Dorfkirche Schönfeld

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Steckbrief
17291 Schönfeld Uckermark
Feldsteinbau des 13. Jh., einheitliche neugotische Ausstattung, Orgel Anmeldung im Pfarramt Schönfeld, Dorfstr. 60, Tel. 039854-546
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    Dorfkirche Schönfeld
    Dorfkirche des Monats Dezember 2020

    Farbenfroh ragt der Schönfelder Renaissancealtar in die Höhe. Nicht
    nur die Farbenpracht, auch seine Ikonographie und die Darstellungsweise
    machen den Schnitzaltar aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
    zu einem Kleinod. Schönfeld liegt nordöstlich von Prenzlau unweit
    der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Die Gemeinde ist eine
    von zwei Ortschaften gleichen Namens in der Uckermark und nicht zu
    verwechseln mit Schönfeld bei Tantow. Schönfeld wurde im Jahr 1375
    erstmals urkundlich erwähnt. Die Ursprünge des Dorfes reichen jedoch
    weiter zurück. Dies belegt nicht zuletzt die imposante Feldsteinkirche
    aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Schönfeld gehörte über
    Jahrhunderte zum Besitz der Adelsfamilie von Berg, die im 19. Jahrhundert
    in den preußischen Grafenstand erhoben wurde. Schriftliche
    Quellen zum Altar, die Auskunft über den Stifter geben könnten, haben
    sich nicht erhalten.

    Es spricht jedoch vieles dafür, dass der Altaraufsatz, noch bevor der Dreißigjährige Krieg 1626 die
    Uckermark erreichte, durch die Patronatsfamilie in Auftrag gegeben wurde. Noch heute zeugen eine
    Reihe von Gedenk- und Grabtafeln in und an der Schönfelder Kirche vom Wirken der Familie von
    Berg.
    In der Uckermark sind einige geschnitzte und farbig gefasste Renaissancealtäre aus der Zeit um 1600
    überliefert. Sie werden einer in Prenzlau ansässigen Werkstatt zugerechnet, so die Altaraufsätze von
    St. Nikolai in Prenzlau, Melzow oder Stegelitz. Allerdings unterscheidet sich der Schönfelder Altar von
    den zuvor genannten Beispielen durch die Erzählweise, die räumliche Tiefe einzelner Szenen und das
    dezidiert protestantische Bildprogramm.
    Vergleichbar mit anderen nachreformatorischen Altären zeigt auch der Schönfelder Altar die Abendmahlsszene
    in der Predella. So hatte es Martin Luther 1530 denjenigen empfohlen, die am Altar nicht
    auf Bilder verzichten wollten. In der Mittelzone des Altaraufsatzes ist wie häufig üblich die Kreuzigung
    Christi mit Maria und Johannes unter dem Kreuz dargestellt. Daran schließen sich links Mose
    mit den Gesetzestafeln und rechts die Taufe Christi durch Johannes an. Der obere Abschluss zeigt die
    Auferstehung Christi umgeben von den Evangelisten Matthäus und Markus sowie die Apostel Petrus
    und Paulus unter dem Kreuz. Der Pelikan als Symbol der aufopfernden Liebe Christi und der Phönix
    als Zeichen für die Auferstehung Christi komplementieren das Programm.
    Außergewöhnlich sind am Schönfelder Altar die Darstellungen der Beichte und der Austeilung des
    Abendmahls in beiderlei Gestalt. Inhaltlich beziehen sich die Szenen aufeinander, denn die Privatbeichte
    war im 17. Jahrhundert noch eine Vorbedingung für die Teilnahme am Abendmahl.

    Beide Darstellungen scheinen jedoch bewusst gewählt zu sein, sie könnten in Verbindung stehen mit
    dem Übertritt des brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund zum reformierten Bekenntnis an
    Weihnachten 1613. Dieser Wechsel, der auch ein anderes Verständnis der Beichte und der Abendmahlsfeier
    mit sich brachte, wurde von den städtischen und ländlichen Geistlichen vehement abgelehnt.
    Der Widerstand war so erfolgreich, dass der Zwang zum Übertritt für die Bevölkerung verworfen
    wurde. Nur die Hofbeamten mussten sich zum Calvinismus bekennen.
    Die bei anderen Altären oft figurenreichen Szenen konzentrieren sich hier auf das Wesentliche. Einige
    Figuren, etwa bei der Austeilung des Abendmahls, hat der Bildschnitzer fast vollplastisch gearbeitet.
    In dem perspektivisch verkürzten Altarraum wirken die Akteure wie in einer Puppenstube platziert.
    Dieser Kunstgriff vermag die Betrachter unmittelbar und geschickt in die Handlung und die
    Agenda des Auftraggebers einzubeziehen.
    Scheint der Altar aus der Ferne nicht zuletzt aufgrund der kräftigen Farben, die das Erscheinungsbild
    der letzten umfassenden Restaurierung vom Anfang des 20. Jahrhunderts wiedergeben, gut erhalten
    zu sein, offenbaren sich die Schäden erst bei näherer Betrachtung. Im Laufe der Zeit hat sich erheblicher
    Schmutz auf den Oberflächen abgelagert. Auch Malschichtabplatzungen und Substanzverluste sind zu beklagen. Um weitere Beschädigungen zu verhindern, ist eine baldige Restaurierung des Altars
    dringend geboten.