Brandenburger Kirchen erwandern
Singen und Lauschen auf dem Rehfelder Liederweg
Wir saßen Ende Juni 2026 bei der Exkursion ins Havelland gemeinsam am Mittagstisch und unterhielten uns – natürlich übers Wandern. Zwei Fachfrauen: Ursula Walther, fast täglich auf Schusters Rappen unterwegs, und Anne Haertel, die in ihrer Freizeit Wanderführer schreibt und Wandern mit Kirchen und Musik verbinden möchte. So kamen wir auf Rehfelde, „das Grüne Tor zur Märkischen Schweiz“ und den dortigen Deutsch-Polnischen LIEDERWEG, den wir zum Nach- und Mitwandern empfehlen möchten. Initiiert wurde er vom Arbeitskreis Rehfelder Tourismus und dem Rehfelder Sängerkreis e.V. und im Oktober 2012 eingeweiht. Auf einem Wegenetz von 15 Kilometer treffen wir immer wieder auf Feldsteine, auf denen der komplette Text eines Liedes abgedruckt ist. Ein QR-Code hilft, das Lied auf dem Smartphone zu öffnen und sogar anzuhören bzw. mitzusingen. Auf diese Weise können wir manchmal Solisten oder Chöre sein oder sie mit unserer Stimme begleiten.
Foto: www.gemeinde-rehfelde.deLos geht es am Bahnhof Rehfelde, wo der RB 26 aus Berlin hält und ein Notenschlüssel als gepflanztes Ornament zu besichtigen ist. Unterwegs müssen wir darauf achten, dass Rehfelde Bahnhof nicht das gleiche ist, wie das Dorf Rehfelde, das wir auch besuchen werden. Nun geht’s aber erstmal los: Wir folgen einem blauen Kreis mit Notenschlüssel in Richtung Südost bis zur Kirche ins märkisch-oderländische Dorf Werder. Die Kirche wurde vermutlich von Mönchen des Klosters Zinna schon vor 1234 errichtet. Als 1968 die Decke der Kirche einzustürzen drohte, wurde die Kirche baupolizeilich gesperrt. Erst 1982 erfolgten umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Dabei konnte die Ausgestaltung der Apsis aus den Jahren 1886/88, die vom Holzwurm befallen war, leider nicht mehr gerettet werden. 2007 führten Putzarbeiten an der Ostseite des Turms zur Entdeckung eines dort eingeritzten Segelschiffs. Das Innere der Kirche wirkt sehr schlicht, beherbergt aber einige interessante Einzelstücke. Sobald wir die Kirche besichtigt und besungen haben, machen wir uns wieder auf, nun in Richtung Südwest, und wandern übers freie Feld. Hier ertönen so bekannte Volkslieder wie „Die Märkische Heide“, „Muss i denn…“ und „Sah ein Knab ein Röslein stehen…“, die uns leicht über die Lippen kommen. Als nächstes erreichen wir die St. Annen-Kirche in Zinndorf und damit ist schon die Hälfte des Weges geschafft. Die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert ist weitestgehend in ihrem Urzustand, da sie die großen Kriege unbeschadet überstanden hat. Das wertvollste Stück der sehr interessanten Innenausstattung ist eine Anna Selbdritt aus dem 16. Jahrhundert. Dazu kommen ein wertvoller holzgeschnitzter Altar und die Kanzel aus dem 16. Jahrhundert. Der Taufstein aus Rüdersdorfer Kalkstein ist indessen aus dem 14./15. Jahrhundert. Die letzte umfassende Sanierung begann Ende der 1980er Jahre und endete 2004.
Wir verlassen Zinndorf nach Süden bis der Liederweg am Ende des Dorfes auf einen Feldweg nach rechts gen Westen von der Straße wegführt und später wieder rechts ab nach Norden dreht, dort wo der zunächst parallele Lilienrundwanderweg geradeaus nach Rehfelde Dorf führt (14). An einer weiteren Kreuzung (16) gehen wir dann links direkt nach Westen nach Rehfelde Dorf und zur dortigen Dorfkirche. Wer schnell nach Rehfelde Bahnhof zurück möchte, geht an dieser Kreuzung geradeaus weiter. Die anderen biegen nach links nach Rehfelde Dorf ab und gehen nach der Kirchenbesichtigung in Richtung Nord-West zum Bahnhof Herrensee weiter, wo man die Tour beenden kann oder zurück in Richtung Rehfelde (Bahnhof) nach Osten weiterwandert. Entlang des Liederwegs nach Rehfelde Dorf finden wir weitere Liedstationen, wobei wir lauthals singen können. Die Rehfelder Dorfkirche ist ebenfalls eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, die ebenso unter Herrschaft des Kloster Zinnas entstanden ist. Im schiffbreiten Turm, der 24 m hoch ist, läuten vier Glocken aus dem Jahr 1920. Im Inneren der Kirche sind der Kanzelaltar von 1722 und die Orgelempore mit der Orgel von 1860 besonders sehenswert. Wertvoll sind auch zwei Leuchter aus Gelbguss mit einem runden Fuß auf drei Tierklauen aus dem 15./16. Jahrhundert.
Insgesamt umfasst die Runde 8 Kilometer, bei der Variante bis Herrensee sind es 11 Kilometer – also für diejenigen, die gut zu Fuß sind, bei einem Tagesausflug mit An- und Abreise gut machbar.
Weitere Informationen: Tourismusbüro Gemeinde Rehfelde direkt am Bahnhof, www.gemeinde-rehfelde.de
Ursula Walther, Anne Haertel