Dorfkirche Satzkorn

Beitragsbild: Hans Tödtmann - Dorfkirche Satzkorn (2024)
Steckbrief
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| 14476 Potsdam OT Satzkorn | Potsdam |
| Feldsteinbau des 13. Jh., geschnitzter Altaraufsatz 1669, Kanzel 1671 | Besichtigung der Kirche in Satzkorn nach Anmeldung im Pfarramt Fahrland unter Tel. 033208-50489 |
Im Turm ist der Wurm – und die Glocken schweigen
Text und Bild: Hans Tödtmann
Wiesen, Felder und Obstplantagen umschließen das Dorf Satzkorn. Der Ort hat trotz Eingemeindung in die Stadt Potsdam seinen dörflichen Charakter bewahrt, dessen Pole die Dorfkirche auf dem Anger und das barocke Gutshaus am südlichen Dorfrand bilden. Die kleine Kirche liegt in der Mitte des von hohen Bäumen bestandenen und mit einer Ziegelmauer umfassten Friedhofs. Auf den ersten Blick scheint die Kirche mit ihren ockerfarbenen Putzfassaden und den großen Stichbogenfenstern ebenfalls aus der Zeit des Barocks zu stammen. Aber der Schein trügt: Die Wände bestehen aus Feldsteinmauerwerk. Die Kirche wurde bereits im 13. Jahrhundert auf rechteckigem Grundriss errichtet. Im Jahr 1669 erhielt das Bauwerk mit der Vorwölbung der Ostfassade, der Vergrößerung der Fenster, dem Verputz des Feldsteinmauerwerks und dem holzverschalten Dachturm mit dem spitzen Turmhelm sein heutiges Aussehen.
Die Innenflächen des flach gedeckten Kirchenraums sind heute weiß gefasst. Der Raum wirkt hell und einladend. Der Blick wird gefangen von dem reich verzierten, vielfarbig gefassten Altaraufsatz und der ebenso gestalteten Kanzel, beide 1671 von der damaligen Patronin Elisabeth von Hünecke gestiftet. Der Altar zeigt in der Predella das Abendmahl, als zentrales Bild die Kreuzigungsszene und darüber die Skulptur des über den Tod triumphierenden Auferstandenen. Den Kanzelkorb zieren Figuren von Christus und den Evangelisten. Über dem Kanzeldeckel die vergoldete Plastik des seine Jungen mit dem eigenen Blut speisenden Pelikans, ein Sinnbild der Abendmahlsworte: „Dies ist mein Blut, für dich gegeben“. Die weiß und golden gefasste hölzerne Taufe stammt aus dem Jahr 1873.
Vom Altar aus fällt der Blick zurück auf die bei dem Umbau 1669 entstandene Orgelempore im Westen des Kirchenraums. Sie wird mitgetragen von zwei bis unter die Decke gehenden weiß bekleideten Holzstützen, die die Lasten des Dachturms aufnehmen. Der Potsdamer Orgelbauer Carl Eduard Gesell erneuerte im Zuge der Kirchenrenovierung 1872 die vorhandene Orgel und erweiterte sie später noch einmal. Die Orgel wurde 2009 denkmalgerecht rekonstruiert. Unter der Orgelempore entstand 1963 durch eine dezente Glassprossenwand ein kleiner Winterkirchenraum, der gern auch von Kindern und Senioren genutzt wird.
Soweit ist mit der Satzkorner Dorfkirche alles in bester Ordnung. Es findet regelmäßig einmal im Monat Gottesdienst statt. Neulich an Heilig Abend gab es wieder ein unter Beteiligung aller Generationen inszeniertes Krippenspiel. Mehrmals im Jahr finden in der Kirche Kulturveranstaltungen statt, z.B. Kinoabende.
Nicht in Ordnung sind der bauliche Zustand des Dachstuhls über dem Kirchenschiff und insbesondere des Dachturms. Ein in der Dorfkirchensanierung erfahrenes Ingenieurbüro untersuchte 2021 Dach und Turm und legte eine umfassende Sanierungskonzeption vor. Die Finanzierung der Gesamtkosten ist für die Mirjam-Kirchengemeinde aktuell keinesfalls darstellbar, zumal gleichzeitig und mit Vorrang auch die Dorfkirche in Fahrland saniert werden muss. Da der Dachturm der Satzkorner Kirche gegenwärtig nicht als sturmsicher gelten darf, verständigten sich die Kirchengemeinde und das Kirchliche Bauamt darauf, die Instandsetzung des Turms als Notsicherung und Sofortmaßnahme auf das Jahr 2026 vorzuziehen. Die Kosten werden auf 91.000 € geschätzt.
Die Konstruktion des Dachturms besteht aus einem äußeren und einem inneren Fachwerk. Das äußere Fachwerk (Eiche) bildet die Tragkonstruktion des Turmes. Es reicht bis zum Balkenrost unter dem Turmhelm und trägt diesen. Das innere Fachwerk (Kiefer) reicht bis zur Decke unter der Glockenstube und trägt die für sich genommen intakte Stahlkonstruktion des Glockenstuhls mit den drei Stahlglocken von 1921. Die Hölzer beider Fachwerke, besonders des inneren, sind durch Hausbockfraß und Naßfäulepilze massiv geschädigt, teilweise ist nur noch 50% des Holzquerschnittes vorhanden. Im Zuge eines früheren Instandsetzungsversuchs ausgeführte Verstärkungen und Verklammerungen konnten nicht verhindern, dass aktuell in der Glockenstuhlebene eine dramatische Schiefstellung des inneren gegen das äußere Fachwerk besteht. Die Klöppel der Glocken schlagen daher außerhalb des Schlagrings an und drohen dadurch Schäden an den Glocken zu verursachen. Der Läutebetrieb musste eingestellt werden.
Pfarrer Christoph Dielmann berichtet, dass in Satzkorn kein Gottesdienst ohne die Frage aus der Gemeinde vergeht: „Wann läuten unsere Glocken wieder?“ Der 2024 gegründete Kirchenförderverein Satzkorn hat eine Geldsammlung ins Leben gerufen. Unterstützen auch Sie bitte die Instandsetzung des Turms der Dorfkirche Satzkorn! Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. wird Ihnen eine Spendenquittung ausstellen und Ihre Spende gern an die Kirchengemeinde weiterleiten.
Adresse der Kirche:
Dorfkirche Satzkorn, Ringstr. 8, Ortsteil Satzkorn, 14467 Potsdam
Kirchengemeinde:
Evangelische Mirjam-Gemeinde Fahrland – Pfarrer Christoph Dielmann
Priesterstr. 5, OT Fahrland, 14467 Potsdam
033208-50489; 0179-6601198
pfarrsprengel-fahrland.de – christoph.dielmann@gemeinsam.ekbo.de
Kirchenförderverein:
Kirchenförderverein Dorfkirche Satzkorn e.V.
c/o Pfarrbüro der Ev. Mirjam-Kirchengemeinde Fahrland (s.o.)
dorfkirche-satzkorn.de
foerderverein@dorfkirche-satzkorn.de
Spendenkonto
Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90
BIC: GENODEF1EK1
Verwendungszweck: Dorfkirche Satzkorn