Nach über 100 Jahren wieder in Perleberg
Ein Glockenspiel in Bronze über der historischen Altstadt
In der historischen Altstadt von Perleberg, zwischen den beiden Armen der Stepenitz, auf einer Insel gelegen, steht die Kirche St. Jacobi, die um 1230 als spätromanischer Feldsteinquaderbau mit einem hohen querrechteckigen Westturm errichtet wurde. Von diesem Bau blieben der Feldsteinunterbau des heutigen Kirchturms und wohl auch Teile der Querhausarme erhalten. Die Kirche wurde in den Jahrhunderten mehrfach umgebaut und dabei auch der Turm teilweise stark verändert. Die heutige Form erhielt er nach einem schweren Brand 1918. Die markante Turmspitze des Architekten Stüler wurde in Form eines einfachen Satteldachs wiederaufgebaut. Die ebenfalls zerstörten Bronzeglocken des fünfstimmigen Geläuts wurden in den Folgejahren durch zwei Stahlglocken ersetzt.
Foto: K. D. GrafIn den vergangenen Jahrzehnten wurde das Kirchenschiff grundlegend saniert. Der Innenraum ist neugotisch geprägt, überwiegend im 19. Jahrhundert zuletzt verändert worden und der ehemalige Hochaltar von 1390 ist ausgelagert. Im Inneren befindet sich zudem ein beheizbarer Gemeindesaal, an dessen Westwand die Geschichte der Sanierung und Neugestaltung auf gut beleuchteten Bildtafeln nachlesbar ist. Daneben befindet sich ein Besucherempfang, der während der regelmäßigen Öffnungszeiten mit Ehrenamtlichen besetzt ist. Fachkundige Führungen werden angeboten.
Foto: K. D. GrafNun ist man dabei, den Kirchturm in drei Bauabschnitten zu sanieren, wobei der erste Abschnitt dem Glockengeläut gewidmet war. Sechs Bronzeglocken aus einer profanierten Kirche in Essen-Kupferdreh sorgen ab sofort wieder für ein umfassendes Geläut. Sie wurden 1961 von der Firma Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen. Hinzu kommt der Einbau von – auf den ersten Blick – unscheinbaren kleinen Metallhämmern, mit denen künftig ein Glockenspiel möglich ist.
Zuvor aber musste der Glockenstuhl neu gebaut werden. Bislang hingen die beiden Glocken an geraden Stahljochen in einem hölzernen Glockenstuhl. Der vorhandene Glockenstuhl mit der gesamten Deckenebene wurde ausgebaut und durch eine neue Deckenkonstruktion und neuem Glockenstuhl ersetzt. Die Läuterichtung wurde aus schwingungstechnischen Gründen um 90 Grad gedreht. Die Glocken werden nun an geraden Holzjochen aus Eichenholz aufgehängt. Der neue Glockenstuhl wird als Bockstrebenstuhl mit drei Gefachen ausgeführt, wobei jeweils zwei Glocken in einem Gefach übereinander läuten. Die Deckenkonstruktion besteht aus einer zweilagigen Holzbalkendecke, auf neu errichtetem Stahlbetonbalken. Die vorhandene Treppenanlage und damit die Zugänglichkeit des Turmes bleiben unverändert erhalten. Lediglich der Teil, der von der Treppenanlage zur Glockenstuhlebene führt, wird in einem weiteren Bauabschnitt saniert werden, zu dem auch die Ertüchtigung des Mauerwerks und der Turmspitze gehören werden. Auf einer Etage des Turminneren sind die Reste des historischen wohl ersten Ratszimmers der Stadt erhalten. Dieses will man als Versammlungsraum wiederherrichten. Als FAK unterstützen wir gerne solche erweiterten Nutzungen und freuen uns, dass wir mit einer kleinen Förderung dazu beitragen können.
Foto: K. D. GrafAm 26. Oktober 2025 waren die alten Stahlgussglocken im bereits eingerüsteten Kirchturm ein letztes Mal zu hören. Anschließend begannen die Zimmermannsarbeiten. Alle Glocken mussten von außen per Kran und Gerüst an- und abtransportiert werden. Am Palmsonntag, 29. März 2026, konnten die Glocken vor der Kirche von vielen Interessenten besichtigt werden, die in einem Festgottesdienst geweiht wurden und am 30. März 2026 in den Glockenturm eingehoben wurden. Im Juni 2026 wurde der Abschluss des ersten Bauabschnittes feierlich begangen und die Vorboten der nächsten Arbeiten konnten bestaunt werden.
Andreas Flender