von Philipp Schauer

Die Orgel im Karton kann endlich gespielt werden

25 Jahre Förderverein Dorf und Kirche Hermersdorf

Martin Schulze spielt die restaurierte Sauer-Orgel in HermersdorfFoto: Philipp Schauer
Martin Schulze an der Orgel

Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen des Fördervereins Dorf und Kirche Hermersdorf e.V. bekam die Kirche im Müncheberger Ortsteil Hermersdorf (Landkreis Märkisch-Oderland) endlich wieder eine Orgel. Die alte war im Krieg zerstört und nie ersetzt worden. Jetzt aber war der Moment günstig, denn zwei Faktoren machten es möglich: Zum einen waren dem Förderverein vor zwölf Jahren die Reste einer kleinen Orgel geschenkt worden, die seitdem in Kartons verpackt auf der Orgelempore einstaubten. Zum anderen machte der Förderverein drei Jahre danach zufällig einen Ausflug zur Orgelwerkstatt Scheffler in Sieversdorf. Dabei wurden ein paar Fotos von der Orgel gezeigt. Nach einer Besichtigung vor Ort, bestätigte sich die Vermutung von Orgelbaumeister Konrad Scheffler, dass es sich um eine Orgel aus der berühmten Werkstatt von Wilhelm Sauer handeln würde und auf Sauer-Orgeln ist die Werkstatt Scheffler spezialisiert.

Die neue Hermersdorfer Orgel wurde um 1900 gebaut und ist ein seltenes Stück mit nur einem Manual und vier Registern, ohne Pedal. Ungewöhnlich war, dass diese kleine Orgel mit pneumatischer Traktur versehen wurde, bei der das Signal von der Taste zum Pfeifenventil mittels Luftdruck durch dünne Bleiröhrchen geleitet wird. Der Vorteil: Die Orgel ist leichter als bei der Verwendung massiver Holzgestänge. Wilhelm Sauer war u.a. in Frankreich ausgebildet worden, wo kleine Orgeln ohne Pedal häufig vorkommen und auch viele Musikstücke speziell für diese Art Orgeln komponiert wurden.

Festgottesdienst zur Orgeleinweihung in der Dorfkirche HermersdorfFoto: Christiane Heydenreich
Festgottesdienst zur Einweihung der Orgel

Die Hermersdorfer Orgel hatte gut zwei Drittel ihrer Pfeifen verloren und zwar die wertvollen aus Zinn. 49.000 Euro sollte die Wiederherstellung kosten. Martin Schulze, der Vorsitzende des Fördervereins, ging mit glücklicher Hand an die Arbeit: Über 11.000 Euro sammelte er vor Ort. Ein Benefizkonzert des Ensembles „Susato“, geleitet von Hans Martin Meckel, dem Bruder des Politikers Markus Meckel und Sohn des ersten Nachkriegspfarrers Ernst-Eugen Meckel, half mit. Die Sparkasse Märkisch-Oderland, der evangelische Kirchenkreis und der Föderkreis Alte Kirchen sagten Förderungen zu und eine beträchtliche Unterstützung steuerte auch die Hamburger „Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung“ bei. Der Löwenanteil der Finanzierung kam letztlich vom Land Brandenburg.

Beim Festgottesdienst am 15. Mai 2026 sprach Pfarrerin Karin Bertheau davon, dass die von unseren Vorvätern erbauten Kirchengebäude uns zwar heute vor oft unlösbar erscheinende Aufgaben stellten, die aber zu bewältigen seien, wenn die Kirchenmitglieder auch andere ansprächen und wenn eine erweiterte Gemeinschaft entstehe. Das sei in Hermersdorf gelungen und dafür sage sie im Namen der Kirchengemeinde voller Respekt „Danke!“. Martin Schulze und Konrad Scheffler sprachen ebenfalls. Die Kirche war mit über 150 Menschen bis auf den letzten Platz besetzt. Vier der fünf Meckel-Geschwister nahmen teil. Pfarrer Ringo Effenberger hatte ein Lied zu Ehren der neuen Orgel komponiert, das sogleich gesungen wurde. Gesang und Orgelklang waren kräftig hörbar.

Nun geht es darum, dass die Orgel genutzt wird, denn einen Organisten oder eine Organistin hat die Gemeinde nicht. Der Orgelsachverständige des Kirchenkreises, der die Orgel einweihte, ein weiterer Martin Schulze, stellte bereits ein Konzert in Aussicht. Klavierspieler können ihr auch Töne entlocken und so kann man Gottesdienste und Feste in Zukunft mit Orgelklängen feierlicher gestalten. Ein weiterer Erfolg des Fördervereins lässt sich feiern: Auch Rollstuhlfahrer können demnächst einfacher in die Kirche gelangen, um die alte neue Orgel zu hören. Die Schaffung einer barrierefreien Zuwegung ist in greifbare Nähe gerückt: Der Verein hat die Zulassung für die Beantragung einer LEADER-Förderung erhalten.

Philipp Schauer

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