jenseits des Stroms auf einer Anhöhe, in dem heute bereits zu Sachsen gehörigen Städtchen Belgern neu. Das zum Teil verlassene Dorf Altbelgern auf dem östlichen Elbufer konnte seine einstige Bedeutung niemals wieder gewinnen. Eine Kirche wird in Altbelgern 1243 erstmals urkundlich erwähnt, als der Kaiser dem Zisterzienser-Nonnenkloster Marienthron bei Torgau die dortige Pfarrei mit zahlreichen Filialdörfern übertrug. Im Besitz dieses Klosters, das später nach Nimbschen (südlich von Grimma verlegt wurde) blieb die Kirche bis zur Reformation. Mehrfach wurde das Kirchengebäude zerstört und wiederaufgebaut, zuletzt fiel das Gotteshaus am 8. Mai 1813 im Krieg gegen Napoleon einem Feuer zum Opfer, dem – ausgelöst vermutlich durch einen Angriff russischer Kosaken – neben der Kirche und dem Pfarrhaus neun weitere Gebäude zum Opfer fielen. Auf den Fundamenten des Vorgängerbaus entstand 1817 der heutige verputzte Saalbau mit dreiseitigem Ostschluss und einem gedrungenen Westturm. Dem schlichten Äußeren entspricht der einfache, aber stimmige Innenraum. In der angedeuteten Apsis steht zwischen zwei Ältesten- bzw. Patronatsgestühlen eine schmucklose klassizistische Kanzelwand vor dem Altartisch. Im Westen findet sich auf der ornamental geschmückten Hufeisenempore eine kleine Orgel. Zwei mit Kerzen bestückte Flämische Kronen geben dem Raum Licht. Die letzte Renovierung der Dorfkirche von Altbelgern erfolgte im Jahr 1933. Nach inzwischen gut achtzig Jahren weist das Gotteshaus anscheinend noch keine gravierenden Bauschäden auf. Eine grundlegende Sanierung ist jedoch angebracht. Aufsteigende Feuchtigkeit macht dem Mauerwerk zu schaffen. Die Rahmen der Kirchenfenster sind morsch geworden, so dass die Verglasung herauszufallen droht. Und die geputzte flache Strohdecke weist erste Risse auf. Um notwendige Reparaturen anzuschieben und zu finanzieren, gründete sich im Frühjahr dieses Jahres der Förderverein Kirche zu Albelgern. Zugleich möchte der Verein – so sein schriftlich fixiertes Ziel – dem Sakralgebäude wieder „Leben einhauchen“. Von März bis Oktober ist die Kirche täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet und soll – im Verbund mit der bereits etablierten Kirchenstraße Elbe-Elster – zu einer Radwegekirche am Elberadweg werden. Auf dem derzeit unbebauten Pfarrgrundstück soll eine Rastmöglichkeit für Fahrradtouristen entstehen, der umgebende Garten zu einer „Oase der Ruhe“ werden, die auf die Klimaschutzregion Altbelgern aufmerksam macht. Die Kirche selbst stellen sich die Vereinsmitglieder, die eng mit der Kirchengemeinde zusammenwirken, als „offenen Raum für Religion, Kunst und Kultur“ vor. Erste Konzerte fanden bereits statt. Viel ist es, was sich der kleine Verein in dem kleinen Dorf vorgenommen hat. Der Förderkreis Alte Kirchen wünscht bei der Umsetzung der gesteckten Ziele Glück und Erfolg. Vielleicht kann das von uns ausgereichte „Startkapital“ die ohnehin vorhanden Motivation stärken und andere Sponsoren und Fördermittelgeber anregen, sich ebenfalls der Dorfkirche von Altbelgern anzunehmen. Weitere Informationen: Förderverein Kirche zu Altbelgern e.V.: Johannes Schneider; Elbstraße 34; 04895 Mühlberg/Elbe (GT Altbelgern)
Zum Weiterlesen: Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2015“ Lausitzer Rundschau vom 30. September 2016: Kirche und Kultur sollen Hand in Hand gehen
Dorfkirche des Monats , September 2015
