Die Dorfkirche von Klausdorf (Potsdam-Mittelmark)

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Adventsmarkt 2013Großbildansicht

"Zur Eröffnung des Klausdorfer Adventsmarktes wurden die Glocken geläutet und die Gäste folgten ihrem Ruf in die festlich geschmückte Kirche zur Weihnachtsandacht, die von Prädikant Andreas Bruns, den Kindern der Kita "Kinderland Pechüle" und dem Gesangstalent Felix Fügner gestaltet wurde." Mit diesen Worten beginnt der anrührende Bericht von Kerstin Schäfer, Schriftführerin des Fördervereins zum Erhalt der Klausdorfer Kirche, über ein Ereignis, zu dem vor wenigen Wochen die Klausdorfer Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Klausdorf 1311. Im Jahr 1426 dann wird der recht kleine Ort - zur Ausstattung gehörten lediglich 20 Hufen - durch Markgraf Johann von Sachsen an das Kloster Zinna veräußert. Ausdrücklich verspricht der Markgraf in der erwähnten Urkunde den Einwohnern seinen Schutz. Jedoch nur wenige Jahre später, zwischen 1435 und 1452, ist der Ort bereits verlassen und die Mönche aus Zinna verpachten "die wüste mark und dorpstelle" Klausdorf an die Bauern im benachbarten Pechüle, die die Feldmark über mehrere Jahrhunderte als Wiesen- und Weideland nutzen. Als 1748 die kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer auf der Klausdorfer Feldmark die Familien von neun Pfälzer reformierten Flüchtlingen anzusiedeln beabsichtigt, stößt dies zunächst auf erbitterten und renitenten Widerspruch der Pechüler, der erst durch ein amtliches Schreiben des preußischen Königs und ein Kommando von zwanzig Grenadieren aus Treuenbrietzen gebrochen werden konnte.

Aus der so entstandenen Ansiedlung entwickelte sich das heutige Klausdorf. Auf eine Kirche mussten die Einwohner jedoch noch längere Zeit warten. Erst 1907 wurde der Grundstein für einen vom Treuenbrietzener Maurermeister Hannemann projektierten bescheidenen, massiven Saalbau in neobarocken Formen mit dreiseitigem Ostschluss und einem Dachturm in Fachwerkbauweise gelegt, der am 27. April 1908 feierlich eingeweiht wurde. Auch der Innenraum unter einer Holztonnendecke ist eher schlicht gehalten; lediglich ein Bild des Gekreuzigten schmückt den Altartisch.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt die Klausdorfer Kirche starke Beschädigungen und war in den folgenden Jahren dem weiteren Verfall preisgegeben. Ein bleiverglastes farbiges Fenster im Altarraum wurde zerstört, das mit Schnitzereien verzierte Taufbecken, der prunkvolle Kronleuchter und ein Harmonium verschwanden spurlos. Nach einer bauaufsichtlichen Sperrung im Jahre 1979 wurde bereits über einen Abbruch des Kirchengebäudes nachgedacht, doch die Klausdorfer waren sich einig, dass die Kirche im Dorf bleiben sollte. In den Jahren von 1984 bis 1986 wurde das Kirchengebäude mit finanzieller Hilfe und tatkräftiger Unterstützung auch aus den Nachbarorten Bardenitz und Pechüle umfangreich instandgesetzt.

Fotos: FV zum Erhalt der Klausdorfer Kirche

Zwei Jahrzehnte später jedoch wies das Gebäude erneut massive Schäden auf. Wieder ergriffen die Einwohner die Initiative und gründeten 2010 den Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche. Ein umfangreiches Nutzungskonzept wurde erstellt und Spenden gesammelt, Veranstaltungen organisiert und zahlreiche Kuchen gebacken. Von den lediglich 68 Einwohnern des Dorfes engagieren sich 19 im Förderverein, noch einmal so viele helfen bei der Vorbereitung und Durchführung von Theateraufführungen, Konzerten oder Basaren. Kerstin Schäfer stellt zufrieden fest: "Der Gemeinschaftssinn und das Miteinander werden gestärkt und der soziale Zusammenhalt gefestigt."

Das Engagement der Klausdorfer brachte auch erste Erfolge: Im vergangenen Jahr 2013 konnte der gefährdete Fachwerkturm saniert werden. Sogar vom Ministerpräsidenten Matthias Platzeck erhielt der Verein dafür eine Spende. Für 2014 ist nun die Instandsetzung der Fassade des Kirchenschiffes geplant. Risse im Mauerwerk müssen geschlossen, die Fundamente trockengelegt und isoliert werden; zudem soll die Kirche eine Dachrinne erhalten. An der Finanzierung des diesjährigen Bauabschnittes wird sich auch der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 3.000 Euro beteiligen, nachdem er dem Förderverein bereits 2012 mit einem "Startkapital" seine Anerkennung vermitteln konnte.

Bis zum nächsten Adventsmarkt in der Klausdorfer Kirche sollen die umfangreichen Arbeiten ein glückliches Ende gefunden haben.

Weitere Informationen: Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche e.V.; Lothar Schäfer; Klausdorfer Dorfstr. 22; 14929 Treuenbrietzen; Tel.: (03 37 48) 1 53 72; Mail: KuLSchaefer@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt Mai 2014: Die Irrwege einer heimgekehrten Bibel
Mitteilungsblatt September 2014: Gaukler, Tanz und Sabinchen in Wildwest
Märkische Allgemeine vom 08. August 2017: Kirchensanierung: Arbeiten dauern bis 2018


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