14.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Warum sechs Prignitzer Kirchen eine ganz neue Bedeutung erhalten

Es ist offiziell: Sechs Kirchen in der Prignitz gehören jetzt zum deutschlandweiten Netz der Radwegekirchen, dass gerade für Radfahrer interessant sein soll. Die erste Probefahrt war bereits ein Erfolg.

Die Sonne scheint noch einmal mit voller Kraft. Das Wetter ist ideal an diesem Wochenende, um eine ausgiebige Radtour zu starten. Doch das allein war nicht der Grund, warum sich mehr als 60 Radler am Samstag aus verschiedenen Richtungen auf den Weg nach Lasslich (Gemeinde Karstädt) machten. Vielmehr erhielten gleich sechs Kirchen den Titel „Radwegekirchen“.

In Laaslich bekamen sechs Kirchen ihren neuen Titel vergeben. Quelle: Julia Redepenning

Radwegekirchen mit einer Sternenfahrt eingeweiht

Passend zum Anlass wurden verschiedene Radtouren organisiert. In Form einer kleinen Sternfahrt sind die Strecken einweiht worden. Die einzelnen Touren starteten an unterschiedlichen Orten. So machten sich Fahrer von Lenzen, Blüthen, Cumlosen und Boberow zur Kirche nach Lasslich auf den Weg, wo alle Radler im Anschluss eine Ansprache mit Musik, einem Lied und einem Gebet lauschten.

Zur Stärkung gab es später Kaffee und Kuchen beim zeitgleich stattfindenden Erntedankfest des Ortes. Neben zahlreichen Mitgliedern des Kirchenkreises Prignitz zählten auch Landrat Torsten Uhe, Kulturstaatssekretär Tobias Dünow, Geschäftsführer des Tourismusverbands Prignitz Mike Laskewitz und Superintendentin Eva-Maria Menard zur Ausflugsrunde. 

Radfahrer sind wichtige Touristen für die Region

„Heute ist ein besonderer Tag“, sagte Eva-Maria Menard. „Es ist eine Ernte, der viel Arbeit voraus ging.“ Doch die immense Zeit, die man für das Projekt aufbringen musste, habe sich aus ihrer Sicht gelohnt. „Ich bin wirklich begeistert, wie viele sich mit uns heute auf den Weg gemacht haben“, sagte sie. 

Landrat Torsten Uhe stimmte der Superintendentin zu. „Die Prignitz ist eine wunderschöne Gegend“, sagte er. „Die Prignitz ist ein Radlerparadies und das gilt es in den nächsten Jahren noch attraktiver zu gestalten.“ 

Landrat Torsten Uhe (am Pult) stieg selbst aufs Rad und fuhr von Lenzen nach Lasslich.

Landrat Torsten Uhe (am Pult) stieg selbst aufs Rad und fuhr von Lenzen nach Lasslich. Quelle: Julia Redepenning

Gerade in Zeiten von Corona beobachtete Torsten Uhe, dass mehr Leute aufs Fahrrad stiegen und so die Region erkundeten. Der Radtourismus spielt innerhalb des Tourismus zunehmend eine wichtige Rolle und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

Kirchen liegen in der Nähe eines Radweges

An den Prignitzer Radwegekirchen kann nun problemlos ein Stopp eingelegt und im Anschluss das jeweilige Gotteshaus besichtig werden. Die sechs Kirchen in Blüthen, Boberow, Cumlosen, Helle, Laaslich und Lenzen haben in den vergangenen Monaten zusätzlich den Titel „Radwegekirche“ erhalten. 

Dabei handelt es sich um offene Kirchen, die direkt an ausgeschilderten Radwanderwegen liegen. Diese sollen von Ostern bis zum Reformationstag geöffnet sein und befinden sich in unmittelbarer Nähe eines Radwanderweges. 

Dabei handelt es sich um den Elberadweg, die Tour Brandenburg und den Elbe-Müritz-Rundweg. Wer an diesen Kirchen vorbei radelt, kann in den kühlen Gemäuern innehalten, kann eintauchen in die sakrale Baukunst oder in einem Gästebuch stöbern, in das sich die Besucher der offenen Kirche eingetragen haben. Gekennzeichnet sind die Radwegekirchen mit einem entsprechenden Schild: Da drauf ist ein schwarzer Radfahrer auf grünen Untergrund und einer weißen Kirche zu sehen. 

Deutschlandweites Netzwerk für Radfahrer

Getragen werden die Radwegekirchen von evangelischen und katholischen Kirchengemeinden. Vor Ort kann es verschiedene Angebote geben wie etwa eine Toilette, Informationen zum Ort und zu Sehenswürdigkeiten der Region. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in den vergangenen Jahren ein deutschlandweites „Netzwerk an Radwegekirchen“ geschaffen.

„Wir brauchen es nicht verheimlichen“, meint Mike Laskewitz, „ländliche Räume haben oft Probleme und da benötigen wir Orte, die offen sind.“ In den Radwegekirchen sieht Mike Laskewitz eine große Chance, die Prignitz und gerade die Dörfer attraktiver zu gestalten.

Der erste Schritt sei an dieser Stelle gemacht, so Laskewitz. Nun wird der beste Platz für das neue Schild gesucht, welches Radfahrer zur offenen Kirche leiten soll. Das Angebot soll vor allem die ansprechen, die sonst nicht den Weg ins Gotteshaus finden. Wie es die Radlern annehmen, wird sich zeigen. 

Von Julia Redepenning

Märkische Allgemeine Zeitung, 14.09.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Laaslich im Pressespiegel
Warum sechs Prignitzer Kirchen eine ganz neue Bedeutung erhalten 14.09.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung