21.10.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Mehlsdorf: Kirchensanierung wird teurer und verzögert sich

Pfarrer Michael Seifert ist überzeugt, dass die Dorfkirche mehr ist als ein schönes Gebäude. Nach der Sanierung soll das Gotteshaus zugänglich für alle sein.

Die Lage der Kirche im Ihlower Ortsteil Mehlsdorf ist verzwickt. Ortsunkundige Besucher müssen meist lange suchen, bis sie das auf einem Gartengrundstück in zweiter Reihe versteckte Kirchlein samt Fachwerkturm entdecken. Hinein kommt derzeit niemand, denn das Gotteshaus wird saniert und durch die offenen Seitenwände des ohne Dach dastehenden Turmes pfeift das Oktoberwetter.

Zeitplan kann nicht gehalten werden

Kaum abwarten kann Pfarrer Michael Seifert, der seit drei Jahren von Wahrenbrück aus für die zum Kirchenkreis Elbe-Elster gehörende Gemeinde zuständig ist, das Ende der Gebäudesanierung. Das aus dem ursprünglichen Ziel, bis Ende Oktober fertig zu sein, nichts wird, verrät schon der erste Blick. Ging man bei Planungsbeginn vor sieben Jahren noch von einem eher geringen Arbeitsaufwand aus, trat nach Baubeginn das ganze Ausmaß der Schäden am Dachstuhl des Kirchenschiffs und am Turm zu Tage.

Im Inneren sieht die Kirche derzeit nicht wie eine Kirche aus.

Im Inneren sieht die Kirche derzeit nicht wie eine Kirche aus. Quelle: Uwe Klemens

„680.000 Euro, mit 520.000 das meiste davon aus dem Leader-Programm, waren ursprünglich geplant – aber wahrscheinlich wird das nicht reichen“, blickt der 61-Jährige skeptisch in die Zukunft.

Das zweite Verzwickte an der Kirche bereitet Seifert mindestens genauso viel Sorge. Bei durchschnittlich sechs bis sieben sonntäglichen Gottesdienstbesuchern treibt den Pfarrer die Frage um, wie sich das Gemeindeleben ankurbeln lässt, damit sich die Sanierung wirklich lohnt. Grundsätzlich zeigt sich Seifert dabei auch für neue Ideen offen. Doch seine Ideen, die Kirche ständig für Besucher offenzuhalten und sie als Skater-Kirche und für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen, stößt in der Gemeinde vor Ort kaum auf Befürworter. Lediglich für den Vorschlag, Mehlsdorf ins Netzwerk „Kirchenstraße Elbe-Elster“ einzubinden, zu dessen Initiatoren Seifert gehört und zu dem derzeit bereits 50 Gotteshäuser gehören, gibt es vorsichtige Zustimmung. Doch das Projekt sei insgesamt „noch nicht in den Gemeinden angekommen ist“, wie Seifert sagt.

Verständigung muss bald erfolgen

„Wir müssen uns darüber verständigen, worin das Besondere der Mehlsdorfer Kirche liegt und womit wir sie für andere Besucher, vor allem jüngere Menschen, interessant machen können“, sagt der Theologe. Seine Sorge ist, dass es zwar irgendwann ein hübsches und gut saniertes Kirchengebäude gibt, aber niemanden, der es mit Leben erfüllt. „Den Mehlsdorfern nur wieder ihre ,Gute Stube’ herzurichten, reicht nicht“, ist Seifert überzeugt.

Auch die vor 125 Jahren gebaute und immer noch spielbare Orgel sieht der Pfarrer als Pfund, mit dem gewuchert werden könnte. Seine Idee, das Instrument von seinem Schattendasein auf der Empore zu erlösen, wohin sie erst später kam, und wieder gut sichtbar im Kirchenschiff zu platzieren und für Konzerte zu nutzen, stößt in der Gemeinde auf wenig Gegenliebe.

Pfarrer Michael Seifert ist derzeit zwar im Freisemester, er schaut aber dennoch immer mal nach dem Fortschritt der Sanierung.

Pfarrer Michael Seifert ist derzeit zwar im Freisemester, er schaut aber dennoch immer mal nach dem Fortschritt der Sanierung. Quelle: Uwe Klemens

Spätestens bis zum nächsten Jahr müssten für Veränderungen dieser Art die Weichen gestellt werden. Doch die Abstimmung zwischen Gemeindekirchenrat und Pfarrer ist derzeit blockiert, weil es wegen Corona schon lange keine Zusammenkünfte mehr gibt. Obwohl sich Seifert derzeit in einem Freisemester befindet, will er Mitte November ein Treffen organisieren, bei dem er der Gemeinde seine Vertretung vorstellen und auch über das Konzept zur Kirchennutzung sprechen will.

Besinnung aufs eigene Potential

Ebenfalls auf der Tagesordnung steht dann die Gestaltung der Advents- und Weihnachtsgottesdienste. Dass die Mehlsdorfer Kirche bis dahin fertig und nutzbar ist, glaubt Seifert nicht. „Ich selbst würde es hierher auch nicht schaffen, denn ich muss zeitgleich acht Kirchen betreuen und kann mich nicht zerreißen“, sagt der Pfarrer. Er hofft darauf, dass sich die Gemeinde auf ihr Potenzial besinnt und selbst eine Andacht organisiert.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.10.2020
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