30.10.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Dierberg -Großes Kino auf dem Dorf

In der Veranstaltungsreihe Dorfkino Dierberg sind liebevoll ausgesuchte Filme zu sehen. Ortsvorsteher Peter Grundmann will Menschen zusammenbringen und ein bisschen Kultur ins Dorf holen.

Mal draußen, mal in der Kirche, mal im Gemeindezentrum: Seit August sind in Dierberg monatlich Filme zu sehen.Quelle: Privat

Der dritte Film war ein Risiko. „Systemsprenger“ erzählt von der neunjährigen Benni, die gegen Erzieher und Pflegefamilien rebelliert. Ein herausfordernder wie berührender Stoff. Bei den Zuschauern des DorfkinoDierberg kam er gut an. Das Gemeindezentrum war ausverkauft.

Dierberger Dorfkino: Landfrauenchefin Corina Brunow und Ortsvorsteher Peter Grundmann Quelle: privat

Seit August veranstalten die Dierberger Landfrauen und Ortsvorsteher Peter Grundmann das Dierberger Dorfkino. Zum Open-Air-Auftakt der Veranstaltungsreihe kamen 143 Zuschauer. Nach dem zweiten Film gab es Applaus. Für Grundmann eine Bestätigung, dass Kino in einem 280-Einwohner-Dorf ein Erfolg sein kann. „Es lohnt sich, sich was zu trauen.“

Grundmann ist begeisterter Kinogänger. Als er von dem kleinen Lögower Dorfkino hörte, das in der alten Schule des Wusterhausener Dorfes Filme präsentiert, beschloss auch er, ein Dorfkino zu veranstalten. „Bis auf die üblichen Feste ist auf einem Dorf ja sonst nicht viel los“, sagt er. „Ich will ein bisschen Kultur aufs Dorf holen.“

Angst, dass nur fünf Leute kommen

Bislang ging das Konzept des 44-Jährigen voll auf. Das Interesse für die Vorstellungen unter freiem Himmel, in der Dorfkirche und im Gemeindezentrum war groß. „Natürlich hat man vorher immer Angst, dass nur fünf Leute kommen“, sagt Grundmann. Inzwischen weiß er, dass sich die Dierberger und ihre Nachbarn für gutes Kino begeistern können. „Man bringt die Dörfer zusammen.“

Grundmann freut sich, dass Menschen zu den Filmen kommen, die üblicherweise nicht ins Kino gehen. Er will ihnen ungewöhnliche Filme zeigen – aber auch Zuschauern mit Freude an anspruchsvollen Stoffen ein Angebot machen. Eine Herausforderung.

Filme für kleinste Spielstätten

Der Filmklub Güstrow unterstützt ihn dabei. Der Klub hat eine Online-Datenbank aufgebaut, mit deren Hilfe kleine und kleinste Kinos Filme jenseits des Mainstreams präsentieren können. Für die etwa 60 Spielstätten, die den Filmklub zu ihrem Partner gemacht haben, eine enorme Erleichterung – alle rechtlichen Fragen, die vor dem Zeigen eines Films beantwortet werden müssen, sind bereits geklärt.

Von dem Filmklub profitieren Filmreihen in Rheinsberg, Fürstenbergund kleinen Orten an der Müritz. „Gute Filme gibt es auch bei uns“, sagt Grundmann. Wer gute Filme liebe, müsse nicht bis nach Berlinfahren.

Dokumentarfilme im Kornspeicher

Grundmann selbst ist ein treuer Fan der Dokumentarfilmreihe im Kornspeicher Neumühle. Vor einigen Jahren sah er dort „ParchimInternational“, einen Film über einen chinesischen Investor, der lange an die Chancen des Parchimer Flughafens glaubte. Dokumentarfilme ließen Zuschauer in Welten eintauchen, die ihm sonst fremd blieben, sagt Grundmann. Dabei begeistert sich der Familienvater auch für die Bildgewalt auf großer Leinwand. „Es gibt Filme, die kann man nur im Kino gucken.“

Vor dem Start der Veranstaltungsreihe hatte Grundmann mehrere Wochen recherchiert, um eine geeignete Leinwand zu finden. „Natürlich wollte ich die Filme nicht auf einem Laken zeigen.“ Inzwischen hat sich seine Idee eines Dorfkinos so rumgesprochen, dass Rheinsbergs Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow ihn einlud, sein Projekt auch den anderen Ortsvorstehern zu präsentieren.

Banner an der Bushaltestelle

Das Dierberger Dorfkino ist kein Selbstläufer. Um das Dorfkino richtig bewerben zu können, verteilen die Landfrauen Flyer an jede Dierberger Familie. Ein großes Banner wirbt an der Bushaltestelle. Plakate, die Grundmanns Frau gestaltet hat, hängen in der Schaukästen der Region. Facebook-Posts würden das Dorfkino zum Stadtgespräch machen, sagt Grundmann. Doch seien es die traditionellen Formen der Werbung, die die Leute tatsächlich ins Kino brächten.

Grundmann ist in Zerpenschleuse (Barnim) aufgewachsen. Seit acht Jahren ist er Mitglied im Ortsbeirat, seit fünf Jahren Ortsvorsteher. Er kennt die Höhen und Tiefen des Ehrenamts – auch die Enttäuschung der Leute darüber, dass ein Ortsvorsteher nur wenig ausrichten kann. Umso mehr versteht Grundmann sich als Moderator.

Unzufriedenheit auf dem Dorf

„Wir leben zwar eigentlich in einem Land des Überflusses“, sagt er. „Doch im Dorf hapert es an allem.“ Lange Wartezeiten auf Reparaturen der öffentlichen Infrastruktur oder einen Spielplatz. „Alles ist marode.“ Grundmann hat viele Gespräche mit Unzufriedenen führen müssen. Auch deshalb ist es ihm so wichtig, die Leute zusammenzubringen.

Von Frauke Herweg

Märkische Allgemeine Zeitung, 30.10.2019
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