26.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Neuruppiner Dreiklang – Konzert zum Fontane-Jahr

Kompositionen Ferdinand Möhrings und Vertonungen von Fontane-Gedichten erklangen am Sonntagabend in der Neuruppiner Klosterkirche. Der Einladung der Möhring-Gesellschaft und der Kantorei waren rund 300 Besucher gefolgt.

Die Ruppiner Kantorei singt in der Neuruppiner Klosterkirche. Quelle: Cornelia Felsch



Theodor Fontane, Karl Friedrich Schinkel und Ferdinand Möhring – drei große Söhne des Ruppiner Landes. Das kreative Trio stand am Sonntagabend unter dem Motto „Neuruppiner Dreiklang“ im Mittelpunkt eines Konzerts – veranstaltet wurde es gemeinsam von der Ferdinand-Möhring-Gesellschaft und der Ruppiner Kantorei unter der Leitung von Kantor Matthias Noack.

Rund 300 Besucher erlebten in der Neuruppiner Klosterkirche die Aufführung von Motetten und Liedern Ferdinand Möhrings sowie vertonter Gedichte von Theodor Fontane unter dem von Karl Friedrich Schinkel gefassten Altar. Auf den Neuruppiner Architekten gehen auch die Ausmahlung sowie die große Rosette über der Eingangstür der Kirche zurück.

„Ohne das Schaffen Karl Friedrich Schinkels könnten wir heute wohl nicht dieses Konzert hier genießen“, sagte Gemeindepädagoge Thomas Klemm-Wollny, der an diesem Tag die Moderation des Konzerts übernahm, das im Rahmen des Fontanejahres auch an zwei andere große Söhne der Stadt erinnern sollte. 1819 wurde Fontane in Neuruppin geboren, der Komponist, Kirchenmusiker und Chorleiter Ferdinand Möhring kam 1816 in Alt Ruppin zur Welt – sie waren Zeitgenossen.

Möhring war Königlicher Musikdirektor

„Heute erklingen acht Chorsätze des Komponisten“, sagte die Musikwissenschaftlerin und Vorsitzende der Ferdinand-Möhring-Gesellschaft, Ulrike Liedtke, am Sonntag in ihrem Grußwort. „Diese sind noch auf keiner CD zu finden. Sie einzustudieren war sicher mit viel Arbeit verbunden“, sagte sie und dankte der Kantorei. „Ich wünsche dem Chor, dass diese Musik noch oft zur Aufführung kommt.“

Rund 120 Kompositionen Möhrings sind überliefert. „Vielleicht wurden aber noch gar nicht alle gefunden“, vermutet die Musikwissenschaftlerin. Möhring galt musikalisch als hochbegabt. Bereits als Zehnjähriger vertrat er den Kantor an der Alt Ruppiner Orgel. Später studierte er in Berlin an der Akademie der Künste Kirchenmusik und arbeitete dann in Saarbrücken als Organist.

Die Ruppiner Kantorei singt Werke von Möhring und vertonte Gedichte von Fontane. Quelle: Cornelia Felsch


1840 wurde er zum Königlichen Musikdirektor ernannt. Fünf Jahre später erfolgte seine Berufung zum Organisten der Neuruppiner Pfarrkirche, wo Fontane am 27. Januar 1820 getauft wurde. Am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium arbeitete Möhring als Musiklehrer. Bis 1874 leitete er als Musikdirektor den Männergesangverein Alt Ruppin, der seit 1904 den Namen seines langjährigen Leiters trägt.

„Ferdinand Möhring ist der Gründungsvater des Chorgesanges“, sagte Ulrike Liedtke zu Beginn des Konzerts, das die Kantorei mit seiner Motette „Frohlocket, ihr Völker“ eröffnete. Mit drei vertonten Gedichten Fontanes tauchten die Sänger in die Klangwelt des Komponisten Manfred Schlenkers ein, der 1926 in Berlin geboren wurde.

Begeisterter Beifall für die Sänger

Still, friedlich und romantisch wurde es dann mit zwei Möhring-Liedern für Männerchor, die mit vielen einfühlsamen Worten den Wald und die Heimkehr besingen. „Heute würde die Beschreibung ,voll krasses Grün’ vermutlich ausreichen“, sagte Thomas Klemm-Wollny. Es folgten Orgel-Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy und Josef Gabriel Rheinberger.

Die Kantorei mit ihrem Männerchor überzeugte bei diesem nahezu mühelos bewältigten Programm, das durchaus seine Tücken hatte. Kantor Matthias Noack hatte ein gut durchdachtes Programm zusammengestellt. Für die überzeugende Interpretation gab es reichen Beifall.

Von Cornelia Felsch

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.08.2019
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Neuruppiner Dreiklang – Konzert zum Fontane-Jahr 26.08.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung