22.03.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Corona-Krise: Licht der Hoffnung in der Mittenwalder Kirche

Keine Gottesdienste, keine Andachten, dennoch will die Kirche Mittenwalde in Corona-Krisenzeiten ein Zeichen setzen mit ihrer Aktion „Licht der Hoffnung“ und den Menschen Mut machen.

In Zeiten der Corona-Krise dürfen keine Gottesdienste und keine Andachten stattfinden. Dennoch öffnete Pfarrer Christoph Kurz am Sonntag für eine Stunde die St. Moritz Kirche in Mittenwalde und ermutigte die Menschen, ein Zeichen zu setzen für Hoffnung und gegenseitigen Beistand in schweren Zeiten, in dem sie ein „Licht der Hoffnung“ entzünden und dies ins Fenster oder auf die Stufen vor dem eigenen Haus stellen.

Das „Licht der Hoffnung“ auf den Stufen der St. Moritz Kirche in Mittenwalde am Sonntagmorgen. Quelle: Andrea Müller

Ort für ein Gebet

„Wir öffnen die Kirche in der Gottesdienstzeit, damit die Menschen einen Ort finden können, an dem sie zum Gebet für sich selber oder mit anderen zusammen kommen können“, so Kurz. Dies allerdings nur für eine kurze Zeit von 10.30 bis 11.30 Uhr und in einem Abstand von mindestens zwei Metern. Schon am Eingang war auf einem Schild darauf hingewiesen worden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. In Mittenwalde sind derzeit drei Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. In dieser Krisensituation sei die St. Moritz Kirche in Ort, sich in der Stille an Gott zu wenden, so der Pfarrer.

Andacht für den Hausgebrauch

Auf den Kirchenbänken lagen Zettel mit einer „Andacht für den Hausgebrauch“, die Pfarrer Kurz im angemessenen Abstand voneinander im gesamten Kirchenraum für die Besucher verteilt hatte. Auf dem Altar standen frische Nelken, die Kerzen waren entzündet. Schon am Eingang zum Gotteshaus hatte er in einer Laterne das „Licht der Hoffnung“ angezündet.

Gemeinsam und doch getrennt

Dies ebenfalls zu tun und das Vaterunser zu beten, gemeinsam und doch voneinander getrennt, dazu ruft der Kirchenkreis Zossen-Flämingauf, zu dem auch Mittenwalde gehört. „So wissen wir, dass wir in dieser Corona-Krise miteinander verbunden sind im Gebet und Denken aneinander“, erläuterte Christoph Kurz.

Einige wenige folgten am Sonntag der Einladung zur offenen Kirche auf Distanz. Mit weitem Abstand nahmen die Besucher auf den Kirchenbänken Platz. Quelle: Andrea Müller

Für die Menschen da sein

Eine Handvoll Leute kam am Sonntagmorgen in der St. Moritz Kirche. Weit verstreut nahmen sie auf den Kirchenbänken Platz. Es wurde wenig miteinander gesprochen. „Ich will dennoch für die Menschen da sein“, so der Pfarrer, der bisher aber nicht verspüre, dass die Menschen mehr Beistand als in normalen Zeiten ohne Corona brauchen. Es gebe weder mehr Anrufe noch mehr E-Mails.

Abstand halten – diese Aufforderung war schon am Eingang zum Gotteshaus in Mittenwalde zu lesen. Quelle: Andrea Müller
Kantorin Christine Borleis spielte an der Grüneberg-Orgel in der Zeit, in der gewöhnlich die Gottesdienste stattfinden. Quelle: Andrea Müller

Angebot aufrecht erhalten

Dieses Angebot will der Mittenwalder Pfarrer in den kommenden Zeiten aufrecht erhalten, sofern keine weiteren Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie auf die Menschen zukommen. „Ich habe aber am Wochenende nur wenige Leute auf den Straßen hier in der Stadt gesehen“, sagte er. Die meisten hielten sich wohl an die Empfehlung, zu Hause zu bleiben, um sich nicht mit dem Corona-Virus anzustecken. 

Pfarrer Christoph Kurz verteilte Zettel mit der „Andacht für den Hausgebrauch“. Besondere Umstände erfordern besondere Hilfe. Quelle: Andrea Müller

Paul Gerhardt half auch in schweren Zeiten

Schon einmal bekam Mittenwalde besonderen Beistand von der Kirche. Im Jahr 1651 trat hier Paul Gerhardt seinen Dienst als Propst an. Die Zeiten waren schwer, der Dreizigjährige Krieg war gerade erst drei Jahre aus. Mittenwalde hatte durch Pest und Hunger viele Menschen verloren; die Stadt soll wie leer gefegt gewesen sein. Besonders mit seinen Liedern, die heute zum Weltkulturerbe gehören, sprach der heute weltbekannte Kirchenlieddichter den Menschen Mut zu. Ein Denkmal steht heute zu Füßen der St. Moritz Kirche.

Auf die Aufgaben konzentrieren

Christoph Kurz allerdings mag sich nicht mit Paul Gerhardtvergleichen, der bis 1657 in Mittenwalde diente, bevor er nach Lübbenberufen wurde. Er mag sich lieber auf die Aufgaben konzentrieren, die in diesen Tagen vor ihm stehen – gerade jetzt in der Corona-Krise, deren Ende vorerst nicht abzusehen ist.

Das Paul Gerhardt-Denkmal vor der St. Moritz Kirche in Mittenwalde. Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste der Propst auch in der Stadt viel Beistand spenden. Quelle: Andrea Müller

Nähe durch Distanz

„Nähe zeigen wir jetzt durch Distanz“, fasst Kurz es in Worte, was widersinnig klingt, aber derzeit der einzige Weg scheint, die Epidemie einzudämmen. Fast symbolisch unterstrichen das die Kirchenglocken hoch oben im Turm, deren Klang wohl jeden in der Stadt erreichte. Sie schlugen drei Mal in der Zeit der offenen Kirche am Sonntag: Erst eine Glocke, dann drei und schließlich alle vier gemeinsam.

Märkische Allgemeine Zeitung, 22.03.2020
Zur Kirche
St.-Moritz-Kirche Mittenwalde – Paul-Gerhardt-Stadt im Pressespiegel
Corona-Krise: Licht der Hoffnung in der Mittenwalder Kirche 22.03.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung