28.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Leben und Wirken Pater Wichmanns in der Neuruppiner Klosterkirche zu erleben

Pater Wichmann ist von Legenden umsponnen. Fakt ist aber auch, dass er mit seinem Bruder Gebhard in Ruppin das erste Dominikanerkloster gründete und damit quasi auch die Stadtentwicklung beförderte. Am 2. November jährt sich zum 750. Mal sein Todestag – Grund genug für eine Ausstellung in der Klosterkirche Neuruppin.

Thomas Klemm-Wollny und Matthias Zágon Hohl-Stein gestalten die Ausstellung über Pater Wichmann in der Neuruppiner Klosterkirche.

Thomas Klemm-Wollny und Matthias Zágon Hohl-Stein gestalten die Ausstellung über Pater Wichmann in der Neuruppiner Klosterkirche. Quelle: Regine Buddeke

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Für Thomas Klemm-Wollny ist eines klar: Wichmann von Arnstein ist für Neuruppin mindestens genauso wichtig wie Fontane und Schinkel. Auch wenn Pater Wichmann nicht in Neuruppin geboren wurde wie die beiden anderen „Söhne der Stadt“, ist er doch als Gründer des Dominikanerklosters in Neuruppin quasi wegbereitend für die Entwicklung der Stadt. „Er ist nicht nur eine sagenhafte Figur sondern auch eine herausragende Persönlichkeit – geistig und geistlich“, erklärt Klemm-Wollny, warum er im 750. Todesjahr des Paters an ihn erinnern will.

Das Feierjahr ist für ihn passend gewählt: Schon weil das Geburtsjahr Wichmann von Arnsteins – um 1185 in Sachsen, heißt es vage im Internet – nicht exakt bekannt ist. Der Tag des Todes ist da schon genauer – Wichmann starb am 2. November 1270 in Neuruppin. 750 Jahre ist das nun her – ein guter Grund, an ihn zu erinnern.

Außenansicht der Klosterkirche in Neuruppin.
Außenansicht der Klosterkirche in Neuruppin. Quelle: Henry Mundt

„Ein Jahr nach dem Fontanejahr und eines vor dem Schinkeljahr – das ist fast wie eine Trilogie“, sagt Klemm-Wollny, der seit drei Jahren im Pfarramt der Kirchengemeinde tätig ist und von Beginn an immer wieder über den legendären Pater Wichmann stolperte – nicht nur der Skulptur im Inneren der Klosterkirche wegen.

„Man kommt an ihm gar nicht vorbei“, so Klemm-Wollny – er finde ihn faszinierend. „Er hat nach 18 Jahren in Magdeburg als Probst – das ist quasi der zweithöchste Würdenträger nach dem Erzbischof – von heute auf morgen allen Würden und Privilegien entsagt, um wieder ein einfacher Mönch zu sein“, erklärt Klemm-Wollny seine Faszination. Wichmann von Arnstein hatte sich zum Armutsideal der Dominikanermönche bekannt, nachdem er diesen Orden auf Geheiß des Erzbischofs von Frankreich nach Deutschland gebracht hatte.

Wichmann von Arnstein gründete Dominikanerkloster in Ruppin

Wichmann war von der Art zu leben der Dominikaner derart angetan, dass er selbst einer wurde und mit seinem Bruder Gebhard aus der Linie der Grafen von Lindow-Ruppin in Neuruppin ein Dominikanerkloster gründete – das erste zwischen Elbe und Oder. Bis zu seinem Tode war Pater Wichmann dort Prior und förderte er nach Kräften den Ausbau der Stadt, errichtete eine Klosterschule und machte so das Kloster zu einem bedeutenden Zentrum des Glaubens und der Lehre.

Panorama-Ansicht von Neuruppin mit Klosterkirche und Ruppiner See – über den soll Pater Wichmann einst gegangen sein.