Erstmals taucht der Name des uckermärkischen Dorfes in einer päpstlichen Urkunde von 1285 auf, die dem Kloster Dünamünde im Sprengel Riga unter anderem auch den Besitz der Tramper Kornspeicher (grangea trampis) bestätigt. Die Gründung des Ortes erfolgte – vermutlich durch Kolonisten aus Westfalen – vermutlich bereits um 1200. Das Dorf befand sich damals noch unter pommerscher Landesherrschaft. Nachdem Trampe über längere Zeit wüst gelegen hatte, wurde das Dorf erst zum Ende des 16. Jahrhunderts erneut besiedelt. Verschiedene Adelsfamilien wechselten sich im Besitz des Dorfes ab; ein Bericht kurfürstlicher Kommissare, die nach dem Dreißigjährigen Krieg die Uckermark visitierten, stellte fest: „Pauren seint alhier nicht gewesen.“ Die Dorfkirche ist im Kern ein mittelalterlicher Feldsteinbau, der im Laufe der Jahrhunderte jedoch viele Veränderungen erfuhr. Im oben bereits erwähnten Bericht von 1688 wird der Bau nur noch als „etlicher maßen im Stande“ bezeichnet. Zudem wurde sie – ursprünglich „Unicum“ – damals bereits vom benachbarten Schmölln aus „curirt“. Seit 2004 gehört Trampe zum Pfarrsprengel Brüssow. Vom sauber geschichteten Ursprungsbau sind die westlichen Gebäudeteile mit dem spitzbogigen, abgestuften Westportal erhalten. Der größere östliche Teil wurde mit der Apsis in Form eines halben Achtecks wurde zwischen 1738 und 1740 unter dem Patronat des damaligen Gutsherren Friedrich von Broecker neu gebaut. Damals entstand wohl auch der ziegelsichtige Fachwerkturmaufsatz mit geschweifter Haube. Das von einer Rundbogentonne überwölbte Erdgeschoss des Turmes war ursprünglich mit dem Kirchenraum verbunden und diente einst als Grabkapelle und Bahrenkammer; jetzt jedoch ist der Raum vom Kirchenschiff abgetrennt und kann als Winterkirche genutzt werden. Einziger Schmuck des schlichten, flach gedeckten Innenraumes ist der einfache, jedoch schön gearbeitete Kanzelaltar, der um 1740, also zur Zeit des Wiederaufbaus, in die Kirche kam. Gegenwärtig ist die Konstruktion des Fachwerkturms schwer geschädigt und stellt bereits seit Längerem ein akutes Problem dar. Im Jahr 2003 wurden Notsicherungsarbeiten vorgenommen, die jedoch nur einen kurzen zeitlichen Aufschub zur Folge hatten. In Vorbereitung einer grundsätzlichen, inzwischen dringend notwendig gewordenen, Sanierung sind nun wieder Notsicherungsmaßnahmen notwendig geworden, die zumindest die eingetretene Schiefstellung beseitigen. Bereits 2013 wurde eine neue Glocke angeschafft, die die aus dem Jahr 1705 stammende Eisenglocke, die nicht mehr geläutet werden kann, ersetzen soll. Noch wartet sie darauf, eines Tages im sanierten Turm aufgehängt zu werden. Trampe gehört zum Landkreis Uckermark und damit zum Land Brandenburg. Kirchlich jedoch ist es Teil der Nordkirche (ehemals Pommersche Kirche). Diese Konstellation erschwert oftmals die notwendige Koordination von Fördermöglichkeiten. Durch Zuwendungen unter anderem von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) ist es möglich, die erstrebte erste Notsicherung noch in diesem Jahr durchzuführen. Es laufen weitere Anträge, um eine endgültige Instandsetzung zu ermöglichen; so müsste zum Beispiel auch die Dacheindeckung dringend erneuert werden. Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Brüssow; Pfarrer Matthias Gienke; Amtsstr. 6 a; Tel.: 039742-80230; Mail: bruessow@pek.de
Dorfkirche des Monats , Mai 2015
Nach dem Erscheinen des fünften Bandes seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg („Fünf Schlösser“ im Oktober 1888) trug der fast siebzigjährige Theodor Fontane sich mit dem Gedanken, ein umfangreiches Buch über die im Havelland weitverzweigte Familie von Bredow zu schreiben. Nach umfangreichem Quellenstudium reiste Fontane am 27. Mai 1889 nach Landin, um, wie er am Tag zuvor seiner Tochter Mete mitteilte, „von diesem Hauptquartier aus meine Fahrten auf die Bredow-Güter, ungefähr 20, anzutreten“. Aus dem Buchprojekt wurde nichts, aber es sind umfangreiche Vorarbeiten erhalten, die wieder einmal zeigen, dass Fontane weniger an Architektur oder Kunstgeschichte interessiert war als am preußischen Adel, dessen Chronist er in seinen Reisebeschreibungen hauptsächlich war. Die Landiner Kirche wird in seinen Notizen nicht einmal erwähnt. Das zum „Ländchen Friesack“ gehörende Dorf Landin wird 1353 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1480 und bis zum Kriegsende 1945 ist Landin durchgängig im Besitz eines Zweiges der bereits erwähnten Familie von Bredow. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts heißt der Gutsherr Ludwig von Bredow. Dieser ist durch eine erfolgreiche und glanzvolle Militärlaufbahn zu Wohlstand gelangt und lässt nach der Eheschließung mit seiner zweiten Frau Johanna Wilhelmine Freiin von Metzsch im Jahr 1704 ein repräsentatives barockes Herrenhaus errichten, das in den letzten Tages des Zweiten Weltkrieges durch einen Brand leider völlig zerstört wurde. Etwa zeitgleich entstand auch die heutige Dorfkirche, die vermutlich einen marode gewordenen Vorgängerbau ersetzte, denn bereits in einem Visitationsbericht des 16. Jahrhunderts wird ein Gotteshaus in Landin als Filiale des benachbarten Dorfes Kriele genannt. Die Landiner Kirche, auf einer leichten Anhöhe gelegen, ist ein schlichter Fachwerkbau mit heute sichtbarer Ziegelausfachung. Ursprünglich waren die Gefache verputzt und setzten sich mit weißer Farbe gegen die schwarze Holzkonstruktion ab. Westgiebel und Südwand wurden in späterer Zeit massiv erneuert. Der jetzt verbretterte und mit Schiefer gedeckte Turmaufsatz trägt eine geschweifte „welsche“ Haube mit geschlossener, zwiebelbekrönter Laterne. Der Innenraum ist flachgedeckt. Aus dem Jahr 1736 stammt der schlichte Kanzelaltar, dessen einziger Schmuck – zwei kleine Engelsfiguren – gegenwärtig ausgelagert ist. Ursprünglich befand sich in der Kirche auch ein Taufengel, von dem jedoch bereits 1913 in dem Band „Die Kunstdenkmäler des Kreises Westhavelland“ lediglich berichtet wurde, dass er „in Trümmern auf dem Kirchenboden“ liegt. Heute befindet sich das inzwischen gesicherte und konservierte Fragment des relativ kleinen Engels im Altarraum der Dorfkirche Nennhausen. Insgesamt bietet der Innenraum der Landiner Kirche einen ziemlich desolaten Anblick. Es ist auf den ersten Blick zu sehen, dass hier seit vielen Jahren keine Gottesdienste mehr stattfanden. Die Kirche ist gegenwärtig aufgrund massiver Bauschäden nicht nutzbar und droht endgültig zu verfallen. Nachdem 1993 Sicherungsarbeiten am Kirchturm begonnen hatten, wurden wegen mangelnder Geldmittel – und vielleicht auch wegen mangelnden Interesses von Seiten der Kirchengemeinde – keine weiteren Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Seit wenigen Monaten gibt es nun einen kleinen Hoffnungsschimmer. Mit vorausgehender Hilfe des Förderkreises Alte Kirchen gründete sich im Februar der „Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin“. Der Verein möchte die Kirche langfristig instand setzen und sie unter anderem für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen nutzen. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde soll dafür ein tragfähiges Nutzungskonzept entwickelt werden. Der Förderkreis Alte Kirchen wünscht dem jungen Verein viel Erfolg und bietet langfristig seine weitere Unterstützung an. Weitere Informationen: Förderverein zum Erhalt der Dorfkirche Landin e.V.; Gert Dittrich; Steinstr. 13; 14715 Kotzen / OT Landin; Tel.: 0151-17339900
Zum Weiterlesen: Märkische Allgemeine vom 24. Juli 2015: Verein will Dorfkirche vor Verfall retten Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2016“ Märkische Allgemeine vom 22. Juli 2018: Über 400 000 Euro für die Kirchensanierung Märkische Allgemeine vom 30. September 2018: 1. Spatenstich als Sanierungsbeginn Mitteilungsblatt Dezember 2018: Nun geht es endlich los in Landin
Dorfkirche des Monats , März 2015
