22.02.2021  –  Evangelischer Pressedienst

Brandenburgs Landeskonservator sorgt sich um Denkmäler

Mehr Denkmäler, mehr Fördermittel, aber auch Verluste: Brandenburgs Landesdenkmalamt hat seine Bilanz für 2020 vorgelegt. Zu den Erfolgen gehört die Restaurierung des 500 Jahre alten Bernauer Marienaltars, der wohl aus der Cranach-Schule stammt.

Wünsdorf (epd). Ein barockes Taubenhaus unrettbar verloren, das frühere Haus einer NS-Widerstandskämpferin vorbildlich saniert: Brandenburgs Denkmalpfleger haben für 2020 eine differenzierte Bilanz gezogen. Die Personallage habe sich etwas verbessert, betont Landeskonservator Thomas Drachenberg im neuen Denkmalreport des Landesdenkmalamtes, der am 17. Februar in Wünsdorf veröffentlicht wurde. Für nachhaltige Denkmalpflege reiche dies jedoch nicht aus.

Zugleich greife das vor einigen Jahren wieder in Gang gesetzte System der Landesförderung immer besser, betont Drachenberg: „Die Höhe der Denkmalhilfe ist auf 1,5 Millionen Euro angestiegen und wird 2021 noch weiter ansteigen.“ Auch das Fördervolumen des Bund-Länder-Programms für national bedeutende Kulturdenkmäler werde ab 2021 um 300.000 Euro auf insgesamt rund 1,3 Millionen Euro erhöht.

Die Zahl der anerkannten Denkmäler in Brandenburg ist dem Bericht zufolge auf gut 14.000 gestiegen. 142 Denkmäler seien neu in die Liste aufgenommen und neun gelöscht worden, heißt es dort. Die Zahl der märkischen Denkmäler stieg damit von 13.877 Ende 2019 auf 14.008 Ende 2020. Die meisten Denkmäler, jeweils mehr als 1.000, gibt es in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark und Prignitz sowie in Potsdam.

Zu den 2020 neu in die Liste aufgenommenen Denkmälern gehören ein mehrere Jahrhunderte altes Klostertor in der historischen Stadtmauer von Kyritz, eine mittelalterliche Bronzeglocke in der evangelischen Friedhofskapelle von Treuenbrietzen und ein Fabrik-Verwaltungsbau in Rathenau aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Auch der 1968 errichtete Wasserturm von Langengrassau bei Luckau und der ehemalige DDR-Postbunker im Strausberger Stadtwald seien solche „Entdeckungen“, heißt es im Bericht.

Zu den Erfolgen von 2020 zählen laut Landesdenkmalamt die Wiederherstellung der Originalarchitektur des früheren Hauses der NS-Widerstandskämpferin Elisabeth Pungs in Kleinmachnow und die Sanierung einer alten Wassertankstelle für Dampflokomotiven in Beeskow. Auch die Konservierung beschädigter Särge der Erbgruft der Familie von Rochow in der Kirche von Golzow und der Abschluss der Restaurierung des Bernauer Marienaltars aus dem Jahr 1519 seien große Erfolge, heißt es weiter. Der Marienaltar mit 39 figürlichen und 68 bildlichen Darstellungen, einer der größten und bedeutendsten spätgotischen Flügelaltäre des Landes, stamme vermutlich aus der Schule von Lucas Cranach.

Neben den Erfolgen stehen die Probleme: „Parallel dazu machen wir uns Sorgen um die Denkmale, denen es nicht gut geht“, betont Drachenberg: „Insbesondere die Objekte aus der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR-Zeit sowie die von der Klimakatastrophe stark geschädigten Gartendenkmale sind gefährdet.“

Probleme bereiteten unter anderem der inzwischen 20-jährige Leerstand der früheren Höheren Fliegertechnischen Schule der NS-Luftwaffe bei Jüterbog und das durch die Verkehrsplanung bedrohte Chausseehaus Nedlitz in Potsdam, heißt es im Denkmalreport. Auch mehrere jahrhundertealte Holzkunstwerke in evangelischen Kirchen bereiteten Sorgen. Durch Holzwurmfraß drohe Substanzverlust. Dazu gehöre ein inzwischen zerbrochenes Totenschild aus der Dorfkirche von Dallmin in der Prignitz.

Evangelischer Pressedienst, 22.02.2021
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