28.05.2020  –  Märkische Oderzeitung

Jubiläumsausstellung in Neuruppin – Mehr als nur eine Sagenfigur

Thomas Klemm-Wollny, geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Neuruppin (links), und Matthias Zágon Hohl-Stein haben die Ausstellung in der Neuruppiner Klosterkirche vorbereitet, die am Sonnabend eröffnet wird.© Foto: Siegmar Trenkler

Siegmar Trenkler/ 28.05.2020, 16:04 UhrNeuruppin (MOZ) Pater Wichmann ist übers Wasser gegangen. Diese Sage ist wohl jedem Neuruppiner ein Begriff. Auch die Wichmannlinde am Niemöllerplatz dürfte vielen sofort als Stichwort einfallen, wenn es um den Begründer des Klosters in der Fontanestadt geht. Doch darüber hinaus dürfte es ein überschaubarer Kreis an Geschichtsinteressierten sein, die mehr über den Mann wissen. Wer nicht dazu gehört, kann ab Sonnabend in und an der Klosterkirche in Neuruppin mehr über Wichmann erfahren.

Denn dessen Todestag jährt sich am 2. November zum 750. Mal. Das hat die Kirchengemeinde zum Anlass genommen, die Sagengestalt Wichmann, vor allem aber auch das Leben und Wirken des Geistlichen zu beleuchten. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Persönlichkeit hinter den Sagen zum Vorschein zu  bringen“, berichtet Thomas Klemm-Wollny, geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ruppin. „Schließlich war er eine bedeutende geistliche Person seiner Zeit und einer der frühesten Vertreter der deutschen Mystik.“

Armut bevorzugt

Wann genau Wichmann das Licht der Welt erblickte, ist nicht ganz klar. Je nach Quelle wurde er entweder 1180 oder 1185 geboren. Wichmann war der jüngste von fünf Söhnen Walthers III. aus dem Hause der Grafen von Arnstein. 1194 gaben ihn seine Eltern in das Magdeburger Prämonstratenserstift „Unser Lieben Frauen“, wo er 1207 Kanoniker und 1210 Propst wurde. Nach dem Tode des Bischofs Siegfried II. wurde er vom Leitzkauer Kapitel zum Bischof von Brandenburg gewählt. Zwar wurden weder er noch sein vom Brandenburger Konvent aufgestellter Gegenkandidat Ludolf von Schwanebeck von Papst Honorius III. bestätigt. Dennoch wurden Wichmann 1225 als Propst des Magdeburger Prämonstratenserstifts die bischöflichen Insignien verliehen, obwohl er keinen Bischofssitz innehatte. Albrecht I. hatte Wichmann schon 1224 nach Paris entsandt, um die Dominikaner nach Magdeburg zu holen. Von deren Armutsgedanken war Wichmann so sehr beeindruckt, dass er zwischen 1228 und 1229 sein Propstamt niederlegte und dem Orden 1233 selbst beitrat. „Er hatte eine richtig hohe Stellung und hat das aufgegeben für ein Leben als einfacher Mönch“, berichtet Klemm-Wollny. 1246 gründete Wichmann schließlich zusammen mit seinem Bruder Gebhard in Neuruppin das erste Dominikanerkloster zwischen Elbe und Oder. Bis zum Tod war er dessen erster Prior.

All diese Fakten zum Leben des Mannes können Besucher der Ausstellung auf vier Schautafeln nachlesen, die im Inneren der Kirche mit genügend Mindestabstand aufgestellt worden sind. Ergänzt werden sie von vier Bildertafeln sowie Skulpturentwürfen, die Matthias Zágon Hohl-Stein zwischen 2012 und 2019 geschaffen hat. „Ich bin damals über den Parzival zu Wichmann gekommen“, berichtet der Künstler. Daher hatte er auch schnell zugesagt, als es darum ging, ob eine Wichmannskulptur im Kirchenumfeld aufgestellt werden sollte. In der Kirche ist auch ein Wandbild, das Pater Wichmanns Gang übers Wasser zeigt, zu sehen. Dieser Teil von Wichmanns Leben, der Stoff für Sagen war, wird eher außerhalb der Kirche dargestellt. Dort wird es ebenfalls Schautafeln geben. In diesem Bereich werden zum einen fünf Sagen vorgestellt, und zum anderen wird noch einmal ein Kurzabriss des Lebens des Paters gegeben.

Eröffnung wird nachgeholt

„Eigentlich sollte die Ausstellung am Pfingstsamstag mit einer feierlichen Eröffnung starten“, berichtet Klemm-Wollny. Doch die Einschränkungen wegen des Coronavirus machten dem einen Strich durch die Rechnung. Seine Hoffnung ist, die Eröffnung irgendwann im Sommer oder Herbst nachholen zu können. Schließlich war extra eine Komposition in Auftrag gegeben worden: Lothar Graap hatte dafür ein Chorstück aus einem Gedicht von August Kopisch geschaffen. Das wird zwar an diesem Sonnabend nicht wie geplant uraufgeführt. Dennoch können Geschichtsinteressierte ab Sonnabend in der Kirche mehr über Wichmanns Leben und außerhalb mehr zu den Sagen erfahren.

Die Klosterkirche ist immer dienstags bis sonnabends von 10 bis 16.30 Uhr und sonntags von 11 bis 16.30 Uhr geöffnet. Außer an Pfingstmontag ist sie montags geschlossen.

Märkische Oderzeitung, 28.05.2020
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