Die Dorfkirchen in Mellen und Milow

Wertvolles Kulturgut in einer länderübergreifenden Kirchengemeinde

Dorfkirche Mellen (Prignitz)

Seit dem vergangenen Jahr erreichen den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) eine zunehmende Anzahl an Anträgen auf Unterstützung durch eine finanzielle Förderung für Sanierungsvorhaben. Darunter sind zahlreiche Bauvorhaben an Dorfkirchen in der Kulturregion Prignitz. Eine der Bauherrinnen ist die neu entstandene Gesamtkirchengemeinde Westprignitz. Ihr Bezirk erstreckt sich über die beiden Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zu ihr gehören nicht weniger als 14 Dorfkirchen, von denen aktuell zwei mit größeren Sanierungsarbeiten bedacht werden. Auf der brandenburgischen Seite ist es die Sanierung der evangelischen Dorfkirche Mellen, mit rund 100 Einwohnern heute ein Teil der Stadt Lenzen. Der Feldsteinbau ist eine flachgedeckte Saalkirche im gotischen Stil aus dem frühen 14. Jahrhundert. 1490 erhielt sie ein neues Dachwerk und im Jahr 1628 einen Giebel mit Zierfachwerk aus Ziegeln. Die Fenster wurden barock verändert und das Westportal verschlossen. Das Kirchenschiff wurde hauptsächlich aus gespalteten Feldsteinquadern erbaut. Die Giebel wurden 1628 in einer Fachwerkkonstruktion errichtet, welche auf beiden Seiten mit Backsteinen verfüllt wurden. Die Backsteine sind teilweise diagonal verlegt. Im Osten wird die Giebelwand durch zwei Strebepfeiler gestützt, welche aus Findlingen und Backsteinen bestehen. Auch die nordwestliche Gebäudeecke wurde mit einer Feldsteinmauer verstärkt. Auf der Westseite befindet sich ein mit Feldsteinen zugemauertes Spitzbogenportal, dessen Laibungen aus Backsteinen ausgebildet wurden. Ebenso wurde ein oberes Stück der südwestlichen Ecke mittels Backsteinen ausgebessert. Die Kirche verfügte über einen holzverkleideten Turm im Westen. Dieser wurde jedoch wegen Baufälligkeit 1982 abgerissen. Mit einer großen finanziellen Kraftanstrengung gelang es der Gemeinde, im Dezember 2023 die große Glocke wieder erklingen zu lassen. Dazu wurde eigens ein separates Läutwerk – getrennt vom Gebäude – aufgestellt. Im Inneren verfügt die Kirche über einen spätgotischen Schnitzaltar aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Er zeigt eine Madonna mit Strahlengloriole und in den Seitenflügeln sind Heilige in zwei Reihen übereinander dargestellt. Stilistisch wurde der Altar durch den Künstlerkreis um den fränkischen Bildschnitzer Tilman Riemenschneider beeinflusst. Das Kirchengestühl mit ausgeschnittenen Bankwangen stammt von 1579. Rechts vom Altar steht hinter der Kanzel der „Preesterstohl“ und eine Klappbank.

Bisher kommt die Mellener Kirche ohne Stromanschluss aus. Mit zunehmender Nutzung von Akkus scheint das zumindest für den Einsatz von Technik ein eher abnehmendes Problem zu sein.

Im Jahr 2003 wurde das letzte Mal das Kirchenschiff instandgesetzt. Dazu gehörte im Schwerpunkt die Neueindeckung des Daches mit Biberschwänzen. Doch schon gut zwanzig Jahre später zeigten sich erneut Risse im Innen- und Außenbereich, verursacht unter anderem durch aufsteigende Feuchtigkeit im Sockelbereich. Es ist daher vorgesehen, lose und gerissene Zementfugen auszubauen und neu zu verfüllen. Hier ist es zum Teil erforderlich, dass Maueranker gesetzt werden, bevor eine abschließende Neuverfugung erfolgt. Auch die Risse im Innenraum bedürfen einer fachgerechten Sanierung. Der Feuchteeintrag in das Gebäude soll von außen begrenzt werden. Dazu ist das Gelände rund um die Kirche, insbesondere an der Südseite, neu zu modellieren und eine mineralische Abdichtung im erdbedeckten Sockelbereich erforderlich.

Ebenso wie Mellen erfährt zurzeit auch die evangelische Dorfkirche in Milow, einem Ort mit 360 Einwohnern, der zum Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern gehört eine umfassende Sanierung. Milow hat nicht nur eine sehr lebendige Kirchengemeinde, sondern ist mittlerweile auch durch die nahegelegene, teilweise noch im Bau befindliche Trasse der Autobahn A 14 zwischen Magdeburg und Schwerin mit eigener Ausfahrt verkehrstechnisch sehr gut erreichbar. Die Kirche Milow ist tagsüber von Ostern bis zum Reformationstag frei zugänglich. Folglich findet man sie selbstverständlich auch im „Verzeichnis der offenen Kirchen“ beim Förderkreis Alte Kirchen.

Dorfkirche Milow (Ludwigslust-Parchim)

Die Milower Kirche zählt zu den Objekten, die im 1909 erschienenen Inventar der Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Kreis Westprignitz, Eingang gefunden haben. Es handelt sich um eine gotische, aus Feldsteinen errichtete Kirche aus dem 14. Jahrhundert in Saalform. Schwere, geböschte Eckstrebepfeiler stammen vermutlich aus späterer Zeit. Die sich im Westen befindliche Haupttür ist im Spitzbogen gewölbt. In früherer Zeit wird der Eingang an der Nordseite gelegen haben, zwei vermauerte Spitzbogentüren künden davon. Die Fenster sind ebenfalls spitzbogig angelegt. Die drei östlichen Fenster sind teilweise vermauert. Ihr Anschlag ist durch Backstein hergestellt. Die Außenflächen sind mit durchtretenden Feldsteinreihen verputzt. Der Westgiebel wird vom quadratischem Fachwerkturmaufsatz überragt. Die Glocke hat einen Durchmesser von 0,58 m und ist 1754 von C.D. Heintze gegossen worden. Der Dachstuhl besteht aus grob gebeilten alten Eichenbalken. Die Bretterdecke wird durch zwei Unterzüge und Pfosten gestützt. An den Pfosten befinden sich zwei Schnitzfiguren, ein Engel und Petrus aus dem 16. Jahrhundert. Den reich verzierten Flügelaltar aus dem späten 15. Jahrhundert ziert als Mittelstück eine Maria im Strahlenkranz. Zeitweilig war – in evangelischer Zeit – das Mittelstück mit der Maria entfernt und durch die Kanzel ersetzt worden. Nach Restaurierungsarbeiten ist der bauzeitliche Zustand wiederhergestellt worden. Der Innenraum wirkt derzeit sehr dunkel, bislang wurde auf den Einbau einer geregelten Beleuchtung verzichtet. Jedoch lässt es sich ein engagierter Ehrenamtler nicht nehmen, bei Gottesdiensten und Veranstaltungen mithilfe einer selbstgebauten Lichtanlage den wunderschönen Altar zu erhellen.

Für die Gesamtkirchengemeinde könnten die Herausforderungen nicht vielfältiger sein: Das betrifft die finanzielle Ausstattung der Kirchen wie auch die Zuständigkeit von Behörden, die wie z.B. die Denkmalämter, jeweils landesspezifisch tätig sind. Ein langjähriger Sanierungsstau war die Folge. Aber Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Nun werden in mehreren Bauabschnitten sowohl das Dach als auch die Fassaden überarbeitet. Im Bereich des Dachtragwerkes müssen etliche Balken bzw. Balkenköpfe ersetzt werden, bevor eine vollständige Neueindeckung ermöglicht wird. Die Arbeiten, vor allem am Turm, waren aufwendig. Der in Fachwerk gehaltene Turm beheimatet im Inneren das Geläut, das zwischenzeitlich durch die geschädigte Bausubstanz schweigen musste. Inzwischen konnte nicht nur der Turm, sondern auch ein Teil der Außenhülle wiederhergestellt werden. An die so wichtige Gestaltung des Innenraumes ist momentan noch nicht zu denken. Dennoch, der Förderkreis Alte Kirchen freut sich sehr, dass er zu dem Gelingen auch in finanzieller Hinsicht ein wenig beitragen konnte.

Andreas Flender

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