Panorama-Ansicht von Neuruppin mit Klosterkirche und Ruppiner See – über den soll Pater Wichmann einst gegangen sein. Quelle: Henry Mundt

Leben und Werk des legendären Paters möchte Thomas Klemm-Wollny in einer Ausstellung zeigen. Er hat viele Archive gewälzt, um Bildmaterial zu erhalten. Die acht Schautafeln, die in der Klosterkirche die Stationen des Lebensweges zeigen sollen, sind gedruckt, ebenso die fünf, die im Außengelände zu sehen sein werden und die bekannten Legenden zeigen, die sich um Pater Wichmann ranken: sein sagenhafter Gang über den Ruppiner See etwa, oder die Geschichte des Welses, der auf des Paters Befehl freiwillig in die Pfanne hüpfte.

Entwürfe und Vorstufen zur Pater-Wichmann-Skulptur

Den sachlichen Schautafeln möchte Thomas Klemm-Wollny entgegenstellen, wie andere sich mit dem Thema Pater Wichmann beschäftigen und ist – es liegt auf der Hand – mit Matthias Zágon Hohl-Stein in Kontakt getreten. Die Pater-Wichmann-Statue des Künstlers aus Karwe steht seit einem Jahr in Sichtweite der Klosterkirche – die Aufstellung wurde im Vorfeld von heftigen Diskussionen begleitet, ob und wo der stählerne Pater stehen soll.

Aufstellung der Pater Wichmann-Skulptur 2019.

Aufstellung der Pater Wichmann-Skulptur 2019. Quelle: Reyk Grunow

„Er hat sofort zugesagt und seine begleitenden Entwürfe und das Modell der Skulptur zur Verfügung gestellt“, freut sich Klemm-Wollny – für ihn eine schöner Blickpunkt in der Ausstellung. Für ihn sei der Pater Wichmann „der helfende, offene, gute Geist“ – so beschreibt der Künstler seine künstlerische Sichtweise auf den Pater. „Einige wollten ihn ja damals nicht“, erinnert er sich – aber auch daran, dass viele ihn nach der Aufstellung seiner riesigen Parzivalskulptur am See gefragt hätten, den stählernen Riesen doch Pater Wichmann zu nennen – passend zum Gang auf dem See.

Pater-Wichmann-Skulpturen in der Ausstellung – Vorstufen und Modelle zur eigentlichen Skulptur.

Pater-Wichmann-Skulpturen in der Ausstellung – Vorstufen und Modelle zur eigentlichen Skulptur. Quelle: Regine Buddeke

„Insofern hat das Thema Pater Wichmann seitdem immer in mir geschlummert“, so der Künstler, der nun fünf Skulpturen – aus Holz, Stahl, Sandstein – und ein großes Bild von Neuruppin zur Ausstellung beisteuert.

Auf eine feierliche Eröffnungsveranstaltung muss Thomas Klemm-Wollny in Coronazeiten verzichten. „Ab 30. Mai ist die Ausstellung geöffnet – ohne Festakt.“ Den könne man womöglich im Herbst nachholen, etwa am 2. November, dem Todestag Wichmanns und dem Ende der Ausstellung. Weiterhin sind aber zwei Konzerte geplant. „Wir haben extra einen Kompositionsauftrag an Lothar Graap vergeben“, erklärt Klemm-Wollny. Der habe ein Gedicht über Pater Wichmann zu einem Orgelstück vertont – bei einer Orgelmatinee wird es am 28. Juni um 12 Uhr seine Uraufführung erleben.

Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16.30 Uhr

Am 21. Juni wird es eine Flötenkonzert geben – drinnen oder draußen hängt von den dann geltenden Corona-Regeln ab. „Die Kirche ist ja groß – Abstand kann man da gut halten“, so Klemm-Wollny. Eine Mund-Nase-Maske sei in der Kirche keine Pflicht. Desinfektionsmittel steht am Eingang. „Wir wahren alle Hygienvorschriften“, so Klemm-Wollny, der sich viele neugierige Besucher wünscht: „Auf dass sie später mehr über Pater Wichmann wissen. Nicht nur die Geschichte des alten Mannes, der über den See geht.“

Geöffnet ist die Ausstellung ab dem 30. Mai – immer zu den Öffnungszeiten der Klosterkirche – Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16.30 Uhr.

Von Regine Buddeke

Märkische Allgemeine Zeitung, 28.05.2020
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