27.03.2020  –  Lausitzer Rundschau

Elbe/Elster – Kirchen öffnen die Türen zu Gebet und Einkehr

In unterschiedlicher Art und Weise versuchen die Kirchengemeinden in Elbe-Elster in der Corona-Krise für die Menschen in ihren Orten da zu sein. Vielen Gläubigen fehlt der direkte Austausch.

Spruchzettel, Texte und Lieder zum „Abpflücken“ gibt es täglich an der evangelischen Trinitatiskirche in Finsterwalde. Heike Dymke findet die Idee gut. Ihr Zettel wird einen Platz am Kühlschrank finden.

In Finsterwalde ist die Kirchentür der evangelischen Trinitatiskirche von Montag bis Freitag zwischen 15 und 17 Uhr und am Sonntag zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet. „Unsere Kirche soll in dieser Zeit ein Ort für Gebet und Einkehr, aber auch der persönlichen Begegnung sein. Während unserer Öffnungszeiten ist stets eine Person aus der Gemeinde in oder vor der Kirche anzutreffen, alles natürlich mit den nötigen Abstandsregeln und parat gehaltenen Desinfektionstüchern. Es ist aber gut und richtig, dass wir in diesem sehr kleinen Rahmen die Möglichkeit der persönlichen Begegnung schaffen“, ist sich Pfarrer Markus Herrbruck sicher.

Dem Finsterwalder Pfarrer geht es nicht nur um Seelsorge

Er selbst war vor Ort. Dass die Menschen das Bedürfnis haben, miteinander zu sprechen, spürt er nicht nur an diesem sonnigen Nachmittag vor der Kirche. Es erreichten ihn vermehrt Anrufe von Menschen, die einfach nur mal reden wollten. Dabei ginge es nicht um große seelsorgerische Fragen, meistens nur um das Mitteilen und Wahrgenommen werden, berichtet er, während eine ältere Dame auf ihn zukommt. „Ich bin so dankbar, dass meine Kirche offen ist. Hier kann ich innehalten und für meine Lieben und die Menschen weltweit beten“, sagt sie.

Für einige Minuten zieht sie sich in das Gotteshaus zurück. Dort leuchten Kerzen auf dem Altar. Bücher mit Gebeten für verschiedene Lebenssituationen liegen bereit.

Draußen neben der Kirchentür flattern bunte Zettel an einer Art Wäscheleine. Lieder, Texte und Gebete zum Mitnehmen hat das Team der evangelischen Kirchengemeinden in und um Finsterwalde vorbereitet. Auch für Kinder sind Ausmalbilder und Texte in kindgerechter Höhe angebracht.

Finsterwalderin vermisst Gottesdienste in der Kirche

Heike Dymke aus Finsterwalde ist bei ihrem Gang durch die Stadt auf die Aktion aufmerksam geworden. Nach kurzer Betrachtung pflückt sie einen Zettel von der Leine. „Ich finde die Idee richtig gut. Ich bin mir sicher, dass die Menschen die Gottesdienste und die Begegnungen in der Kirche vermissen. Die Aktion kann ein kleiner Ausgleich sein. Der Spruchzettel wird einen Platz an meinem Kühlschrank finden“, sagt sie.

Neben der täglichen Kirchenöffnung haben die Mitarbeitenden weitere Angebote geschaffen. Ab sofort werden jeweils am Samstagabend um 18 Uhr die Kirchenglocken für zehn Minuten läuten. Während dieser Zeit sind die Menschen eingeladen, zu Hause ein Abendgebet zu sprechen. Man findet es auf der Homepage der Trinitatiskirchengemeinde.

Am Sonntag läuten die Glocken um 9.30 Uhr als Startsignal für den TV-Gottesdienst. Zusätzlich ist die Gemeinde online präsent. Wöchentlich nehmen die Pfarrerinnen und Pfarrer Andachtsfilme auf, die auf dem YouTube-Kanal und der Homepage des Kirchenkreises zu sehen sind.

Auch Kirchhainer Stadtkirche mit offenen Türen

Auch in Kirchhain stehen die Türen der Stadtkirche täglich offen. Es liegen Gebetstexte aus. Die Pfarrer Frank Wendel und Manfred Grosser in Doberlug-Kirchhain verweisen auf die Informationen in den Schaukästen.

Lausitzer Rundschau, 27.03.2020
Zur Kirche
Stadtkirche St. Marien Doberlug-Kirchhain im Pressespiegel
Elbe/Elster – Kirchen öffnen die Türen zu Gebet und Einkehr 27.03.2020 · Lausitzer Rundschau