Auf in den Hohen Fläming!

Ein politischer Freundeskreis auf Tagestour zu vier renovierten Dorfkirchen

Wir waren seit vielen Jahren durch gemeinsames Engagement in der SPD Berlin mit Theda von Wedel verbunden und haben insbesondere ihre frühere kommunalpolitische Arbeit als Stadträtin in Berlin-Zehlendorf sehr geschätzt. Jetzt treffen wir uns als Ruheständler noch regelmäßig in kleinen privaten Runden. Dabei hat uns Theda von Wedel immer wieder mal begeistert von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im „Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.“ und von ihren Projekten im Brandenburger Umland berichtet.

Das traf bei uns auf offene Ohren, weil viele von uns neben der SPD auch Verbindungen mit der Evangelischen Kirche pflegen und damit in einer Tradition stehen, die in der Nachkriegs-SPD insbesondere mit den großen Namen Gustav Heinemann, Erhard Eppler und Johannes Rau und in Brandenburg mit Manfred Stolpe verbunden ist. Außerdem bekamen wir als Stadtbewohner aus Nachrichten und auf Ausflügen ins Umland natürlich auch mit, dass dort Dörfer und Kleinstädte häufig um das wirtschaftliche und politisch-soziale Überleben kämpfen müssen und das dortige kulturelle Erbe, also vor allem der Schatz an alten Kirchenbauten, sehr gefährdet ist.

So kam jetzt auf Anregung und organisiert von Theda von Wedel eine Tagestour am 14. März 2026 zustande. Mit dreizehn Teilnehmern fuhren wir in einem gemieteten Kleinbus in den Hohen Fläming und konnten uns in vier sehr kleinen Dörfern ansehen, anhören und bestaunen, wie aus zum Teil einsturzgefährdeten alten Dorfkirchen wieder schöne kirchliche Versammlungsorte, Treffpunkte für die Dorfgemeinschaft und Attraktionen für Besucher geworden sind und auch Orgeln und Glocken wieder funktionieren.

Wir waren in Lobbese, Lühnsdorf, Garrey und Zixdorf. Überall stand die Kirche noch inmitten des alten und weitergenutzten Friedhofs in der Dorfmitte und war schön renoviert. Die Renovierung hatte sich über viele Jahre erstreckt und war mit umfangreichen Antrags- und Planungsverfahren, Beteiligung vieler Ämter und Gewinnung von Fachleuten verbunden. Es war jeweils viel Fördergeld aus verschiedenen Töpfen aufzubringen. Für die notwendige Meinungsbildung und Mitarbeit vor Ort in der Kirchengemeinde, mit dem Dorf insgesamt und für die Koordinierung des Projekts war das Engagement einzelner Schlüsselpersonen entscheidend. Diese haben wir bei den Dorfkirchen kennengelernt und von ihnen gehört, dass der Förderkreis „Alte Kirchen“ mit der Projektbetreuerin Theda von Wedel der entscheidende Türöffner bei dem jeweiligen Projektverlauf war. Es war weniger die Fördersumme des Förderkreises, die im Vergleich zu den Projektkosten relativ gering blieb. Wichtiger waren das früh vorliegende Unterstützungsvotum und die laufende Betreuung und Vermittlung von Erfahrungen aus anderen Projekten.

Bei der Renovierung der vier Dorfkirchen ging es nicht nur um Sicherung der Bausubstanz, sondern auch um Wiederherstellung der schönen Ausmalungen im Inneren. Sie stammten aus dem Historismus und dem Jugendstil vor dem Ersten Weltkrieg und waren geprägt vom Wunsch, im Zweiten Deutschen Kaiserreich an das bedeutende und farbige Erste Deutsche Kaiserreich im Mittelalter anzuschließen. Die Ausmalungen aus der Bauzeit der Dorfkirchen im Mittelalter waren verschwunden und jetzt feierte sich der preußische Nationalprotestantismus mit neuen gemalten Ranken, Blumen und Vorhängen an den Wänden. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich geschmacklich oder aus Geldnot in Ost und West ein Purismus durch, die Wände wurden oft weiß übertüncht. Die Pflege der Kirchen wurde vernachlässigt. Jetzt wurde zur Überraschung und Freude von Denkmalschutz, Restauratoren und Bürgerschaft ein Zustand wiederhergestellt, auf den man früher stolz war und jetzt wieder stolz sein kann.

Traugott Klose

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