23.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Moschütz-Orgel in Schlenzer soll wieder spielbar werden

Kirchen und Orgeln sind ein Stück Kulturgut und haben auch eine soziale Komponente, sagt Pfarrer Joachim Boekels. Dass Schlenzers Orgel nun saniert wird, ist dem Engagement vieler zu verdanken.

Die Vorfreude bei den Kirchgängern und Musikliebhabern in Schlenzer ist riesengroß. Ein Jahr, wenn alles gut geht, müssen sie sich noch gedulden, bis ihre betagte „Königin“ auf der Empore des in den zurückliegenden Jahren umfassend sanierten Gotteshauses wieder mit strahlendem Klang ihre Besucher empfängt. Die für die Sanierung der Orgel benötigte Summe in Höhe von 120.000 Euro haben sie zu vier Fünfteln bereits zusammen.

Löwenanteil kommt vom Bund

Der Löwenanteil davon in Höhe von 75.000 Euro stammt aus dem Denkmalschutzprogramm 2020 des Bundes. Zu den damit verknüpften Auflagen gehört, dass dieselbe Summe noch einmal gemeinsam von Land, Kommune, Eigentümer und durch Bürgerengagement aufgebracht werden muss, was bis auf die derzeit noch fehlende Summe von etwa 30.000 Euro in Schlenzer bereits gelang. 

Mit 16.800 Euro beteiligen sich auch die VR Bank Fläming und die VR-Bank-Stiftung an dem Projekt. Mehr als 10.000 Euro Spenden sammelte Einwohnerin Veronika Walser von ihren Nachbarn. „Praktisch jeder Haushalt hat sich beteiligt und wenn jemand „nein“ sagte, was sehr selten war, geschah auch das im freundlichen Ton“, erzählt die 67-Jährige, die vor neun Jahren nach Schlenzer zog und davon schwärmt, während der Sammlung nun endlich auch die Schlenzeraner kennengelernt zu haben, die sie bisher noch nicht kannte.

Dem Doppelmanual auf der Empore ist anzusehen, dass die Orgel dringend saniert werden muss. Quelle: Uwe Klemens

Begeistert vom Eifer der Einwohner, die ihrem Ort wegen seiner Lage den Beinamen „Bergdorf“ gaben, ist nicht nur Kreiskantor Peter-Michael Seifried, sondern auch Pfarrer Joachim Boekels. „Unsere Kirchen und Orgeln sind ein Stück Kultur und haben als Treffpunkt für Menschen auch eine soziale Komponente“, so Boekels. Das Interesse der Einwohner, sowie das Engagement von Veronika Walser und Susanne Scheding, die derzeit eine Organisten-Ausbildung absolvieren, um später die Orgel regelmäßig zum Klingen zu bringen, nennt der Pfarrer als wichtige Voraussetzung für die Sinnhaftigkeit der Orgel-Sanierung.

„Ein denkmalwürdiges Örgelchen“

Überzeugt, dass sich das lohnt, ist auch Kreiskantor Peter-Michael Seifried. Denn das 1866 vom viel gepriesenen, Herzberger Orgelbauer Moschütz errichtete Instrument ist mit seinen etwa 800 bis 900 Pfeifen das größte erhaltene seiner Instrumente und wegen seines Umfangs an Stimmungen „ein wirklich denkmalwürdiges Örgelchen“, schwärmt Seifried. Anfang der 70er Jahre erklang sie zum letzten Mal und geriet, vermutlich wegen zunehmender Schäden, in Vergessenheit, der sie nun entrissen werden soll. Bereits im Herbst soll die Sanierung beginnen. Die Wiedereinweihung ist für Sommer 2021 geplant. 

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine Zeitung, 23.05.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Schlenzer im Pressespiegel
Moschütz-Orgel in Schlenzer soll wieder spielbar werden 23.05.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung