von Konrad Mrusek

Eine archäologische Schatztruhe in Schönfließ

Bei der Sanierung der 800 Jahre alten Dorfkirche gibt es viele Fundstücke

„Mit Gräbern ist immer zu rechnen an einer Dorfkirche“, sagt der Archäologe Ulrich Wiegmann, „und je näher am Chor eine Gruft entdeckt wird, umso angesehener waren die einst bestatteten Personen.“ Diese archäologische Erfahrung bestätigt sich nun auch bei der Sanierung der Kirche in Schönfließ im Mühlenbecker Land (Landkreis Oberhavel). Schon im ersten Bauabschnitt, der vor zwei Jahren begann, fanden Wiegmann und sein Team nicht nur zwei Grabstätten an der Außenmauer der Nordseite, sondern im Inneren der Kirche diverse Keramikscherben und Metallteile, darunter auch Münzen aus dem Mittelalter.

Die zweite Sanierungsphase an der Ost- und Südseite der Kirche, die gegenwärtig läuft, könnte sich ebenfalls als archäologische Schatztruhe erweisen. Als dort die Grundmauern aus Feldstein freigelegt wurden, fand man eine weitere Gruft mit menschlichen Knochen und Sargbeschlägen. Im Inneren der Kirche wurde nach dem Abwaschen der hellen Wandfarbe wiederum, wie schon an der Nordseite, eine großflächige Malerei aus früheren Epochen durch die Restauratoren entdeckt. Vermutlich wird auch die dritte Sanierungsphase den Archäologen noch interessante Artefakte bescheren. Der Förderkreis Alte Kirchen hat sich bei den zwei ersten Maßnahmen finanziell beteiligt.

Freigelegte Gruft an der Dorfkirche SchönfließFoto: Abschlussbericht, S. 11, © Archäologie Wiegman
Gruft mit menschlichen Knochen

Für Fachleute sind die Funde keine Überraschung, denn die Dorfkirche Schönfließ ist eine der ältesten im Landkreis Oberhavel. Sie wurde um 1250 als romanischer Saalbau aus Feldsteinquadern errichtet. In der Barockzeit hatte die Kirche einige Gutsbesitzer als Patrone, die für etliche Umbauten und für das wertvolle Inventar sorgten. Dazu zählt unter anderem der prächtige Altar, der im Jahre 1705 von Heinrich Bernhard Hattenkerell geschnitzt wurde, sowie die Patronatsloge an der Südseite aus dem Jahre 1785, die von Friedrich Wilhelm von Pannwitz errichtet wurde. Ein anderer Patron, Werner von Veltheim, schuf Ende des 19. Jahrhunderts an der Südseite eine Kapelle, um seiner Familie einen direkten Zugang zur Patronatsloge zu ermöglichen. Der neoromanische Turm an der Westseite der Kirche aus gelben Klinkern mit einer hohen Spitze wurde ebenfalls in dieser Zeit der Dorfkirche vorgesetzt.

Was die Archäologen in der ersten Sanierungsphase 2024/25 beim Graben überraschte, war das unerwartet massive Fundament der Dorfkirche. Die Nordwand aus großen und kunstfertig behauenen Feldsteinen ruht auf einem ein Meter starken und 1,30 Meter in die Tiefe reichendem Sockel aus unbehauenen Feldsteinen, die in Lehm versetzt wurden. Eine große Gruft, die etwa in der Mitte der nördlichen Außenwand gefunden, aber nur zum Teil freigelegt wurde, schloss direkt an das Fundament der Kirche an. Das einstige Gewölbe der Gruft dürfte früher oberirdisch zu sehen gewesen sein, ist aber zwischenzeitlich eingestürzt, sodass vor den jetzigen Grabungen keine Spuren davon zu erkennen waren.

In dem Grab fand man neben opulenten barocken Sarggriffen an dem Skelett auch zwei Ringe, die auf das 16. Jahrhundert datiert werden. „Die Ausstattung des Sarges mit übergroßen, repräsentativen Griffen und die beiden Ringe des bestatteten Individuums“, so heißt es in dem Bericht der Archäologen, „deuten auf eine gehobene Stellung des Bestatteten innerhalb des Dorfes hin und lassen ein Mitglied des ortansässigen Adelsgeschlechtes vermuten.“

Bei den Grabungen an der Innenseite der Nordwand fanden die Archäologen viel Keramik aus dem Mittelalter, darunter waren aber auch Scherben, die aus viel früheren Epochen stammten. Damit scheint sich zu bestätigen, dass Schönfließ schon in der Bronzezeit besiedelt war. Beim Sieben des Erdmaterials im Inneren der Kirche konnten zudem acht Münzen gefunden werden. Die jüngste stammt aus dem Jahr 1924, ein sogenannter Rentenpfennig. Ferner wurde ein Rechenpfennig aus der Zeit Ludwig XIV. von Frankreich aus der Nürnberger Werkstatt des Medailleurs und Münzmeisters Lazarus Gottlieb Laufer (1642–1709) entdeckt. Überdies fanden sich mehrheitlich spätmittelalterliche Hohlpfennige, darunter einer aus der Zeit des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II. (1440–1471).

In der Zusammenfassung seines Berichts schreibt der Archäologe Ulrich Wiegmann, dass bei den weiteren Sanierungsarbeiten im Inneren und im Außenbereich der Kirche zwingend mit zusätzlichen Funden zu rechnen sei. Er vermutet auch, dass im gesamten Bereich des Kirchengrundes sogar Objekte aus vorgeschichtlicher Zeit zum Vorschein kommen könnten.

Konrad Mrusek

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