21.02.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Demerthiner können mit Kirchensanierung beginnen

Die Sanierung der mittelalterlichen Dorfkirche Demerthin scheiterte lange am Geld. Mit viel Einsatz und Unterstützung durch Kirchenkreis, Landeskirche, Stiftungen, Bund und EU bestehen nun reelle Chancen, die erforderlichen 600.000 Euro aufzubringen.

Finanzierung gesichert: Im März rücken die Handwerker an, um das Schiff der Demerthiner Dorfkirche zu sanieren. Pfarrer Daniel Feldmann aus Kyritz ist zufrieden.

Finanzierung gesichert: Im März rücken die Handwerker an, um das Schiff der Demerthiner Dorfkirche zu sanieren. Pfarrer Daniel Feldmann aus Kyritz ist zufrieden. Quelle: Alexander Beckmann

Nichts hält ewig. Auch der Kirche in Demerthin (Gemeinde Gumtow) ist ihr Alter von fast 600 Jahren anzusehen: dickes Moos auf dem Dach, bröckelnder Mörtel, morsches Holz im Turm, verwitterte Fenster und Türen. Schon vor Jahren hatte die Kirchengemeinde eine Sanierung ins Auge gefasst.

Der Sturm vom Oktober 2017 setzte dem Baudenkmal weiter zu. „Da war klar: Wir müssen hier irgendwas unternehmen“, erzählt Pfarrer Daniel Feldmann aus Kyritz. Klar war zugleich: Für die kleine Gemeinde wird das eine gewaltige Aufgabe.

Demerthin musste 600.000 Euro auftreiben

Vorangegangene Sanierungspläne waren nicht zuletzt am Geld gescheitert. Aktuell sind rund 600.000 Euro für die Arbeiten an Turm und Kirchenschiff veranschlagt. Wo so eine Summe herkommen sollte, schien anfangs völlig offen.

Eine Besonderheit des Baudenkmals sind die aus dem Mittelalter erhalten gebliebenen Wandmalereien im Inneren.

Eine Besonderheit des Baudenkmals sind die aus dem Mittelalter erhalten gebliebenen Wandmalereien im Inneren. Quelle: Sandra Bels

Allerdings hat das Haus aus der Mitte des 15. Jahrhunderts kulturhistorisch einiges zu bieten. Ende der 1960er-Jahre hatte man beispielsweise die mittelalterliche Ausmalung des Innenraums wiederentdeckt – vergleichsweise gut erhalten. Auch sonst entspricht noch vieles dem Zustand in der Entstehungszeit – der Dachstuhl beispielsweise. Sowas gibt es nicht mehr so oft. Damit war Demerthin zumindest Fachleuten ein Begriff.

Mit historischer Bedeutung gepunktet

Außerdem bildet die Kirche zusammen mit dem benachbarten Renaissanceschloss und den umliegenden Gebäuden ein Ensemble, das den historischen Gutshof der Familie von Klitzing bis heute recht gut erahnen lässt. „Ich glaube, dass die Fördermittelgeber das touristische Potenzial von Demerthin ganz gut finden“, sagt Pfarrer Feldmann und ergänzt, dass da natürlich noch sehr viel zu tun sei.

Auch für den Turm der Demerthiner Kirche bestehen inzwischen Aussichten auf eine Sanierung.

Auch für den Turm der Demerthiner Kirche bestehen inzwischen Aussichten auf eine Sanierung. Quelle: Alexander Beckmann

Demerthin trommelte jedenfalls – und konnte punkten. Nicht zuletzt mit Unterstützung des Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke gelang im vergangenen Jahr die Aufnahme in das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes. 99.000 Euro wurden zugesagt. Fehlten noch 501.000.

Zweiter Anlauf im Leader-Programm

„Wir haben es nochmal mit Leader versucht“, berichtet Daniel Feldmann. Bei einem ersten Anlauf vor einigen Jahren war Demerthin mit seinem Antrag an das EU-Förderprogramm gescheitert. Diesmal konnten der Pfarrer und seine Gemeinde weitere Unterstützer auf ihre Seite bringen: Kirchenkreis, Landeskirche, Stiftungen sagten finanzielle Hilfe zu. Im vergangenen Jahr befürwortete schließlich auch der Prignitzer Leader-Verein das Vorhaben. Dreiviertel der Gesamtbaukosten sollen somit aus EU-Mitteln kommen – zumindest für das Kirchenschiff.

Beim ebenso sanierungsbedürftigen Turm ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Daniel Feldmann zeigt sich aber zuversichtlich: „Die Finanzierung ist jetzt so weit, dass wir uns trauen anzufangen. Ich halte das für einen ganz großen Glücksfall.“

Wahre Papiergebirge bewältigt

In jedem Fall steckt viel Arbeit drin. „Solche Fördersummen zu bekommen, ist unglaublich schwierig. Das ist alles sehr aufwändig. Ich hatte Glück, dass ich die Zeit dafür hatte.“ Und Unterstützung. „Es ist ganz wichtig, dass die Gemeindeglieder dahinterstehen“, stellt der Pfarrer klar und nennt noch andere, die dem Projekt beistanden. „Die Denkmalpfleger zum Beispiel sind ja sehr interessiert an dem Bauwerk.“ Feldmanns Fazit: „Es war klar: Alle wollen das.“

Zum Jahresbeginn konnte die Kirchengemeinde die ersten Bauleistungen ausschreiben. „Wir hatten sehr viele Angebote“, freut sich Daniel Feldmann. Allein um den Gerüstbau bewarben sich 14 Firmen. Vielleicht sei ja so eine Kirchensanierung für den einen oder anderen Handwerker besonders attraktiv, spekuliert der Pfarrer. Nur für die Elektrik im Haus liege noch kein Angebot vor.

Auch dafür werde sich eine Lösung finden, ist Daniel Feldmann überzeugt. „Das Submissionsergebnis lässt uns ganz optimistisch in die Zukunft gucken. Mitte März soll es mit dem Bauen losgehen.“

Von Alexander Beckmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.02.2021
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