Dorfkirche Karwesee

Foto: Andreas Flender

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch über die aktuell geltenden Corona-Bestimmungen und ob die Kirche geöffnet ist.
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Steckbrief
16833 Fehrbellin OT Karwesee Ostprignitz-Ruppin
Fachwerkbau von 1756, Renaissancetaufe Anmeldung bzw. Schlüssel bei Pfarrer i.R. Thomas Elze, Dorfstr. 4, Tel. 033922-60204
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    Dorfkirche Karwesee
    Dorfkirche des Monats Februar 2022

    Das zum alten „Ländchen Bellin“ gehörende Angerdorf Karwesee, etwa neun Kilometer südlich von Fehrbellin gelegen, wurde erstmals 1294 als im Besitz des Havelberger Domstifts erwähnt. Nach der Reformation gehörte der Ort zum kurbrandenburgischen Amt Bellin. Von Seiten des Landesherren wurde die Familie von Bellin mit dem Gut belehnt. Das stattliche Herrenhaus, ein ursprünglich verputzter neunachsiger Fachwerkbau, wurde 1945 zur Gewinnung von Baumaterial abgebrochen.

    Die Kirche, ein lang gestreckter, rechteckiger Fachwerksaal, entstand 1756 unter dem Patronatsherren Ehrenreich von Rathenow. Nicht bekannt ist, ob es bereits einen Vorgängerbau gab. Vielleicht wurde dieser bereits 1635 vernichtet, als beim Abzug sächsischer Truppen während des Dreißigjährigen Krieges das Dorf ein Raub der Flammen wurde. 

    Ungewöhnlich an der Fachwerkkonstruktion ist, dass sie an den Längsseiten lediglich aus senkrechten Stielen besteht. Der westlich vorgesetzte, verbretterte Turm wird von einer achteckigen Haube und einer spitz zulaufenden Laterne bekrönt. 1793 erwarb der Rittmeister Gottfried Daniel von Ziethen aus Woddow in Mecklenburg das Gut Karwesee. Von ihm wird berichtet: „Dieser ließ die Kirche und Altar auf seine Kosten ausmalen.“ An der Putzdecke sind ein umlaufender farbiger Fries sowie ein großes Fragment einer illusionistisch gemalten Kuppel erhalten. Ältestes Ausstattungsstück ist ein hölzernes Taufbecken in Renaissanceformen, das allerdings 1602 ursprünglich für die Kirche im benachbarten Dechtow entstand. In jedem zweiten der acht Bogenfelder ihrer Kuppa befinden sich Gemälde der vier Evangelisten. Vom spätbarocken Kanzelaltar sind nur Teile des Sockels noch vorhanden. Unter der Westempore wurde in den 1990er Jahren eine beheizbare Winterkirche abgetrennt. 

    Der im Zweiten Weltkrieg beschädigte Kirchturm konnte 1949/50 instandgesetzt werden. Für weitere Sanierungsarbeiten jedoch fehlte das Geld, so dass die Kirche nach und nach verfiel. Nach einer bauaufsichtlichen Sperrung des maroden Kirchengebäudes im Jahr 1974 wurde bereits über einen Abbruch nachgedacht. Erst nach der Wende, von 1991 bis 1995, gelang es, das Gotteshaus umfassend zu sanieren. Seit Beginn des Jahres 2021 jedoch ist die Karweseer Kirche wieder gesperrt. Im Sommer des vorvergangenen Jahres sind zwei große Putzschollen von der Decke herabgefallen. Es stellte sich heraus, dass bei der Sanierung in den neunziger Jahren ein falscher Putzträger verwendet worden war. Nun müssen die Bereiche, die damals erneuert wurden, wieder entfernt, eine entsprechende Rohrgeflechtmatte aufgebracht und anschließend neuer Putz und neue Farbe aufgebracht werden. Eine erste Kostenschätzung beläuft sich auf etwa 60.000 Euro.

    Bis zur jetzt erfolgten Schließung war die Kirche in Karwesee an den Wochenenden für Besucher geöffnet, was unter anderem von Benutzern des auf einer inzwischen stillgelegten Bahnstrecke angelegten Radweges „Stille Pauline“ gern angenommen wurde. Dies soll bald wieder möglich sein. An den Kosten der nötigen Instandsetzungsarbeiten beteiligt sich auch der Förderkreis Alte Kirchen.

    Weitere Informationen: Pfarrerin Antje Freye; Feldbergstraße 43; 16833 Fehrbellin; Tel.: 033932-617524; Mail: a.freye@kirche-nauen-rathenow.de