In ihrer Grundsubstanz stammt die Trebuser Dorfkirche noch aus dem Mittelalter. Sorgfältig behauene und geschichtete Granitsteinquader im Mauerwerk weisen darauf hin, dass im Zuge der deutschen Besiedlung des als Missionsbistum gegen die heidnischen Lutizen bereits 1124/25 gegründeten Bistums Lebus hier schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine dauerhafte Feldsteinkirche errichtet wurde. Auf den zweiten Blick jedoch erkennt der Betrachter, dass zahlreiche Brüche und Eingriffe im Laufe der Jahrhunderte das Erscheinungsbild des Gotteshauses wesentlich verändert haben. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden Dorf und Kirche stark zerstört; der Ort lag sogar für längere Zeit wüst. Erst für das 18. Jahrhundert sind in den in den originalen Bauakten, die ein Trebuser Einwohner aus dem 1945 zerstörten Gutshaus bergen konnte, zwei größere Renovierungen überliefert: 1742 durch den geheimen Rat von Risselmann und 1774 auf Veranlassung einer Frau von Selchow, die zu der jeweiligen Zeit als Rittergutsbesitzer auch das Kirchenpatronat innehatten. Die Umbauten erfolgten „nach reformierter Weise einfach und ohne alle Verzierungen“, sind jedoch am Baukörper gut ablesbar: Die Fenster und wohl auch das Portal auf der Nordseite wurden in der heute noch erhaltenen Form vergrößert und mit einem rundbogigen Abschluss versehen sowie ein mehrfach abgestuftes Gesims zwischen Mauerabschluss und Dachhaut aufgemauert. Teile des Mauerwerks wurden verputzt. Zudem erhielt das zuvor turmlose Kirchengebäude einen bescheidenen barocken Turmaufsatz aus Fachwerk, um die Glocken aufzunehmen. Aus dem ursprünglichen Baubestand ist auf der Südseite des Kirchenschiffes eine zugemauerte gotische Türöffnung erhalten geblieben. Stolz ist die Gemeinde auf eine alte Kirchenbibel, die dem Gotteshaus laut handschriftlichem Eintrag im Jahr 1700 vom Geheimen Rat von Risselmann gestiftet wurde und auf einen 1760 von der Landrätin von Selchow für die Kirche erworbenen Abendmahlskelch. Einen weiteren gravierenden Einschnitt erlebte die Trebuser Kirche am Ende des Zweiten Weltkrieges. 1945 wurde die Kirche als „Militärdepot“ genutzt und beim Rückzug der deutschen Truppen von diesen angezündet. Die Kirche brannte vollständig aus. Bis auf die gerettete Wetterfahne aus dem 18. Jahrhundert wurde dabei die gesamte Ausstattung vernichtet. Mit dem Wiederaufbau wurde bereits 1953 begonnen; am 7. November 1955 konnte die Wiedereinweihung gefeiert werden. Damals entstand auch die schlichte hölzerne Ausstattung: der einfache Altartisch, dahinter an der Wand ein Kruzifix und die Kanzel. Die dritte und vorerst letzte schwere Beschädigung geschah erst vor wenigen Jahren: Am 11. September 2011 wurden das Dach und der Kirchturm bei einem Gewittersturm schwer beschädigt. Erste Sicherungsarbeiten konnten, auch dank einer teilweisen Übernahme der Kosten durch die Versicherung – bereits bis zum Sommer des nächsten Jahres beseitigt werden. Bei der Reparatur wurden jedoch im Fachwerk des Turmaufsatzes schwere Holzschäden sichtbar, deren Beseitigung sich nicht auf Anhieb finanzieren ließ. Seit 2012 durfte die Glocke der Trebuser Kirche nicht mehr geläutet werden. Kurz darauf stellte sich heraus, dass durch die marode Holzkonstruktion die Gefahr des Einsturzes bestand. Die komplette Turmkonstruktion musste abgetragen werden; die derzeit funktionslose Glocke steht neben dem Eingang zum Kirchenschiff. Seitdem läuft im Dorf eine erfolgreiche Spendenaktion, Benefizkonzerte („Turm-Musiken“) wurden organisiert und Fördermittel eingeworben. Noch in diesem Jahr soll der Wiederaufbau des Fachwerk-Turmaufsatzes der Kirche in Angriff genommen werden. Und dann bleibt das Trebuser Gotteshaus hoffentlich für längere Zeit von Katastrophen verschontÖ Weitere Informationen: Pfarrer Jörg Hemmerling; Hauffstraße 26; 15517 Fürstenwalde; Tel.: 03361-5318; Mail: hemmerling@evki-fuewa.de
Zum Weiterlesen: MOZ.de vom 09. Oktober 2018: Alte Schultern warten auf neuen Turm