06.01.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Die Kirchenrettung in Pessin ist gelungen

Eine Erfolgsgeschichte hat der Förderverein Dorfkirche Pessin seit seiner Gründung 2010 geschrieben. Ihm ist es gelungen, das Gotteshaus umfangreich zu sanieren. Jetzt steht es für kirchliche und kulturelle Aktivitäten zur Verfügung.

Es ist eine echte Erfolgsgeschichte: Vor zehn Jahren wurde der Förderverein DorfkirchePessin gegründet, um das Gebäude vor dem Verfall zu bewahren. Dazu fanden sich am 6. Januar 2010 rund 15 Leute zusammen, sie fingen bei Null an.

Ihnen, vielen Spendern und weiteren Geldgebern ist es zu verdanken, dass die Kirche nun wieder eine Zukunft hat. Am 12. Januar wird mit einem Festgottesdienst an diesen Kraftakt erinnert. Später wird es noch ein Sommerfest geben.

Kurz vor der Schließung

Einer, der den ganzen Prozess mit angeschoben und aktiv begleitet hat, ist der Fördervereinsvorsitzende Andreas Flender. Ihm war es ein Herzensanliegen, das Gotteshaus zu erhalten. Und Eile tat damals Not, die Kirche stand kurz vor der Schließung. Nicht umsonst gab sich die 2009 gegründete Projektgruppe den Namen „Rettet die Dorfkirche“.

Andreas Flender hatte mit der Kirche bis dahin nicht allzu viel zu tun. Er zog erst 1992 in die Gemeinde, kam aus beruflichen Gründen vom Sieger- ins Havelland. „Meine Frau arbeitete damals in der Kirchengemeinde mit. Pfarrer Michael Jurk äußerte dann im Gemeindekirchenrat, dass man wegen des schlechten Zustandes die Kirche am besten schließen und die Gottesdienste woanders machten sollte“, erinnert er sich.

Fußboden war kaputt

Denn der Pfarrer sah sich außerstande, sich auch noch um das Gebäude zu kümmern. Nach Dacharbeiten in den Jahren davor war es zwar dicht, „aber drinnen herrschte totales Chaos“, so Flender. So war der Fußboden schon an einigen Stellen kaputt. „Es musste dringend etwas gemacht werden, aber wir hatten kein Geld.“

Diese Figur wurde kürzlich am Altar angebracht. Quelle: Andreas Kaatz

Doch davon ließen sich Andreas Flender und eine Hand voll Unentwegter nicht abschrecken. Ein Architekt wurde beauftragt, eine Bestandsaufnahme zu machen, die Pessiner Firma Börner befestigte den Fußboden. „Das war die Initialzündung auch für weitere Dinge.“ So stießen sogar Leute hinzu, die nicht in die Kirche gehen, aber denen der Erhalt des ältesten Gebäudes sehr wichtig war und ist.

Verein sollte nicht nur retten

Um an Geld zu kommen, wurden Kontakte in die Politik, zu Stiftungen und auch zu kirchlichen Institutionen geknüpft. Benefizkonzerte fanden statt, private Spender öffneten ihre Schatullen. Dabei half auch, dass die Vereinsmitglieder eine klare Zielvorgabe in ihrer Satzung hatten. „Wir wollten einen Förderverein haben, der nicht nur rettet, sondern sich auch um eine dauerhafte Nutzung kümmert“, sagt Andreas Flender, der selber sehr viel Klinken putzen ging.

2013: Andreas Flender und Pfarrer Michael Jurk auf einem Zwischenboden direkt unter der Kirchendecke, die das Wappen und die Engel zurück bekommen hat. Teile der Stuck-Engel waren bei der Demontage im Jahre 1955 gerettet worden. Quelle: Andreas Kaatz

Doch im Laufe der Zeit zeigte sich: Mit der ursprünglichen Kalkulation von 250 000 Euro Kosten wird man nicht hinkommen. Ein Vertreter des kirchlichen Bauamtes dämpfte zudem die Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg. „Denken Sie nicht, dass es in fünf Jahren fertig ist“, erinnert sich Flender an die damalige Aussage. „So hatten wir nicht damit gerechnet, dass wir dann doch recht zeitig fertig geworden sind. Schon 2015 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen“, sagt der Vereinschef stolz.

Hausschwamm entdeckt

Angesichts der vielen Überraschungen, die schon 2010 auf den Verein warteten, eine große Leistung. Nicht nur, dass anfangs der Fußboden im Eingangsbereich plötzlich zusammen gebrochen und die Kirchedeshalb gesperrt war. Schon Anfang 2010 stellte sich heraus, dass unter der Nordempore Hausschwamm am Gebälk und am Mauerwerk nagte. Also Bänke und Dielen raus, ebenso wie das befallene Holz. Bei der Gelegenheit stieß man gleich noch auf Gruften.

Doch damit nicht genug: 2011 entdeckte man auch an der Südempore Schwamm, der kurz darauf ebenfalls entfernt wurde. Außerdem wurde 2012 die Fassade des Kirchenschiffs erneuert, und 2013 erfolgte die Restaurierung der Decke. Diese erhielt bei der Gelegenheit auch die Engel zurück. Darüber hinaus wurde der wurmstichige Altar restauriert, der dann 2019 noch um die Figur des Auferstandenen ergänzt worden ist. 2015/16 erfolgte die Sanierung der Winterkirche.

Schlag auf Schlag

„Es ging vieles Schlag auf Schlag“, sagt Flender. „Es war zwar anstrengend, aber es machte auch Freude, weil wir Erfolg hatten. Ich bin stolz, dass wir das so hinbekommen haben.“ Rund 650 000 Euro sind ins Gotteshaus geflossen – zu je einem Drittel Gelder aus dem kirchlichen Bereich, aus öffentlicher Förderung und aus privaten Spenden.

Annett Schulz im Jahre 2013 bei der Restaurierung des Altars. Quelle: Andreas Kaatz

Mittlerweile ist aus der reinen Kirche, die auch wieder über eine Orgel verfügt, eine soziokulturelle Einrichtung geworden. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt. Selbst ein Besucherzentrum mit Toilettenanlage gibt es jetzt im Turm. Unter der Glockenstube soll auch noch eine Heimatstube entstehen.

Außenanlage wird befestigt

Die Kirchenglocke ist derzeit in der Reparatur und soll bald gemeinsam mit einer zweiten, die unlängst gekauft wurde, in den umgebauten Glockenstuhl zurück kehren. Schließlich werden noch der barrierefreie Zugang zur Kirche errichtet und die Außenanlage befestigt.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 06.01.2020
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