27.05.2020  –  Märkische Oderzeitung

Falkensee: Turmfalken brüten erfolgreich in Finkenkruger Kirche

Drei flauschige Turmfalkenjunge. Ihr Zuhause ist die Finkenkruger Kirche in Falkensee. © Foto: Jörg Romanski

Silvia Passow / 27.05.2020, 04:45 Uhr Falkensee Hoch oben über dem Kirchenschiff, nicht sichtbar für den Besucher, haben sich Dohlen eingerichtet. Es piepst, schrill und laut. Konrad Bauers Augen leuchten auf. Die Dohlen haben Junge. Der Naturschützer und Experte für Turmvögel des NABU Osthavelland erkennt die Rufe seiner kleinen Lieblinge sofort. Die Dohlen brüten in der Kirche am Pfarrer-Voigt-Platz. Doch nicht nur Dohleneltern sind hier gerade um ihren Nachwuchs bemüht. Im Kirchturm hat sich ein Turmfalkenpaar niedergelassen.

Jörg Romanski, der Umweltbeauftragte der Gemeinde, ist sichtlich aufgeregt. Seit Wochen beobachtete er ein Falkenpaar, dass seine neue Heimat augenscheinlich im Kirchturm gefunden hat. Der Umstand ist deshalb so erfreulich, weil Romanski vor fünf Jahren einen Nistkasten für Turmfalken im Turm angebracht hat. Der Nistkasten war im Rahmen eines Schulprojektes entstanden. Seit 2015 hing er von Turmfalken unbeachtet dort.

Kürzlich stieg Romanski zur Brutkontrolle in den Turm, in Begleitung von Konrad Bauer, der im Havelland regelmäßig die Bestände in den von ihm betreuten Nistkästen zählt. Bauer begleitet das Projekt in der Finkenkruger Kirche. Die letzten Meter zum Nistkasten sind reichlich abenteuerlich. Doch es gelingt Romanski unbeschadet an den Nistkasten zu gelangen. Vorsichtig und ganz langsam öffnet er das Holztürchen. Drinnen hocken drei schneeweiße Küken und schauen mit einer Mischung aus Empörung und Angst ihrem Besucher entgegen.

Romanski macht rasch ein paar Fotos, dann verschließt er den Nistkasten wieder. Er will nicht länger stören als nötig. Obwohl er gerade ungesichert über ein paar Holzplanken in luftiger Höhe durch den Kirchturm balanciert, sieht er doch aus wie der glücklichste Mensch unter der Sonne. Drei Küken, hungrig, flauschig und sie wirken gesund und munter.

Etwa zwei Wochen jung sind sie, schätzt Bauer. Turmfalkenweibchen legen von Mitte April bis Mitte Mai ihre Eier und brüten 29 Tage lang. Rund vier Wochen werden die Kleinen von den Eltern gefüttert. In den danach folgenden vier Wochen wird die Dreierbande von ihren Eltern lernen, was ein Turmfalke so wissen muss fürs Leben. Dann verlassen sie ihren Geburtsort und suchen sich ein eigenes Revier.

Es wird also gar nicht so lange dauern, bis sich die kleinen Falken oben am Kirchturm sehen lassen. Dann können die Finkenkruger die flinken Mäusejäger beim Erwachsenwerden beobachten. Mäuse sind die Lieblingsspeise der grazilen Jäger. Tauben schlagen Turmfalken nicht, allein deren Gewichtsklasse spricht dagegen.

Wenn eines der Jungtiere mal auf dem Kirchplatz unfreiwillig landet, sollte nur bei Gefahr im Verzug durch die Menschen eingegriffen werden. Wenn der Jungvogel hilflos auf der Fahrbahn liegt, zum Beispiel oder Katze oder Fuchs gerade in der Nähe sind. Die Turmfalkeneltern kümmern sich in der Regel um ihr Junges.

Jörg Romanski ist ganz angetan vom Nachwuchs im Kirchturm. Der Umweltbeauftragte der Gemeinde möchte noch mehr für die Lebewesen in und um die Kirche herum tun. Die Kirche soll Lebensraum für die Geschöpfe Gottes sein. Den Gedanken nimmt Romanski ernst und füllt ihn mit Leben. 2016 wurde das Nachhaltigkeitskonzept der Gemeinde Finkenkrug sogar mit dem Ökumenischen Umweltpreis ausgezeichnet. Als nächstes würde Romanski gern den Dohlen ein sicheres Brüten in der Kirche ermöglichen. Bauer soll hier mit seinem Team Nistkästen aufhängen. Auch den Schwalben möchte Romanski Behausungen anbieten, ebenso den Fledermäusen.

Märkische Oderzeitung, 27.05.2020
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