28.07.2019  –  Märkische Oderzeitung

Ausstellung – von Bad Belzig in die Havelstadt

Zeugnisse jüdischen Lebens sind in der Ausstellung zu sehen.© Foto: B. Kraemer

Bärbel Kraemer / 28.07.2019, 12:11 UhrBrandenburg  Die Ausstellung zum jüdischen Leben, die im vergangenen Sommer erstmals in der Bad Belziger Marienkirche gezeigt wurde, ist demnächst in Brandenburg/Havel zu sehen. „Sie wird in der Katharinenkirche am Molkenmarkt/Neustädtischer Markt vom 1. bis zum 19. August gezeigt“, erklärt Wolf Thieme von der Projektgruppe „Jüdisches Leben in Belzig und Umgebung“. Über zweieinhalb Jahre hatte eine achtköpfige Gruppe unter Leitung von Benjamin Stamer und Wolf Thieme zur Thematik geforscht. Entstanden sind Informationstafeln mit Fotografien, Textbausteinen und anderen historischen Dokumenten, mit denen jüdischen Mitbürgern ein Teil ihrer Identität zurückgegeben werden soll.

Nach der ersten Präsentation in Bad Belzig wurde die Forschungsarbeit fortgesetzt. In dieser Folge ist es beispielsweise gelungen, die in Bad Belzig gezeigten Schautafeln für die Ausstellungszeit in Brandenburg zu erweitern. „Hinzu kommt eine Sondertafel über das Schicksal jüdischer Bürger, Geschäfte, Kauf- und Bankhäuser in der Stadt Brandenburg/Havel“, so Wolf Thieme. Der im Ortsteil Werbig lebende Journalist ergänzt, dass die Ausstellung in der Havelstadt deshalb auch unter den Titel „Jüdisches Leben im ländlichen Raum 1933-1945“ gestellt wurde.

Wolf Thieme ist derzeit noch mit der Zusammenstellung der Tafel beschäftigt, die jedoch nur einen Bruchteil des jüdischen Lebens im Brandenburg der Vorkriegszeit widerspiegeln kann. Rund 200 Mitglieder gehörten vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 der Jüdischen Gemeinde in Brandenburg an. 1942 wurden die letzten noch in der Stadt lebenden Juden deportiert. Nur wenige überlebten.

Im Einwohnerbuch der Stadt Brandenburg/Havel, Plaue und Kirchmöser aus dem Jahr 1838/39 findet man noch die Namen dieser Menschen. Großformatige Inserate, wie sie in den 1920er Jahren üblich waren, findet man von jüdischen Geschäftsleuten jedoch nicht mehr. Vermutlich war ihnen dies zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr möglich. Der Vorspann des Einwohnerbuches spiegelt zugleich die erstarkte braune Gesinnung in der Stadt wieder. Diejenigen, die inserieren, offenbaren mit ihren Anzeigen ihre Haltung. Heinrich Seibt wirbt beispielsweise damit, das älteste arische Fachgeschäft zu führen und Verkaufsstelle der Reichszeugmeisterei der NSDAP zu sein. Ähnlich das Wäsche- und Ausstattungshaus Riedel, dass sich damit schmückt, eine von der Reichszeugmeisterei der NSDAP zugelassene Verkaufsstelle für Bekleidung, Ausrüstung und Abzeichen zu sein. Da wundert es nicht, dass im Buch auch ein Abriss über die Entwicklung Brandenburgs seit der Machtergreifung der Nazis veröffentlicht wurde. Darin heißt es unter anderem, dass „der Kampf der NSDAP, um das rote Brandenburg“ bereits Mitte der 1920er Jahre begann.

Was mögen Buchdrucker Max Hummel, Hermann und Philipp Pintus die eine Mostrichmühle betrieben, Frieda Kiwi, die Inhaberin eines Seifengeschäfts war, der Hutfabrikant Otto Silbermann und die anderen Brandenburger Juden beim lesen in dieser Druckschrift gedacht und empfunden haben?

INFO

1. August, 16.00 Uhr, Katharinenkirche in Brandenburg/Havel, die Ausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Raum 1933-1945“ wird eröffnet.

Sie wird bis zum 19. August zu den Öffnungszeiten der Kirche jeweils Montag bis Sonnabend von 10.00 bis 16.00 Uhr und sonntags von 13.00 bis 16.00 Uhr gezeigt.

Bislang wurde die Ausstellung von mehr als 2.000 Menschen gesehen.

Im Januar wird sie im Potsdamer Landtag gezeigt.

Kontakt über Benjamin Stamer und Wolf Thieme von der Projektgruppe „Jüdisches Leben“ beim Belziger Forum e.V. in Bad Belzig. Tel. 033841/43676 oder per Mail über Infocafe@derwinkel.de

Märkische Oderzeitung, 28.07.2019
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